Nachrichten

David gegen Goliath im Seebad-Wettbewerb

Wie eine Perle reihen sich die Seebäder in unserem Landkreis an der Küste entlang auf. Die großen sind bekannt, die kleinen oft verkannt. Zum Beispiel Nienhagen, das 1936 den begehrten Titel erhielt. Die Gemeinde weiß ihre Lage am Meer zu schätzen und investiert seit Jahren gezielt in die Infrastruktur. Eine Strandversorgung mit öffentlichem WC ist genehmigt, für das Haus in der Strandstraße 36 ein Investor gefunden und in der Hofstraße wurden altersgerechte Wohnungen, Praxen für einen Allgemein- sowie einen Zahnarzt und eine Physiotherapie, ein Frisör und ein Tante-Emma-Laden eingerichtet. Auch einen Geldautomaten gibt es. Das alles sind Angebote, die Gästen und Einheimischen gleichermaßen nützen. Nienhagen wird immer attraktiver und auch Rerik hat sich durch gezielte Investitionen in die touristische Infrastruktur zu einem beliebten Seebad gemausert. Zwischen Kühlungsborn und Nienhagen läuft es anders: In Börgerende und in Heiligendamm fehlt eine attraktive touristische Infrastruktur, selbst einen Geldautomaten gibt es nicht. Verglichen mit anderen Badeorten bieten beide den Gästen wenig oder nichts. Beide haben ein gemeinsames Hindernis in ihrer Entwicklung: Sie sind nur Teil einer Gemeinde, die nicht am Meer liegt. Man braucht viel Geld, um Börgerende und Heiligendamm zu echten Seebädern zu machen, die sich am Markt dauerhaft behaupten können. Weder Börgerende-Rethwisch, noch Bad Doberan haben diese Aufgabe bisher stemmen können, denn die touristische Infrastruktur der Küstenbereiche ist nur ein Aspekt auf einer langen Liste von Wünschen. Das Geld wird für Schulen, Kindertagesstätten, Kultur, Sport, Vereine, Feuerwehr und vieles mehr ausgegeben. Der Erfolg eines Ortsteils als Seebad wird als nicht so wichtig angesehen und so bleibt weder ausreichend Geld dafür übrig, noch konzentriert man sich gemeinsam auf dieses Ziel und steuert es an. Geld und Kraft wird nach dem Gießkannenprinzip verteilt, überall etwas, nichts richtig und hauptsächlich für Vorhaben, die unmittelbar sichtbaren Erfolg für die nächsten Wahlen versprechen. Alle Orte, die sich gezielt und fokussiert um ihre wirtschaftliche Entwicklung durch den einzigen wirklich tragfähigen Anziehungspunkt – das Meer – gekümmert haben, sind erfolgreich. Heiligendamm und Börgerende sind weit abgehängt, praktisch um 20 Jahre. Die Gäste kommen in erster Linie zu uns, weil sie ans Meer wollen. Binnenland gibt es auch woanders, das Meer ist unser „Alleinstellungsmerkmal“. Doch die Konkurrenz schläft nicht und es gibt viele Seebäder im Land und auch in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. So lange unsere Seebadeorte Börgerende und Heiligendamm nur Teil von etwas anderem sind, so lange haben sie keine Chance gegen die Konkurrenz in den echten alleinigen Seebädern.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert