Aus dem Norden

Rerik geht im Wustrow-Streit erstmals wieder auf FUNDUS-Tochter ECW zu.

Nicht nur in Heiligendamm hat FUNDUS eingekauft, auch die Halbinsel Wustrow vor Rerik gehört ihrer Tochter „EntwicklungsCompagnie Wustrow“ (ECW) seit 1998. Geplant war ein Resort mit Chalets, Marina und Golfplatz, das an Idylle kaum zu übertreffen wäre. Nicht so idyllisch ist der Weg dorthin: Weil die Bewohner und Urlauber der zukünftigen luxuriösen Halbinsel nun einmal nicht auf ihre Motorisierung verzichten würden, droht der Stadt ein Verkehrsproblem. Lösungen wurden erarbeitet und wieder verworfen – zuletzt sperrten die Stadtvertreter per Beschluss die Zufahrt zur Halbinsel und schnitten damit dem Investor den Weg ab. Parkgebühren für Parkplätze auf ECW-Grundstücken kassierte die Stadt weiterhin – ansonsten passierte nichts. Nun meldet sich Reriks Bürgermeister Wolfgang Gulbis zu Wort und bietet überraschend einen Kompromiss an. Warum erst jetzt? Und warum überhaupt JETZT, wo FUNDUS in Heiligendamm schwer zu schlucken hat? Hier der Bericht der Ostsee-Zeitung vom 09.03.2012:

Stillstand seit 14Jahren: Nun will der Bürgermeister einen Kompromiss aushandeln.

Halbinsel Wustrow: Rerik bietet erstmals Gespräche an 
Stadt bietet der Entwicklungs-Compagnie „schrittweise“ Entwicklung an.

Von Andreas Meyer

Rerik – Es sollte ein kleine Stadt in der Kleinstadt werden. Ein Wohnund Ferienparadies auf der wohl schönsten Halbinsel Deutschlands. Doch seit fast zehn Jahren tut sich nichts. Die großen Pläne für das Reriker Eiland Wustrow liegen seit fast genau neun Jahren komplett auf Eis. Die Fronten zwischen der Stadtvertretung auf der einen Seite und der Entwicklungs-Compagnie Wustrow (ECW) auf der anderen sind verhärtet.

Doch vielleicht kommt nun doch noch Bewegung in die Sache: Reriks Bürgermeister Wolfgang Gulbis (SPD) will direkt auf die ECW zugehen und bietet einen Kompromiss an. „Wenn die Halbinsel Schritt für Schritt bebaut wird, wird es mit uns keine Probleme geben“, so Gulbis gestern gegenüber der OZ.

Die ECW gehört – wie auch ihre Pendant in Heiligendamm, die ECH – zur Unternehmensgruppe des Großinvestors Anno August Jagdfeld. 1998 erwarb er die Halbinsel samt des alten Militär-Areals für einen zweistelligen Millionen-Betrag (damals noch in D-Mark) vom Bund gekauft. Ein Golfplatz und eine Marina waren auf Wustrow geplant. Dazu sollte ein komplett neuer Stadtteil errichtet werden (neue Gartenstadt) und die Militärliegenschaft (alte Gartenstadt) für neue Einwohner und Gäste schick gemacht werden. Geplant waren nach Angaben der Entwicklungs-Compagnie rund 2100 neue Betten.

Doch am 17. April 2003 fand das Vorhaben ein überraschendes Ende: Die Stadtvertretung entschied, die Halbinsel für den „Individualverkehr“ zu sperren. Die Politik wollte verhindern, dass pro Tag Tausende Autos über den schmalen Wustrower Hals und quer durch Rerik rollen. „Seitdem hat sich rein gar nichts bewegt“, sagt ECW-Geschäftsführer Heiner Zimmermann. Immer wieder sei seitens der Stadt signalisiert worden, dass der Beschluss nicht gekippt wird. „Aber wie sollen wir neue Wohnungen und Hotelbetten schaffen, wenn kein Auto
auf die Insel darf?“ Ein Tunnel unter dem Salzhaff hindurch sei nicht machbar. Eine Fähre komme aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht infrage, so Zimmermann. Der Traum, die Insel durch einen Erweiterung der Bäderbahn Molli zu erschließen, ist finanziell utopisch.

Zimmermann wirkt ernüchtert, wenn er über das Projekt Wustrow spricht. Das Areal, das für Besucher gesperrt ist, liege brach. „Es kostet uns aber nichts. Nur den Wachdienst müssen wir bezahlen“, so Zimmermann. Und weiter: „Herr Jagdfeld hat fünf Söhne. Mal sehen: Vielleicht tut sich ja in 20 Jahren was.“

Solange will nun aber die Stadt nicht warten: „Wir haben ein großes Interesse an der Entwicklung der Halbinsel“, sagt Bürgermeister Gulbis. „Wir wollen ja, dass dort etwas passiert. Aber schrittweise.“ Er bietet der ECW einen Kompromiss an – und dadurch könnten erstmals seit Jahren die beiden Seiten wieder an einen Tisch kommen: „Wenn die ECW uns zusichert, dass in einem ersten Schritt nur die alte Gartenstadt und der Golfplatz entstehen,
dann kann es unseretwegen sofort losgehen.“

 

Nun zu der Frage: Warum erst jetzt?
Vielleicht, weil 2013 wieder Kommunalwahlen und 2014 Bürgermeister-Wahlen anstehen und der SPD-Bürgermeister und seine Partei Erfolge braucht? In Rerik misst man den Erfolg der Kommunalpolitik nicht unmaßgeblich an der weiteren Entwicklung Wustrows. Schon die Wieder-Öffnung für Führungen würde viele erhitzte Gemüter besänftigen und der Mann (oder die Frau) der (die) sich diesen Fortschritt auf die Fahnen schreiben könnte, hätte gute Chancen auf viele Stimmen.

