Bad Doberan hat gewählt: Das JA! gewinnt. Die große Wahl-Analyse 2019.

War das eine Legislaturperiode! Ein Kommen und Gehen, ein Auflösen und Vereinen, ein Diskutieren und Boykottieren. Jetzt waren Wahlen und das wurde auch Zeit. Viele Doberaner haben sich auf den Weg zur Wahlurne gemacht und wenn nicht, dann haben sie per Brief gewählt. Mit 56,1% war die Wahlbeteiligung deutlich und zweistellig höher, als bei der letzten Gemeindewahl und die Anzahl der Kandidaten und Gruppen auch. Es kann nur 25 geben und nur einer wird die Wahl gewinnen. Wer wird das sein in der langjährigen SPD-Hochburg Bad Doberan? Die SPD? Die LINKE? Die CDU? Nein – gar keine der großen Volksparteien hat das Rennen gemacht. Der Gewinner ist JA! – die Bürgermeisterliste Jochen Arenz. Aber eigentlich gibt es ganz viele Gewinner. Eine Analyse.

 

Die Wahlbeteiligung

Wie immer beim Zusammentreffen von Kommunalwahlen mit einer großen Wahl, war die Wahlbeteiligung befriedigend. Von 10.406 Wahlberechtigten haben 5.834 ihre Stimmen abgegeben – macht 56,1% Wahlbeteiligung. Zum Vergleich: 2013 waren es 9.855 Wahlberechtigte und davon gingen nur 35,76% zur Wahl.

 

Die Wahlergebnisse in Prozent

Quelle: Stadt Bad Doberan

Die beliebteste Darstellung ist die in Prozenten. Hier liegt die Bürgermeisterliste Jochen Arenz (JA!) ganz klar vorn. Mit 15,7 % überholt sie sogar die CDU um 0,5% und liegt im Ranking ganz vorn.

Die CDU macht mit 15,4% den zweiten Platz. Die LINKE landet mit 12,9% auf den dritten Platz und das erst eine Woche vor Ende der Bewerbungsfrist gegründete Bündnis FÜR DOBERAN schrammt mit 12,3% knapp am dritten Platz vorbei und liegt auf Platz vier. Sonst wäre außer der CDU gar keine „etablierte“ Volkspartei mehr auf dem Siegertreppchen zu finden. Die SPD schafft es mit 11,7% nämlich nur noch auf Platz fünf.

Ab Platz sechs wird es einstellig: Die Unabhängige Doberaner Initiative (UDI) kann nur noch 7,9% der Stimmen auf sich vereinigen und landet auf Platz sechs. Mit 5,5% zieht das Bündnis für Bürger (BfB) an siebter Stelle und mit 4,1% Jugend, Umwelt und Sport (JUS) auf Platz acht neu ins Rathaus ein. 

Platz neun macht die ebenfalls neue Gruppe Aktiv für Mensch und Umwelt (AMU) mit 3,2% und auf Platz zehn und elf landen mit je 2,7% der Bürgerbund und die Freien Wähler. Nummer zwölf ist Kurort und Seeheilbad Status (KUSS) mit 2,3% und die dreizehn besetzt der Tourismusbund mit 1,7%. Der Einzelbewerber Nikolaos Theodorou erreicht 1,3% der Stimmen und Thomas Gipp 0,8%.

 

Gewinne und Verluste

SPD: -3,21%

Bei der letzten Gemeindewahl im Jahr 2013 hieß der Sieger noch SPD. Seit 2004 ist Bad Doberan eine SPD-Hochburg, stellte von 1996 (kommissarisch) bis 2004 (offizielle Wahl) und dann bis 2012 den Bürgermeister. Wie an vielen Stellen in Deutschland ist diese Burg nun gefallen – erfreulicherweise aber nicht an eine radikale Partei, sondern an eine Wählergruppe, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Bürgermeister zu unterstützen. Von 14,91 auf 11,7% ist die SPD abgestürzt. Das macht zwar nur 3,21%, kostet den Sozialdemokraten aber einen ganzen Sitz.

DIE LINKE: -1,46%

Auch die LINKE musste Federn lassen: Von 14,36% stürzte sie um 1,46% auf 12,9% ab.

UDI: -5,08%

Den dritten Platz machte 2013 die Unabhängige Doberaner Initiative (UDI) mit 12,98%. Sie verlor ganze 5,08% und rutscht mit 7,9% um drei Plätze nach unten. Die viertstärkste Kraft war 2013 der Einzelkandidat Jochen Arenz mit 12,98%. Er ist inzwischen Bürgermeister, sodass seine Wählerstimmen sich 2019 auf andere Leute verteilten.

CDU: +3,58%

Die CDU landete 2013 noch mit 11,82% hinter Arenz. Jetzt hat sie um 3,58% zugelegt und landet mit 15,4% knapp auf Platz zwei.

BÜRGERBUND: -8,49%

Der Bürgerbund hingegen stürzte von 11,19% um 8,49% auf 2,7% ab.

TOURISMUSBUND: -4,67%

Quasi halb so heftig hat es den Tourismusbund erwischt. Von 6,37% sank das Bündnis in der Wählergunst um 4,67% auf 1,7%.

Diesmal nicht angetreten sind außer Jochen Arenz die FDP (damals 4,61%), die NPD (3,49%), das HGP (6,85%) und die Rentner (1,36%). Es sind also rechnerisch 28,35% der Stimmen frei geworden – praktisch aber nicht, weil es 2019 mehr Sitze als 2013 gibt. Weil Jochen Arenz 2013 drei Sitze zugestanden hätten, wurde die Zahl der Sitze reduziert. Außerdem gab es 2013 noch bedeutend weniger Wähler – seitdem ist Bad Doberan gewachsen.

