Warum heißt Heiligendamm so und was und wo ist der Heilige Damm?

Heiligendamm – der Name des Bad Doberaner Ortsteils vereint Religion und Küstenschutz. Doch wie ist der Name HEILIGENDAMM entstanden?

Eine Sage überliefert die Entstehung des Namens Heiligendamm:

An der Ostsee in der Nähe von Doberan war ein Ort in großer Bedrängnis von der Flut, und die Einwohner sahen ihr gewisses Verderben vor Augen. Mit jedem Tage entführte die Flut ein Stück vom Lande, schon drohte den nächst am Ufer gelegenen Häusern der Untergang. Da wurden im ganzen Mecklenburger Lande Betstunden angeordnet, und das Flehen und Schreien eines ganzen Landes fand Gnade vor dem Herrn. Zum letzten Male hatten sich mit Furcht und Zagen die Bewohner zum Schlummer niedergelegt, und viele fanden ihn nicht, denn die See rauschte gewaltig und ging hohl, und der Boden erzitterte, und es zuckten Blitze über die Meereswogen. Dann wurde es stiller, und der Mond trat hinter Wolken hervor, und da schauten manche vom Strande ängstlich hinaus, da lag etwas Großes, Dunkles im Wasser, und manche meinten, es sei der Kraken, der seinen inselgleichen Rücken aus der Flut hebe, und als der Tag kam, siehe, so verlief sich das Wasser mehr und mehr vom Strande, und vor den Blicken der erstaunten Bewohner lag eine hohe Düne wie ein Wall und fester Damm. Der war auf das Gebet des Landes in einer Nacht entstanden durch die göttliche Hilfe, und alles Volk lobte Gott, und sie nannten den Damm den heiligen Damm und konnten ihn nicht ohne Dank und Verehrung erblicken.

Quelle: Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853

 

Es gibt unterschiedliche Überlegungen zum Zeitpunkt dieser Sturmflut. 1301 und 1304 erreichten Sturmfluten Wellenhöhen von über 6 m NN. – allerdings nur auf offener See. Es war ein Pegel von mindestens 7 Metern nötig, um bis an die Klostermauern heranzureichen – die tektonische Absenkung mit eingerechnet wird das Klostergelände zu der Zeit 12 Meter über dem Meeresspiegel gelegen haben. Diese Pegelhöhen wurden in Deutschland und erst Recht an der Ostsee seit Menschengedenken noch nie erreicht. 

Schon frühere Schriften (u.a. Lauremberg) gehen aber von 1427 aus. Da die Conventer Niederung unter dem Meeresspiegel liegt und das Kloster auch außerhalb seiner Mauern Werkstätten und Grangien bis nach Rethwisch hatte und da sich das Kloster selbst an Bachläufen befindet, die bei Sturmfluten zurück stauten, brauchte es keinen 7 Meter hohen Wasserstand der Ostsee. Das Jahr 1427 ist also denkbar, wenn auch nicht so, wie in der Sage beschrieben.

Auf keinen Fall ist der Heilige Damm erst 1872 entstanden – da war das Seebad bereits in voller Blüte. Wohl aber könnte zu dieser Zeit der Strandwall vor dem Conventer See beschädigt und repariert worden sein. Man nennt auch diesen Wall den Heiligen Damm. 1872 reichte das Wasser durchaus bis an die Villen der Perlenkette heran, aber das hat dann nichts mehr mit Mönchen zu tun.

 

Der Heilige Damm

Der Damm, den die Bewohner zu sehen bekamen, wurde nicht erst angespült, sondern befand sich schon seit der letzten Eiszeit unter dem Meeresboden. Der 3-5 Meter hohe und etwa 30 Meter breite Geröllwall mit vielen dunklen Steinen, die man auch heute noch findet, liegt 4 Kilometer lang vor der Küste. Er beginnt ungefähr beim Haus “Bischofsstab” und reicht bis Börgerende. Langer starker auflandiger Sturm führte zu einer Auftürmung der Wassermassen zwischen Heiligendamm und Bad Doberan und der plötzliche Wechsel der Windrichtung sorgte dafür, dass allerhand Geröll und vor allem Sand in die Ostsee gezogen und gedrückt wurden. Dadurch kam der Wall mit dem eiszeitlichen Geschiebemergel zum Vorschein und erstaunte die Bewohner. Der Heilige Damm wird alsbald bei der Normalisierung des Wasserpegels auch wieder verschwunden sein und er wird kein schützender Damm gewesen sein. Dennoch tut das der Sage vom Heiligen Damm ganz sicher keinen Abbruch.

Das erste deutsche Seebad entstand dann auch nicht in Heiligendamm, sondern am Heiligen Damm.

„Hier ist der Blick bewunderungswürdig schön, der heilige Damm bezaubert uns gänzlich“ schrieb 1766 der englische Reiseschriftsteller Thomas Nugent. 

Irgendwann im 19. Jahrhundert zog man den Namen zusammen und nannte das Seebad “Heiligendamm”. Heute sagt man eher “Die Weiße Stadt am Meer”, denn wie schon Theodor Fontane fragt man sich:

“Wo ist denn nun der berühmte Heilige Damm?”
Seine Gastgeberin klärte ihn auf und er meinte wohl:
“Bis zu meiner Ankunft hatte ich etwas poetisch gewaltiges erwartet – zumindest doch aber etwas Sichtbares”. 

 

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