Thilo Muehl
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Hoteldirektor Thilo Mühl verlässt das Grand Hotel Heiligendamm

Hoteldirektor verlässt nach über einem Jahr die Luxusherberge – überraschend?

 

Zu Ostern 2018 kam Thilo Mühl vom Schlossgut Groß Schwansee zum Grand Hotel Heiligendamm. Er übernahm den Posten von Thomas Peruzzo, der das Haus drei Jahre lang führte und im April 2018 nach Bad Saarow ging.

Neuer Chef stellte Altes in Frage

Der Neue ging sogleich daran, die Strukturen zu verändern. Vieles wurde in Frage gestellt, Mitarbeiter berichten, dass sie ihre Aufgaben „verteidigen“, also ihre Arbeit erklären mussten und schon bald waren große Teile des Sales & Marketing weg – teils gekündigt worden, oft aber auch selbst gegangen, weil sich Mitarbeiter nicht ausreichend informiert und nicht mitgenommen fühlten und darum keine Perspektiven mehr sahen. Selbst die PR-Chefin, die auch während des Insolvenzverfahrens für das Hotel arbeitete, verließ das Haus und da auch das nicht kommuniziert wurde, fehlte so einigen in der Stadt der Ansprechpartner, sodass gute Kontakte abbrachen und die Frage durch die Stadt ging, was denn los sei mit dem Grand Hotel.

Zugleich kamen neue Mitarbeiter. Der neue Hoteldirektor brachte die Personalchefin aus Groß Schwansee mit und es wurden auch gleich mehrere ehemalige A-ROSA-Mitarbeiter unter den Neuen ausgemacht. Thilo Mühl übernahm auch die Funktion des Prokuristen und hatte als General Manager viele Möglichkeiten der Koordinierung.

Neue Ausrichtung und Angebote für Familien

Zuerst veränderte er die Ausrichtung des Grand Hotels weg von steifer Klassik hin zu junger Moderne, die aber nichts an der luxuriösen Gediegenheit des Hauses fehlen ließ. Statt steif auf Altersgruppen fokussiert man sich jetzt auf Milieus, also auf „Bedürfnisgruppen“.

Für Familien wurden noch mehr Angebote geschaffen: Die Teenager-Lounge „Studio 3010“ wurde in einer ehemaligen Suite der Orangerie eröffnet und bietet den Teenagern ab 12 Jahren verschiedene Spiel- und Unterhaltungsmöglichkeiten. Nebenan wurden mittels Durchbrüche vier Familiensuiten geschaffen, die sich so variieren lassen, dass sie bis zu 190 Quadratmeter groß sind und bis zu 14 Leuten Platz bieten. So können auch Familien zusammen Urlaub im Grand Hotel machen.

Mehr Präsenz und Suche nach Partnern

Die Sales Manager sind im ganzen Land unterwegs, um Partnerschaften aufzubauen. Im Januar war das Grand Hotel zweimal komplett von Unternehmen gebucht wurden, unter anderem für eine Produktpräsentation der Marke Mercedes. Auch in den Medien ist Werbung des Grand Hotels wieder auffallend präsent und die Pressemitteilungen kommen nicht mehr aus Heiligendamm, sondern von Rausch-PR aus Hamburg.

Zuletzt bekam das Grand Hotel eine neue Internetseite, die modern und auch für Mobilgeräte viel besser geeignet ist. Der Auftrag dafür ging an dasselbe Unternehmen, das auch die Internetseiten des Schlossgutes Groß Schwansee erstellte. Das Grundkonzept der beiden Seiten ist ähnlich, was angesichts der ähnlichen Inhalte nachvollziehbar ist.

Erweiterungen und neue Veranstaltungen

Weitere Projekte sind am Start: Das Severin-Palais bekommt bis zur Saisonmitte ein Außenbecken, welches nicht nur beheizt und damit ganzjährig nutzbar, sondern auch das längste an der Ostsee sein wird. Der SPA-Bereich selbst soll im Herbst erweitert werden und mit etwa 2-3 Jahren Bauzeit ein Komplex mit 84 Mitarbeiterwohnungen am südlichen Ortsrand entstehen. Diese sollen an Mitarbeiter des Hotels vermietet werden, aber auch Mitarbeiter der Median-Klinik dürfen sort Zimmer mieten. Die Herstellungskosten trägt das Grand Hotel allein.

Zudem wird die seit Herbst laufende turnusmäßig nötige Auffrischung der von der Seeluft belasteten Fassaden der historischen Gebäude Gebäude weiter fortgesetzt und die Strandbar im April wiedereröffnet. Neue Veranstaltungen sind geplant, auch Unplugged-Konzerte und Open Air vor dem Kurhaus, sowie jetzt auch wechselnde DJs bei den White Nights. Thilo Mühl sitzt in einer Interessengruppe, die die Verlängerung der Seebrücke zum Ziel hat und zudem ist er Mitglied im Vorstand der DEHOGA.  