 

Sitzverteilung und Sitzbelegung

Quelle: Stadt Bad Doberan

 

Die meisten Sitze haben die Bürgermeisterliste (JA!) und die CDU. Beide stellen jeweils vier Stadtvertreter. Für die erstmals angetretene Liste ist es ein Start von Null auf Vier – die CDU hingegen verbessert sich gegenüber 2013 um einen Sitz.

Die LINKE behält ihre drei Sitze in der Stadtvertreterversammlung. Die SPD hingegen verliert einen Sitz und hat nun nur noch drei, statt vier Sitze. Ebenfalls drei Sitze belegt die neue Gruppe FÜR DOBERAN.

Die Unabhängige Doberaner Initiative (UDI) verliert einen Sitz und hat nur noch zwei statt drei Sitze. Auch die „Muttergruppe“ Bürgerbund (BB) verliert – allerdings gleich zwei der drei Sitze. Der Bürgerbund hat nur noch einen Stadtvertreter und damit keine Fraktion mehr. Das ist gegenüber dem letzten Stand allerdings keine Änderung: Nachdem Karin Schwede und Ulrich Ludwig 2014 die Bürgerbund-Fraktion verlassen und als unabhängige Stadtvertreter weiter gemacht haben, stellte der Bürgerbund nur noch einen Stadtvertreter und bildete keine Fraktion mehr.

Aktiv für Mensch und Umwelt (AMU) zieht mit einem Sitz neu ins Stadtparlament ein und auch das Bündnis für Bürger (BfB) ist erstmals mit einem Sitz vertreten. Auch Jugend-Umwelt-Sport (JUS) ist erstmals mit einem Sitz präsent und ebenso Kurort und Seeheilbad Status (KUSS) mit einem Sitz. Die Freien Wähler erlangten ebenfalls bei der ersten Kandidatur einen Sitz im Rathaus.

Der Tourismusbund verliert seine beiden Sitze und ist nicht mehr im Parlament vertreten. Die Einzelbewerber Gipp und Theodorou schafften es nicht in das Stadtparlament.

Die FDP hatte 2013 einen Sitz, die NPD ebenso und das HGP stellte zwei Stadtvertreter. Diese Gruppen traten 2019 nicht mehr an. Auch die rechnerischen drei Sitze, die Jochen Arenz bekommen hätte (er bekam einen und die anderen beiden entfielen) sind nicht mehr vertreten. Die Stadtvertreterversammlung hat jetzt wieder 25 Personen, statt der 2013 beschlossenen 23.

 

Das sind die neuen Stadtvertreter:

CDU

Für die CDU zieht Caroline Brandt wieder in das Rathaus ein. Neu, aber schon früher einmal Stadtvertreterin gewesen, ist die Justizministerin Katy Hoffmeister und ganz neu der ehemalige Bauhof-Chef Hans-Joachim Krüger und der Schlosser und Feuerwehrmann Wolfgang Scheil. Nicht mehr mit dabei sind Joachim Seehaus und Stephan Krauleidis. Beide sind nicht mehr angetreten.

DIE LINKE

Für die LINKE ziehen Monika Schneider, Gerlinde Heimann und Nico Arndt wieder in die Stadtvertretung ein. Sie waren auch schon in der vorherigen Legislaturperiode die drei LINKE-Stadtvertreter.

SPD

Für die SPD ziehen ebenfalls die alten Stadtvertreter wieder ein: Hartmut Polzin, Birgit Mersjann und Gebhard Zeug. Burkhard Scheffler ist nicht mehr dabei, weil die SPD den Sitz verloren hat.

BÜRGER FÜR BÜRGER (BFB)

Die Stadtvertreterin Karin Schwede darf auch in dieser Legislaturperiode mitbestimmen. 2013 kam sie noch für den Bürgerbund ins Stadtparlament, verließ aber nach einem Jahr die Fraktion und zieht nun für das Bündnis Bürger für Bürger wieder ins Rathaus ein.

AKTIV FÜR MENSCH UND UMWELT (AMU)

Für Aktiv für Mensch und Umwelt wird Carsten Großmann der erste und vorerst einzige Stadtvertreter.

BÜRGERBUND (BB)

Für den Bürgerbund wird die Frontfrau und Mitbegründerin Heike Ohde die einzige Stadtvertreterin. Sie war in der vorherigen Legislaturperiode keine Stadtvertreterin, aber in vorherigen. 2013 zogen Karin Schwede, Ulrich Ludwig und Alfred Mielke für den Bürgerbund ins Rathaus ein, Mielke schied aus natürlichen Gründen aus, Beatrice Ehrler rückte nach, Schwede und Ulrich verließen nach einem Streit die Fraktion, sodass Ehrler zuletzt die einzige Bürgerbund-Stadtvertreterin war. Sie stand auch diesmal an zweiter Stelle mit auf der Liste, aber die viertplatzierte Heike Ohde erreichte mehr Stimmen und wird nun die nach wie vor einzige Stadtvertreterin für den Bürgerbund, weil er zwei Sitze verloren hat.

FÜR DOBERAN

Die neue Gruppe FÜR DOBERAN schickt Torsten Schellin, Detlef Wegner und Claudia Timm ins Stadtparlament. Die einzige Frau in der Gruppe hatte zwar den letzten Listenplatz, erreichte aber mehr Stimmen, als der Drittplatzierte. (sh. Weiter unten – Analyse nach Gruppen).

FREIE WÄHLER (FW)

Auch erstmals mit dabei ist die Partei Freie Wähler. Den ergatterten Sitz besetzt Dr. Hans-Dieter Kleine, der mehr Stimmen, als der erstplatzierte Paul Martin Lösche auf sich vereinte.

BÜRGERMEISTERLISTE (JA!)

Die Siegergruppe JA! – also die Bürgermeisterliste Jochen Arenz – stellt die neuen Stadtvertreter Tim Schwanbeck, Carolin Lubetzki, Marcus Fourmont und Andreas Markgraf. Bis auf Fourmont entspricht das ungefähr der Platzierung auf der Liste.

