MV macht auf: Tagestourismus wirklich ab 4. September wieder erlaubt

Wie erwartet öffnet Mecklenburg-Vorpommern ab September wieder für Tagestouristen. Auch Familienbesuche sind wieder uneingeschränkt möglich. Discotheken und Clubs dürfen öffnen und Märkte stattfinden.

 

Lockdown im März betraf den ganzen Norden

Fast ein halbes Jahr sperrte Mecklenburg-Vorpommern seine Landesgrenzen für Tagesgäste: Für touristische Verkehre im Land gesperrt“ informierten weiße Schilder direkt hinter den Wappenschildern an den Straßen an der Landesgrenze. In Schwerin tat man damit Ende März das, was auch die Landesregierungen in Kiel und Hannover und die Senate von Hamburg und Bremen taten.

Der Norden machte komplett dicht – damals nicht nur für Tagesgäste, sondern für alle Touristen. Nur wer in den Ländern arbeitete, lernte, studierte oder seine Kernfamilie besuchte, durfte rein. Unschöne Szenen folgten: In MV wurden Autos mit auswärtigen Kennzeichen zum Ziel von bösen Zetteln, aber auch vermeintliche Urlauber selbst denunziert und in Niedersachsen holte die Polizei Verweigerer von den Inseln. Das alles hat etwas hinterlassen. Aber es hat den Norden auch vereint. Die Verantwortung als Urlaubsdestination war größer als das Gewinnstreben. Zumindest am Anfang.

 

Mecklenburg-Vorpommern setzte auf Vorsicht

Zu Pfingsten machten alle wieder auf. Ab 18. Mai durften Touristen wieder nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Aber auch hier gab es Ausnahmen. Die Inseln und Halligen und die Touristenhochburgen Büsum und St. Peter-Ording durften nur Übernachtungsgäste aufnehmen und viele Anbieter vermieteten nicht unter 5 oder gar 10 Tagen.  

In Mecklenburg-Vorpommern öffnete man an diesem Tag nur für Übernachtungsgäste. Allerdings nur mit 60% Belegung.Für viele Häuser war das nicht rentabel und sie ließen lieber die Türen zu, als sich in den Ruin zu wirtschaften. Tagesgäste aus dem eigenen Land durften sich ohnehin in MV frei bewegen, aber alle anderen Tagesgäste mussten draußen bleiben.

 

Schleswig-Holstein hatte das Nachsehen

Da Mecklenburg-Vorpommern Urlaubsland Nummer eins ist, konnten viele ihren Urlaub nicht antreten. Folglich buchten die Leute woanders und überrannten Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Als dann der Sommer in Fahrt kam, brannte dort nicht nur die Sonne, sondern auch die Luft: Autokolonnen wälzten sich gen Norden, verstopften die Straßen, ließen die Infrastruktur kollabieren und letztlich mussten wieder Beamte ausrücken, um die Orte zu schließen und alle, die nicht mehr rein passten, zurückzuschicken. Die Ordnungsbehörden bekamen es mit Anarchie zu tun: Es wurde wild geparkt, weil die Orte einfach überfüllt waren. Abstand war kaum einzuhalten und das schlug sich auch in den Infektionszahlen nieder.

 

Druck auf MV wuchs

In MV sah man das mit einer gewissen Selbstbestätigung, denn genau diese Touristenmassen wollte man nicht haben, um nachher am Krankenbett nicht entscheiden zu müssen, wer das Beatmungsgerät bekommt: Der Einheimische oder der Tourist. Allerdings war der Super-GAU im Nordwesten auch die Folge des Lockdowns im Nordosten. Die Touristen von vorher drei großen Bundesländern quetschten sich nun in zwei. Die Vermieter störte das weniger, doch es hagelte Kritik über die Elbe, denn die Politik bekam den Unmut ihrer Kommunen zu spüren. Der Schuldige war schnell gefunden: Hätte MV nicht…. Und darum kritisierte man in Kiel die Kollegen aus Schwerin. Dort blieb man hart: Die Zahlen sind nur so niedrig, weil MV so gehandelt hat. Die logische Konsequenz wäre nicht, dass MV sich weiter öffnet, sondern dass SH sich wieder weiter schließt. Nur so bekämpft man Pandemien.

Klar war aber auch, dass man irgendwann wieder hochfahren musste. Die Tourismusverbände drängten darauf, denn nicht nur der Tagestourismus machte Pause, sondern auch Discotheken, Clubs, Schausteller und die ganze Welt der Kunst und Kultur. Die Landesregierung arbeitete von vornherein mit Verbänden aus Tourismus und Wirtschaft zusammen und entwickelte gemeinsam ein Konzept. Darum gibt es den MV-Plan, der die Schritte aufzeigt. Tagestourismus lag da weit hinten. Nur Bordelle lagen noch weiter hinten.

