Wieder Ärger in Heiligendamm: Neben Jagdfeld ist nun auch König dran

Es rumort wieder in Heiligendamm. Zehn Jahre stritten sich Lokalpolitiker und Investor Anno August Jagdfeld um die Wegeführungen durch Heiligendamm. Auf Drängen der IHK machte man 2014 eine Mediation und nach einigen Spitzen derer, die keine Mediation wollten, war es fünf Jahre relativ ruhig und ging es endlich sichtbar voran in Heiligendamm. Doch nun platzen alte Wunden wieder auf und es gibt neue – und das nicht bei Jagdfeld, sondern beim nächsten Investor Klaus König. Ein persönlicher Bericht von Martin Dostal von ERSTES SEEBAD:

 

Wieder Wegestreit mit Jagdfeld

Jetzt holt eine Kleinigkeit wieder alles hervor: Die Verwaltung ändert gerade den Flächennutzungsplan und dort war bisher ein Weg auf der Steilküste entlang als Planungsziel eingezeichnet. Die Stadt hatte sich schon in den allerersten Verträgen mit Jagdfeld darauf verständigt, dass seine Gesellschaft als Ausgleich für den Wegfall des öffentlichen Weges über durch den Verkauf von Bundesvermögen nun privaten Grund auf der Steilküste einen Steg über das Packwerk unter der Steilküste baut.

Der Steg wurde von der Stadt abgenommen, aber einige Jahre später stellte sich heraus, dass er bei auflandigem Wind oft nicht nutzbar ist. Wieder war Jagdfelds Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) bereit, Geld in die Hand zu nehmen, um dieses Problem für die Stadt zu lösen. Nicht ganz ungezwungen: Der damalige FDP-Stadtvertreter Harry Klink hatte nach einem großen Streit, den der damalige Bürgermeister Hartmut Polzin einigermaßen schlichten konnte, in eigenen Nachverhandlungen die ECH dazu bewegt, einem Rundweg zuzustimmen. Der hätte eine Alternative zum Stichweg irgendwo über das Hotelgelände oder die Villengrundstücke oder beides darstellen können.

Die ECH stimmte zu, versäumte aber, sich schriftlich geben zu lassen, dass der Bau eines Rundweges zum Verzicht auf den Stichweg führt. So ging der Streit weiter, denn nun wollten einige Stadtvertreter beides: Einen Rundweg um das Privatgelände und einen Stichweg hindurch. Der Streit wurde erst 2015 mit dem offiziellen Verzicht auf den Stichweg beendet. Die IHK hatte auf eine Mediation gedrängt und nach langem Gezerre stimmte eine Mehrheit der Stadtvertreter dem zu. Immerhin fand sich so ein Kompromiss, auf dem man und nach dem die ECH endlich bauen konnte.

 

Jagdfelds alte Gegner sind wieder da

Zumindest dachte man das bis heute. Nun aber sprechen sich Heike Ohde und der Bürgermeister Jochen Arenz gegen die Streichung im F-Plan aus. Heike Ohde ist Architektin und Mitbegründerin der Bürgerinitiative „Pro Heiligendamm“, die sich 2003 gegen die Entwicklung Heiligendamms nach den Plänen Jagdfelds gründete und aus der der Bürgerbund hervor ging, für den sie jetzt im Stadtparlament sitzt. Was sie treibt, hat sie schon vielen Journalisten erzählt. Ihr geht es „Öffentlichkeit in Heiligendamm“ oder wie man den Zeitungsartikeln genauer entnehmen kann, um Orte, an denen sie als Kind war und nicht mehr sein kann, um Möglichkeiten, die sie früher hatte und die es nicht mehr gibt – sie nannte es gegenüber verschiedenen Medien „ein Stück verlorene Heimat“.

Damit ist sie nicht allein: Es gibt schon noch einige, die alten Wegen hinterher trauern oder mit 10 Minuten mehr Zeit vom Bahnhof zum Strand nicht einverstanden sind und es gibt halt auch jene, die sich ihren Bündnissen aus anderen Gründen anschließen. Sei es, weil man seine Wohnung oder seinen Job in Heiligendamm verloren hat oder als Bewerber aussortiert wurde. Oder auch aus politischen, weltanschaulichen oder ganz persönlichen Gründen. Immerhin ist Jagdfeld wohlhabend und aus dem Westen – für einige schlechthin das Sinnbild des bösen reichen Kapitalisten, der den armen Ossis alles wegnimmt.

