Die Ostsee hat 6°C – Zeit zum Baden!

Winterschwimmen und Eisbaden in Heiligendamm. Infos, Tipps und Baderegeln für das eiskalte Bad.

Der Winter hat so seine Vorteile: Kein Stau auf den Straßen, keine lange Parkplatzsuche, kein Gedränge auf der Promenade und man hat den ganzen Strand für sich. Schnee und Eis ist auch eher selten und wenn, dann kein Hindernis für Eisbader. Es könnte alles so schön sein – wenn da nicht die Temperaturen wären.

Gerade mal 6 °C hat die Ostsee vor Heiligendamm und das ist im Vergleich zur westlichen Ostsee an der Travemündung und dem Nord-Ostsee-Kanal noch warm. Es gibt Leute, die extra auf die niedrigen Wassertemperaturen warten, um dem Eisbaden zu frönen, aber die Mehrheit derer, die im Winter baden, tun dies auch im Sommer. Und im Herbst. Und im Frühjahr. Also immer. Sie sind einfach abgehärtet und ihnen ist es egal, ob die Ostsee 6, 16 oder 26°C hat. Wobei manche bei 26°C nicht mehr baden gehen würden, weil sie das nicht mehr erfrischt und der Gartenschlauch oder Pool zuhause mehr Erfrischung bringt.

 

Nicht einfach reinspringen!

Wollen Sie auch Eisbaden? Dann gibt es einige wichtige Tipps zu beachten. Sie werden in richtig kaltem Wasser baden und das ist nicht vergleichbar mit dem Kaltwasserhahn Ihrer Dusche. Das kalte Wasser aus der Leitung hat selten weniger, als 15°C – das Ostseewasser ist also noch 10°C kälter, als Ihre kalte Dusche!

Fangen Sie ruhig mit der kalten Dusche an. Drehen Sie bei jedem Duschen den Warmwasserhahn etwas mehr zu und duschen Sie sich zum Schluss nur mit kaltem Wasser ab. Fangen Sie fern vom Herzen mit dem rechten Fuß an und gehen Sie langsam nach oben. Dann wiederholen Sie dasselbe vom linken Fuß aus und zuletzt lassen Sie sich noch mal ganz berieseln. Danach schön warm einpacken und trocknen. Nach einem Monat sollten Sie in der Lage sein, ganz ohne Warmwasser auszukommen und 15°C kaltes Wasser auszuhalten. Das ist aber nur ein Anfang: Die Ostsee hat im Sommer im Schnitt 17-19 °C und somit werden Sie im Sommer unter den erstaunten Blicken der anderen Strandbesucher wacker und ohne pumpen und jauchzen in die See steigen.

 

Gut Ding will Weile haben

Vom Eisbaden sind Sie aber noch weit entfernt. Der Anfang ist jetzt gemacht und Sie gehen mindestens jede Woche in der Ostsee baden. Das tun Sie im Juli, August und September und das tun Sie auch noch im Oktober und November. Von September zu Oktober unterschreitet die Wassertemperatur schon die Ihrer Kaltduschen und Sie werden Ihre bisherigen Grenzen erweitern. Ihr Körper wird das als Stress empfinden, Sie danach aber mit adrenalingesteuerten Glücksgefühlen belohnen. Sie werden sich an die immer niedriger werdenden Temperaturen gewöhnen. Im November ist der Tiefpunkt der Wassertemperatur fast erreicht. Bis zum Eisbaden sind es dann nur noch zwei Grad Celsius Temperaturabfall.

Vielleicht sind Sie im ersten Winter noch nicht so weit, das durchzuziehen. Vielleicht liegt Ihre Schmerzensgrenze bei 10 °C und Sie müssen aufhören. Das ist in Ordnung – dann gehen Sie hin, gehen vielleicht nur bis zu den Hüften ins Wasser und wieder raus. Falsch wäre, jetzt bis zum nächsten Winter zu warten, denn dann fangen Sie von Neuem an. Gehen Sie also auch dann ins Wasser, wenn Sie nicht baden. Oder Sie verwenden einen Trick und kaufen sich einen Neoprenanzug. Darin badet es sich nur halb so kalt, aber Sie baden und machen keine Pause. Kalt genug wird es trotzdem, denn Sie müssen den Taucheranzug ja auch wieder ausziehen.

 

Winter-Baderegeln

Professor Vogels Baderegeln waren zwar nicht für den Winter gedacht, aber die meisten Regeln stimmen bei jedem Bad, sogar in der Schwimmhalle:

 

In Badestimmung sein

Vogel sagt, man solle nicht mit „gedrückter Stimmung“ baden gehen. Wenn es Ihnen nicht gut geht oder Sie bedrückende Gedanken haben, dann ist ein heißes Wannenbad die bessere Idee, als ein kaltes Eisbad. Für Ihren Körper ist das kalte Wasser erst einmal Stress und darum sollte er nicht noch mit anderen Dingen beschäftigt sein. Wenn Sie hingegen einfach nur schlechte Laune haben oder wintermürrisch sind, dann baden Sie ruhig kalt, denn das macht lustig – und frei.

