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Heiligendamm: Jede Konfrontation schadet. Im persönlichen Gespräch mit Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum

In wenigen Wochen jährt sich die Insolvenzanmeldung des Grand Hotels. Im persönlichen Gespräch mit dem Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum geht es um dieses Thema.

Bei seinem Namen denkt oft jeder gleich an Heiligendamm und es werden ihm immer dieselben Fragen gestellt. Zum Beispiel nach der Zahl der Interessenten.

Aber „Wann ist ein Interessent ein Interessent?“ fragt er sich. Ist jeder Anrufer schon einer und ist der, der sich nach Gesprächen nicht mehr meldet, keiner mehr? Er könnte jeden Tag eine andere Zahl zwischen eins und zehn nennen aber er sagt lieber „Eine Hand voll“.

Warum kauft bis dato keiner? Liegt es an der fehlenden Infrastruktur, an der seit 10 Jahren andauernden öffentlichen pro-und kontra Diskussion?

Zumbaum beginnt ganz von vorn: Das Hotel ist keine Ferienwohnung, die man zum Festpreis verkauft. Jeder Interessent will Gewinn machen, braucht ein Konzept, das er in Ruhe erarbeiten will und daraus sieht, was er investieren muss, wann es sich rentiert und wie hoch sein Gebot sein darf. Das Grand Hotel hat in den 220 Jahren seiner Geschichte nie Gewinne eingefahren.

Und: „Jede Konfrontation schadet“ mahnt der Insolvenzverwalter und beantwortet mit diesen drei Worten den Rest der Frage.

Wie soll das Grand Hotel herausgelöst von seiner Umgebung funktionieren? In das Umfeld müssten Millionen investiert werden.

„Darum muss jeder Interessent ein Konzept erarbeiten“, erklärt Zumbaum. Es gab nur einen, den auch die Perlenkette interessierte – die meisten wollen nur das Hotel, oft auch ohne die Orangerie, dafür aber preisgünstiger.

Oft gestellt ist die Frage, ob die Zäune verschwinden werden. Es muss jedoch allein der Käufer entscheiden, ob und wie er das Hotel einzäunt.

1873 wurde Heiligendamm komplett verkauft und 1996 sollte der übrig gebliebene Interessent alles allein machen, was nicht funktionierte. Droht nun der Einzelverkauf?

Zumbaums Auftrag bleibt, „die Assets der Insolvenzmasse einzeln oder gesamt zu verkaufen“.

Keiner der bisherigen Interessenten hatte besondere Pläne mit der Orangerie und Median braucht Platz zum Wachsen, der 1996 nicht eingeplant wurde. Man ist überzeugt, dem Hotel nicht zu schaden, indem man die Orangerie verkauft. Den Gläubigern nützt der Verkauf, weil er die Schulden reduziert, so Zumbaum weiter.

Wenn abzusehen ist, dass kein Käufer in das Umfeld investiert – wie soll sich Heiligendamm weiter entwickeln?

Das ist nicht Sache des Insolvenzverwalters, sondern der Stadt. Er sieht den Heiligendamm-Beirat als Chance, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, erhofft sich durch die Beteiligung von Experten und dem Land „Objektivierung und Versachlichung“ und sieht nach seinen ersten Eindrücken als Gast des Gremiums „die Zusammenarbeit solide abgestützt“.

Was die Gesamtentwicklung betrifft: „Da hätte man schon viel früher den Schalter langsam und schrittweise umlegen müssen.“ Zumbaum ist überzeugt: „Man kann viel draus machen aber das geht nicht von heute auf morgen“.

Jetzt sei es wichtig, den Interessenten zu zeigen, dass das Hotel ohne Verluste betrieben werden kann. „Die erwartete schwarze Null soll sie überzeugen“.

Langfristig sind viele Investitionen nötig. Man hat sich in eine Vielfalt von Details verloren, statt ein Gesamtkonzept zu erarbeiten.

Zumbaum: „Bisher hat man versucht, das Pferd von hinten aufzuzäumen und das funktioniert nicht“.

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