JUGEND-UMWELT-SPORT (JUS)

Für Jugend Umwelt Sport (JUS) zieht Andreas Jahncke ins Rathaus ein. Er zog bereits 2013 für die Gruppe Handwerk und Gewerbe Plus ins Rathaus ein, aber diese Gruppe löste sich auf und Jahncke fand in JUS eine neue politische Heimat.

KURORT UND SEEHEILBAD STATUS (KUSS)

Ein ähnlicher Fall ist Harry Klink, der 2013 für die FDP ins Stadtparlament zog, aber zuerst sein Mandat niederlegte und dann die FDP verließ. Nun zieht er für die Gruppe Kurort und Seeheilbad Status (KUSS) wieder ins Stadtparlament ein.

UNABHÄNGIGE DOBERANER INITIATIVE (UDI)

Für die Unabhängige Doberaner Initiative (UDI) sitzt nur Hannes Roggelin ein weiteres Mal im Stadtparlament. Zu ihm gesellt sich Dr. Alexandra Lex. Für ihren Mann Guido Lex haben weder die Sitze, noch die Stimmen gereicht – er scheidet aus. Auch nicht mehr dabei ist Prof. Dr. Thomas Römhild, weil Dr. Lex mehr Stimmen als er bekam.

 

Diese Stadtvertreter sind draußen:

Wie schon erwähnt, sind Stephan Krauleidis und Joachim Seehaus (CDU), Burkhard Scheffler (SPD), Ulrich Ludwig und Alfred Mielke bzw. Nachrückerin Beatrice Ehrler (Bürgerbund), Thomas Römhild und Guido Lex (UDI) nicht mehr mit dabei. Ebenfalls ab 2019 nicht mehr vertreten sind Dirk Susemihl (damals NPD – jetzt für BfB angetreten), Herbert Baor (damals HGP – nicht mehr angetreten), Tillmann Hahn und Tom Wosar bzw. Nachrücker Heinz-Jürgen Beuter (Tourismusbund – keine Sitze) und Jochen Arenz, da er inzwischen Bürgermeister ist.

An Wählergruppen nicht mehr dabei sind die FDP und NPD, da sie nicht kandidiert gaben, das HGP, weil es sich aufgelöst hat und der Tourismusbund, weil er nicht mehr genug Stimmen bekam.

 

Diese Kandidaten haben es nicht geschafft:

Die beiden Einzelbewerber Thomas Gipp und Nikolaos Theodorou bekamen nicht genug Stimmen und bekommen keine Sitze.

Der Tourismusbund erhielt nicht genug Stimmen, sodass die beiden derzeitigen Stadtvertreter und Wiederbewerber Tillmann Hahn und Dr. Heinz-Jürgen Beuter ausscheiden.

Von den Listen-Kandidaten haben es die folgenden Bewerber nicht in die Stadtvertretung geschafft:

CDU

Magdalena Edner, Dr. Angelika Rosenfeld, Mario Derer, Susann Meyer, Sandra Tode, Thomas Brüdgam, Dr. Arnim Beduhn, Adolf Friedrich Wigger, Peter Sähn, Thomas Scheel und Ralf Scheiner

DIE LINKE

Reinhard Firzlaff, Marcel Scholtz, Marion Loch, Ronny Schimmler und Holm Dietz

SPD

Burkhard Scheffler, Dieter Rotscheidt, Uwe Schenk, Friederike Wolfgramm und Henning Becker

AKTIV FÜR MENSCH UND UMWELT (AMU)

Torsten Jentzen, Barbara Fourmont, Katja Lönnies und Torsten Peine

BÜRGER FÜR BÜRGER (BfB)

Dirk Susemihl, Miriam Boelter, Wolfgang Hensel, Rolf Peuker und Ursula Kühl

BÜRGERBUND (BB)

Heinz Keuer, Beatrice Ehrler, Hannes Meyer, Heinz Hoinkis, Helge Rehwaldt und Gerda von Hof

FREIE WÄHLER (FW)

Paul Martin Lösche und Michael Kall

FÜR DOBERAN

Bastian Strahlmann, Ingo Krüger, Marko Harder, Gert Schöll und Ralf Binning

BÜRGERMEISTERLISTE JOCHEN ARENZ (JA!)

Torsten Dunkelmann, Annet Verhorevoort, Ralf Warmuth und Thomas Milster

JUGEND-UMWELT-SPORT (JUS)

Toni Beyer, Stefan Grammann, Annekathrin Sternberg, Joachim Susa, Klaus Düsing und Anne Meyer

KURORT UND SEEHEILBAD STATUS (KUSS)

Manfred Wiesner, Karin Westendorf, Adelheid Kunas, Andrea Wosar-Launert, Bob Kamke und Dr. Heidrun Köpke

UNABHÄNGIGE DOBERANER INITIATIVE (UDI)

Prof. Dr. Thomas Römhild, Niklas Stübe, Guido Lex, Ann-Marlen Steller und Franz Berndt

 

Analyse nach Parteien: Wer gewinnt wo und wer gegen wen?

CDU

Die CDU punktete in Heiligendamm und Vorder Bollhagen. Im Wahllokal in der MEDIAN-Klinik erzielte sie 17,4%. Dasselbe Ergebnis konnte sie auf dem Kammerhof in der KITA „Uns Windroos“ einfahren. Am wenigsten Stimmen bekam die CDU mit 13,9% auf dem Buchenberg in der Grundschule. Bemerkenswert ist, dass die CDU zwar auf dem Kammerhof in der KITA 17,4%, aber im selben Wohngebiet im Johanniterhaus nur 14,0% (den zweitschlechtesten Wert) hatte. Auch auf dem Buchenberg gibt es diese Teilung: Nur 13,9% der Stimmen gab es in der Grundschule, aber doch 14,1% in der Regionalschule und sogar 15,6% in der KITA Buchenbergzwerge. Im Gymnasium kam die CDU auf 14,6% und in der Regionalschule am anderen Ende der Straße 15,1% und nebenan in der Grundschule 14,3%. 2013 hatte die CDU im Johanniterhaus das schlechteste Ergebnis und der Einrichtungsleiter Jochen Arenz das beste. Nun in das Johanniterhaus an die vorletzte Stelle gerückt.

