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Sinn und Unsinn über Heiligendamm: Große Leserbrief-Analyse

Bei der OSTSEE-ZEITUNG gingen in den letzten Tagen einige Leserbriefe zum Thema „Öffnung Heiligendamms“ ein. Die Briefe zeigen, wie sehr die Einheimischen an ihrem Seebad hängen. Aber sie zeigen auch, wie uninformiert sie sind. Ich habe mich entschlossen, die Spreu vom Weizen zu trennen (oder besser: Die Hülsenfrüchte von der Asche) und eine persönliche Analyse auf Grund der Fakten und mit ein wenig Logik vorzunehmen. Für einige Vorgänge ist Weitsicht nötig – nicht zu verwechseln mit der Glaskugel, über die auch ich nicht verfüge. Im Gegensatz zu einigen Leserbrief-Schreibern, die scheinbar phänomenale Fähigkeiten besitzen 😉 Hier folgen nun die in Ausschnitten zitierten und kommentierten Leserbriefe von Karsten Lehmann aus Nienhagen, Tom Wosar und Karin Schwede aus Bad Doberan, Axel Franz aus Wittenbeck, Stefan Füßel aus Gerdshagen und Chris Labouvie aus Loitz, die wenn sie dieses lesen, bitte nichts davon persönlich nehmen, sondern es als Einladung für eine klärende Diskussion auffassen möchten.

 

 

Der ferne Nachbar: Zäune öffnen.

Karsten Lehmann aus Nienhagen ist Google nicht einschlägig bekannt. Das ist ja auch nicht nötig – traurig wäre, wenn jemand der sich wirklich mit Heiligendamm befasst so einen Leserbrief schreiben würde. Lehmann ist das Beispiel des typischen „Lokalmediuminformierten“.

Er schreibt: „Es wäre wirklich schön, wenn Heiligendamm endlich wieder offen für jeden wäre“. Okay, das ist eine Meinung, die viele teilen. Lehmann aber weiß es besser, als Professoren und Unternehmensberater und behauptet: „Dass es für das Hotel schlecht wäre, ist doch nicht wahr.“

 

Erster Vergleich: 5-Sterne-Seebad vs. Sport- und Familienhotel.

Die Begründung lässt nicht auf sich warten. Lehmann zieht die „Hohe Düne“ in Warnemünde heran, die „für alle Leute offen“ ist und in der „Tagesgäste gern gesehen“ sind. Das hinkt natürlich gewaltig, denn er vergleicht ein Fünf-Sterne-Ressort (das Wort Ressort sagt schon aus, dass es eine Stadt in der Stadt ist), welches sich explizit an die Reichen der Reichen wendet mit einem Sport- und Familienhotel, das davon lebt, dass hier möglichst viele Leute hindurch laufen und „hängen bleiben“. Das ganze Hotel auf der Hohen Düne ist so angelegt, dass man an den Restaurants, Cafés und Läden vorbei muss, wenn man zum Jachthafen will. Heiligendamm hingegen wirbt mit Ruhe, Abgeschiedenheit, Entspannung, Erholung, Regeneration. Das sind zwei völlig unterschiedliche Hotelkonzepte. Schon der Preis zeigt, dass das YHD gar nicht den Anspruch an Exklusivität stellt: Ca. 120 Euro kostet hier die Nacht mit Frühstück für eine Person. Das zahlt der Gast in Heiligendamm schon für ein gutes aber einfaches SPA-Paket oder ein Mehrgängemenü im Restaurant „Friedrich Franz“.

 

Zweiter Vergleich: 5-Sterne-Seebad vs. Familien-Berghotel

Wohl ahnend, dass sein Beispiel nicht überzeugt, legt Lehmann mit dem Berghotel „Bastei“ in der sächsischen Schweiz nach und schreibt: „Jährlich kommen da Millionen an Besucher und laufen direkt am Hotel vorbei. Wenn dort der öffentliche Weg gesperrt wäre, würde es wohl einen Aufstand geben.“

 

Fazit: Die Vergleiche hinken auf allen Beinen.

Auch hier hinkt der Vergleich auf allen Beinen: Lehmann vergleicht fünf mit vier Sternen. Die teuerste Suite in der Hauptsaison am Wochenende kostet im Berghotel 78 Euro, Drei-Gänge-Menüs gibt es für 21 Euro. Das wäre so, als würde man den „Weißen Schwan“ mit „Pascham“ nebenan vergleichen – es funktioniert einfach nicht. Das Billighotel lebt von tausenden Gästen, das Luxushotel lebt von einer überschaubaren und zur vollsten Zufriedenheit bedien- und verwöhnbaren Zahl an Gästen. Wofür an der Bastei 1000 Gäste nötig sind, reichen in Heiligendamm etwa 300. Und diese 300 Gäste werden von Kopf bis Fuß verwöhnt von fast genauso vielen Mitarbeitern.

Noch ein Unterschied: Das Konzept des Berghotels ist „Komm zu uns und nimm uns als Ausgangspunkt für deine Erkundung der Region.“ In Heiligendamm ist das Konzept: „Komm her – hier bekommst du alles was du dir wünscht vom ersten bis zum letzten Tag auf einem Punkt.“ So etwas kann man einfach nicht vergleichen.  


Vollständiger Leserbrief unter:
http://www.ostsee-zeitung.de/mecklenburg/index_artikel_komplett.phtml?param=news&id=3393960

 

 

Der Pensionsbetreiber: Wege öffnen.