 

Öffnung nach Plan

Der MV-Plan hat aber keine Datumsangaben. Es ist ein Wenn-Dann-Plan und Richtwert ist das Infektionsgeschehen. Unterkünfte durften schon ab Juli wieder voll öffnen, Gaststätten, Kultur – mit einem Hygienekonzept ging fast alles wieder, auch in MV. Das Land ließ prüfen, wie sich Corona auf Kinder auswirkt. Da Kinder anders als bei der Grippe bei Corona keine Superspreader sind und die Zahl der Infektionen bei Kindern gering ist, öffnete MV die Schulen wieder und zwar im Regelbetrieb. Damit preschte der Nordosten sogar ganz nach vorn – als erstes Bundesland. Allerdings wurde drei Tage nach Öffnung noch eine Vorsichtsmaßnahme nachgelegt: Die Schüler ab der 5. Klasse müssen einen Mund-Nasenschutz tragen. Mindestens im Unterricht, je nach Schule und Hygienekonzept auch in den Pausen oder in den Gängen und generell auch im Schulbus, da in ÖPNV allgemein Maskenpflicht gilt.

Die KITAs und Schulen hatten Priorität. Da die Kinder aber vier Monate wie in Quarantäne lebten, waren die Zahlen allein kein Garant. Mit der Öffnung der KITAs und Schulen hätte die Infektionszahl rapide ansteigen können. Erst wenn die Bildung gut läuft, sollte der Tagestourismus erlaubt werden. Es hätte auch nichts gebracht, wenn durch die Schulöffnungen massenhaft Eltern infiziert worden wären. Dann hätten Arbeitskräfte gefehlt oder wären Touristen angesteckt worden.

 

Weiter keine Gäste aus Risikogebieten

Nach wie vor dürfen keinerlei Gäste aus Risikogebieten nach MV kommen. Bei Übernachtungsgästen prüfen das die Gastgeber, bei Tagesgästen eher Kommissar Zufall. Das Kfz-Kennzeichen bleibt aber ein Indiz und Kontrollen sind zu erwarten. Angereiste Gäste aus Risikogebieten werden zurückgeschickt. Wenn Sie glauben, dass Ihr Landkreis so ein Risikogebiet ist, fragen Sie vor der Einreise nach:

Die Rufnummer 0385-588 11311 steht von Montag bis Freitag zur Verfügung. Wird die Haupteinwahl durch den Anrufer gewählt, kann über ein Zahlenmenü das relevante Thema ausgewählt und zum zuständigen Ministerium durchgestellt werden.

 

Warum Tagesgäste so lange warten mussten

Tagesgäste kommen einfach und überall rein. Sie kommen, gucken und fahren wieder. Man kann keine Listen führen, Infektionsketten nicht nachvollziehen. Tagesgäste sind ein Risiko und das bleiben sie auch nach der Öffnung. Tagesgäste aus Risikogebieten dürfen nicht einreisen, aber das wird sich genauso schlecht kontrollieren lassen, wie das bisherige Einreiseverbot für alle Tagesgäste. Manch einer hat gebucht, storniert und dann die Buchungsbestätigung vorgezeigt, viele sind aber auch einfach unbehelligt ins Land gekommen. Die Bevölkerung in MV sah darin eine Schwäche der Landesregierung: Verordnungen erlassen und dann nicht durchsetzen können zeugt nicht gerade von Stärke. Insgesamt standen sie aber hinter den Corona-Maßnahmen aus Schwerin und damit in breiter Front den Tagesgästen entgegen. Dank Facebook & Co. hielt sich die Aufregung darüber aber in digitalen Grenzen und wurden keine Gäste angegangen. Zumindest wurde davon nichts publik.

In der Pressekonferenz nannte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ein paar Zahlen, die verdeutlichen, warum der Tagestourismus erst oder auch gerade jetzt zugelassen wird.

Im August zählte man 380.000 Übernachtungsgäste, im September werden es erfahrungsgemäß 300.000 und im Oktober 230.000 sein. Die Zahlen sinken also pro Monat um 80.000 und pendeln sich dann abgesehen von Feiertagen auf einen festen Wert ein.