Ohdes Kollege und Mitstreiter Hannes Meyer brachte den Streit mit Jagdfeld gegenüber dem Hamburger Abendblatt im März 2012 so auf den Punkt: „Am Ende nahmen wir alles, was wir kriegen konnten – als Faustpfand“. Es gibt kaum noch etwas, das sie sich nehmen können, denn der Fortschritt lässt ihre rückblickende Sicht alt aussehen und nach all dem Streit sind alle Verträge so oft abgeklopft worden, dass da einfach nichts mehr für sie heraus fällt. Der plötzlich wieder aufgetauchte Strich auf den Papier des F-Plans ist da ein willkommenes Etwas für die längst leere Faust.

 

Bürgermeister will Wald und Strand öffentlich

Der Bürgermeister wird andere Gründe, als Abneigung gegen „Wessis“ haben, kommt er doch selbst aus der gleichen Region, wie Jagdfeld. Als gelernter Sozialarbeiter und langjähriger Pflegeheim-Leiter spielt er aber eher auf dem Fußballplatz, als Golf – zumindest aber in einer anderen Liga, als ein großer Immobilienunternehmer. Ein wenig trägt der junggebliebene Bürgermeister Flower Power im Herzen und das und der Sinn für nette Kleinigkeiten macht ihn für die Bürger so sympathisch.

So ist auch seine Ansicht eine kapitalismuskritische: Wald und Strand müssen für ihn immer öffentlich sein. Für ihn geht es also offenbar auch nicht um eine Abneigung gegen Reichtum, sondern um sein Weltbild, das hier im Übrigen durchaus auf rechtsstaatlichen Füßen steht, denn Wald und Strand sind bis auf wenige Ausnahmen in Deutschland immer öffentlich.

 

Was heute nicht mehr in der Zeitung steht: Das Stück Wald, durch den der einst öffentliche Sandweg hindurch führte, wurde von der Stadt als Hotelpark umgewidmet und damit dem Eigentümer – der ECH – erlaubt, es einzufrieden. Damals gehörte das Grand Hotel noch zur Jagdfeld-Gruppe, aber auch der Verkauf 2013 hat nichts daran geändert, dass der Park für Hotelgäste ist – außer die drei Privatgrundstücke der Villen in ihm.

Einmal abgesehen davon, dass jeder Gast des Hotels sein darf und es keine Rolle spielt, ob er dort nach dem Verlassen seiner 300-Euro-Suite einen Morgenspaziergang durch den Hotelpark macht oder ob er als Tagesgast oder Einheimischer nach einem 4,80-Euro-Kaffee in der Gastronomie des Hotels durch den Park schlendert. Rein und an gleicher Stelle wieder raus kommt jeder – rein und an anderer Stelle wieder raus, bedarf einer Torkarte und die kriegen nur Hausgäste auf dem Chip ihrer Zimmerkarte. Damit kommen sie an einem der vier Tore des Hotels wieder in den öffentlichen Raum.

Was auch vergessen wird: Der Weg über den Strand und den Steg über das Packwerk sind nach wie vor öffentlich und jeder kann jederzeit dort lang – außer bei stärkerem auflandigem Wind. Bei stärkerem Nordwind kommt man aber nicht einmal von der Promenade bis zum Wasser, weil das Wasser zur Promenade kommt. Ein Strand ist – zumindest bei uns – kein betonierter Platz mit Wasserbecken. Da gibt es mal mehr und mal weniger Wasser, mal kommt man am Strand entlang und mal nicht. Das ist ganz natürlich, nur offenbar überhaupt nicht selbstverständlich.

Für den vorhandenen Steg ist aber die Stadt zuständig und wenn sie es nicht schafft, ihn ganzjährig begehbar zu halten, dann kann sie dieses Problem nicht auf Anlieger abwälzen, nur weil die Platz für einen Weg auf ihrem Grundstück haben, der das hauseigene Problem löst. Jeder Grundstückseigentümer würde dagegen klagen, wenn die Stadt ihm ein Stück vom Grundstück wegnehmen oder einfach einen öffentlichen Weg darüber führen würde. Schließlich kommt das einer Enteignung gleich.