Tom Wosar aus Bad Doberan ist Betreiber einer Pension und in verschiedenen Vereinen der Gewerbetreibenden der Stadt tätig. Wosar wollte zusammen mit Parteifreund Stefan Rolfs eine Strandversorgung bauen, beide sind FDP-Mitglieder und Vertraute Harry Klinks, der sich auch nach der Vergabe der Strandversorgung an Ralf Gödeke noch für seine Parteifreunde in die Bresche legte und damit die Realisierung der Strandversorgung blockiert. Wosar äußerte sich mehrmals in der Zeitung zu Heiligendamm, bemängelt unter anderen fehlende Parkplätze und behauptete gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG kürzlich, dass er Interessenten für die Perlenkette kenne, deren Namen er aber nicht nennen wollte. Er forderte die Stadt auf, die Perlenkette zu Gunsten dieser unbekannten Dritten vorzukaufen.

Im Leserbrief schreibt Wosar: „Ja, stimmt: Wer will, dass das Hotel mit seinen 300 Beschäftigten bestehen bleibt, der muss sich zur Abschottung bekennen. Wer aber will, dass die weiße Stadt am Meer endlich aufblüht und da noch mehr Arbeitsplätze entstehen, kann nur für eine Öffnung der Wege plädieren.“

 

Heiligendamm von der Stange: Tagesgäste sollen das Bad mit Leben füllen.

Der Gastronom schreibt weiterhin, dass er jetzt fünf Jahre Abschottung erlebt hat und der Versuch in Heiligendamm sei eindeutig gescheitert. Er betont auch, dass der Versuch „unterstützt und mitgetragen von vielen Stadtvertretern“ wurde.

Wosar sieht die Region an den Erfolg „erlebbar für alle Besucher und Gäste“ gebunden und wünscht sich freie Wege für einen neuen Betreiber. Zitat: „Vielleicht jemanden wie die Kempinski-Gruppe, die schon vor Jahren in Heiligendamm wusste, dass sich auch mit dem Tagesgast viel Geld verdienen lässt.“

 

Stoff für Verschwörungstheorien: Hält Kempinski die Fäden in der Hand?

Bekommt damit der unsichtbare Dritte im Hintergrund der Verschwörungstheoretiker einen Namen? Wollte Kempinski Heiligendamm ganz für sich und hat das Hotel darum mit dem Ziel herunter gewirtschaftet, es ganz kaufen zu können? War der Blitz-Ausstieg 2009 der Versuch, das Hotel endgültig zu ruinieren? Sind die Gegenspieler in Bad Doberan in Wirklichkeit Kempinski-Marionetten, die versuchen, nun den Weg frei zu machen für eine möglichst billige Übernahme des Grand Hotels ganz ohne Jagdfeld und seine FUNDUS-Gruppe in der Nähe? Das ist der Stoff, aus denen 9/11-Theorien sind. Während die Mondlandung ziemlich sicher kein Fake war, fehlen in der Heiligendamm-Verschwörung immer noch Beweise. Alles Vermutungen. Die ich aber natürlich rein dokumentativ auch transportieren möchte.

 

Konfus: Die Stadt soll durch Rückübertragungen das Seebad retten.

Zurück zu Tom Wosar. Der kennt das Patent-Rezept und fordert, die Wege „zurück in die Hand der Stadt Bad Doberan und ihrer Bürger“ zu geben. Wosar sieht das als Chance, „um ein endgültiges Scheitern der Weißen Stadt am Meer zu verhindern.

Die Stadt, die kein Geld übrig hat, soll Flächen zurück übertragen, die sie aus Geldmangel nicht entwickeln kann, um das Seebad zu retten. Das mutet schon sehr wirr an.

 

Wo einmal Wege waren und warum sie nicht mehr sein können.

Nun denn: Man kann nicht ausschließen, dass ein Grand Hotel auch mit dem einen oder anderen offenen Zaun funktioniert. Es gab zu früheren Zeiten die Möglichkeit, durch die Professor-Vogel-Straße zur Promenade zu gelangen. Aber es gab zu früheren Zeiten kein Severin-Palais (das wurde erst 2000-2003 errichtet) mit Hotelzimmern und SPA-Bereich. Dass es nicht möglich ist, Touristenmassen zwischen zwei Häuser eines Hotels hindurch strömen zu lassen, dürfte einigermaßen vernünftigen Menschen einleuchten. Das schließt auch Wege zwischen Grand Hotel und Kurhaus oder zwischen Haus „Mecklenburg“ und Burg aus.

Sinn macht ein Weg nur zwischen Grand Hotel und Villa „Perle“ hindurch aber beide Häuser haben Terrassen, auf denen Leute sitzen möchten – auf der einen Hotelgäste und auf der anderen Ferienwohnungs-Gäste. Beide säßen auf Präsentiertellern. Zwischen den Villen Wege hindurch zu führen wäre also verkaufsschädigend für die Villen und auch nicht wirklich gut für das Hotel.

Auch die zukünftige Entwicklung des Areals hinter der Perlenkette – die Kolonnaden sollen Ferienwohnungen werden und daneben ein unbedingt benötigtes Zentrum für die Versorgung der Perlenkette, den Aufenthalt der Mitarbeiter und einem ebenso unbedingt benötigten großen Ballsaal entstehen. Weiterhin ist eine neue Villa geplant – die Lücke zwischen Kolonnaden und Prinzessin-von-Reuß-Palais wäre dann also dicht, womit sich ein möglicher Weg so weit nach Osten verlagern würde, dass er nur 50 Meter neben der Seedeichstraße verlaufen würde und dort keinen Zweck mehr erfüllt. Auch soll das geplante Thalasso-Zentrum sich baulich an die Perlenkette anschließen, sollte also nicht durch Wege von ihr abgetrennt werden.

