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Stichweg-Gedanken und ihre Reaktionen.

Lange habe ich mich zum Stichweg-Thema zurück gehalten, weil es eine Sache zwischen der Stadt und dem Grand Hotel ist. Aber während eines Rundgangs für eine TV-Produktion (Spiegel TV Geschichte) wurde dieses Thema mir quasi aufgedrückt und ich habe darüber nachgedacht, was der geplante Stichweg für Heiligendamm wirklich bedeutet. Dass er dem Grand Hotel und den Immobilien der Perlenkette schadet, steht wohl außer Frage. Doch schadet er nicht auch den Heiligendammer Gastronomen und Gewerbetreibenden? Während des fünfstündigen Rundgangs beobachtete ich und schrieb meine Gedanken auf:
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Stadtanzeiger am Samstag vom 10.12.2011

Heiligendamm: Stichweg-Gedanken

Fünf Jahre ist es her, als die Stadt Bad Doberan mit dem Grand Hotel Heiligendamm vereinbarte, auf einen Stichweg vom Molli-Bahnhof zur Promenade zu verzichten. Das Grand Hotel sollte die Möglichkeit haben, sich zu etablieren und zu beweisen, dass es als umfriedetes Ensemble besser läuft, als zuvor mit Wegen quer durch das Hotelgelände.

Voraus gegangen war der Vereinbarung eine lange emotionale Diskussion. Es galt, Wege zu finden, um ein mit einst von der Allgemeinheit genutzten Wegen durchzogenes Klinikgelände in ein für Gäste attraktives Hotelareal zu verwandeln. Tatsächlich fanden die Gäste Heiligendamms während der letzten fünf Jahre andere Wege zur Promenade.

Für Auto- und Radfahrer war der Stichweg keine Option. Fußgänger verirrten sich nur so lange in eine Sackgasse, wie diese bestand. Wenige Urlauber mochten sich nicht damit abfinden, nach 180 Metern nicht mehr geradeaus weiter laufen zu können. Nicht viele, oft immer dieselben und meistens welche, die nach der Wende das erste oder zweite Mal wieder in Heiligendamm waren, bemängelten Umwege zum Strand.

Ganz einleuchten mag ihre Argumentation nicht, wie ein Blick auf die Karten zeigt: Etwa 180 Meter sind es vom Bahnhof bis zum Sitzrondell im Kurwald. Der alte Trampelweg führte nun etwa 120 Meter bis zur Professor-Vogel-Straße. Von dort konnte man entweder 250 Meter nach Westen zur Seebrücke oder dieselbe Strecke nach Osten zum Haus „Bischofsstab“ gehen. Insgesamt lief man vom Bahnhof also bis vor 5 Jahren immer etwa 550 Meter.

Heute ist der kürzeste Weg etwa 580 bis 600 Meter lang und dann steht man neben dem Rettungsturm am Strand. Von dort aus hat man nach Westen etwa 470 Meter feste Promenade, die man sowieso abschreiten muss, um Heiligendamm erleben zu können. Es ist übrigens die Idee der Erbauer, Heiligendamm von Osten nach Westen zu erleben: Das Ensemble öffnet sich mit jedem Meter, den man geht. Fängt man mittendrin an, funktioniert das nicht.

Der ganze Streit geht nun darum, dass man heute  30-50 Meter weiter laufen muss, als vor 5 Jahren. Wenn Sie zwei Wege vermissen: Die 320 und 350 Meter langen Wege links und rechts vom Hauptgebäude des Grand Hotels standen nie zur Debatte, weil sie sinnigerweise dem Grand Hotel zugeordnet wurden.

Es geht also um ein paar Meter mehr, die der Gast durch den von ihm besuchten Ort laufen muss. Vergessen wird, dass die neue Wegführung im Herzen der neuen Strandversorgung mündet, der Besucher also zuerst auf Gastronomie und Gewerbe stößt, wo er Geld ausgeben kann. Und zwar, bevor er Richtung Westen Heiligendamm verlässt. Die angedachte Variante des Stichweges nimmt den kürzesten Weg durch den Kurwald und führt weg von Waldkapelle, Golfhaus-Café, Jagdhaus, Surfschule und Strandversorgung. Sie schadet den Gastronomen und Gewerbetreibenden mehr, als sie ihnen nützt.

Aber genau von diesen Ansiedlungen profitiert die Stadt, denn hier lässt der Tagesgast sein Geld. Solange im Westen kein Rundweg existiert, ist das Interesse an Heiligendamm an der Seebrücke beendet. Dann geht es eben weiter nach Kühlungsborn zum Geldausgeben.

Wer also profitiert, wenn die Stadt  – möglicherweise auf eigene Kosten – einen Stichweg weg von ihren Einnahmequellen bauen und auf die Grundsteuern der von ihm belegten Fläche verzichten muss? Das Grand Hotel nicht: Seit Wegfall des Stichweges hat sich die Rentabilität des Hotels verbessert. Die Median-Klinik ist zufrieden mit einer gefundenen Lösung und die großen Ferienhäuser in der Gartenstraße werben in Prospekten und im Internet sogar mit kurzen Wegen zum Strand.

Ist der Stichweg also nur das Interesse einiger Kommunalpolitiker, die immer noch glauben, ihnen würden wie 2004 Wählerstimmen zufliegen, wenn sie sich für einen Stichweg einsetzen?