Dadurch entsteht gegenüber den Sommermonaten eine Lücke, die durch die Tagesgäste gefüllt werden kann. Im September werden 50.000-78.000 Tagesgäste erwartet und im Oktober 30.000-50.000. Natürlich bleibt die Lücke von März bis September unwiederbringlich offen, auch in den Kassen.

Die Tagesgäste sind auch keine Lückenfüller im abwertenden Sinne. Im Gegenteil: Sie bringen ein Stück Normalität zurück. So, wie die Nebensaison 2020/21 wird, so war es in der Nebensaison immer gewesen. Die Touristiker erreichen jetzt wieder die normalen 300.000+50.000 Gäste. Vielleicht sind am Ende sogar mehr da, weil es einen Run an Tagesgästen gibt, vielleicht sind die Herbst- und Winterferien besser ausgebucht als vor Corona, weil die Leute ihren Urlaub noch nicht aufgebraucht haben und nicht in den warmen Süden fahren. Die Übernachtungsgäste gehören dann aber zu den „Nachvollziehbaren“. Und es bleibt ja bei AHA – Abstand, Hygiene, Alltagsmaske.  

Nun dürfen ab 4. September also die Tagesgäste wieder nach Mecklenburg-Vorpommern. Aber es gibt auch noch weitere Lockerungen:

 

Familienbesuche wieder uneingeschränkt möglich

Bisher durfte man seine Familie nur besuchen, wenn es sich um die Kernfamilie handelte. Zu Hochzeiten und Trauerfeiern waren Ausnahmen möglich, aber sonst durfte man seine Vettern nur besuchen, wenn man eine Übernachtung nachweisen konnte. Und zwar eine gewerbliche bei einem echten Vermieter. Viele Fernbeziehungen wurden jäh unterbrochen und konnten nur digital geführt werden. Freunde konnten nicht zur Einschulung kommen, wenn sie in anderen Bundesländern wohnten und in den Pflege- und Altenheimen sahen die Alten immer nur dieselben Gesichter – erst nur eines, dann wenigstens drei. Das ist im Prinzip auch geblieben, aber nun dürfen auch wieder Familienmitglieder oder Freunde aus anderen Bundesländern zu Besuch kommen.

Die Ministerpräsidentin warnte aber erneut: Familien und Freunde bedeuten Nähe und darum sind Hygiene und Schutz umso wichtiger. Zwei besonders spektakuläre Familienfeiern mit jeweils über hundert Personen in Quarantäne geben ihr Recht. Zwar sind nun alle Hürden gefallen, aber das Land hält die Zügel weiter in der Hand und wird sie wieder fester anziehen, wenn Feiern zu Infektionsherden werden.

 

Discotheken und Clubs dürfen öffnen

Wirtschaftsminister Harry Glawe hatte am Dienstag auch noch eine gute Nachricht. Clubs und Discotheken haben eine Schankgenehmigung, leitete er ein. Die Schlussfolgerung „und sind daher wie Restaurants und Kneipen zu behandeln“ musste man sich selbst denken. Die rechtliche Grundlage für die weitere Schließung von Clubs und Discotheken ist nicht so eindeutig. Was sich aber verbieten lässt, ist verboten: Keine Livemusik, kein Tanz und viel Abstand. Volle Auslastung geht da natürlich nicht und wäre auch nicht erlaubt. Letztlich entscheiden das die Gesundheitsämter, denen die Discothekenbetreiber ihr Konzept vorlegen müssen.

 

Kino mit Konzept

Kinos und Theater dürfen wieder öffnen, müssen sich aber für ein Modell entscheiden: Entweder 1,50 Meter Abstand in den Sitzreihen und Gängen und dafür keine Maskenpflicht, aber weniger Besucher oder Abstand auf je einen Sitz verringern, dafür Maskenpflicht, aber die Chance auf volles Haus. Auf das Modell muss am Eingang hingewiesen werden.

 

Märkte möglich

Jahrmärkte, Herbstmärkte, Adventsmärkte und Weihnachtsmärkte sollen stattfinden dürfen, wenn die Betreiber ein funktionierendes Hygieneschutzkonzept vorweisen können.

 

Zum Schluss:

Seit März 2020 gibt es das Corona-Spezial auf ERSTES-SEEBAD.DE. Der letzte Eintrag sollte die Wiederfreigabe des Tagestourismus sein. Ich freue mich, diese Mitteilung nun endlich machen zu können und heiße Sie herzlich willkommen! Da wir alle ahnen, dass Corona noch nicht vorbei ist, werde ich das Spezial weiterführen, wenn es neue relevante Informationen betreffend Bad Doberan-Heiligendamm und MV gibt. Bleiben Sie gesund!

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