 

Öffnung des Areals ist Quadratur des Kreises.

Praktisch wäre also eine Öffnung zwar theoretisch möglich aber kaum umsetzbar. Wenn, dann zerschneidet sie Strukturen und zerstört die Hotellogistik. So wie jetzt die „Freizügigkeit“ der Tagesgäste durch das zusammenhängende breite Hotelgelände ein wenig gestört wird (man muss ja 200 Meter weiter laufen, als 1996), so würde durch Wosars Vorschlag der Prozess umgekehrt werden und die Hotelgäste wären in ihrer „Freizügigkeit“ eingeschränkt. Nur gibt es für die dann keinen Umweg von einem Haus zum anderen, sondern nur den „Im-Bademantel-durch-die-Touristenströme-quer-hindurch-Weg.

 

Fazit: Nicht noch auf die dritte Pleite hinarbeiten.

Hatten wir von 2003 bis 2006 schon – die Hotelbewertungen reichten von Unverständnis bis Hohn – wollen nun einige Leute Bad Doberans wieder haben. Unter den Umständen scheint eine Pleite dann doch greifbarer, als ein Erfolg. Nach Kempinskis Ausstieg und der Hotel-Insolvenz in Eigenregie sollte nun nicht noch darauf hin gearbeitet werden, aller schlechten Dinge drei sein und auch den nächsten Betreiber Pleite gehen zu lassen.

 

 

Die  Ladenbesitzerin: Zäune öffnen.

Karin Schwede aus Bad Doberan ist Besitzerin eines kleinen Ladens mitten in der Bad Doberaner Innenstadt. So Recht die Frau in vielen Sachen auch hat, so falsch liegt sie oft bei der Benennung der Ursachen. Einfaches Beispiel: Ihr Geschäft liegt an der Kreuzung Goethestraße-Severinstraße-Mollistraße-Markt und dort wird seit einiger Zeit gebaut. Die Stadt hat – wie so oft – den Bau sehr kurzfristig antreiben müssen, weil die Angelegenheit erst lange von den Stadtvertretern diskutiert wurde (wie viele Bäume und Parkplätze, Radweg – ja oder nein) und nun die Fördermittel zu verfallen drohten. Also hat die Stadt nicht viele Informationen gegeben, sondern einfach anfangen lassen. Straße weg, Fußweg weg und Zäune vor Frau Schwedes Geschäft. Die findige Geschäftsfrau musste nun auf ihr Geschäft aufmerksam machen und tat dies durch eine dekorative Bank mit Schirm und Werbetafel. Prompt hagelte es Bußgelder. Frau Schwede nun beschwerte sich und regte sich in der Ostsee-Zeitung nacheinander über das Ordnungsamt, die Stadt an sich, die Baufirma und alles was sie so zu fassen bekam auf. Zunächst mochte man ihr zustimmen aber dann musste man sich doch fragen: Die Goethestraßen-Sanierung wurde fast ein Jahr lang diskutiert und die Diskussion durch die Ostsee-Zeitung veröffentlicht. Auch der Baubeginn stand in der Zeitung. Warum ist Frau Schwede nicht selbst aktiv geworden und hat sich im Rathaus – nur ein paar Schritte weiter – genau erkundigt, wie die Arbeiten ablaufen werden? Dort hätte man den Kontakt zur Baustellenplanung herstellen, sie informieren und sie sich auf die Gegebenheiten einstellen können. Leichter ist es aber, das Versagen bei anderen zu suchen. So auch in ihrem Leserbrief:

 

Gewagte These: Gäste, die 200 Euro für eine Nacht bezahlen, sind nutzlos.

Karin Schwede schreibt: „Ja zur Öffnung für alle! Heiligendamm muss wieder frei zugänglich sein, dann sind auch Einnahmen garantiert.“ Die Ladenbesitzerin fragt sich, was „uns“ ein Gast  nützt, der circa 200 Euro für eine Nacht bezahlt. Sie ist der Meinung, dass es besser ist, „Einheimische und Touristen mit kleiner Geldbörse in großer Anzahl nach Heiligendamm zu holen“. Als Beispiele nennt sie „Ein schönes Café, Ferienunterkünfte, die das kleine Portemonnaie ansprechen“ und schlussfolgert, dass dann „Einnahmen vorprogrammiert“ seien  und  die 300 Arbeitsplätze gerettet wären. „Arbeit gebe es genug“ schreibt die Gewerbetreibende und fordert die Stadtvertreter und den Bürgermeister auf, „Größe zu zeigen und Heiligendamm für alle zu öffnen“.

Mein erster Gedanke: „Was für’n Bullshit“. Mein zweiter: Sagt man nicht. Mein dritter: Sie weiß es nicht besser. Mein vierter: Ich muss was tun, damit der unbedarfte Leser nicht in die Gegenständlichkeit des ersten Gedanken hinein tritt. Also los:

 

Heiligendamm von der Stange ist das Ende des ersten deutschen Seebades.

Natürlich kann man Heiligendamm genau wie Kühlungsborn entwickeln und eine weitere Massentouristenstätte bauen, in ihr Bettenburgen hochziehen, zu den ca. sechs vorhanden aber offenbar übersehenen noch ein „schönes Café“ ansiedeln, vielleicht noch die Seebrücke verlängern um alle zwei Stunden 200 neue Gäste an Land zu schubsen und Heiligendamm mit Touristen zu überschütten. Das würde für das erste auch mehr Einnahmen als jetzt bringen aber schnell würden die Touristen merken, dass es hier nichts zu sehen, sondern nur Geld auszugeben gibt.