Die meisten der 2.584 Stimmen bekam die Spitzenkandidatin Caroline Brandt. Sie liegt mit 668 Stimmen ein gutes Stück vor Katy Hoffmeister mit 438 Stimmen. Hans-Joachim Krüger wurde 357 mal gewählt und Wolfgang Scheil 262 mal. Die CDU-Liste wurde vom Wähler ordentlich durcheinander gewürfelt: Nach Caroline Brandt standen Magdalena Edner und Dr. Angelika Rosenfeld. Hans-Joachim Krüger zog von Platz 4 auf Platz 3, Wolfgang Scheil von Platz 7 auf Platz 4 und Katy Hoffmeister gar vom letzten Platz 15 auf Platz 2.

 

DIE LINKE

Die LINKE hat ihre Wähler traditionell in den demografisch betagten Wohngebieten auf dem Buchenberg und Kammerhof. 19,5% erreichte sie in der Grundschule Buchenberg, 16,9% bei den Buchenberg-Zwergen und 16,1% im Johanniterhaus auf dem Kammerhof. In der MEDIAN-Klinik konnte sie noch 12,5% und in der KITA auf dem Kammerhof 12,3% erzielen. Nur einstellige Ergebnisse gab es in der Regionalschule am Kamp (9,8%) und – das schlechteste Ergebnis – 7,4% nebenan in der Lessing-Grundschule. Gegenüber 2013 hat DIE LINKE in Heiligendamm Boden gut machen können. Damals erzielte sie dort das zweitschlechteste Ergebnis, während Heiligendamm heute auf Platz vier liegt. Damals hatte die Partei in der Regionalen Schule am Kamp das schlechteste Ergebnis – dort konnte sie nun einen Platz nach oben rutschen. Allerdings gab es damals die Lessingschule nebenan noch nicht als eigenes Wahllokal, sodass man beide zusammen genommen keine Änderung beim Schlusslicht errechnen kann.

Die 2.151 Stimmen für die LINKE verteilen sich recht gleichmäßig: 552 Stimmen bekam Monika Schneider, 547 Stimmen Gerlinde Heimann und 524 der „Nachwuchs-Linke“ Nico Arndt. Eigentlich war Gerlinde Heimann die Viertplatzierte, zog aber an Reinhard Firzlaff vorbei.

 

SPD

Die SPD schnitt mit jeweils 13,8% in der Grundschule Buchenberg und in der ev. Freikirche am Althöfer Weg ab. Nur einstellig waren die Zahlen in den beiden Schulen am Kamp (je 9,1%) und in Heiligendamm, wo die SPD nur 8% einfuhr. So war es 2013 auch, nur mit etwas anderer Reihenfolge.

Die SPD erhielt 1.956 Stimmen und ihr Star ist mit 1.024 Stimmen klar der Ex-Bürgermeister Hartmut Polzin. Birgit Mersjann bekam 348 Kreuze und Gebhard Zeug 217. Somit ziehen die SPD-Stadtvertreter genau so ein, wie sie auf der Liste sortiert waren.

 

AKTIV FÜR MENSCH UND UMWELT (AMU)

Aktiv für Mensch und Umwelt (AMU) hat am Kamp (4,9%) und Buchenberg (4,7%) die meisten Kreuze bekommen. Auch im Innenstadtbereich konnte die neue Gruppe punkten (3,0 – 3,3%). In Heiligendamm erreichte sie noch 2,8% und in der KITA auf dem Buchenberg 2,6%. In der Grundschule auf dem Buchenberg schaffte sie 2,5%, im Johanniterhaus und der Kammerhof-KITA nur je 2,2% und am Althöfer Weg hatte sie mit 2,0% das schlechteste Ergebnis.

Von den 540 Stimmen für AMU bekam allein 232 der Spitzenkandidat Carsten Großmann und damit gehört der einzige Sitz ihm.

 

BÜRGER FÜR BÜRGER (BFB)

Das Bündnis Bürger für Bürger (BfB) hat am Kamp mit 9,0% in der Regionalschule und 7,0% in der Lessingschule die besten Ergebnisse, An dritter Stelle liegt mit 6,3% Heiligendamm und am Althöfer Weg, in der Stadt und im Johanniterhaus blieb sie um die 5%. Auf dem Buchenberg in der Grundschule und auf den Kammerhof in der KITA gab es nur 4,8% und 4,5% und in der Buchenbergschule mit 3,0% das schlechteste Ergebnis.

Von den 927 Stimmen für BfB entfallen 458 auf Karin Schwede. Damit ist die Listenplatzerste auch die künftige Stadtvertreterin.

 

BÜRGERBUND (BB)

Der Bürgerbund scheint immer noch als Ein-Themen-Partei wahrgenommen zu werden: Ganze 8,0% erzielt er in Heiligendamm, aber dann geht es auch gleich hinab auf 3,9% in der Kammerhof-KITA, 3,5% in der Lessingschule und 3,1% im Gymnasium. Noch tiefer geht es mit 2,2% in der Regionalschule am Kamp, 2,1% im Johanniterhaus, 1,6% in der Buchenberg-Grundschule und – das schlechteste „schlechteste Ergebnis“ aller Gruppen – 0,7% in der Buchenberg-KITA. Auch 2013 hatte der Bürgerbund in Heiligendamm das beste Ergebnis – damals allerdings noch 14,72% (bei weniger Wahlbezirken). Damals verlor er im Johanniterhaus gegen Jochen Arenz – heute hat er dort nur das viertschlechteste Ergebnis. Die Buchenberg-KITA belegte 2013 den vorletzten Platz.