Wenn das so einfach ginge, dann hätte Bad Doberan längst einen Radweg an der Ostseite der Dammchaussee. Die Anwohner in den Villen und Stadthäusern sind aber dagegen und im Recht. Die Stadt müsste in Heiligendamm nur den Steg umbauen, wenn sie will, dass man jederzeit am Strand entlang laufen kann. Der Rundweg war das Mittel dazu, aber das Rathaus hat es nie in die Hand genommen.

 

Stadt hat Alternative 10 Jahre nicht umgesetzt

 

Selbst Heike Ohde kritisiert die Verwaltung, dass sie sich seit 2009 nicht darum gekümmert hat, die Beschlüsse zum Rundweg umzusetzen. Der Ansatz ist da: Eine nach Osten zeigende Treppe am Strandzugang “Liegnitzweg”. Seitdem wurde der Steg über das Packwerk zweimal erneuert – beide Male hat es tausende Euro gekostet. Die Begründung: Reparieren ist billiger, als neu bauen. Dabei hatte man verschiedene Optionen und die ECH war zu beidem bereit:

Man hätte ganz einfach die Zugänge zum Steg in Form von Rampen verlängern und vom Wasser weg führen können. Das wäre auch im Erhalt billiger geworden. Der Steg wäre zur bei Hochwasser überflutet wurden, aber insgesamt hätte man ihn über das Jahr viel mehr Tage nutzen können. Ob es nun den Ort voran bringt, wenn man ihn schneller durchqueren kann, sei einmal dahin gestellt.

Wenn man Jagdfeld ärgern wollte, konnte man auch den Steg bis zum Strandabgang hin verlängern und bis zur Seebrücke. Das hätte richtig viel Geld gekostet. Der damalige Bauamtsleiter Norbert Sass warnte aber, dass die Stadt die Folgekosten für den Erhalt hätte – sowohl bei der billigen als auch bei der Luxusvariante. Und Forst und StALU machten klar, dass es an der Küste keine Sicherheit gibt, dass dieser Steg unversehrt bleibt. Nicht nur das Wasser und Treibgut setze dem Bauwerk zu – auch die Küstenabbrüche und umfallende Bäume würden ihn immer wieder beschädigen.

Manch einem blühte, dass so eine riesige Steganlage den Strand auch nicht gerade verschönern würde. So wurden beide Varianten seit 2009 nicht umgesetzt. Was die FDP in den Medien mit Tuten und Trompeten feierte, verschwand sang- und klanglos in der Schublade. Nachdem man sich weiter mit Jagdfeld stritt, hatte der auch keinen Anlass, da selbst aktiv zu werden und seine Hilfe anzubieten. Als man vor ein paar Jahren noch mal über eine Höherlegung des Steges nachdachte, bekräftigte die ECH dennoch, ihr Wort zu halten.

 

Neue Straße gratis oder teurer Rechtsstreit

Jetzt geht Jagdfeld sogar noch weiter: Er würde den städtischen Anteil für die Sanierung der Straße zum Kinderstrand zahlen, die etwa 400 Meter parallel zum strittigen Weg auf der Küste verläuft. Die Schlaglochpiste müssen sich alle Verkehrsteilnehmer teilen, obwohl hier kein geringerer, als der Europäische Küstenradwanderweg E9 entlang verläuft.

Dieses schlechte Aushängeschild an alle, die zwischen Warnemünde und Kühlungsborn radeln und wandern, könnte die Stadt los werden, ohne einen Cent selbst zu bezahlen, denn hier gäbe es Fördermittel und den städtischen Anteil würde die ECH bezahlen. Noch einmal versäumt Jagdfeld es aber sicherlich nicht, sich den Verzicht auf den strittigen Weg schriftlich gegen zu lassen. Und das wäre die Streichung aus dem F-Plan.

