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Die Stadt als Retter vom Allem?

Die Erwartungen einiger Bürger an ihre Stadt sind groß. Zu groß, wie folgende Beispiele zeigen: 2007 wurde der Ruf laut, die Stadt solle die Jugendherberge übernehmen und in Eigenregie führen. Drei Jahre später sollte sie nach dem Wunsch einzelner Bürger das alte Moorbad zurück kaufen, ein Jahr später sollte sie das Kino kaufen und selbst betreiben und einige Monate später die Perlenkette in Heiligendamm. Aktuell veröffentlichte eine Zeitung Meinungen, nach denen die Stadt auch beim Grand Hotel mitbieten solle. In das Moorbad sollen 14 Millionen Euro investiert werden – den Kaufpreis nicht inbegriffen. In die Perlenkette sind rund 70 Millionen zu investieren – die Stadt hätte sie aber erst für über 20 Millionen Euro kaufen müssen. Das Grand Hotel würde nach Gebot den Besitzer wechseln – dieser müsste dann auch sofort in neue Angebote investieren. Die letzten Planungen in diese Richtung gingen von etwa 40 Millionen Investitionsvolumen aus. Das alles hätte die Stadt Bad Doberan genauso zu bezahlen, müsste zudem noch die Projekte entwickeln, Betreiber-Gesellschaften gründen und die Hotels, Jugendherberge – oder was auch immer – selbst betreiben. Dass diese Forderungen utopisch sind, zeigt ein Blick in die Haushaltssatzung 2011, die über die Internetpräsenz der Stadt jedermann frei zugänglich ist: 12.291.200 Euro hatte die Stadt für 2011 im Verwaltungshaushalt als Einnahme eingeplant und 6.183.200 Euro im Vermögenshaushalt. Von letzterem müsste sie die von einigen Bürgern geforderten Investitionen bestreiten. Es ist sofort erkennbar: Selbst wenn die Stadt alle anderen Ausgaben im Wegebau und der Sanierung von Straßen streichen würde, wäre sie meilenweit davon entfernt, irgend ein Gebäude der Stadt kaufen, sanieren, entwickeln und betreiben zu können. Selbst wenn sie es versuchen würde, müsste ihr die Kommunalaufsicht einen Riegel vorschieben. Vor diesem Hintergrund dürfte klar sein, warum die Stadt nur politische Unterstützung anbieten kann, nicht aber wirtschaftliche Hilfen oder Rettungsaktionen. Für politische Bekenntnisse fehlt dann hin und wieder aber die Einigkeit unter den Stadtvertretern. Da gibt es noch Verbesserungspotenzial.

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