Von den 444 Stimmen für den Bürgerbund gingen zwar nur 106 an Heike Ohde, aber da der Bürgerbund nur einen Sitz bekommt und sie in der Liste die meisten Stimmen hat, wird sie Bürgerbund-Stadtvertreterin.

 

FÜR DOBERAN

FÜR DOBERAN kennt einstellig nur aus der Kammerhof-KITA und selbst da ist das schlechteste Ergebnis von 9,6% noch mehr, als manch anderes bestes Ergebnis. Besonders viel Zuspruch gab es am Buchenberg, wo FÜR DOBERAN in der Schule 14,8%und in der KITA 13,8% einfuhr. Unterbrochen vom Gymnasium mit 13,8% geht es auf dem Buchenberg in der Grundschule mit 13,1% weiter. In der Innenstadt erreichte die von Händlern dominierte Gruppe 12,9% in der Lessingschule, jeweils 12% in der Kampschule und am Althöfer Weg. In Heiligendamm wählten 11,1% FÜR DOBERAN und im Johanniterhaus 10,7%.

Von den 2.051 Stimmen konnte Torsten Schellin 514 für sich gewinnen. Detlef Wegner erhielt 411 Stimmen und Claudia Timm 405. Schellin und Wegner standen auch in dieser Reihenfolge auf der Liste. Auf dem dritten Platz stand Bastian Strahlmann, der aber nicht so bekannt ist, wie die Listenletzte Claudia Timm, die von Platz 8 auf Platz 3 rückte.

 

FREIE WÄHLER

Die FREIEN WÄHLER schnitten in den beiden großen Wohngebieten am besten ab. 4,2% gab es in der Buchenberg-KITA, 4% im Johanniterhaus auf dem Kammerhof und 3,7% in der Buchenberg-Regionalschule. Am Althöfer Weg erlangten die Freien Wählr 3,6% und in Heiligendamm 3,5%. In der Kammerhof-KITA gab es 3,4%, in der Buchenberg-Grundschule 2,6% und in der Kamp-Schule 1,9%. Nebenan in der Lessingschule waren es nur noch 1,3% und im Gymnasium hatten die Freien Wähler mit 1,1% ihr schlechtestes Ergebnis.

Von den 447 Stimmen entfielen 184 auf Dr. Hans-Dieter Kleine, der damit den Spitzenkandidaten Paul Martin Lösche verdrängt. Da es nur einen Sitz für die Freien Wähler gibt, wird Kleine der erste Doberaner Stadtvertreter der in Bayern entstandenen Partei.

 

JA – BÜRGERMEISTERLISTE

Der Wahlsieger JA! – BÜRGERMEISTERLISTE JOCHEN ARENZ – kennt keine einstelligen Zahlen. Das schlechteste Ergebnis lautet 12,2% und kommt aus der MEDIAN-Klinik. Auch in der Buchenberg-KITA gab es „nur“ 12,4% und in der Kampschule 13,3%. Im Gymnasium wählten 14,6% die Bürgermeisterliste, in der Buchenberg-Grundschule 15,6% und in der Freikirche am Althöfer Weg 16,9%. In der Buchenberg-Regionalschule gab es 17,5%. Ganze 18% gab es in der Lessinggrundschule und die besten Ergebnisse auf dem Kammerhof (19,5% im Johanniterhaus und 22% in der Kammerhof-KITA.

Die Gruppe JA! Erhielt 2.625 Stimmen. Davon entfielen 779 auf den Spitzenkandidaten Tim Schwanbeck, 628 auf Carolin Lubetzki, 348 auf Marcus Fourmont und 278 auf Andreas Markgraf. In der Liste standen Markgrad und Lubetzki hinter Schwanbeck, lediglich Fourmont hat es von Platz 7 dazwischen geschafft und somit Thorsten Dunkelmann von Platz 4 verdrängt.

 

JUGEND-UMWELT-SPORT (JUS)

JUGEND, UMWELT UND SPORT (JUS) erreichte die meisten Wähler in der Lessingschule (6,5%). Auch im Gymnasium (5,7%) und in der Kammerhof-KITA (5%) konnte sie punkten. In der KITA „Buchenbergzwerge“ schnitt sie mit 1,9% am schlechtesten ab und in Heiligendamm gab es mit 2,1% das zweitschlechteste Ergebnis. Ansonsten liegt JUS mit 2,4% bis 4,3% im Mittelfeld.

JUS erhielt 680 Stimmen, wovon 311 allein Andreas Jahncke bekam. Da JUS nur einen Sitz hat, wird der Spitzenkandidat auch neuer alter Stadtvertreter.

 

KURORT UND SEEHEILBAD STATUS (KUSS)

KURORT UND SEEHEILBAD STATUS (KUSS) hat in der Buchenberg-Schule die meisten Wähler (4,9%), gefolgt von der Buchenberg-Grundschule (3,5%). In der Buchenberg-KITA hingegen fährt sie mit 1,5% das zweitschlechteste Ergebnis ein, gefolgt von der Kammerhof-KITA mit 1,2%. In Heiligendamm stimmten 2,1% für KUSS, ansonsten lag sie im Mittelfeld zwischen 1,7% und 3,2%.

KUSS wurde 379 mal angekreuzt. Davon gingen 158 Kreuze an den Spitzenkandidaten Harry Klink, der somit auch der KUSS-Stadtvertreter wird.

 

TOURISMUSBUND (TB)

Der TOURISMUSBUND erreichte in Heiligendamm sein bestes Ergebnis (3,1%). Auch in der Kamp-Schule (2,2%) und Buchenberg-Schule (2,1%) blieb die Zahl zwei vorn, aber in allen anderen Wahlbezirken lag er nur bei 1,2% bis 1,9%. Das schlechteste Ergebnis hatte der Tourismusbund am Althöfer Weg. Der Tourismusbund hat es seit 2013 geschafft, Heiligendamm vom letzten auf den ersten Platz zu holen.  

