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Renntage abgesagt: Geschichte wiederholt sich

Die Renntage 2016 sind abgesagt. Schon mehrmals fielen Rennen aus: 1915 bis 1922 wegen des Ersten Weltkriegs und der Revolution. Herzog Adolf Friedrich, warb um Geld für die Wiedernutzbarmachung, die Regierung hatte wenig Interesse. Nach dem Jubiläum war schon wieder Schluss, denn die Hyperinflation machte 1923 Rennen unmöglich. Adolf Friedrich hielt den Rennverein privat über Wasser und er war es auch, der die Rennbahn 1926 zur Feststätte für das 100. Jubiläum der Exil-Rückkehr des Herzogs machte, 1927 Reichspräsident Hindenburg einlud und 1928 Köhl und Hünefeld zum Ozeanflieger-Treffen hier landen ließ und für tausende Gästen sorgte.

1939 fand das letzte Rennen statt, der Verein nutzte bis 1943 die Rennbahn Berlin-Karlshorst. Selbst die Rote Armee richtete am 03.06.1945 ein Galopprennen aus und auch zu DDR-Zeiten gab es von 1956 bis 1962 jährlich einen Bauernrenntag. 1963 startete ein Motorradrennen, bevor das Gelände 1964 aufgelöst wurde. Ein Jahr nach der Wiedervereinigung wurde das für die Stadt so wichtige Kapitel wieder aufgeschlagen und das erste Rennen 1993 fand reges mediales Interesse.

Politisch war das nicht mehr Verdienst eines Herzogs, sondern des ersten demokratisch gewählten Bürgermeisters, der aber genau über dieses Projekt stolperte. Nach ihm erkannte die Politik das Potenzial nicht und sah nur die Kosten, auf Grund derer sie sich zur Verpachtung des Geländes entschloss.

Nun ist Bad Doberan aber nicht Hamburg oder Berlin und der Erhalt von Rennbahn und -tagen ohne Hilfe schwierig. Der Bürgermeister bringt die Stimmung auf den Punkt: Die Stadt kann kein Sponsoring für Elitepferderennen machen. Wie in Heiligendamm hat sie keine Ideen, wie man der „Elite“ das Geldausgeben schmackhaft macht und vorhandene Ideen – Hotel, Tribünen – sind zu groß für die kleine Rennbahn.

Dazu braucht es öfters und mehr Besucher und dazu mehr Attraktivität, auch im Umgang mit der Stätte und der Darstellung seiner Geschichte, seiner Seele. Auch der Rennverein muss bestehende Strukturen hinterfragen, was durch interne Streitigkeiten in bisher zu kurz kam: Geht die Logistik günstiger? Geht bei den Toto-Einnahmen mehr? Gibt es Fördermittel? Denn: Das „Elitepferdrennen“ ist eigentlich eine Leistungsprüfung.

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