 

Kranke müssen draußen bleiben

Wenn Sie Herz- oder Kreislaufprobleme haben oder an Gefäßkrankheiten leiden, dann lassen Sie das mit dem Eisbaden und beschränken Sie sich auf Wechselduschen zuhause oder das Kaltwasserbecken in der Schwimmhalle. Beides ist besser, als nichts. Fragen Sie aber vorher Ihren Arzt, wie weit Sie gehen dürfen!

 

Nicht mit leerem oder zu vollem Magen

Sie sollten vorher etwas essen, sodass Sie nicht mit leeren Magen baden gehen, aber auch nicht so viel, dass Sie davon träge werden. Essen Sie sich nur den Hunger weg, nicht aber richtig satt. Kein Alkohol natürlich und auch von Heißgetränken sollten Sie vor dem Winterbad Abstand nehmen, denn dann hat der Körper noch mehr mit der plötzlichen Kälte zu kämpfen. Nach dem Bade hingegen ist ein Heißgetränk sehr zu empfehlen – mit Schuss aber nur, wenn Sie drinnen im Warmen sind und auch dort bleiben.

 

Das Bad gut vorbereiten

Außer der physischen und mentalen Stärke, die Sie sich über den Herbst antrainiert haben, brauchen Sie noch einige andere Vorbereitungen. Fragen Sie sich zuerst, was Sie nach dem Bade machen. Die Luft ist oft noch kälter, als das Wasser – wollen Sie wirklich noch spazieren gehen oder lieber schnell ins Warme? Dann nehmen Sie sich Geld für das Café mit. Was Sie aber dringender brauchen, ist ein großes Handtuch, das Sie ganz bedeckt und mit dem Sie sich nach dem Bad schnell abtrocknen können. Außerdem brauchen Sie eine Tüte für Ihre nassen Sachen, sofern Sie nicht nackt baden und es empfiehlt sich auch eine Tüte für das, was trocken bleiben soll. Wenn es nämlich regnet, bleibt das geschützt. Bei Regen Baden ist kein Problem, bei Schnee auch nicht, aber bei stärkeren Winden und natürlich Sturm und bei Gewitter dürfen Sie auf keinen Fall baden. Denken Sie daran: Die Wachtürme der Wasserretter sind von Oktober bis Mai nicht besetzt und es wird auch kaum jemand in der Nähe sein, der sich traut, ihnen hinterherzuspringen. Sie würden mit Unvorsichtigkeit andere in Gefahr bringen.

Wichtig ist, dass Sie schön warme Kleidung haben, am Besten auch eine Kopfbedeckung gegen den Wärmeverlust über den Kopf und dicke Socken und Handschuhe, falls Ihre Hände und Füße nicht richtig warm werden wollen. Eine Isolierkanne mit heißem Tee oder Kaffee sind ebenfalls eine gute Idee. Hauptsache, Sie können sich nach dem Bad schnell aufwärmen – das ist das A und O, sonst werden Sie nämlich statt gestählt, bald krank. Übrigens: Fahren Sie mit dem Auto, Bus oder Molli an den Strand. Nach dem Eisbaden noch Fahrradfahren ist wirklich nur etwas für Durchtrainierte mit Hang zum Extremen.

 

Nicht allein hinein

Gehen Sie nie – nie – nie allein zum Eisbaden! Wenn der Kreislauf nicht so schnell hinterherkommt oder ein Gefäß sich schneller zusammenzieht, als das Blut hindurch kann oder wenn Sie einen Wadenkrampf kriegen, dann kommen Sie nicht wieder zurück. Wenn jemand mit badet, kann er Ihnen helfen. Und auch wenn er nur am Strand steht und ein Seil hält, das Sie sich um die Brust gewickelt haben, ist das immer noch besser, als ganz allein zu baden. Sieht halt nur komisch aus.

 

Nicht zu schnell und nicht springen

Eines sollten Sie beim Eisbaden niemals machen: Ins Wasser springen. Weder einfach vom Strand aus im Hechtsprung hinein, noch von der Buhne oder Seebrücke – das beides ist auch im Sommer verboten und daran sollten Sie sich Ihrer Gesundheit zuliebe auch halten. Es ist in Ordnung, in das Wasser zu stürmen, aber Sie dürfen auch langsam hinein gehen und erst mal prusten und juchzen, bevor Sie den nächsten Schritt machen. Im Sommer hält man die Hände ins Wasser, um sich an die Temperatur zu gewöhnen.

Im Winter halten Sie Ihre Hände am Besten in die Höhe, damit sie nicht nass werden. Sie frieren nämlich am Schnellsten und dann wird es sehr unangenehm. Für die Füße empfiehlt sich wie gesagt ein Paar Badelatschen, damit die Fußsohlen nicht auf den kalten Steinen und dem kalten Sand stehen. Beides speichert die Kälte und gibt sie an wärmere Dinge wieder ab – Ihre Füße zum Beispiel. An den Füßen werden Sie mit Latschen den Kneifer bald nicht mehr spüren. Wichtig ist aber, dass Sie immer überhaupt etwas spüren. Wenn Sie das Gefühl haben, ein Körperteil nicht mehr zu spüren, dann raus mit Ihnen!

