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Keine Angst vor „Heuschrecken“

Die Median-Klinikgruppe aus Berlin hat vor einigen Wochen für das Grand Hotel in Heiligendamm ein Gebot abgegeben. Diese Nachricht sorgte für Freude und positive Erwartungen in der Stadt und auch im Land. In Zeitungskommentaren und Leserbriefen wurde diese neue Nachricht bejubelt, in der Politik wurde sie still zur Kenntnis genommen.

Da zeigt sich der Fortschritt des Mecklenburgers: Die Median-Gruppe gehört seit 2009 dem Londoner Immobilienunternehmen Marcol und der Private-Equity-Gesellschaft Advent International, die sich auch auf der „Liste der Heuschrecken“ des Magazins „Stern“ findet. Überall in Deutschland haben Private-Equity-Gesellschaften einen schlechten Ruf, werden sogar als „Perversion des Kapitalismus“ beschimpft. Der fortschrittliche Mecklenburger hingegen fürchtet sich nicht vor „Heuschrecken“.

In Heiligendamm sieht er in der Übernahme sogar eine Chance. Die Geschäftspraxis von Private Equity, die immer darauf ausgelegt ist, zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder auszusteigen und das Unternehmen zu verkaufen oder bei Nichterfolg – siehe Neckermann – abzuwickeln, stört ihn nicht. Der Exit-Punkt liegt normalerweise bei 5 bis 6 Jahren – Advent wird also voraussichtlich in zwei bis drei Jahren aus der Median-Klinikgruppe aussteigen. Was das für die Klinikgruppe und ihre Standorte und Investitionen – also ganz speziell für Heiligendamm – bedeutet, ist nicht absehbar.
Hier zeigt sich die wahre Offenheit des als rückständig und störrisch verschrienen Mecklenburgers: Er ist selbst so sehr Kapitalist, dass er keine Planungssicherheit und keine langfristigen Perspektiven braucht, sondern ganz flexibel am Markt agiert und sich wechselnden Situationen freudig hin gibt. Er vertraut auf den Lauf der Dinge zu seinem Gunsten, lebt im Jetzt und plant nur den heutigen Tag bis zum Abend. Und wenn es ihm doch einmal nicht gut geht, dann hofft er einfach, dass es durch sein bisheriges Tun und Lassen besser wird.

Vielleicht klappt es auch hier: Vielleicht lernt die Klinikgruppe sofort und problemlos, wie man ein Hotel führt, zudem noch so ein exponiertes. Vielleicht findet Advent einen Käufer, der die Median-Klinikgruppe übernimmt und am Standort Heiligendamm trotz des schlechten Umfeldes fest hält und vielleicht übernimmt er auch die bis dahin vielleicht neu hinzu gekommenen Flächen und Gebäude. Vielleicht übernimmt er dann sogar das Hotel-Konzept, sodass keine B-Pläne teuer geändert und Sondergebiete aufgelöst werden müssen; vielleicht lassen sich sogar die bestehende Verträge übernehmen, sodass ein Verkauf nicht alles wieder auf Anfang stellt. Wirklich bemerkenswert ist jedoch, auf wie viele „vielleichts“ man sich hier begeistert einlässt.

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