Heiligendamm als Bad für Massentouristen muss sich der direkten Konkurrenz in Kühlungsborn und Warnemünde stellen. Dazu aber gibt es in Heiligendamm zu wenig und die Stadt hat weder Mittel noch Flächen, mehr als noch die Strandversorgung zu realisieren. Man kann Heiligendamm als Kuh benutzen aber da das nächstbeste Hotel und das nächstbeste Von-der-Stange-Angebot zu bauen, hat nichts mit Melken zu tun, sondern kommt Schlachten gleich. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.

Heiligendamm-von-der-Stange ist das Ende des ersten deutschen Seebades. Es ist dann nur noch so ein ehemaliges Fürstenbad mit chicen alten Häusern – wie Putbus. Kennen Sie nicht? Eben!

 

Wer kann mal eben 200.000 Euro Gewerbesteuern aufbringen?

Wichtigstes Argument aber: Das Grand Hotel zahlt 200.000 Euro Gewerbesteuern. Alle kleinen Cafés, Bäcker, Ferienunterkünfte und was Frau Schwede sich sonst noch vorstellen kann, müssten mindestens diese Summe auch an Gewerbesteuern in die Stadtkasse spülen, sonst ist das ganze kein Fort- sondern ein Rückschritt. Gerade diese vielen kleinen mittelmäßigen Imbisse zahlen aber nur wenig bis gar keine Gewerbesteuer.

Richtig dicke Happen gibt es nur von großen Hotels. Und umso mehr diese verdienen, umso mehr Steuern fließen. Da man das Grand Hotel schlecht aufstocken oder mal eben anbauen kann, wird jeder neue Betreiber hier auch nur die Zahl an Betten hinein kriegen, die jetzt auch drin ist.

 

200 Euro für das Zimmer und 2,50 Euro für die Wurst
oder 100 Euro für das Zimmer und 5 Euro für die Wurst?

Verlangt man also – aus welchen karitativen Zwecken auch immer – statt 200 Euro nur noch 100 Euro vom Gast, fließen ganz grob und dumm gesagt auch nur noch 100.000 statt 200.000 Euro in die Stadtkasse. Die fehlenden 100.000 Euro (wie gesagt – das ist eine Milchmädchenrechnung und dient nur als Beispiel) müssten dann die vielen kleinen Von-der-Stange-Geschäfte zusätzlich erwirtschaften.

Wie? Durch hohe Preise. Also statt 200 für das Zimmer und 2,50 für die Wurst dann eben 100 für das Zimmer und 5 Euro für die Wurst. Folge: Kühlungsborn und Warnemünde werden mehr Würste im Monat verkaufen, als Heiligendamm im Jahr. Tolle Aussichten.

Zum vollständigen Leserbrief:
http://www.ostsee-zeitung.de/ozdigital/archiv.phtml?param=news&id=3394234&seite=%2Fozdigital%2Farchiv.phtml&login_x=47&login_y=9

 

Der nahe Nachbar: Zäune öffnen.

Axel Franz aus Wittenbeck schrieb den vorerst letzten Leserbrief wurde am 17.03.2012 in der OSTSEE-ZEITUNG. Immer wieder fällt auf, dass es in der näheren Umgebung Heiligendamms Leute gibt, die die Sache differenzierter sehen, als ein paar Kilometer weiter entfernt in Bad Doberan.

 

Schluss mit dem Theater!

Der Wittenbecker Axel Franz schreibt, dass in der Vergangenheit „zu viel Theater um Heiligendamm gemacht“ wurde. Für ihn erscheint es „wahrscheinlich vernünftig, wenn der oder die neuen Besitzer einen „normalen“ Hotelbetrieb in den bestehenden internationalen Hotelstandards betreiben ohne viel „Theater“ .

 

Kann man Tote eigentlich wiederbeleben?

Für Herrn Franz ist Heiligendamm ist „nach wie vor ein „toter Ort“ ohne Attraktivität“. Wäre der Wittenbecker Tourist, würde es ihn dort nicht hin treiben, sondern ins nahe gelegene Kühlungsborn. Wobei der Vergleich natürlich hinkt: Nach Heiligendamm soll es Gäste treiben, die für durchschnittlich 200 Euro pro Nacht in Luxus schwelgen wollen. Diese Gäste finden in Kühlungsborn gar nicht das Angebot, das sie in Heiligendamm suchen und derzeit auch einigermaßen finden. Es gibt nichts vergleichbares in der Nähe – darum sind Vergleiche überflüssig.

 

Haben sich die Zeiten wirklich geändert? Geht Luxus überhaupt noch?

Axel Franz schreibt weiter, dass man „das heutige Heiligendamm nicht mehr mit den Werten des 19 bzw. 20. Jahrhunderts vergleichen könne, weil sich die Zeiten haben geändert hätten.

Diese sehr subjektive Empfindung ist schwer zu belegen: Es gibt Luxusautos, Luxusvillen, Luxusmarken für alle möglichen benötigten und nicht benötigten Gegenstände von Kleidung über Schmuck bis hin zur Toiletten-Marke; es gibt Luxusreisen, Luxushotels und Luxusressorts. Gäbe es keine Nachfrage nach diesen Dingen, gäbe es auch diese Dinge nicht. Es gibt aber eine breite Masse wohlhabender Leute und Menschen, die es sich leisten können, Luxus zu genießen und auf der anderen Seite gibt es jede Menge Menschen, die es sich nicht leisten können und trotzdem tun.