Grundsätzlich gilt, dass Sie nur so tief hinein gehen sollten, wie Sie stehen können, ohne dass Ihnen eine Welle über den Kopf schwappt. Die Brust ist ein gutes Maß für die Tiefe. Der Kopf soll trocken bleiben. Waschen Sie sich ruhig das Gesicht und den Hals, nicht aber die Haare. Verzichten Sie als Anfänger auf Schwimmen und erst Recht auf Tauchen und auch auf gegenseitiges Nassspritzen.

 

In der Kürze liegt die Würze

Baden Sie nicht länger, als 5 Minuten, wenn das Wasser jenseits der Kaltwasserleitungstemperatur sinkt. Ziehen Sie sich Badelatschen oder Neoprenstrümpfe an, vielleicht auch Neoprenhandschuhe. Die Gliedmaßen frieren als erstes und wenn sie frieren, wird es unangenehm. Also verhindern Sie einfach, dass sie zu sehr frieren. Ihren Kopf lassen Sie beim Baden in der Nebensaison immer über dem Wasser und tauchen ihn nicht unter und auch die Hände bleiben aus dem Wasser. Wie erwähnt: Wenn Sie irgendetwas an sich nicht mehr spüren können oder Ihnen unwohl wird, dann gehen Sie raus – bitten Sie jemanden, Sie aus dem Wasser zu führen. Für Anfänger reichen zehn Sekunden. Die meisten Eisbader bleiben 1-3 Minuten im Wasser, fünf Minuten sind aber die Grenze vom Gesunden zum Schädlichen.

 

Schnell wieder aufwärmen

Draußen heißt es wie im Sommer: Nasse Kleidung sofort aus, schnell abtrocknen. Sonnencreme und Sonnenbad entfallen im Winter, stattdessen ziehen Sie sich schnell wieder warm an. Es kann nicht schaden, etwas wärmere Sachen für danach einzupacken, als man davor anhat. Ihnen wird ja eher nicht warm sein nach dem Eisbad. Sehen Sie zu, dass Ihre Füße und Hände schnell wieder warm werden. Am besten geht das mit Wolle, also dicken Socken und Handschuhen. Eine Mütze hilft gegen Wärmeverlust über den Kopf. Ihr Körper muss ja erst mal wieder auf die 35°C hochheizen und Sie helfen ihm, wenn Sie die Wärmeabgabe reduzieren. Wenn alles wieder warm ist, können Sie das ja wieder ausziehen. Auch ein Schluck Heißes aus der Thermoskanne ist eine Wohltat danach.

 

Ruhe statt Sport danach

Auf weitere körperliche Betätigung sollten Sie verzichten – sowohl vorher, als auch nachher. Darum wird auch davon abgeraten, mit dem Rad zum Eisbad zu fahren. Wenn Sie im Adrenalinschub noch Sport brauchen, dann stellen Sie sich auf den Vibrationstrainer oder machen Sie Yoga. Oder Sie gehen erst mal in die Sauna – was könnte Sie besser erwärmen? Das allerschönste ist aber ein Kamin mit warmem Feuer, Tee oder Kaffee und die Liebsten um sich herum. Ferienwohnungen mit Kamin und/oder Sauna finden Sie hier.

 

Heiligendamm hat Eisbader-Gruppe

In ganz Deutschland gibt es etwa 2.000-3.000 Leute, die Eisbaden. Gut 40 Gruppen gibt es und im Raum Rostock befinden sich davon ziemlich viele. Auch in Berlin gibt es viele Eisbader-Gruppen.

In Heiligendamm sind es die Heiligendammer Seepferdchen, die sich Dienstag und Donnerstag um 16 Uhr am weißen Rettungsturm am Ortsausgang Richtung Börgerende treffen. Mit dreifachem „Eisfrei“ stürzt sich die hartgesottene Truppe ins Wasser. Unter ihnen ist auch Dr. Stefan Hummel, der seit zwölf Jahren täglich in Heiligendamm badet. Er ist der Chefarzt der MEDIAN-Klinik.

 

MEDIAN-Klinik bietet Eisbaden an

Klar, dass dann die MEDIAN-Klinik auch Winterschwimmen als Therapie anbietet. Da die Klinik darüber hinaus auch Unterkünfte an Selbstzahler anbietet, könnten Sie jetzt noch schnell eine Kur buchen und in Heiligendamm Eisbaden. Hier geht es zu den Angeboten der MEDIAN-Klinik.

 

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt!

Natürlich stellen diese Tipps nur Empfehlungen dar und ersetzen keine ärztliche Beratung. Ich spreche auch nicht aus eigener Erfahrung, denn unter 16°C zieht mich nichts ins Wasser. Aber ich kenne Eisbader und interessiere mich natürlich dafür, was es in der Nebensaison für Möglichkeiten für Sie gibt. Wenn Sie über die Affiliate-Links bei AMAZON bestellen – auch andere, als die direkt verlinkten Dinge – dann unterstützen Sie damit ERSTES-SEEBAD.DE.

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