Doch die Alternative hat einen Pferdefuß: Wenn man an der Seebrücke steht und zum Kinderstrand möchte, müsste man zurück zur Seedeichstraße, durch den Kurwald und die Kühlungsborner Straße und steht dann nach 1,2 Kilometern an der MEDIAN-Klinik – 330 Meter vom vorherigen Standpunkt entfernt. Man müsste also 16 Minuten laufen, um zu der angebotenen Alternative zu gelangen. Diese Rechnung lässt aber den Steg außer Acht: Der aktuelle Stand ist, dass man die Treppe hinunter zum Strand nimmt und über den Steg zum Kinderstrand geht. Das dauert auf die Minute genauso lange, wie es oben auf der Steilküste dauern würde, wobei unten der Weg geradeaus geht und oben Windungen sind. 

Einzig für Radfahrer taugt der Weg über den Strand nicht, aber das hat man auch 2003 schon gewusst und deshalb ja den E9 über die Kühlungsborner Straße und die Straße zum Kinderstrand gelegt. Das Radfahren ist auf der Promenade und im Kurwald ohnehin verboten. Wer also mit dem Rad zum Kinderstrand will, fährt gleich die Straßen entlang dorthin.

Von der Seedeichstraße bis zum Kinderstrand sind es dann 10 Minuten mit dem Rad oder 24 Minuten zu Fuß. Der direkte Weg über die Promenade und durch den Hotelpark wäre für Radfahrer ohnehin verboten und würde zu Fuß 21 Minuten dauern – man spart also nur 3 Minuten.

Das ist dieselbe Diskussion, wie mit dem kurzen Weg vom Bahnhof zum Strand: Dürfte man über die Privatgrundstücke laufen, bräuchte man zu Fuß vom Bahnhof zur Promenade auf dem kürzesten Weg 4 Minuten, so aber läuft man 9 Minuten, weil man 5 Minuten um das Privatgrundstück herum durch den Kurwald laufen muss. Das ist einigen wohl zu viel und darum wollten sie den Stichweg von Süden nach Norden quer über Privatgrundstücke. Der ist vom Tisch, nun wollen sie eben den Stichweg von Ost nach West. 

Natürlich hat er selbst auch was davon: Er wohnt in einem der Cottages und das am Meisten von einem öffentlichem Weg betroffene Alexandrinencottage gehört auch zum Familienbesitz. Hier würde der Weg direkt dran vorbei führen, ob vorn oder hinten – jeder würde das Haus und seine Bewohner aus der Nähe betrachten.

Jene würde nur die Anpflanzung einer Hecke vor neugierigen Blicken schützen und das würde dann den Meerblick kosten. Noch ist das Cottage unsaniert – mit diesen „Aussichten“ wird auch keiner Interesse daran haben.

 

Ironischerweise lieben die träumenden Gäste, die diese Villa bestaunen, gerade diesen Meerblick und die ruhige abgelegene Lage. Von denen würde keiner auf die Idee kommen, einen öffentlichen Weg vor seiner Terrasse oder auch nur hinterm Haus zu wollen. Die Gäste würden den Bewohnern gönnen, was ein par Einheimische nicht wollen.

Die Jagdfelds wohnen übrigens nicht allein im Park. Alle Bewohner möchten ihre Ruhe haben, aber auch die Gäste des sonst überall offen einsehbaren Hotelgeländes lieben diesen Rückzugsort. Einer der Bewohner ist froh über diesen Rückzugsort in der Villa “Krone”, die er 2009 selbst sanieren ließ. Er schätzt es, an diesem Ort an der Ostsee unerkannt zu bleiben. Und er legt viel Wert darauf, dass sein Name nicht genannt wird. 

(Quelle: Archiv Beckmann)

Früher war das alles kein Thema – die Cottages waren sogar vom Rest des Hotelgeländes mit Zäunen und Toren getrennt. Aber das war zu früher für die, die gern an früher denken. Das war die Zeit, die sie nicht wiederhaben wollen – mitunter, weil sie es so in der Schule gelernt haben.

Das Nicht-gönnen-wollen kennt Jagdfeld, seit er hier oben ist. In Rerik ist ebenfalls ein alter Streit wieder entbrannt. Jagdfeld will das 2003 geplante Projekt umsetzen – viel kleiner als geplant, aber für seine alten und inzwischen auch neuen Gegner im Ort ist jedes Haus eines zu viel. Sie wollen die Halbinsel zurück und ein Naturschutzgebiet mit Museum drauf. Hauptsache öffentlich.

