Mecklenburgisches Heim (Hotel & Pension Krieg, Mecklenburgisches Heim der Gesellschaft für Kaufmanns-Erholung)

Alte Namen: Hotel Pension Krieg (Krieg’s Hotel), Mecklenburgisches Heim für Kaufmanns-Erholung

Standort:
Gartenstraße 2
54°08’21.0″N 11°50’45.0″E

Bauzeit: 1887
Bauherr: vermutlich ein Herr Krieg
Architekt: unbekannt
Eigentümer: Krieg (1887- ca. 1922), Deutsche Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime (ca. 1922-1945), DDR über Volkseigentum (1949-1990), unbekannt (1990-2004), FUNDUS-Gruppe über EntwicklungsCompagnie Heiligendamm I GmbH & Co. KG (Jagdfeld) (seit 2004)
Nachgewiesene Nutzungen: Hotel Pension (1887- ca. 1922), Kaufmannserholungsheim (ca. 1922 – 1945), Wohnungen (1945-2015), Therapiesporthalle (1948-1993), Leerstand (seit 2015)

 

Beschreibung:

Nach dem Verkauf des Bades im Jahre 1873 an eine Aktiengesellschaft des Baron Otto von Kahlden und des Herzogs von Hohenlohe-Öhringen gab es Pläne zum Ausbau des Seebades. Baron von Kahlden erwarb 1885 die Anteile seines Partners und wurde alleiniger Eigentümer des Bades. In diesem Zusammenhang öffnete er das Seebad für weitere Zielgruppen. Dabei agierte er nicht als Auftraggeber, sondern stellte Bauland zur Verfügung. Am Bollhäger Weg (Kühlungsborner Straße) entstanden durch verschiedene Erwerber mehrere Hotel garni. Das waren reine Unterkünfte, die nach unserem Verständnis Ferienwohnungen wären. Für die Pension – also die Verpflegung – nutzen die Gäste die Restaurationen im Ort. Auf dem Oeconomiehof unmittelbar neben den neuen Hotel garni entstand in dem Zusammenhang eine Restauration.

(Quelle: Luftbildverlag Ernst Assmus Leipzig C1, Uferstr. 11)

Am Ortseingang von Doberan entstand am Feldweg ein Krieg’s Hotel. Über den Eigentümer ist nichts bekannt außer, dass er offensichtlich Krieg hieß. Das langestreckte Gebäude gehört zu den größten in Heiligendamm.

Draufblick von Nordost vor 1922 (Quelle: A. Beckmann)

Das markanteste Merkmal ist ein weit hervor springender zweiachsiger Eingangsrisalit in der Gebäudemitte. Er reicht über das Gebäude hinaus, ist mit einem flachen Walmdach gedeckt und mit Firststange bekrönt, die als Fahnenmast diente. Vom rundbogenförmigen mit Bossen und Putznutungen hervorgehobenen Eingang führt eine Treppe zur eigentlichen Rundbogen-Doppelflügeltür im Hochparterre. Das Gebäude ist ähnlich wie das Grand Hotel gegliedert.

Es hat nach links und rechts je einem zweiachsigen Hauptteil, gefolgt von je einem breiteren und höheren zweiachsigen Seitenrisaliten. Das Haus ist unterkellert, die Beletage im Hochparterre ist mit umlaufenden Gesims und Putznutungen klar hervor gehoben. An ihr befand sich eine große Loggia über die ganze linke Gebäudehälfte und ein Eingangserker an der Nordseite. Auf ihm wiederum befand sich der Balkon des Obergeschosses.

Nordansicht, Zeit unbekannt – man beachte den völlig fehlenden Schriftzug (Quelle: Verlag Gebr. Draisfeld, Hamburg)

Als dritter Stock diente eine hohes Mezzaningeschoss, das durch doppelte Gesimse abgesetzt wurde. Auf die so entstandene Fläche wurde nach Norden später der Name des Hauses aufgemalt: Hotel Pension Krieg. Die Fenster waren allesamt Dreiflügelfenster mit Oberlicht, im Mezzanin und Keller zweiflügelig ohne Oberlicht. In der Beletage wurden sie mit Putzfugen umrahmt, im Obergeschoss mit Fensterbekrönungen versehen und im Mezzanin wieder umrahmt. Der Nordgiebel hat drei Achsen, von denen die mittlere mit dem Eingangserker und dem Balkon dominiert wird.