Nervosität nach Ausscheiden aus Selektion

Eigentlich sind das gute Nachrichten, aber als die Selektion deutscher Luxushotels das Grand Hotel im Sommer 2018 aus ihrer Runde entließ, sorgte das für große Nervosität. Als dann der Hotel-Eigentümer Paul Morzynski auch noch von der DPA so wiedergegeben wurde, dass es eine Option sei, auf vier Sterne herunter zu gehen, wenn seine Pläne nicht fruchten, schrillten die Alarmglocken.

Im Februar 2019 stellte er klar, sich falsch ausgedrückt zu haben und vier Sterne nicht anzustreben, sondern wenn es die gäbe, eher sechs Sterne Plus. Die seit 2014 anvisierte, aber knapp verfehlte Marke bei der Auslastung von 60% wird in 2019 überschritten und 70% als neues Ziel gesteckt. Trotzdem bleibt noch etwas Nervosität, denn die Ungereimtheiten setzen sich dort:

Hoteldirektor geht, Stellvertreter bleibt

Im Januar wurde Nikolaus Benedikt Grasmugg als Stellvertreter an Mühls Seite gestellt und das nährte die Gerüchte, dass er bald Mühl beerben wird. Der aber hatte gegenüber TopHotel.de kurz nach seinem Antritt gesagt, dass Heiligendamm für ihn keine Durchgangsstation sei. Auch in der Pressemitteilung zum Antritt sprach Morzynski nicht von einer kurzen Dauer: „Für die kommenden Jahre wünsche ich uns eine erfolgreiche und zukunftsträchtige Zusammenarbeit.“ Andere nahmen an, er solle mit seiner offensiv-freundlichen Art die förmliche Zurückhaltung Mühls ausgleichen.

Nun ist es offiziell: Thilo Mühl verlässt das Grand Hotel in der zweiten Hälfte des Jahres 2019. Das sei von Anfang an so vereinbart worden, denn Thilo Mühl sollte das Grand Hotel optimieren. TopHotel.de weist auf den Widerspruch hin (Artikel vom 12.03.2019: GM Thilo Mühl verlässt das Grand Hotel), das Grand Hotel sieht eine Stelle für mehr als ein Jahr hingegen nicht als Durchgangsstation.

Thilo Mühl, der im Berliner Palace Hotelfachmann gelernt und zuletzt acht Jahre das Schlossgut Groß Schwansee geführt hat, sagt zu seiner Arbeit im Grand Hotel:

“Vielen Dank an mein großartiges Team, denn gemeinsam haben wir die gesteckten Ziele mehr als erreicht. Paul Morzynski möchte ich danken, dass er mir die Aufgabe übertragen hat, das Grand Hotel Heiligendamm so zu strukturieren, dass es für die Zukunft hervorragend aufgestellt ist.“ 

Nikolaus Benedict Grasmugg bleibt im Grand Hotel, rückt aber nicht automatisch an die Stelle nach. Er führt das Grand Hotel zusammen mit André Morzynski und dem Vertrauten der Morzynski-Familie Patrick German Weber, die beide auch Geschäftsführer sind. Die Familie will einen neuen General Manager finden, der dann auch wieder länger bleibt.

Parallelen zur Ära Martin Kolb

Die kurze Ära Mühl erinnert in vielen Punkten an die noch kürzere Ära Martin H. Kolb. Der als „autoritärer Boss“ betitelte Hoteldirektor wurde genau zehn Jahre vorher Ende 2008 von Kempinski und Jagdfeld ins Grand Hotel geholt, um die Herberge durch schweres Fahrwasser zu fahren. Der Streit um die Wegeführung in Heiligendamm war gerade kurz vor dem Siedepunkt. Kolb räumte auf, die Mitarbeiter verließen in Scharen entweder gekündigt oder freiwillig das Hotel und tatsächlich wirkte sich das positiv auf die Zahlen aus.

Aber nicht so positiv, wie Kolb es sich vorstellte, der zudem noch zwischen den Fronten des Streits zwischen der Kempinski-Gruppe und Jagdfeld stand und den Posten nach wenigen Monaten lautlos räumte, sodass das Hotel kommissarisch geführt wurde. Kempinski trennte sich damals vom Grand Hotel und die Jagdfeld-Gruppe führte es in Eigenregie weiter, mit Holger König als neuen Hoteldirektor.

Thilo Mühl ist charakterlich nicht mit Martin Kolb zu vergleichen, aber die betroffenen Mitarbeiter von heute empfinden ähnlich, wie die von damals. Niemand redet schlecht über die Zeit seiner Arbeit im Grand Hotel und scheinbar niemand bereut seine Zeit dort. Manche sind enttäuscht von der Art des Endes, manche vermissen das tolle Team.  Die meisten von ihnen haben neue Jobs gefunden, ist doch das Grand Hotel eine exzellente Referenz in ihrer Vita. 

Nun sucht der wohl größte Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb der Stadt händeringend neue und auch weitere Mitarbeiter, weil er wachsen will und muss. Er lockt mit allerhand Angeboten, die die Abgelegenheit Heiligendamms wett machen sollen. Schließlich will er auch für Mitarbeiter nicht nur eine Durchgangsstation sein.

Die Zeichen stehen auf Veränderung. Thilo Mühl hat sie eingeleitet – wer sie wie weiterführt, wird das Jahr zeigen.

Bild: Thilo Mühl, (C) Grand Hotel Heiligendamm

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