Jagdfeld ist in der komfortablen Lage, dieses Stück Erde nicht entwickeln zu müssen. Es gehört ihm und er hat Kinder und Enkel, die das einmal machen können, wenn die Gegner längst nicht mehr da sind. Das sagt er auch offen, wenngleich er da eher die nächsten Kommunalwahlen, als den Friedhof vor Augen hat.

In Heiligendamm wurde Jagdfeld als Kapitalist oder auch Gutsherr beschimpft. In Rerik ist gerade ein Tabu gebrochen worden. Die SPD-Stadtvertreterin Maria Pinkis sagte, Rerik habe Nazis und Russen überstanden und werde auch Jagdfeld überstehen. Gegen solche Anwürfe wirken die Stiche der Doberaner Lokalpolitiker gesittet. Trotzdem muss man sich auch gesittete Stiche nicht gefallen lassen. Schließlich gilt in einem Rechtsstaat das Recht.

Anno August Jagdfeld macht dann auch klar, wie die Alternative zum kostenlosen Ausbau der Straße aussieht: Ein teurer Rechtsstreit. Nicht nur mit ihm – er ist ja nur einer von vier Eigentümern, über deren Grundstücke der Weg ginge. Er betonte in der Sitzung, auch für das Grand Hotel zu sprechen. Die Stadt solle den Weg aus dem F-Plan streichen und Planungssicherheit geben.

 

Entscheidung gefallen

Da geben ihm indirekt selbst Birgit Mersjann (SPD) und Caroline Brandt (CDU) Recht. Beide Stadtvertreterinnen sind Juristinnen und für sie war das, was die Stadtvertreter beschließen sollten, nicht beschlussfähig. Denn im Bebauungsplan gibt es dieses Planungsziel nicht und darum müsse es aus dem F-Plan auch raus, zumindest könne man es aber nicht noch bekräftigen, wie vom Bürgerbund angestrebt. Der Bürgermeister hätte dem Beschluss widersprechen können. Das aber wollte er nicht. 

Am 24.02.2021 entschieden sich die Stadtvertreter mehrheitlich, den Weg zwar im F-Plan zu lassen, aber klar erkennbar am Strand und nicht auf der Steilküste entlang zu führen. Diesen Änderungsantrag hatten die Fraktionen von CDU und SPD eingebracht und wurden dafür von UDI-Mitglied Hannes Roggelin angegriffen, der meinte, es seien alte Seilschaften. Zusammen mit Bürgerbund und Linke appellierten die seit Jahren in der Stadtvertretung tätigen Befürworter für öffentliche Wege über Privatgrund an die neuen Stadtvertreter, man müsse angesichts des Klimawandels in die Zukunft schauen und einen Weg auf der Steilküste als Option offen halten. Heike Ohde betonte, dass es kein Planungsrecht gäbe – nur einen Planungswillen und man könne dann immer noch gemeinsam einen Kompromiss finden. 

Dieser Planungswille wäre weiterhin Zündstoff und wie Kompromisse aussehen, zeigt die Mediation, in der man Jagdfeld mit dem Verzicht auf den Stichweg zu allerlei Zugeständnissen bewegte. Durch das Nein der neuen Stadtvertreter gibt es nun nicht mehr und damit auch keine Grundlage für einen weiteren Weg auf der Steilküste. Wohl aber gibt es nun die Aussicht auf eine erneute Lagerbildung, denn nachdem es alten Stadtvertretern nicht gelang, die neuen zu beeinflussen, werden sie wieder das tun, was sie jahrelang getan haben – sie bekämpfen. 

Immerhin gibt es aber auch ein positives Zeichen: Die Stadt will sich endlich um ihren Steg kümmern und ihn auch bei höheren Wasserständen nutzbar machen. Es ist zu erwarten, dass punkto Geld die ECH gefragt wird. 