Südansicht, 2010

Die Südseite hat nur eine Mittelachse, wobei im Hochparterre ein Fensterpaar zum Einsatz kam. Dieses Motiv wiederholte sich auch in der Loggia in Form zweier Türen.

Saal, 2010

Dahinter befand sich ein großer Saal, der als Speiseraum diente.

Nordwestansicht, 2010

Nach Westen wiederholte sich das Motiv der Vorderseite, allerdings mit weniger herausragenden und mit dem Dach abschließenden Mittelrisalit. Rechts und links gibt es bis an die Fenster reichende Anbauten, die offenbar schon aus der Erbauungszeit stammten. In ihnen befanden sich offenbar Toiletten.

Korridor im 2. Stock, 2010

Das Haus besteht in der Mitte aus einem großzügigen Treppenhaus, von dem in jeder Etage lange Korridore abgehen.

Treppenhaus, 2010

Auf jeder Zwischenplattform führen Türen in die nachträglich geschaffenen Toiletten.

Plateau 2. Stock, 2010

Außer den Korridortüren führten von den sechseckigen Hauptplattformen jeweils eine Tür in den Mittelrisalt und rechts und links davon leichten Winkel je eine Tür in weitere Räume, sowie neben den Treppen ebenfalls im Winkel rechts und links eine Tür in weitere Räume.

Blick von Wohnung zum Flur, 2010

Der genaue Schnitt der Räume ist durch nachträgliche Grundrissänderungen nicht mehr rekonstruierbar. Immer hinter zwei Fenstern der Vorderseite befand sich ein Raum. An der Nordseite haben die Räume zwei große Fenster, sind aber verhältnismäßig klein.  Spuren in der Wand und noch verbundene Räume in anderen Etagen sprechen dafür, dass sie abgeteilt wurden. Auch dürfte die Leichtbau-Abtrennung des Nordflügels vom Rest des Hauses nachträglich vollzogen worden sein. Im Gebäude sind wahrscheinlich schon seit Beginn Kachelöfen verbaut.

Garten mit Erdkellern, 2010

Dieses Gebäude war kein Hotel garni, sondern eine Hotel Pension. Darum gab es einen Speisesaal mit Außenbereich. Im Garten, der sehr wahrscheinlich auch bewirtschaftet wurde, finden sich noch Erdmieten zur Lagerung von Obst und Gemüse.

Nordostansicht nach 1922 (Eigenverlag Ges. für Kaufmannserholungsheime)

Auf Postkarten findet sich zunächst die Bezeichnung „Hôtel Pension Krieg“, später steht das zwar immer noch an der Hauswand, aber auf den Postkarten „Kaufmanns-Erholungsheim. Auf einer Postkarte mit Stempel vom 07.09.1922 trägt das Haus den sperrigen Namen „Mecklenburgisches Heim der Deutschen Gesellschaft für Kaufmanns-Erholungsheime für Handel und Industrie“.

Die „Deutsche Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime“ wurde am 16.12.1910 in den Büroräumen des Wiesbadener Kaufmanns und Inhabers der Textilfirma „Nassauische Leinenindustrie Joseph Maier Baum“, Joseph Baum (1874-1917) in der Friedrichstraße gegründet. Gründungsmitglied war neben dem Unternehmer Baum auch der erste Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins, Heinrich Glücklich (1877-1971). Den Anstoß zur Gründung der Gesellschaft hatte die Schrift des Unternehmers Joseph Baum „Ein soziales Problem des Kaufmannsstandes“ aus dem Jahr 1910 gegeben. Hierin beschäftigte er sich in besonderer Weise mit den Folgen der fortschreitenden Industrialisierung und der Situation der zunehmenden Zahl der Angestellten und kleinen Kaufleute.