Martin Dostal

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…und ihre Reaktionen

Einen Tag nach Veröffentlichung des Beitrages warf ein Unbekannter einen kurzen Brief als Reaktion auf den Artikel in den Briefkasten von Herrn Paap. Das fand ich schon sehr komisch aber es ist typisch für Heiligendamm: Bloß das Gesicht nicht zeigen – es könnte jemand drauf einschlagen. Es zeigt, wie festgefahren und wie abstrus die ganze Diskussion ist und wie einige Menschen eingeschüchtert sind, weil sie der Gegenpartei offenbar das Schlimmste zutrauen. Ich wurde gefragt, ob ich meinen Namen oder ein Kürzel für meine Artikel verwenden möchte, habe lange darüber nachgedacht und mich dann entschieden, mich nicht hinter einem (sowieso im Impressum zu findenden) Kürzel zu verstecken. Mir geht es um Bad Doberan und Heiligendamm als Ort, in dem ich leben und den ich leben sehen will. Dafür muss man sich nicht verstecken und das hätte auch der anonyme Schreiber nicht nötig gehabt, denn so schlecht sind seine Ausführungen nicht. Ich habe sie in einen eigenen Artikel eingearbeitet, der (noch?) nicht veröffentlicht wurde:

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Stichweg-Gedanken und ihre Reaktionen

Am 11.12.2011 konnten Sie, liebe Leser, meine persönlichen Gedanken zum Stichweg in Heiligendamm im Stadtanzeiger nachlesen.
Kurz darauf beschlossen die Stadtvertreter die Herstellung eben dieses Weges. Das bedeutet noch nicht, dass dieser Beschluss auch gleich umgesetzt werden kann, ist aber ein Signal aus dem Rathaus an die FUNDUS-Gruppe und natürlich auch an andere potenzielle Investoren.

Über Umwege erreichte mich ein – leider anonymer – Brief aus Heiligendamm, der zum Beitrag Stellung nimmt. Der bedauerlicherweise unbekannte Verfasser bezieht sich auf die Probleme der Fußgänger in Heiligendamm.

Und was er da schreibt, hat Hand und Fuß: Die meisten Fußgänger kommen vom Molli-Bahnhof und wollen zur Promenade. Damit ist der Kleine Wohld gar nicht so sehr von Interesse aber wenn man dort entlang laufen will, muss man sich mit Fahrrädern, parkenden und fahrenden Autos den ohnehin schlechten Weg teilen.

Der kürzeste Weg vom Bahnhof zum Strand führt durch den Kurwald auf die Seedeichstraße und als Alternative bietet sich die Kühlungsborner Straße an, die dann auch wieder zur Seedeichstraße führt. Jeder, der schon einmal im Sommer zu Fuß in Heiligendamm unterwegs war weiß, dass der kombinierte aber optisch nicht getrennte Fuß- und Radweg an der Seedeichstraße zu schmal für Fußgänger und Radfahrer ist. Die Rinnsteine – so führt der aufmerksame Verfasser an – sind zu scharfkantig und daher für Radfahrer ungeeignet. Auf die Seedeichstraße auszuweichen kommt ihnen auch nicht in den Sinn, da diese gerade einmal breit genug ist, damit zwei Autos aneinander vorbei kommen.

Die Seedeichstraße ist einfach schlecht geplant aber jede Verbreiterung hätte viel Geld und Bäumen das Leben gekostet und damit – wie schon in der Vergangenheit – Proteste hervor gerufen. Hier liegt es nun an den Verantwortlichen, wenigstens den Teil der Seedeichstraße zu verbreitern, der aus dem Kurwald heraus zum Strand und damit zu den Kurtaxe-Automaten führt.

Vielleicht finden unsere Stadtvertreter ja auch eine Möglichkeit, angesichts der Planungen eines weiteren Parkplatzes in Strandnähe die Zuwegung dorthin von Osten her zu erschließen oder zumindest nicht durch Heiligendamm hindurch auszuschildern. Noch mehr Autos können wir in Heiligendamm wirklich nicht gebrauchen – noch mehr zahlende Gäste hingegen schon.

Der unbekannte Verfasser führt auch den schnellen Wetterwechsel an der Küste als Problem für Tagesgäste an. Dann nämlich strömen die Menschen in Scharen Richtung Bahnhof und zu den Parkplätzen. Auch hier ist die Stadt gefragt: Heiligendamm braucht dringend ein paar strandnahe Unterstellmöglichkeiten – sei es nun in Form von dekorativen Dächern oder kleinen Pavillons. Vielleicht denkt auch der Investor für die Strandversorgung selbst daran und lockt mit einem durchsichtigen Vordach oder einer Säulenhalle Besucher an?

Es gibt so viele Möglichkeiten, Heiligendamm erlebbarer und wertvoller für die Gäste zu machen und in Verbindung mit den Vorschlägen zum Rundweg und der von Herrn Weisbrich vorgeschlagenen Gestaltung des Kleinen Wohld kann sich eine elegantere Lösung finden lassen, als die nachträgliche Zerschneidung eines als zusammenhängend angesehenen wertvollen Geländes zu Gunsten einer zweifelhaften Abkürzung von ein paar Metern.

Martin Dostal

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Ich hoffe sehr, dass die Stadtvertreter die Kritik des anonymen Schreibers ernst nehmen und auch meine Vorschläge einmal prüfen, denn wenn irgendwann jeder einmal in Heiligendamm war und enttäuscht wieder davon zog – wer kommt dann noch in 10-15 Jahren? Auch ein Stichweg wäre vor 10 Jahren nicht realisiert, weil da Enteignungen dran hängen. Er könnte also auch nicht mehr retten, was jetzt verdorben wird. Heiligendamm braucht JETZT Attraktivität und was die ECH im Westen vorgemacht hat, muss von der Stadt auf den ihr verbliebenen Flächen im Osten weitergeführt werden. Die größte Chance für Heiligendamm ist eine Verbindung mit Börgerende – später mehr dazu.

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