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Heiligendamm-Insolvenzverwalter: „Für das Grand Hotel gibt es viele Interessenten“

Erstmals seit dem Insolvenzantrag des Grand Hotel in Heiligendamm nimmt der Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum Stellung zur aktuellen Lage in Heiligendamm. Im Interview der Ostsee-Zeitung zeigt er sich zuversichtlich, dass das Grand Hotel weiter geführt und die Arbeitsplätze erhalten werden können. Interessenten stehen offenbar Schlange und der Verkauf des Grand Hotels an einen neuen Investor ist so gut wie sicher. Doch zum Hotel gehören nur 5 der 26 historischen Gebäude Heiligendamms. Stress ist vorprogrammiert, denn alle unsanierten Gebäude gehören der EntwicklungsCompagnie Heiligendamm oder den Jagdfelds selbst und auf diese sind die Stadtvertreter und einige Bürger(initiativen) nicht gut zu sprechen. Kann man einen neuen Investor mit offenen Armen empfangen aber den alten weiterhin mit Füßen treten, ohne den neuen dadurch zu schaden? Oder zerbricht Heiligendamm – auch optisch – an einer Aufteilung an zwei oder gar mehrere Investoren? Beginnt hier ein neues Kapitel für das erste Seebad Festland-Europas oder endet hier, was 1872 mit dem Verkauf Heiligendamms begann?

Ostsee-Zeitung vom 07.03.2012:

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„Für das Hotel gibt es viele Interessenten“
Der vorläufige Insolvenzverwalter des Grand Hotels in Heiligendamm ist optimistisch: Investoren aus aller Welt
haben Interesse an der Luxusherberge. Nur das komplizierte Eigentums-Geflecht im Seebad ist ein Problem.

Heiligendamm – Die Hiobsbotschaft traf die 300 Mitarbeiter und die gesamte Region wie ein Schlag: Das Grand Hotel in Heiligendamm, Vorzeigeprojekt in der Tourismusbranche des Landes, ist pleite. Erstmals äußert sich jetzt der vorläufige Insolvenzverwalter, Jörg Zumbaum, zur Zukunft der Luxusherberge.

OSTSEE-ZEITUNG: Herr Zumbaum, seit einer Woche sind Sie als vorläufiger Insolvenzverwalter im Grand Hotel: Was sind Ihre ersten Eindrücke von dem Unternehmen?

Jörg Zumbaum: Es ist etwas Besonderes, nicht irgendein 0815-Hotel in der Eifel. Und man kann es nicht mit einem Industriebetrieb in der  Insolvenz vergleichen. Wenn die Mitarbeiter in einer Fabrik schlechte Laune haben, merken Sie das dem Produkt nicht an. Aber hier stehen die Mitarbeiter jeden Tag den Gästen gegenüber. Die Mitarbeiter sind das größte Vermögen. Die Gebäude sind nur Staffage . . .

OZ: Sie haben die Mitarbeiter angesprochen. Bis einschließlich April wird das Insolvenzgeld gezahlt. Muss jemand danach um seinen Job fürchten?

Zumbaum: Nein! Nur wenn uns die Gäste ausbleiben. Aber danach sieht es absolut nicht aus. Die Auslastung des Hotels am Wochenende ist toll, werktags könnte es aber noch ein wenig besser sein.

OZ: Sie wirken positiv gestimmt. Woher diese Zuversicht?

Zumbaum: Ja, ich bin optimistisch. Denn der Laden läuft – und die Belegschaft macht mit. Auch die Gäste halten zu uns. Zum Glück haben wir im Fünf-Stern-Bereich keine Konkurrenz. Wenn das so wäre, würde ich sagen, hätten wir keine Chance.

OZ: Gab es schon Gespräche mit Banken und Investoren?

Zumbaum: Ja, ich habe jeden Tag eine ganze Menge Anfragen auf dem Tisch – von potenziellen Investoren aus aller Welt. Jetzt geht es für mich darum, die Spreu vom Weizen zu trennen.

OZ: Woher sind die Investoren?

Zumbaum: Im Wesentlichen aus dem Ausland. Sie dürfen nicht vergessen: Das meiste flexible Geld ist nicht in Europa vorhanden. Und außerdem ist besonders Deutschland ein sehr interessanter InvestmentPlatz. Vor allem im ImmobilienSektor.

OZ: Also läuft es auf einen neuen Eigentümer für das Hotel hinaus?

Zumbaum: Davon können Sie fest ausgehen. Wir haben zwei Möglichkeiten. Eine interne Sanierung ist aber kaum zu machen. Es kommt wohl nur eine „übertragende Sanierung“ infrage: Die Wirtschaftsgüter wechseln lastenfrei den Besitzer.

OZ: Müsste der neue Besitzer die Schulden des Hotels übernehmen?

Zumbaum: Nein, er übernimmt lediglich die Schulden, die auf der Immobilie lasten. Was im Grundbuch eingetragen ist, zum Beispiel. Er kann sehr viel freier arbeiten, als wenn er sich erst noch mit den Anlegern verständigen müsste.

OZ: Sie sprachen vom Schuldenschnitt, der den Anlegern des Hotel-Fonds droht. Die Investoren gehen also leer aus?

Zumbaum: Da gibt es gesetzliche Vorgaben im Insolvenzverfahren. Die Anleger bekommen erst was, wenn alle anderen Gläubiger befriedigt sind. In der Regel muss der Anleger damit rechnen, dass er nichts kriegt. Das ist quasi ein Schuldenschnitt kraft Gesetzes.

OZ: Welche dinglichen Werte gehören denn zum Hotel?

Zumbaum: Die Hotel-Gesellschaft ist leider nicht Eigentümerin von allem in Heiligendamm. Sonst wäre alles viel einfacher. Zum Hotel gehören fünf Gebäude. Die Villen sind raus, die gehören der Familie von Anno August Jagdfeld oder der Entwicklungs-Compagnie. Das ist ein Problem.

OZ: Inwiefern?

Zumbaum: Ein Investor kauft gerne das ganze Paket. Jetzt muss er sich mit mir und anderen Eigentümern einigen. Dann beginnt das Gezerre. Darüber werde ich mit Herrn Jagdfeld reden müssen.

OZ: Wie muss sich das Hotel in Zukunft positionieren?

Zumbaum: Wir brauchen mehr spontane Gäste. Aber das ist nicht mein Job. Ich gucke, ob die Zahlen schwarz oder rot sind.

Interview: A. Meyer und K. Walter

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Ein Kommentar

  1. Ostsee-Zeitung vom 10.03.2012:

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    Heiligendamm: 6 Käufer wollen das Grand Hotel

    Heiligendamm – Das Interesse am insolventen Grand Hotel in Heiligendamm reißt nicht ab: Sechs ernstzunehmende Angebote für das G 8-Hotel sind bisher beim Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum eingegangen. Das bestätigte der Anwalt gestern der OZ. Ein gutes Dutzend Anfragen habe er auf den Tisch bekommen, doch nur diese sechs seien so realistisch, dass er sie prüfen will. Darunter seien drei Bieter aus dem Ausland, sagte Zumbaum. Nach OZ-Informationen haben erste Interessenten sogar schon komplette Konzepte für die Zukunft des Haus eingereicht.
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