Keiner der Kandidaten des Tourismusbundes konnte so viele Stimmen erreichen, dass es für einen Sitz reichte. Der Tourismusbund ist daher nicht mehr in der Stadtvertreterversammlung vertreten.

 

UNABHÄNGIGE DOBERANER INITIATIVE (UDI)

Die UNABHÄNGIGE DOBERANER INITIATIVE (UDI) hatte nicht in Heiligendamm die meisten Stimmen, sondern im Gymnasium (10,3%) Auch in der Lessingschule (10,2%) und Kampschule (10,1%) blieb sie zweistellig. In Heiligendamm erreichte sie 9,8%, in der Buchenberg-KITA 9%, in der Freikirche 7,4% und in der Buchenberg-Schule 6%. In der Kammerhof-KITA und Buchenberg-Grundschule gab es nur noch 4,8% und im Johanniterhaus mit 4,6% das schlechteste Ergebnis. 2013 hatte die UDI noch in Heiligendamm die besten Werte und in der Buchenberg-KITA die wenigsten Wähler.

Von den 1.319 Stimmen konnte allein der im letzten Jahr als Bürgermeisterkandidat angetretene Stadtvertreter Hannes Roggelin 603 Stimmen auf sich vereinigen. Dr. Alexandra Lex bekam 248 Stimmen und für mehr Sitze hat es nicht gereicht.

 

THOMAS GIPP

Der Einzelbewerber THOMAS GIPP hatte am Kamp mit 1,5% das beste Ergebnis, blieb sonst bei 0,3 bis 0,8% und schnitt in den Grundschulen auf dem Buchenberg und am Kamp mit je 0,2% am schlechtesten ab. 0,2% war auch das schlechteste Ergebnis aller Listen – also auch schlechter, als der Bürgerbund. Damit zieht er nicht in die Stadtvertretung ein.

 

NIKOLAOS THEODOROU

Der Einzelbewerber NIKOLAOS THEODOROU erzielte in der Regionalschule 3,3%, schaffte auch die Lessing-Grundschule (2,1%), das Gymnasium (1,5%) und das Johanniterhaus (1,0%) im Über-Null-Bereich, konnte aber ansonsten nur zwischen 0,5% und 0,8% der Stimmen erzielen. Das schlechteste Ergebnis hatte der gebürtige Grieche in der Buchenberg-KITA mit 0,5%. Auch er wird kein Stadtvertreter.

 

Wo sind welche Hochburgen?

In einer Stadt macht es nicht so viel Sinn, den verschiedenen Stadtgebieten die Farben der Parteien zu geben, die dort am meisten Stimmen bekamen. Trotzdem soll ein kleiner Überblick möglich sein, der zeigt, wie die Doberaner in den verschiedenen Wohngegenden „ticken“.

Linksrot-Schwarz auf dem Buchenberg

In der KITA Buchenbergzwerge war die LINKE mit 16,9% die meistgewählte Partei und auch in der Grundschule Buchenberg lag die LINKE mit 19,5% ganz vorn.

In der Regionalschule Buchenberg hingegen gewann die Bürgermeisterliste (JA) mit 17,5% und kam die LINKE nur auf den fünften Platz.

Schwarz in Innenstadt und Heiligendamm

In der Regionalschule am Kamp lag die CDU mit 15,1% ganz vorn und auch in Heiligendamm schaffte sie mit 17,4% den ersten Platz.

Der Rest ist orange

In der evangelischen-freikirchlichen Gemeinde am Althöfer Weg war die Bürgermeisterliste (JA) die stärkste Kraft. Auch in der Lessingschule schaffte sie mit 18% und in der KITA Kammerhof mit 22% den ersten Platz. Ebenso gewann sie im Johanniterhaus mit 19,5%

Im Gymnasium lagen die Bürgermeisterliste (JA) und die CDU mit jeweils 14,6% gleichauf.

 

Stichwort: Briefwahl

Es gab diesmal 10 Briefwahlbezirke, aufgeteilt in 1-5 und 6-10. Die Bezirke 1-5 hatten 726 Wähler und 2.109 Stimmen und die Bezirke 6-10 hatten 613 Wähler und 1.818 Stimmen. Zusammen waren es also 1.339 Briefwähler, die 3.927 Kreuze machten.

Das sind die Prozente bei den Briefwahlen (Bezirke 1-5 + 6-10 = Gesamt)

CDU 15,7% + 18,2% = 33,9%
LINKE 15,1% + 11,6% = 26,7%
JA! 10,5% + 14,7% = 25,2%
SPD 13,8% + 11,3% = 25,1%
FÜR DOBERAN 12,2% + 10,6% = 22,8%
UDI 9,0% + 8,9% = 17,9 %
JUS 4,1% + 3,4% = 7,5%
sonstige: 0,3% bis 1,8% + 0,9% bis 3,2% = 2,1% bis 4,1%

Das zeigt, dass die „etablierten“ Parteien eine große Briefwählerschaft haben und auch die Wähler der neuen Gruppen ihre Stimmabgabe nicht verpassen wollten. Von 5.384 Wählern haben sich 1.339 für die Briefwahl entschieden – das sind 24%.

 

Ein wenig Statistik

Statistiken müssen nicht langweilig sein. Es gibt ein paar interessante Fakten:

Wer hat die meisten Stimmen und wer die wenigsten?

Der meistgewählte neue Stadtvertreter ist der ehemalige Bürgermeister Hartmut Polzin. Er bekam auf der SPD-Liste 1.024 Stimmen – mit Abstand die meisten. Das heißt: Rund 6% der 16.730 Stimmen entfielen auf Polzin.

Nummer zwei ist Tim Schwanbeck von der Bürgermeisterliste mit 779 Stimmen und Platz drei belegt Caroline Brandt mit 668 Stimmen. Mehr hat bisher nur einer erreicht: Jochen Arenz mit 1.248 von 10.362 Stimmen (12,04%) im Jahr 2013.