 

Das war der erste Streich. Der zweite folgt sogleich:

 

Nächster Schauplatz: Streit mit Klaus König um das neue Strandzentrum

Doch das ist nur eine – sinnbildliche – Baustelle. Eine richtige Baustelle befindet sich ganz im Osten Heiligendamms. Über die Entwicklung wurde bereits ausführlich berichtet. Grob gesagt ging es um den Zukauf des Streifens zwischen Hauswand und Straße, um dort Terrassen zu bauen und den beiden Bauteilen eine gemeinsame gerade Linie zu geben. Es geht um etwa 200 Quadratmeter, meistens Grünfläche, aber teilweise auch Parkplätze der Stadt, die dort 2004 entstanden sind, als das Grundstück noch nicht zum Verkauf stand.

König will dort eine durchgehende Terrassenlandschaft für beide Gebäude bauen, damit die Gastronomie Außenbereiche hat. Im Rathaus bezweifelt man, dass er überhaupt Gastronomie etablieren will und wollte allerhand Bedingungen an den Verkauf knüpfen. Darunter waren logische, wie der Bedingung, dass die Flächen öffentlich bleiben und auch einigermaßen unverschämte, wie die, dass der Privatinvestor für öffentliche Toiletten sorgen solle, die die Stadt nicht realisiert kriegt. Außerdem sollte er die Dachterrasse des als Hotel vorgesehenen zweiten Gebäudeteils ganz der Öffentlichkeit zugänglich machen. „Erpressen lassen“ wollte König sich nicht und auch der Bürgermeister als Verfasser der Bedingungen fand nicht gerade viel Anklang für seine Taktik.

Der letzte Stand war, dass der Bürgermeister Jochen Arenz trotz dieser direkten Meinungsverschiedenheiten mit Investor Klaus König alle noch einmal an einen Tisch holte und es einen Kompromiss gab, mit dem alle leben konnten. Das war ein positives Signal und es bewahrte die Gesichter aller Beteiligten.

 

Kompromiss wird unterwandert

Als es aber an die Umsetzung ging, stieß König gleich wieder auf Hürden. Er hatte sich verpflichtet, für den kleinen Streifen vor dem Haus den Preis zu zahlen, den ein Gutachter ermitteln sollte. Es geht insgesamt um etwa 200 qm Grünstreifen, erst einmal sollte es aber nur um ein Teilstück gehen, damit die beiden Gebäudeteile des Strandzentrums auf einer Linie liegen. Einem Kauf zuzustimmen, ohne vorher den Preis zu wissen, klingt komisch, ist aber bei der kleinen Fläche kein großes Risiko. Schließlich geht es hier nicht im Millionen.

Eigentlich. Der Gutachter kam jedoch zu einem Preis, den König nicht nachvollziehen konnte und darum überprüfen ließ und der nach seinem Gutachter zehnmal niedriger ist als das, was die Stadt von König haben wollte. Da ging es zwar auch nicht um ganz Millionen, aber um mehr als eine halbe.

Eine Einigung gab es nicht – König müsste also den Streifen teurer kaufen, als sein Gutachter es sagt oder das Haus umplanen. Natürlich steht die Frage im Raum, warum König die Gebäude nicht gleich zwei Meter weiter nach hinten gebaut hat. Diese Frage hat auch einen Hauch von Vorwurf, denn nebenan in Börgerende ist es Usus, die Baufläche voll auszunutzen und dann die Gemeinde die fehlenden Parkplätze bauen zu lassen.

Doch das kann man König nicht vorwerfen: Er schafft seine Parkplätze selbst und seine Gebäude nutzen gerade mal zwei Drittel seines Grundstücks aus. Er führt den schwierigen Baugrund als Grund dafür an, dass er nicht weiter hinten bauen kann. Das ist zumindest nicht widerlegt und schließlich ja auch so genehmigt worden.

Da König nach den ersten Streitigkeiten ohnehin schon eine Umplanung erwogen hatte, wird das zweite Gebäude nun mit einem Knick in der Fassade gebaut. König nennt ihn den „Bürgermeisterknick“ und kann sich bildlich vorstellen, dem Bürgermeister dort auch offiziell mit einer Infotafel ein Denkmal zu setzen.

 

König hatte große Hoffnungen in den neuen Bürgermeister

Grundsteinlegung für Pearl8: Investor Klaus König, Bürgermeister Jochen Arenz, Landrat Sebastian Constien (v.l.n.r.)