Was also hat sich geändert? Die Zeit ganz sicher – morgen schon ist heute gestern und jetzt ist jetzt vorbei. Aber die Menschen mit ihren Bedürfnissen nach Anerkennung, ihrer Sehnsucht nach Erfüllung, ihrem Traum vom Paradies und ihrem Sinn dafür, sich ständig mit anderen zu vergleichen und zu messen, sind dieselben wie damals.

 

Einziger Unterschied: Der Pöbel kuscht nicht mehr.

Der einzige Unterschied zu damals: Der Pöbel kuscht nicht mehr. Und das ist das einzige Problem für das Grand Hotel in Heiligendamm: Würden die Tagesgäste Heiligendamm einfach meiden, hätten die Hotelgäste ihre Ruhe und jeder Zaun wäre überflüssig. Heiligendamm würde wachsen, Appartements und Villen entstehen und der Hotelgast würde in ein kleines Paradies einchecken, in dem es alles gibt, was er sucht oder auch nicht sucht. So war es damals und so sollte es wieder werden. So würde es auch funktionieren aber: Der Pöbel kuscht nicht. Um dieses Paradies zu errichten bedarf es Zäune, die gar nicht hoch genug sein können, um „Normalos“ fern zu halten. Für die einen ein Traum und für die anderen ein Albtraum.

 

Adel verpflichtet. Normalität nicht.

Im Gegensatz zu damals sitzen heute diese „Normalos“ im Rathaus, wollen sich nichts wegnehmen lassen, sind aber auch nicht in der Lage, das Umfeld „normal“ zu entwickeln und damit die Gegensätze zu entschärfen. Das Luxusressort Heiligendamm kann nur funktionieren, wenn sich darum ein Gürtel des Normalen aber doch ein wenig besonderen legt: Besondere Cafés und Restaurants für das „normale“ Portemonnaie und Angebote, die „für alle gehen“ – Segeln, Surfen, Kiten, Tauchen etc.. Die Wirtschaft hat das erkannt und es gibt erste Ansiedlungen dieser Art aber die Politik arbeitet daran vorbei und stellt keine städtischen Flächen auf dem schon engen Entwicklungsraum für die „etwas besondere Normalität“ zur Verfügung. Strandversorgungen, die sich von den Angeboten Kühlungsborns und Warnemündes abheben sind nötig aber die Stadtvertreter streiten darüber, statt Beschlüsse zu fassen.

 

Heiligendamm hat am Markt nur eine Chance: Seine Geschichte.

Heiligendamm hat in seiner nach 22 Jahren noch sehr unterentwickelten Lage nur eine Chance am Markt, wenn es besonders ist. So zu sein wie Kühlungsborn und Warnemünde bedeutet für Heiligendamm den Tod. Denn dazu ist es zu uninteressant – miese Infrastruktur, zu wenig Parkplätze, eine Seebrücke ohne Funktion, Strand ohne ordentliche Versorgung oder auch nur attraktive Angebote und ein Gebäudeensemble, das man in 30 Minuten durch hat und dann nicht noch einmal sehen muss.

Heiligendamm musste sich nie am Markt behaupten – lief es gut, flossen Gewinne, lief es schlecht, wurde dazu gebuttert oder eben einfach Anteile verkauft. Die Stadt muss sich nun entscheiden: Zubuttern bis in alle Ewigkeit oder den Gang an den Markt professionell und kompetent vorbereiten und durchziehen.

Die Stadtvertreter von Bürgerbund, FDP, Grüne und Linke aber wollen offenbar schon seit Jahren gar nichts entscheiden, sondern das Thema als Dauerthema immer weiter führen, um sich selbst zu profilieren.

 

Zum vollständigen Leserbrief:
http://www.ostsee-zeitung.de/ozdigital/archiv.phtml?param=news&id=3395039

 

Klassenkampf? Noch eine Nachbarschafts-Meinung.

Stefan Füßel aus Gerdshagen sieht die Sache etwas differenzierter und positioniert sich nicht, sondern erklärt. Nicht ohne Sarkasmus aber dennoch folgerichtig:

„Das Hotel soll für immer nur für „Ausgesuchte“ da sein und nicht für „Ottonormal“, schreibt Füßel und weiß, dass der „Ottonormal“ in die „Massenquartiere“ absteigen kann. Weiterhin heißt es – richtig erkannt – „Man will unter sich bleiben“. Füßel fragt: „Der „Pöbel“ soll nicht mit den Superreichen zusammen wohnen? und weiterhin „Wieviele verirren sich nach Heiligendamm? Die Antwort auf Frage eins ist: Natürlich nicht. In keinem 5-Sterne-Hotel soll der „Pöbel“ mit den Superreichen zusammen wohnen. Wenn dieser Anspruch bestünde, gäbe es keine Sterne-Kategorien und damit keine Preisklassen und keine Unterschiede. Die Superreichen wollen auskosten, superreich und eben nocht „ottonormal“ zu sein. Wenn man ihnen entsprechende Angebote macht, kann man damit an den Superreichen sehr viel Geld verdienen. Macht man diese Angebote nicht, muss man eben umso mehr „Ottonormale“ anlocken. Für 300 Hotelgäste ist in Heiligendamm Platz und 500 zusätzliche Bewohner kann der Stadtteil auch noch verkraften, wenn gleichzeitig die Infrastruktur wächst. Aber die zum Ausgleich dieser Einnahmequellen nötigen alternativen 5000 „Ottonormal-Urlauber“ würden Heiligendamm gnadenlos verstopfen. Alles in Heiligendamm ist gegen den Massentourismus ausgelegt – die Stadt hat seit 1990 Heiligendamm so entwickelt, dass dort kein Massentourismus möglich ist. Eine Umkehr würde 22 Jahre Arbeit zu Nichte machen und Millionen kosten.

