Was ist das für ein Schiff, das tagelang still vor Heiligendamm steht?

Wann immer man von Heiligendamm, aber auch Wittenbeck, Kühlungsborn, Börgerende und Nienhagen auf die Ostsee blickt, hebt sich am Horizont deutlich ein Schiff hervor. Vorn ganz groß, hinten völlig flach und: Es bewegt sich nicht. Manchmal sucht man es vergebens, dann ist es plötzlich wieder da und scheinbar „schaut“ es zum Strand. Ist das die Wasserschutzpolizei oder gar die Marine? Hat es was mit dem Baltic Reef vor Nienhagen zu tun oder mit Nordstream? Ein Fall für die FAQ:

Zunächst: Das Baltic Reef gibt es wirklich. Vor Nienhagen wurden Betonteile ins Wasser gelassen, um ein künstliches Riff zu schaffen, um dieses dann zu erforschen. 2010 versenkte man 220 Betonkegel und 720 Tetrapoden, um 18.000 Quadratmeter Oberfläche für Algen, Muscheln und Wassertiere zu schaffen. Korallen gibt es ja in der Ostsee nicht. Man wollte das Wanderverhalten der Fische, vor allem aber die Schaffung neuer Nahrungsquellen für Fische erforschen. Die Forschung dauerte bis 2012 an und dann sollte die Station nachgenutzt werden. Es sollte eine gläserne Forschungsstation in Form eines Seesterns entstehen, auch von einer Seilbahn dorthin war die Rede. Die Politik in Nienhagen war dagegen und so blieb es beim Riff ohne Forschung. Das Schiff hat jedenfalls nichts damit zu tun.

Andere Leute erzählen, das Schiff führe Vermessungen oder auch Messungen durch und das im Zusammenhang mit Nordstream. Die Erdölpipeline aus Russland, die Europa in Zukunft mit Öl versorgen soll und deshalb den Amerikanern ein Dorn im Auge ist, endet auf Rügen in Sassnitz, genauer gesagt im Hafen Mukran. Das ist ganz im Osten des Landes. Fakt ist, dass es mal ein Vermessungsschiff vor Heiligendamm gegeben hat, aber nicht für Nordstream. Es wurden Windenergievorrangsgebiete ausgemessen – also potenzielle Standorte für Windparks auf der Ostsee. Die sind aber seit 2014 vom Tisch – zumindest vor Heiligendamm. Aktuell plant man Sandabbaugebiete in diesem Bereich, aber dafür gibt es noch keine Vermessungen.

 

Meistens ist es die BALTIC

Nun ist es einigen Leuten mit Fernglas und anderen mit Schiffsstandortkarte schon gelungen, den Namen des Schiffes vor Heiligendamm auszumachen. Es ist die BALTIC. Nicht zu verwechseln mit dem Fahrgastschiff MS BALTICA, das zwischen Kühlungsborn, Warnemünde, Graal-Müritz und Grömitz pendet. Die BALTIC ist ein Schlepper und zwar bei Inbetriebnahme 2010 der kräftigste Schlepper in Deutschland. Aber was macht so ein Schlepper vor Heiligendamm?

Die BALTIC liegt an der Kadettrinne vor Anker, um im Notfall auszurücken. Mit ihren speziellen Ausstattungen und ihren Schleppeinrichtungen sind Schlepper dieser Art besonders geeignet, einen Havaristen gegen Wind, Strom und Wellen solange zu halten und vor einer drohenden Strandung zu bewahren, bis z.B. ein Bergungsschlepper vor Ort ist. Außer der BALTIC verrichten auch die FAIRPLAY 25 und das Mehrzweckschiff ARKONA diesen Dienst. Die Schiffe unterstehen dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Stralsund.

Die BALTIC löste die FAIRPLAY-26 ab und wurde am 30. August 2010 vor Anker gelegt und am 24. September 2010 für das Notschlepperkonzept gechartert. Sie hat rund um die Uhr acht Mann Besatzung: Kapitän, nautischer Offizier und je zwei technische Offiziere, Schiffsmechaniker und Matrosen. Der erste Einsatz war der Brand der Fähre LISCO GLORIA am 8. Oktober 2010 vor Fehmarn.

Es gibt aber an ähnlicher und für den Betrachter scheinbar gleicher Position auch mal andere Schiffe, die so langsam fahren, dass man denkt, sie stehen. Da war dann wirklich mal ein Verlegungsschiff für Nordstream dabei oder die Wasserschutzpolizei. Auf dem Foto ganz oben sehen Sie z.B. ein Verlegeschiff, das aber dort nichts verlegte.

Eine Live-Karte der Schiffsbewegungen in der Ostsee gibt es hier:

https://www.marinetraffic.com/en/ais/home/centerx:12.0/centery:54.3/zoom:10

 

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