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Rettung für Kammerhof 12? Investor hat Interesse am Ferienpark-Areal.

Was lange währt, könnte 2012 endlich gut werden: Kurz nach meinem Artikel im Stadtanzeiger am Samstag und der folgenden Berichterstattung in der Ostsee-Zeitung kam Bewegung in die verschlafene Kammerhof-Geschichte. Das 2004 auf Grund der Insolvenz aufgegebene Areal nördlich des Kammerhof-Wohngebietes ist eines der letzten städtischen Entwicklungsflächen und drohte mit dem Erwerb durch einen Landwirt dauerhaft zu Ackerland zu verkommen. Aber die Stadt beschloss, dem Landwirt zuvor zu kommen und dem Eigentümer – der Deutschen Kreditbank – mehr zu bieten. So konnte sie die Fläche letztlich kaufen. Prompt fand sich ein erster Interessent, denn von einer Kommune kauft es sich besser, als von einer Bank. Der hatte aber nicht genug Geld dabei. Doch sogleich meldete sich ein weiterer Interessent:

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OSTSEE-ZEITUNG vom 28.12.2011

Stadt hat Investor für das Areal „Kammerhof 12“ am Haken
Bürgermeister: „Die wollen sofort loslegen.“ Ferienpark könnte entstehen.

Bad Doberan – Ein Investor für einen großen Ferienpark nördlich Bad Doberans – dem so genannten Kammerhof-12-Areal – hat bei der Stadt angeklopft. „Es gibt jemanden, der großes Interesse daran hat, dass ich ihm einen Preis nennen kann“, sagt Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD).

Die Stadt hat sich die 33 Hektar große Fläche erst vor kurzem gesichert: Per Beschluss der Stadtvertreter sollen 480 000 Euro in die Hand genommen werden, um Forderungen der Deutschen KreditBank zu befriedigen, bestätigt Polzin. Mit diesem Geld sollte die Kammerhof-12-Gesellschaft aus der Insolvenz geholt werden. Polzin: „Die Stadt hat damit Gesellschafteranteile von mehr als 98 Prozent.“

Der Bürgermeister hat in der Vergangenheit immer wieder betont, dass das Areal zwischen Dammchaussee und nördlicher Umgehungsstraße „die einzige Entwicklungsfläche der Stadt“ sei, die es noch gebe. Zuletzt drängte die Zeit, da ein Landwirt der DKB 430 000 Euro für die zurzeit landwirtschaftlich genutzten Flächen geboten haben soll. Daher nun der Beschluss zur Entnahme des Geldes aus dem städtischen Sparstrumpf. Dazu war extra ein erneuter Nachtragshaushalt erforderlich.

Seit vielen Jahren versucht die Stadt Bad Doberan die Fläche als Ferienpark zu vermarkten. Ein potenzieller Investor musste im Jahre 2004 die Segel streichen, da ihm das Geld fehlte. Folge: Insolvenz. Die Stadt blieb auf einer Bürgschaft von rund 920 000 Euro sitzen. Eine Klage gegen den Landkreis Bad Doberan, der die Bürgschaft genehmigte, scheiterte 2009 wegen Verjährung (OZ berichtete). Nun endlich gute Nachricht: Der
Investor habe Interesse signalisiert, dass er ein schnelles Verfahren begrüßen würde. Die Stadt würde dann die Flächen wieder veräußern. „Wenn er es kauft, kauft er es komplett“, erklärt Polzin. „Da kann in absehbarer Zeit etwas passieren.“ Schon 2012? „Das vermag ich nicht zu sagen“, so der Bürgermeister. „Die wollen sofort loslegen.“

Wer der neue Investor ist, dazu hält sich Hartmut Polzin bedeckt. Auch die Stadtvertreter scheinen darüber noch im Dunkeln zu sein.
Es sei jemand, der mit der Umsetzung anderer Objekte fertig sei, erklärt der Bürgermeister. Auch Anfang Oktober hatte Polzin von einem Investor berichtet, der allerdings wieder abgesprungen sei, weil er wohl nicht genügend Geld dabei hatte.

Frank Pubantz
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So könnte eine lange Geschichte nun doch noch ein glückliches Ende finden. Doch auch dieses möchte ich zu Bedenken geben:
Bad Doberan hat kaum noch bezahlbare 3- und 4-Zimmer-Mietwohnungen. Für viele Singles sind schon die Mieten der 1- und 2-Zimmer-Wohnungen nicht mehr bezahlbar, denn die günstigsten Wohnungen fangen bei 350 Euro Kaltmiete für 20-40 Quadratmeter an und für zwei Zimmer sind 500 Euro Warmmiete keine Seltenheit. Wo kein drittes Zimmer zu finden ist, sinkt auch die Bereitschaft, Kinder in die Welt zu setzen und spätestens wenn ein Kind da ist und sich in Bad Doberan keine brauchbare Wohnung findet, ist der Weg nach Rostock vorprogrammiert.

Statt junger und fähiger Leute, die hier ihre Arbeitskraft einbringen und die Stadt gestalten wollen, kommen also nur noch Senioren, die sich hier ausruhen und die Stadt genießen wollen. Bad Doberan hat viele Ferienwohnungen, die den Eigentümern mehr Geld bringen aber Wohnraum blockieren. Bad Doberan hat auch viele komfortable Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser aber dieser Markt ist unbeweglich, bindet die Menschen bis ins hohe Alter. Nur Mietwohnungen sorgen für Bewegung und Austausch, schwemmen fähige Leute auf den Arbeitsmarkt und in die städtischen Be- und Getriebe.

Nur die echten Einwohner zählen in den Statistiken und werden für den Bau von Schulen, Kindergärten, Kultureinrichtungen und Sportstätten zu Grunde gelegt. Nur die hier dauerhaft wohnenden Menschen zählen in den Berechnungen der Umlagen und Schlüsselzuweisungen und bei der Verteilung von Steuergeldern und Fördermitteln. Nur die hier dauerhaft wohnenden Menschen geben hier auch dauerhaft ihr Geld aus und sorgen für Einnahmen in den Geschäften, wenn die Feriengäste längst wieder nach Hause gefahren sind. Wir brauchen Menschen, die dort leben, wo andere Urlaub machen, sonst verkommt Bad Doberan zum Ferienpark: Im Winter geschlossen.

Darum muss die Stadt dort, wo sie es noch kann, Mietwohnungsbau entwickeln. Gemeinsam mit den Wohnungsbaugenossenschaften WIG und AWG sollte es möglich sein, wie in Rostock ansprechende und dennoch bezahlbare Mietwohnungen zu schaffen und so der Stadt und den Wohnungsgesellschaften (und damit dann wieder der Stadt) neue Quellen zu erschließen.

Auch die Investoren sind gefragt, eben nicht nur Eigentumswohnungen zu erschaffen, um so in möglichst kurzer Zeit die Investitionen wieder zu erwirtschaften, sondern auch langfristig den Standort zu sichern un den Wert der Objekte dadurch zu steigern, dass das Umfeld verbessert wird. Mit Mietwohnungen lässt sich auch im Winter Geld verdienen – es ist ein sicheres und regelmäßiges Einkommen, das zudem noch wetterunabhängig und krisensicher ist. Haben Sie nicht Lust, Mietwohnungen in Bad Doberan zu bauen?

Und btw:
Haben Sie vielleicht eine Mietwohnung anzubieten: ab 3 Zimmer, ab 70 qm, bis 600 Euro Gesamtmiete?
Dann informieren Sie mich bitte! 

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