Achso, Stefan Füßels „Kompetenzzentrum“:  „Anderswo ist es viel besser, siehe Fernsehen“.
Zum vollständigen Leserbrief:
http://www.ostsee-zeitung.de/ozdigital/archiv.phtml?param=news&id=3395198

 

Die vorpommersche Lokalpolitikerin: Reiche raus!

Chris Labouvie aus Loitz ist nach eigenen Angaben „aktive Kommunalpolitikerin“. Allerdings nicht in Bad Doberan, sondern in Greifswald. Kurze Recherchen ergaben, dass sie dort zu den Grünen gehörte aber Ende 2010 aus der Partei austreten wollte. Frau Labouvie geht offenbar direkt auf meine Erklärungen der Situation in Heiligendamm ein, denn sie schreibt „
Einen Urlaub von der Stange gibt es an der einzigartigen Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern nirgendwo, nur Lobbyisten und/oder Personen, die die Ostsse in M-V nicht kennen, können solche unwissenden Behauptungen aufstellen.“ Das disqualifiziert sie zwar gleich wieder als vorurteilbehaftet und unfähig oder zu faul, Google zu benutzen aber ihre Behauptungen zeigen, wie brisant das Klassendenken in Mecklenburg-Vorpommern ist und warum das Land möglicherweise wirklich nicht für Luxus-Tourismus geeignet ist:

Schon die Überschrift lautet: „Geben Sie Heiligendamm frei!“ und unterstellt eine illegale „Besetzung“ oder zumindest eine unangenehme Situation für die Allgemeinheit. Diese Art der Polemik wird gern benutzt, um „Betroffene“ auf seine Seite zu kriegen. Was „unfrei“ wirklich ist, weiß in der heutigen Zeit kaum noch ein Mitteleuropäer.

 

Steuergelder für Luxushotel? Nein: Steuergelder für Denkmalsanierung.

Labouvie kritisiert, dass die Landesregierung „50 Millionen Euro Förder- bzw. Steuergelder 1995 in den Bau des gefräßigen Luxus-Grabes Heiligendamm und als Dank schaufelte“. Damit liegt sie zwar zwei Jahre daneben aber das kann passieren. Ganz falsch ist diese Kritik nicht aber korrekterweise hat das Land nicht die Einrichtung eines Luxushotels, sondern die Rettung historischer Bauten gefördert – in die dann ein Luxushotel eingerichtet wurde. Dasselbe taten Land und Kreise auch bei anderen Hotels – zum Beispiel beim Friedrich-Franz-Palais und dem Prinzenpalais, für die auch Fördergelder flossen, nur eben bedeutend geringer. Ob es in Heiligendamm auch Zuschüsse direkt für das Hotel gab, ist mir nicht bekannt. Sicher ist: Die 50 Millionen flossen nicht ausschließlich in das Hotel, sondern in die Gebäudesanierung.

 

Steuerzahler werden ausgesperrt?

Labouvie kritisiert weiter: „Dafür wurden die Steuerzahler ausgesperrt, die Luxusgäste fühlten sich von den gemeinen Bürgern gestört!“ Es wird noch wirrer: „2007 erlaubte die Stadt Bad Doberan, dass sich die Luxustruppe abschotten und Zäune aufstellen durfte mit dem Hinweis: Zugang verboten! Eine Festung „weiße Stadt am Meer“, seit 2007 müssen die Bürger um die Zäune, die „Stadt“ herum zum Strand laufen.“

 

Statt der Mauer ist der G8-Sicherheitszaun in den Köpfen.

Nun fragt sich doch, WER die Ostsee in MV nicht kennt: Die Zäune wurden nicht auf einmal, sondern im Laufe der Zeit zwischen 2003 und 2006 aufgestellt, wobei 2006 die Einfriedung des Hotelgeländes abgeschlossen wurde, sodass dieses Jahr am Meisten in Erinnerung bleibt. 2007 wurde ein temporärer Sicherheitszaun in großem Abstand um den Ortsteil gezogen, um den G8-Gipfel abzusichern. Das Vordringen der Demonstranten bis direkt an den Zaun lässt erahnen was passiert wäre, wenn der Zaun nicht errichtet worden wäre. Dieser Zaun wurde nach wenigen Wochen wieder vollständig entfernt und er schützte nur die Staatschefs und Delegationen – während des G8-Gipfels gab es keinen normalen Hotelbetrieb und damit auch keine regulären Hotelgäste – auch die blieben „ausgesperrt“.

Labouvie ist nicht die einzige Person, die den nicht mehr existenten G8-Sicherheitszaun als Hoteleinfriedung ansieht und ihn in die Gegenwart projiziert. Da niemand so uninformiert sein kann, unterstelle ich hier böse Absicht: Der Zaun weckte Unwohlsein bei den Bürgern und zu behaupten, dass es diesen Zaun noch gäbe, ist Bauernfängerei.

 

Labouvie: Luxustourismus ist nicht mehr zeitgemäß.

