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Bürgermeister löst Wahlversprechen ein: Bahn soll Doberaner Bahnhof aufräumen.

Das erste, was man sieht, wenn man in Bad Doberan hinein fährt… eine Villenstraße von Westen, eine Villenallee von Norden… eine Plattenbausiedlung von Nordosten, ein Gewerbegebiet von Südosten… und von Süden her der leere Bahnhof mit dem unaufgeräumten Umfeld, den verschmierten und bröckelnden Nebengebäuden und gleich darauf die Moorbad-Ruine. Die Schönheit der Münsterstadt beginnt erst ein paar Meter weiter mit dem Befahren des Alexandrinenplatzes. Ein Missstand, auf den ich schon vor Jahren in ZAM aufmerksam machte.

Der damalige Bürgermeister-Kandidat Thorsten Semrau stieß wohl auf diesen Text und in einem Telefonat nannte er den Missstand als Beispiel, sprach ihn dann in Fragestunden und Diskussionsrunden noch einmal an. Seit März ist Thosten Semrau Bürgermeister Bad Doberans und wie wir heute in der Ostsee-Zeitung lesen, löst er sein Wahlversprechen ein und fordert die Bahn auf, auf ihrem Gelände für Ordnung zu sorgen.

Dabei kommt auch gleich ans Licht, dass der im Dezember 2011 als „100prozentig sichere“ Interessent die „unterschriftsreifen Verträge“ scheinbar nicht unterschrieben hat: Das Gelände samt Bauten gehört nach wie vor der Deutschen Bahn, die übrigens keinen Bedarf sieht, dort etwas baulich zu verändern oder gar den Bahnhof wieder seinem Zweck zuzuführen. Das zugige Vordach mit den Holzbänken und den beschmierten Automaten muss reichen – Persönlicher Service am Fahrgast ist zu teuer für einen kleinen Bahnhof.

Zugleich ist es schwer, Bahnhöfe zu verkaufen. Ist der Bad Doberaner auch noch durchweg denkmalgeschützt, fehlt es ihm zusätzlich an Stellflächen, was seine Nutzbarkeit einschränkt. Es gibt für Bahnhofsareale eine Menge alter Auflagen, die bereinigt oder gelockert werden müssten. Das Beispiel Althof zeigt, dass es möglich ist – hier wohnen Liebhaber im ehemaligen Bahnhofsgebäude. Denkbar ist das auch für Bad Doberan, wenn genügend Parkplätze gestellt werden können und wenn man den Komplex in seiner Gesamtheit verkauft und einen Käufer findet, der auch mit dem Stellwerk noch etwas anfangen kann.

Nicht alles was leer ist, ist auch ohne Funktion: Wer das Stellwerk bewohnen will, muss laut Inserat in einem Immobilienportal die Schaltkästen drin lassen. Logischerweise muss er dann auch Bahnmitarbeiter in seine Wohnung lassen. Ungeklärt sind oft auch die Abwasser-Verhältnisse. An der Strecke Rostock-Berlin steht ein Bahnhof zum Verkauf, auf dessen Grundstück sich eine Klärgrube befindet, in die alle umliegenden Häuser einleiten. Diese Belastung schreckt dort Interessenten ab. In Rostock (Strecke nach Stralsund) setzt man hingegen auf positive Signale und zeigt sich bereit, B-Pläne an den Bedarf des Investors anzupassen, also auch Wohnen im Bahnhof zuzulassen. Diese Signale aber muss die Gemeinde setzen und da empfiehlt es sich, mit der Bahn zusammen zu arbeiten.

Vollständiger Artikel in der Ostsee-Zeitung vom 23.04.2012:
http://epaper.ostsee-zeitung.de/dob/2012-04-23/oz.html

 

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