Groß ist seine Enttäuschung, nachdem er mit Arenz´ Vorgänger Torsten Semrau schlechte Erfahrungen machte und sich nun mit dem neuen Bürgermeister eine Zusammenarbeit erhoffte. Immerhin will er eben das Strandzentrum bauen, das die Stadt 2004 bauen wollte, aber nie realisiert hat und für das selbst Jagdfeld Entwürfe anfertigen lassen hat, obwohl er es nie bauen wollte. Diese letzte Fläche in der ersten Reihe muss einfach Gaststätten und Gewerbeflächen haben, denn der Strandverkehr hat sich nach Osten verlagert und von hier hinten ist es zu weit zum Strandpunkt und den Toiletten. Bis man zurück in der Strandmuschel ist, hat sich die Hälfte der Pommes auf dem Deich verteilt und ist das Eis längst weggeschmolzen. Und wer dringend auf Toilette muss, für den bleiben nur drei Dixis am Saisonparkplatz.

Wohl an den Toiletten hing zuletzt vieles fest. Die Stadt wollte gern eine gästefreundlichere Lösung. Am liebsten aber kostenlos oder wenigstens möglichst billig. König sollte öffentliche Toiletten anbieten oder die der Gastronomie öffentlich machen und würde dafür Geld bekommen.

 

Bad Doberan und seine Investoren

Luftbild von der Stahlbad-Ruine bzw Moorbad-Ruine Bad Doberan
Luftbild von der Stahlbad-Ruine bzw Moorbad-Ruine Bad Doberan (M. Sander)

So funktioniert es seit der Wende in Bad Doberan: Die Stadt will in Heiligendamm nichts selber machen und wenn ein Investor kommt, soll der alles machen. Jagdfeld hat sich auf dieses Spiel eingelassen, weil ihm das nützte. Eine Umgehungsstraße um und ein Auffangparkplatz vor Heiligendamm nützte ihm und auch eine funktionierende Schleuse und eine Unterstützung der Rennen nützte ihm.

Die in der Mediation von der Stadt als Verhandlungsmasse eingebrachten Investitionen, wie Sponsorings, eine Badeinsel und ein Spielplatz in Vorder Bollhagen nützen zwar eher denen, die diese Versprechen selbst nicht erfüllen konnten, aber Jagdfeld erhoffte sich von der Erfüllung der Versprechen anderer Ruhe, die er dann auch bekam. Wenigstens für 5 Jahre, in denen er zeigen konnte, dass er wirklich sanieren will. Die Stadt feierte derweil in Heiligendamm andere Erfolge: Eine eigene Toilettenanlage, einen Spielplatz und neue Strandzugänge und LED-Beleuchtung. Das ist auch wichtig, zeigt aber, wie tief die Messlatte der städtischen Investitionen in seinem Seeheilbad hängt.

Jagdfeld ist nur ein Beispiel: David Corleis steht mit seiner Moorbad-Sanierung auch vor einem riesigen Wunschzettel: Ein öffentliches Schwimmbad soll er bauen und überhaupt soll sein Hotel irgendwie doch auch ein wenig öffentlich nutzbar sein, vielleicht könne er sich auch am Kurpark beteiligen. Und bitte nicht zu groß bauen, auch wenn es sich dann nicht lohnt.

Corleis ist zunächst darauf eingegangen – oder auch „reingefallen“ und hat den kleinen Finger angeboten. Nun steckt er bis zum Ellenbogen drin in der ihn umringenden Schar und die besteht nicht nur aus Stadtvertretern, sondern auch als erwartungsvollen Bürgern. Ob er das Geld für solche Wünsche hat, weiß nur er selbst. Immerhin hat er mehrere Casilinio-Hotels und entwickelt so etwas.

 

Privatinvestor hat andere Prioritäten

Klaus König beim Richtfest für Pearl 8 in Heiligendamm

Klaus König ist hingegen Privatinvestor, der Geld in Projekte investiert, die er entwickelt und dann verkauft. Das ist nicht viel anders als das, was Jagdfeld tut, aber bei König gibt es keine große Gruppe und kein Firmengeflecht, das wie ein schützendes Netz unter ihm hängt. Das betont er immer wieder: Er haftet mit allem selbst als Kaufmann. Er ist nicht prominent und hat keine große Internetseite, auf dem er mit Referenzen wirbt.