Was Chris Labouvie richtig schlussfolgert, ist die Behauptung, dass die „elitäre Herberge“ (Neid?) „nicht in der Lage sei, sich selbst zu finanzieren. Das ist angesichts des unentwickelten Umfeldes und der schlechten Publicity und damit sehr schwankender Auslastungen eine traurige Tatsache.  Der Ausstieg der Kempinski-Gruppe und die Blockade der Stadtvertreter bei der Sanierung der Perlenkette (im weiten Sinne) taten ihren Beitrag.

Labouvie weiter: „Ob und wieviel weitere öffentliche Gelder flossen, das wäre noch eine interessante Frage“.  Als Lokalpolitikerin sollte es ihr möglich sein, diese Frage in Schwerin zu stellen und eine Antwort zu erhalten. Der Leser der Ostsee-Zeitung wird diese Frage eher nicht beantworten können.

Labouvie regt sich weiterhin über die neue „Pleite“ auf und resümiert: „Das zeigt eindeutig, dass der 5-Sterne-Luxus, in Form einer überbordenden sinnlosen Ressourcenverschwendung nicht mehr zeitgemäß ist.

Damit stellt die erste Politikerin dem Land Mecklenburg-Vorpommern das Zeugnis aus, für Luxustourismus nicht geeignet zu sein. Was an vielen Orten der Welt und auch in Deutschland (laut Wikipedia gibt es in Deutschland 133 5-Sterne-Hotels) funktioniert, sieht die Vorpommerin als „nicht mehr zeitgemäß“. Als Person in der öffentlichen Wahrnehmung lautet ihr Attest also: Mecklenburg-Vorpommern ist zu modern für den überholten Luxustourismus. Übrigens: Außer dem Grand Hotel gibt es 8 weitere 5-Sterne-Herbergen in Mecklenburg-Vorpommern. Heiligendamm ist die bekannteste und darum wäre es schon ganz gut, wenn Heiligendamm funktioniert, sonst leiden auch die anderen acht unter Image-Problemen.

 

Von Schildern, die es gar nicht gibt.

Zurück zur Grünen-Politikerin. Sie schreibt: „Allerdings gehören Zäune und Schilder mit „Betreten erlaubt ab 1000 Euro“ nicht zur Faszination unseres wunderbaren Urlaubslandes, deshalb gehören sie so schnell wie möglich abgerissen, es wird höchste Zeit!“

Nun fragt sich doch einmal mehr, ob Labouvie jemals in Heiligendamm war. Zäune gibt es – aber auch Tore, durch die man in das Grand Hotel gelangt. Dort kann man Kaffee trinken, Eis essen oder auch Kuchen und Torte – was natürlich preislich einem Gaststättenbesuch in Bad Doberan mit Vor- und Nachspeise und Getränken entspricht. Man kann auch essen gehen, was dann dementsprechend noch teurer ist oder man kann sich im Fitnessbereich abstrampeln, im SPA schwimmen gehen, in jeder erdenklichen Sauna schwitzen, sich massieren und verwöhnen lassen – ein Tag SPA im Basispaket kostet ähnlich viel wie im NeptunSPA Warnemünde und wie dort kann jeder dort hinein. Das weiß nur kaum einer, denn wenn es sich herum sprechen würde, wäre der SPA-Bereich bald überfüllt. Auf jeden Fall geht die Karte der „Unwissenheit von Lobbyisten“ zurück an die Grünen-Politikerin, die offenbart, Heiligendamm doch gar nicht richtig (oder einfach überhaupt nicht?) zu kennen.

Politiker haben den Vorteil, nicht wissen zu müssen, wovon sie reden, wenn es nur geschwungen genug ist: Labouvie fällt daher ihre Entscheidung auf Grundlage von… ja was?:

„Als aktive Kommunalpolitikerin möchte ich die Politiker von Bad Doberan unterstützen: reißen Sie die Zäune ab und handeln Sie zum Wohle der Mehrheit der Bürger, die Sie wählten.“

 

Grünen-Politikerin fordert: Ein oder zwei Sterne runter!

Und jetzt kommt es: „Eine „weiße Stadt“ mit 4 und auch 3 Sternen z.B. ist nobel genug, dafür offen und für viel mehr Menschen erschwinglich, es wäre eine absolute Bereicherung für die ganze Stadt.“

Nein, dazu gibt es nichts zu sagen. Wie gut, dass man in Greifswald nicht über die Politik Bad Doberans bestimmen kann. Geschichte? Interessiert nicht? Ansehen? Iwo. Wenn Bad Doberan Heiligendamm aufgibt – es zu einer Massentouristenbettenburg macht – dann wirft es seine Geschichte weg. Die dann wiederzufinden – Mecklenburg… 1000 Jahre?

Mein Gegenvorschlag: Rostock hat so eine schöne Uni. Frau Labouvie, machen Sie die Greifswalder Uni dicht und ein Studentenwohnheim draus und alle Studienrichtungen kommen nach Rostock. Dann merken Sie, was Sie da fordern.

 

Labouvie: Kapitel der Geschichte ausradieren und Erbe ausschlagen.