Und warum gerade jetzt?
FUNDUS hat in Heiligendamm viel Geld in den Sand setzen müssen, indem es die Insolvenz des Grand Hotels beantragen musste. Wenn der Bürgermeister nun auf die ECW zugeht um ihr Investitionen zu ermöglichen, der könnte darin die letzte Chance wittern. FUNDUS braucht Erfolge und wenn sich auf Wustrow ein Teilerfolg realisieren ließe, würde das Wogen glätten. FUNDUS könnte also ein Interesse daran haben, mit weniger finanziellem Aufwand eine Ablenkung zu errichten, die sich als Erfolg verkaufen und damit das Vertrauen bestehender und potenzieller Anleger wieder gewinnen lässt.

Wustrow ist nicht so teuer wie Heiligendamm: Vielleicht hofft Rerik auch, FUNDUS würde hier das Geld investieren, was derzeit fehlt, um Heiligendamm zu retten – eben, um Erfolge zu schaffen und auch um Einnahmen generieren zu können. FUNDUS zu schädigen würde Rerik nicht viel nützen: Dann ginge es auf Wustrow gar nicht weiter.

Natürlich dürfen auch Verschwörungstheorien nicht fehlen: In Rerik gibt es nicht diese „militante“ Art wie in Bad Doberan, Bürgerinitiativen, Interessengruppen und Aktionsbündnisse zu gründen und eine Partei im Rathaus zu installieren, die nur dafür da ist, gegen Jagdfeld die Hand zu heben. Aber es gibt auch in Rerik die Option, sich an Misserfolgen anderer zu profilieren. Angenommen, man wolle eine hitzige Debatte für sich selbst nutzen: Dann ginge man auf die ECW zu und böte ihr Kompromisse an, damit sie investieren kann. Angenommen, die ECW könne aber gar nicht investieren, weil die Muttergesellschaft gerade in den Medien zerfetzt wird und ihr die Anleger eher weg- als zulaufen – dann hat man die Situation, der ECW alle Steine aus dem Weg geräumt zu haben und doch tut sich nichts.

Man könnte nun also sagen, dass man ja alles getan hat aber der böse Investor gar nicht investieren will. Oder auch nicht kann – das wäre dann nicht gelogen und würde instrumentalisiert werden können. Man könne somit Beschlüsse ohne den „ja sowieso impotenten“ Investor fällen oder gar versuchen, ihm das Objekt wieder wegzunehmen. Ganz verschworen könnte man dieses zu Gunsten eines bis dato unbekannten Dritten tun, der dann an Stelle des Investors das Areal entwickeln soll. Das sind wie gesagt nur Verschwörungstheorien – Tatsache ist, dass Gulbis seinen Vorstoß damit rechtfertigt, dass die Stadt – deren Bürgermeister er ist – will, dass es auf Wustrow weiter geht. Manchmal kommt einem diese Einsicht eben erst in der Mitte einer zweiten Amtszeit. Besser, als gar nicht.

 

Neueste Informationen zum Thema: http://zeit-am-meer.de/zu-verschiedene-vorstellungen-kein-fortschritt-auf-wustrow/

Das Wustrow-Special: http://zeit-am-meer.de/das-wustrow-spezial-was-ist-mit-der-halbinsel-geplant-und-wie-geht-es-weiter/

 

2 Kommentare

  1. Weitere Infos zu Wustrow:

    Ostsee-Zeitung vom 10.03.2012

    [important]

    Wustrow: Der Bund ist raus

    Rerik – Erstmals seit Jahren bahnen sich wieder Verhandlungen zwischen Rerik und dem Eigentümer der Halbinsel Wustrow, der Entwicklungs-Compagnie (ECW) an. Sollten die Gespräche über die zukünftige Entwicklung aber scheitern, wird Wustrow wohl auf Jahrzehnte Sperrgebiet bleiben. Denn der vorherige Eigentümer, die Bundesrepublik Deutschland, hat keinen Einfluss mehr. „Der Bund als früherer Grundstückseigentümer hat keine Möglichkeit, auf die Entwicklung der Halbinsel hinzuwirken“, sagte Melanie Teuber, Sprecherin der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) in Bonn der OZ. Immer wieder hatte es Gerüchte gegeben, die ECW sei vom Bund vertraglich verpflichtet worden, die Halbinsel innerhalb eines bestimmten Zeitraumes zu entwickeln. Auch ECW-Geschäftsführer Heiner Zimmermann dementiert: „Es gibt keine Verpflichtungen.“ Auf ein Rückkaufsrecht hat die Bundesrepublik ebenfalls verzichtet: „Ein solches Recht ist nicht vorgesehen“, so die Bima-Sprecherin. am

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