Den sozialen und gesundheitlichen Belastungen, die durch die Arbeitsbedingungen in Handel und Industrie entstanden waren, wollte Joseph Baum mit einem bezahlbaren Urlaubsangebot für kleine Kaufleute und Angestellte begegnen. Die Erholung in schöner Umgebung sollte ihre Arbeitskraft wiederherstellen, die so auch den Unternehmern zugutekam. Kennzeichnend für Baums Pläne war seine Vision einer alle kaufmännischen und industriellen Betriebe umfassenden Einrichtung ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntnis und die politische Überzeugung. Sie sollten allen kaufmännischen und technischen Angestellten offen stehen.

Hierfür wollte Joseph Baum in den folgenden Jahren zunächst 20 Heime ins Leben rufen, die mit Hilfe von Schuldverschreibungen, Stiftungen der Unternehmen sowie Mitgliedsbeiträgen finanziert werden sollten. Zahlreiche Grundstücke erhielt die Gesellschaft zu günstigen Konditionen. 1915 wurde der Name um den Zusatz „für Handel und Industrie“ ergänzt. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten erfolgte eine Umwandlung vieler Heime in KdF-Heime und mit dem Beginn des 2. Weltkrieges wurden viele Heime als Lazarett oder Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert. Nach Kriegsende besaß die Gesellschaft nicht einmal mehr die Hälfte der Heime.

Quelle: https://www.wiesbaden.de/microsite/stadtlexikon/a-z/Deutsche_Gesellschaft_fuer_Kaufmannserholungsheime.php

Was zwischen 1933 und 1942 mit dem Mecklenburgischen Heim geschah, ist noch nicht ergründet. Von Zeitzeugen (die Großmutter des Autors) weiß man, dass die Flüchtlinge aus Pommern nach ihrer Ankunft in Heiligendamm zunächst in verschiedene Gebäude einquartiert wurden und als sie dann verteilt wurden, einige im Mecklenburgischen Heim eine Wohnung bekamen.

Eine Wohnung, 2010

Offensichtlich existierten bis zuletzt Wohnungen in diesem Haus. Es gibt mit Durchbrüchen zusammengelegte Wohnungen mit mehreren Zimmern, Küchen und Bädern. Der Speisesaal diente dem Sanatorium und später der Ostseeklinik als Therapie-Sporthalle. 

Das Gebäude wurde ca. 2004 zum Erwerb angeboten. Die Projektentwicklungsgesellschaft Heiligendamm GmbH & Co. KG (die später die Residenz von Flotow baute) soll Interesse gehabt haben. Diese Info ist nicht belegt und ob das Interesse an der Immobilie oder wie beim Linden-Palais nur am Grundstück bestanden haben soll, ist unbekannt. Die WBG Stade hat in den Referenzen nur Neubauprojekte. Die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm GmbH & Co. KG (Jagdfeld) erwarb letztlich das Grundstück.

Blick auf die Fenster der Wohnung von Frau Berthel, 2010

Die seit Jahren einzige Mieterin durfte weiterhin wohnen bleiben. Nach einer Begutachtung (von der die Innenaufnahmen stammen, weil der Autor den Gutachter begleitete), wurde ca. 2014 der Mietvertrag beendet und das Grundstück gesichert.

Durchbruch vom Mittelrisalit nach Norden, 2010

Das Haus steht leer und einige Stellen sind stark beschädigt. Im Inneren lagern tonnenweise Müll und hinterlassene Einrichtungsgegenstände und es gibt Vandalismusschäden. Eine Nutzungsidee für das Haus wurde öffentlich noch nicht geäußert. Das Gebäude steht auf der Denkmalliste des Landkreises Rostock. Es ist zu erwarten, dass das Haus saniert wird. Die Erhaltungsmöglichkeiten der Bausubstanz sind in dieser Lage besser, als in der ersten Reihe.

 

Hinweis:
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