Dass die grüne Politikerin es ernst damit meint, die Geschichte einer Stadt, die sie nicht kennt mit Füßen zu treten und ein ganzes Kapitel einfach auszulöschen, zeigt dieses Zitat: “

„Franz I. baute die weiße Stadt für den europäischen Hochadel, das soll gewahrt bleiben – soll das sein fragwürdiges Vermächtnis sein?“

Abgesehen davon, dass die gelernte Erzieherin nicht einmal den Namen des bedeutenden mecklenburgischen Großherzogs zusammen kriegt (er hieß Friedrich Franz I.): Die SED-Führung hätte es 1949 nicht besser formulieren können, als sie Heiligendamm zum Massen-Bad für genesungsbedürftige Werktätige machte. Dann doch lieber ein Krankenhaus – das entspricht wenigstens Vogels Idee. Wie wäre es statt dem Grand Hotel mit einem Armenkrankenhaus für Hartz IV – und Sozialleistungsempfänger? Das wäre Dank rot-grün wirklich zeitgemäß.

Im letzten Absatz kommt dann die Klassenkämpferin Labouvie durch: „Liebe Stadt Doberan, befreien Sie sich vom Luxustourismus für eine Minderheit, die die Mehrheit, ihre Wählerinnen und Wähler, aus der eigenen Stadt ausgrenzt.“

Bemerkenswert: Die „Stadt Bad Doberan“ sind nicht die Wähler – also die Bürger – sondern nur die Gewählten – die Stadtvertreter (also nicht einmal die Stadtverwaltung). Ich dachte immer, die Grünen wären demokratisch?

Weiter: „Freuen Sie sich auf die Tages- und Wochenendgäste, die gerne wieder kommen, wenn in Heiligendamm die Grenzen gefallen sind. Jetzt haben Sie die Gelegenheit, nutzen Sie sie und lassen Sie sich nicht beirren!“

Grenzen? Ich wäre auch dafür, dass Grenzen fallen: Die zwischen Heiligendamm und Börgerende zum Beispiel. Dann hätten wir eine touristische Einheit mit Ein-Zwei-Drei-Vier- und Fünf-Sterne-Herbergen.

Der Dank des Volkes ist Ihnen sicher und für die wirtschaftliche Zukunft der Stadt ist es die mit Abstand beste Entscheidung!

Übersetzt: „Verzichten Sie auf 200.000 Euro Gewerbesteuern und treten Sie dem größten Arbeitgeber der Stadt in den Hintern – damit sichern Sie die wirtschaftliche Zukunft und das Volk wird Sie bejubeln.“ Alles klar. Manchen Lokalpolitikern wünsche ich, dass sie ewig Lokalpolitiker bleiben.

Zum vollständigen Leserbrief:
http://www.ostsee-zeitung.de/ozdigital/archiv.phtml?param=news&id=3395500

 

 

Erklärung: Von der Stange heißt nicht, ein Ei wie das andere.

Zuletzt noch diese Bemerkung: Natürlich meine ich mit „Von der Stange“ nicht, dass jeder Ort sich wie ein Ei dem anderen gleicht. Wer seine Anzüge von der Stange kauft weiß, dass es auch hier verschiedene Marken, Schnitte und Größen gibt, sowie verschiedene Farben und Ausstattungsmerkmale. Kühlungsborn ist nicht Warnemünde, auch wenn die Touristen immer wieder sagen, Kühlungsborn wäre nur das teurere Warnemünde. Die Orte sind grundsätzlich unterschiedlich aber beide verfolgen sehr ähnliche Ziele und Konzepte. Beide wollen den Tourismus in allen Kategorien abdecken und Geld in der breiten Masse abschöpfen. Warnemünde und auch Kühlungsborn haben den Platz dafür, Herbergen in allen Kategorien und Preisklassen zu bauen. In Heiligendamm gibt es kaum Platz und der wenige freie Platz darf nicht einfach bebaut werden. Was in Heiligendamm gebaut wird, muss sich unterordnen und optisch fügen. In Kühlungsborn gibt es „Klötzer“ und auch in Warnemünde setzt diese Entwicklung ein. Das ist in Heiligendamm so nicht möglich. Wo es aber nur eine sehr beschränkte Anzahl an als Hotel nutzbaren Bauwerken gibt muss man sich entscheiden, was man dort unterbringt: Drei Sterne mit der Folge, dass das Haus immer voll und damit die Infrastruktur überlastet (Strand zu eng, zu wenig Parkplätze, volle Wanderwege) ist oder fünf Sterne mit der Folge, dass weniger kommen, die aber mehr bezahlen. Auch das ist enorm wichtig: Umso enger der Raum, umso mehr muss damit verdient werden. Das Dritte Reich hat es so gelöst: Jeder darf nur eine Woche Urlaub machen und dafür kommt man dann auf 15.000 Gäste pro Saison. Ist das erstrebenswert?

 

Ein Kommentar

  1. Leserbrief von Eckart Paap aus Heiligendamm, veröffentlicht im „Reporter“ und der „Ostsee-Zeitung“:

    Heiligendamm könnte schon weiter sein

    Seit 20 Jahren habe ich alle Meinungen über Heiligendamm verfolgt.
    Neubau der Kurklinik: vier Jahre Verzögerung.
    Das Grand Hotel: sechs Jahre Verzögerung.

    Ein Herr Lex behauptet, wer an die Fertigstellung der Perlenkette glaubt, kann auch an den Weihnachtsmann glauben. Was für ein Niveau für einen Stadtvertretervorsteher?

    Ich bin der Meinung, ohne die Herren Meyer, Lex und Klink in der Stadtvertretung wären die Investitionen in Heiligendamm schon viel weiter. Gut Vorder Bollhagen, Golfplatz Wittenbeck, Gestüt Vorder Bollhagen, Fußballplatz und Volleyballplatz in Heiligendamm sind bereits fertig und die Villa Perle geht der Vollendung entgegen.

    Eckhard Paap, Heiligendamm

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