Die Stadtvertreterin mit den wenigsten Wählern ist Heike Ohde mit 106 Stimmen, also 0,63%. Gefolgt wird sie von Harry Klink hat mit 158 Stimmen und Dr. Hans-Dieter Kleine mit 184 Stimmen. 2013 war das Schlusslicht Gebhard Zeug mit 89 Stimmen.

Aber natürlich haben 70 Bewerber, die es gar nicht erst in die Stadtvertreterversammlung geschafft haben, allesamt noch weniger Stimmen erzielt.

 

Wer ist der jüngste und wer der älteste Stadtvertreter?

Den jüngsten Stadtvertreter hat die LINKE. Nico Arndt ist oder wird 27 Jahre alt. Die älteste Stadtvertreterin heißt Gerlinde Heimann, kommt aus derselben Partei und ist oder wird 78 Jahre alt. Die LINKE stellt also sowohl den jüngsten, als auch die älteste Stadtvertreter/in.

 

Welches ist die jüngste und welches die älteste Fraktion?

Ganz klar ist die Bürgermeisterliste (JA!) die Fraktion mit den jüngsten Mitgliedern. Tim Schwanbeck ist oder wird 36 Jahre alt, Carolin Lubetzki 35 Jahre, Markus Fourmont 43 Jahre und Andreas Markgraf 46 Jahre. Das macht einen Durchschnitt von 40,5 Jahren.

Die Fraktion mit den ältesten Mitgliedern ist die SPD. Gebhard Zeug ist oder wird 72 Jahre alt, Hartmut Polzin 62 Jahre und Birgit Mersjann 58 Jahre. Der Durchschnitt liegt also bei 64 Jahren.Karin Schwede ist oder wird ein Jahr älter – sie bildet aber allein keine Fraktion. Diese Zahlen können sich auch noch ändern, wenn die fraktionslosen Stadtvertreter sich zusammen- oder anderen Fraktionen anschließen.

 

Wie alt ist die Stadtvertreterversammlung im Durchschnitt?

Nimmt man alle Alter zusammen, kommt man auf 1334 Jahre. Dividiert durch die Anzahl der Menschen ergibt sich ein Durchschnittsalter aller Stadtvertreter von 53,36 Jahren.

 

Gewinner und Verlierer

Wer vorn ist, hat gewonnen. Das ist nach Prozenten die Bürgermeisterliste Jochen Arenz (JA!) und mit ihren vier Sitzen ist sie so stark, wie sonst auch die stärkste Kraft im Doberaner Stadtparlament. Auch die CDU hat vier Sitze und prozentual den Wahlsieg nach Zahlen nur knapp verpasst. Schaut man sich aber an, wie tief die CDU seit ihrem Bruch vor einem Jahrzehnt gefallen ist, muss man resümieren, dass diese Wahl für sie ein großer Gewinn war.

Das kann die SPD nicht von sich sagen und darüber mag auch nicht hinwegtäuschen, dass sie den Stadtvertreter mit den meisten Stimmen hat. Die SPD hat ihre Hochburg vollends verloren. Da in der Stadt aber nur Mehrheiten und keine Koalitionen nötig sind, bleibt sie ein begehrter Partner und eine verlässliche Größe. Letztlich leidet die Volkspartei auch unter der großen Politik und der allgemeinen SPD-Verdrossenheit, gegen die auch lokale Politiker nichts bewirken. Aber die Gemeindewahl ist auch eine Personenwahl und da hatten andere einfach die besseren Kandidaten.

Eine gleichbleibende Größe ist die LINKE. Keine andere Gruppe hat so wenig Veränderungen zu verzeichnen. Nach wie vor stellt sie drei Stadtvertreter – dieselben, wie 2013. Ob es nun Stetigkeit oder Unbeweglichkeit ist, wird sich zeigen. Immerhin hat die als Altkaderpartei verschriene Linke in Bad Doberan ein Nachwendekind als Nachwuchs.

Gewinner sind natürlich auch alle, die es das erste Mal in die Stadtvertretung geschafft haben – oder erneut, aber unter anderer Flagge. FÜR DOBERAN ist der große Sieger gleich nach JA!. Drei Sitze auf Anhieb für eine Gruppe, die sich erst Tage vor Bewerbungsschluss zur Kandidatur entschlossen hat. Auch AKTIV FÜR MENSCH UND UMWELT (AMU), BÜRGER FÜR BÜRGER (BfB), JUGEND, UMWELT UND SPORT (JUS), KURORT UND SEEHEILBAD STATUS (KUSS) und FREIE WÄHLER (FW) sind die Gewinner dieser Wahl, denn sie erreichten auf Anhieb Sitze im Rathaus.

The biggest loser ist der Tourismusbund, weil er komplett „raus fliegt“ und auch der Bürgerbund mit zwei Sitzen Verlust ist ein Verlierer. Faktisch aber nicht, denn nach den Auflösungserscheinungen der letzten Jahre hatte er zuletzt ohnehin nur einen Sitz und der ist ihm geblieben. Der Ableger UDI kommt mit einem blauen Auge davon. Einen Sitz verliert er, aber zwei Stadtvertreter bleiben.

Insgesamt war es auch eine Personenwahl – das darf man nicht vergessen. Da wurde Hartmut Polzin gewählt – jeder kennt ihn. Da wurde geschaut, wenn man denn so kennt. Karin Schwede und Harry Klink sind oft in der Zeitung, Carsten Großmann und Torsten Schellin sind als große Kritiker bekannt. Detlef Wegner vom EDEKA, Claudia Timm vom Schuhhaus, Andreas Jahncke vom Sportverein, Achim Krüger vom Bauhof, Wolfgang Scheil vom Feuerwehrverein – das sind Leute, die man kennt. Und die Namen Tim Schwanbeck, Andreas Markgraf und Carolin Lubetzki hat man auch schon mal gehört. Auch das macht das Wahlergebnis aus, aber natürlich auch das Wahlprogramm der jeweiligen Kandidaten.

