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Die Fehler der letzten zehn Jahre.

Da läuft der Hase also: Die Stadtvertreter wollen dem Grand Hotel „mehr Zeit geben“.
Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos) wird in einer Lokalzeitung zitiert mit

„Wir müssen den neuen Eigentümern mehr Zeit lassen. Sie stehen ja noch nicht einmal im Grundbuch“.

Deutlicher werden Andreas Jahnke (HGP) und Jochen Arenz (parteilos):

„Viele kleine Schritte sind machmal besser, als ein großer“, weiß Jahncke und
„Wir müssen uns mehr zurück nehmen und dem Grand Hotel Zeit geben, wir können nicht die Fehlentwicklung der letzten zehn Jahre in zehn Wochen korrigieren“ meint Arenz.
Er fügt laut Zeitung hinzu: „Die Öffnung des Hotelgeländes braucht Zeit und Verstand.“

Hören Sie die Nachtigall schon tapsen?
Wenn nicht, hilft Guido Lex von der UDI Ihnen vielleicht auf die Sprünge:

„Ich hatte das Gefühl, dass wir mitdem neuen Investor etwas erreichen können.“ und weiter: „Das Hotel kann nur Erfolg haben, wenn es auf breite Akzeptanz stößt. Und die gäbe es nun mal nur mit einer Öffnung. Und auch ich wünsche mir Erfolg für das Hotel.“

Sie sehen schon: Es geht nicht um Heiligendamm, sondern um den Stichweg oder eine „gleichwertige Alternative“. Um so langweilige Sachen, wie Infrastruktur macht man sich im Rathaus keine Gedanken. Die Leute sollen einfach nur auf dem kürzesten Weg in den kurtaxenpflichtigen Bereich (Tagesgäste = Geld) oder an ihren Strand (Einheimische = Wählerstimmen)kommen. Das würde nach den Vorstellungen Lex‘ die Akzeptanz des Grand Hotels erhöhen.

Er hat nicht Unrecht: Alle, die heute gegen das Grand Hotel arbeiten, denen wäre mit einem Stichweg das Grand Hotel egal. Das bringt dem Hotel zwar nichts, aber einigen Stadtvertretern Wählerstimmen und nur darum geht es ja in der sachfernen und aktionismusüberladenen Doberaner Lokalpolitik.

Nun soll Paul Morzynski also Zeit haben, um die Öffnung in Ruhe umsetzen zu können, die allesamt wollen, außer er selbst. Er soll die Fehler der vergangenen zehn Jahre – auch „Zäune“ genannt – wieder gut (also „weg“ machen. Und er soll dabei „keine Front aufbauen, die gar nicht nötig ist„, wie Guido Lex es sagt (sondern einfach tun, was die Stadtvertreter ihm sagen – nämlich das Hotelgelände öffnen).

Eigentlich ist alles ganz einfach:
Paul Morzynski könnte nach der Pfeife des Rathauses tanzen, einen Stichweg und einen Küstenwanderweg über das Hotelgelände bauen, auf den wind- und sonnengeschützten Hotelpark verzichten und wenn möglich auch noch die Perlenkette kaufen und sanieren, eine zweite Seebrücke und eine richtige Strandversorgung bauen, vielleicht auch einen Yachthafen, Badeinseln, eine richtige Promenade, Parkplätze, Einkaufsmöglichkeiten und alles, was ein Seeheilbad so braucht.

Erfüllt er nach Weihnachtsmann-Manier alle Wünsche, dann wird er in Ruhe gelassen. Schafft oder will er es nicht, wird er mit Hilfe von Land und Landkreis mit Tritten in den Hintern nach draußen befördert und der nächste hörige Heilsbringer gesucht.

Was hält den Hannoveraner Steuerberater und Halloren-Großaktionär davon ab, mal eben so als Vorschuss ein paar hundert Millionen aus der Portokasse in Heiligendamm zu investieren und damit die Leute in Bad Doberan, Güstrow und Schwerin glücklich zu machen? Liegt es am Geld? Oder an der Vernunft? Oder an beidem?

Dabei dachten doch „viele“, er wäre der Weiße Ritter, dem Jagdfeld sich im Angesicht des Glanzes freiwillig all sein Habe zu Füßen legt und von dannen zieht. Sollten „viele“ sich getäuscht haben und das Märchen vom weißen Ritter gar nicht wahr sein? Sollte sich die Geschichte hundert Jahre nach Marlitt und Rosenberg genau so wiederholen? Sollte Heiligendamm eine unendliche Geschichte werden – ohne Happy End?

 

 

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