Und hier gab es wenig Streitthemen und viele Gemeinsamkeiten. Es war fast schon egal, wen man wählt – man hätte den Wahlzettel auch wie einen Lottoschein ausfüllen können. Diese Wahl war eine große Auswahl an verschiedenen Zutaten zu einer Suppe, die gut werden kann, auch wenn viele Köche daran arbeiten.

Diese Wahl zeigt auch: Was die Großen da oben machen, ist zweitrangig. Hier geht es um uns, unsere Stadt und unsere Zukunft. Hier geht es um ganz alltägliche Bedürfnisse, wie ordentliche Straßen und Fußwege, gute Radwege, mehr Stadtgrün, ein besseres Lebensumfeld und mehr Transparenz in der Verwaltung. Die Bürger wollen Ruhe statt Stillstand, sie wollen Sacharbeit, statt Dauerstreit. Wer jetzt noch Anti-Heiligendamm-Thesen im Wahlprogramm hatte, konnte damit bestenfalls noch in Heiligendamm bei ein paar Gleichgesinnten punkten, verlor aber im Rest der Stadt – bis hin zu ganzen Sitzen.

In dieser Wahl ging es darum, den Spirit, der seit dem Wahlsieg von Jochen Arenz als neuen Bürgermeister in der Stadt ist, zu nutzen – die Leute auf die Sache loszulassen, denen man zutraut, dass sie es können oder wenigstens nichts kaputt machen. Und es war auch eine Bürgermeister-Helfer-Wahl. Es ging darum, dem neuen Bürgermeister die Leute an die Seite zu stellen, die ihn unterstützen, statt ihn wie seine Vorgänger zu torpedieren.

 Der große Gewinner dieser Stadtvertreterwahlen ist nämlich der Bürgermeister Jochen Arenz. „Seine“ Liste hat es auf den ersten Platz geschafft: Vier von acht Kandidaten, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, den Bürgermeister bei seiner Arbeit zu unterstützen – einfach so, ohne dass Jochen Arenz sie danach gefragt hätte. Auch die drei Stadtvertreter von FÜR DOBERAN dürfen dazu gezählt werden, denn sie kommen aus der vom damals noch als Stadtvertreter aktiven Jochen Arenz initiierten Gemeinschaft WIR SIND DOBERAN und wollen mit allen Fraktionen zusammenarbeiten. Mit Karin Schwede ist eine Mitstreiterin des jetzigen Bürgermeisters wieder ins Rathaus eingezogen und auch Carsten Großmann ist dem Bürgermeister gegenüber positiv eingestellt. Gute Zusammenarbeit ist von CDU und SPD zu erwarten, sodass es nur wenige Stadtvertreter gibt, die sich mit dem Bürgermeister nicht gut können. Darum ist der eigentliche Gewinner dieser Wahl der Bürgermeister und damit auch die Stadt.

 

 

Kommentar: Es kann nur besser werden!

Ich war diesmal in der glücklichen Lage, lokalpolitisch nur drei Kreuze für vier Kandidaten und eines für oder gegen den Bürgermeisterkandidaten machen zu müssen. Seit 2012 wohne ich in Hohenfelde, durfte also weder den Bürgermeister, noch die Stadtvertreter wählen. Glücklich bin ich deshalb darüber, weil es mir anders als bei der Bürgermeisterwahl bei der Gemeindewahl unendlich schwergefallen wäre, mit den drei Kreuzen auszukommen. Da sind so viele gute Leute auf den Listen, von denen ich einige persönlich kenne, viele durch meine Arbeit als Journalist näher kennenlernen durfte und jede Menge, von denen ich aus selbem Grunde viel weiß. Ich habe mal nachgezählt: Ich hätte am Liebsten 36 Leute quer durch alle Listen angekreuzt – das sind mehr, als der Ratssaal Sitze hat.

Klar gibt es einige Namen, die ich nicht angekreuzt hätte, weil sie mich an jahrelangen Streit erinnern – gerade und immer wieder um Heiligendamm. Oder an sinnlose Scheindebatten, um Zeit zu schinden und anderen zu schaden, an persönliche Fehden und Beschimpfungen gegen Andersdenkende und sogar gegen Bürger als Gast in einer Stadtvertretersitzung. Über einige nicht mehr oder nicht erst gewählte Bewerber kann man eigentlich ganz froh sein, denn an ihre Stelle sind gemäßigtere Leute getreten, die zwar dasselbe wollen, aber deren Methoden anders und besser für das Arbeitsklima und gegen die Politikverdrossenheit sind. Es kann nur besser werden.

Ich hätte so vielen gewünscht, dass sie es schaffen und beglückwünsche jeden, der es geschafft hat.

Viele junge Leute werden mit weniger gewordenen älteren Leuten zusammensitzen und viele Neulinge werden mit gestandenen Lokalpolitikern zusammenarbeiten. Man kann voneinander lernen – wenn man es will. Man kann Bewährtes mit frischen Ideen erneuern und modernisieren – wenn man einander zuhört. Man kann neue Wege gehen, die ganz anders sind, als das, was man bisher kannte – wenn man dafür offen ist. Man kann miteinander auskommen – wenn man kultiviert ist. Und wenn man will. Dann kann es nur besser werden in unserem dobre an.

 

Hinweis: Alle Zahlen stammen von der Stadt Bad Doberan. Irrtümer sind möglich – wenn Ihnen etwas auffällt, hinterlassen Sie doch einen Kommentar. Auch Änderungen in der Zusammensetzung der Stadtvertretung sind noch möglich. Sofern Sie in diesem Beitrag Meinungen interpretieren, handelt es sich um die persönliche Meinung des Autors.

 

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