Das ist vielleicht sein größtes Problem: Keiner weiß, was er eigentlich sonst noch macht und womit er sonst sein Geld verdient. Das gab auch im Rathaus Anlass für Spekulationen. Wobei es doch alles ganz einfach ist: Man verlangt ein Businesskonzept und einen Finanzierungsnachweis und darauf muss man sich dann verlassen. Wenn man schon das nicht schafft, gibt es keine Vertrauensbasis für eine gemeinsame Zusammenarbeit. Nur sollte einem das nicht erst einfallen, wenn der Investor mittendrin im Bauen ist.

Alles was man über Klaus König erfahren konnte, dass er aus Berlin kommt, in Templin mal eine Gastronomie, aber woanders auch schon mindestens einen Hotelbetrieb entwickelt und auch selbst geführt hat und sich zutraut, auch in Heiligendamm das Hotel selbst zu führen. Nicht als Direktor natürlich, aber als Geschäftsführer. Mehr will er auch gar nicht erzählen. Mit Projekten prahlen hört man ihn nicht. Und man weiß, dass er gerade erst Vater einer kleinen Tochter geworden ist und jetzt ganz andere Prioritäten hat, als sich mit Verwaltungsmitarbeitern herumzuärgern.

Er hat die Gerüste abgebaut und beginnt demnächst den zweiten Bauabschnitt, aber Eile hat er nicht mehr. Er hatte gewartet, bis Semrau nicht mehr Bürgermeister ist, bevor er mit der Pfahlgründung für Pearl 8 begann. Die 8 steht für die Anzahl der Jahre, die er gekämpft hat. Acht Jahre hat es gedauert, bis er die schwarze Billardkugel einlochen und den Grundstein legen konnte. Der zweite Bauabschnitt soll vielleicht „Pearl 9“ heißen, auch wenn es beim Billard keine 9 gibt. Auf jeden Fall möchte König nicht noch einmal neun Jahre bis zum nächsten Grundstein kämpfen.

Dabei stehen die schlechten Chancen gut: Bis zu den nächsten Bürgermeisterwahlen sind es noch fünf Jahre, wenn Jochen Arenz will und die Bürger auch, dann ist er zwölf Jahre Bürgermeister. Aber eine erstmal erteilte Baugenehmigung gilt 8 Jahre und solange König immer vor sich her baut, kann ihm keiner die Verlängerung versagen. „Beton hält auch Salzwasser stand“ weiß der Bauherr und wenn die Stadt ihn nicht bauen lässt, dann hat er eben mehr Zeit, seine Tochter aufwachsen zu sehen. Die schlechten Chancen stehen auch für die Stadt gut.

 

Wer sitzt am längeren Hebel?

Trotzdem kann ein verprellter Investor – auch wenn es nur ein kleiner privater ist – in der Zwischenzeit mit wenig Aufwand viel bewirken, an das die Stadt gar nicht denkt. Jagdfeld braucht einen Teil seines eigenen Parkplatzes in der Seedeichstraße für die Baustelleneinrichtung, die umziehen muss, weil sie genau dort steht, wo die Villa „Klingler“ gebaut werden soll. 60 bis 80 Parkplätze fallen weg und die Stadt muss das kompensieren. Normalerweise gibt es für Heiligendamm extra den großen Waldparkplatz neben dem Schießplatz, aber weil man dort durch den Wald zum Strand laufen muss, ist er nicht so beliebt.  

Das könnte sich nun ändern, aber der Weg von diesem Parkplatz zum Strand führt über Königs Grundstück. Man hat 2004 einen öffentlichen Weg gebaut und statt dann das Grundstück nur bis zu diesem Weg auszuschreiben, hat man es offenbar mit dem Weg verkauft. König hätte dort wahrscheinlich schon längst dicht machen können, aber er sah keinen Grund dafür.

Scheinbar fürchtet die Stadt nun, dass er jetzt einen hat – was er auch gar nicht abzustreiten versucht – und hat das Forstamt konsultiert. Das kam zu dem Schluss, dass der Bereich um den Golfteich herum inzwischen Wald ist. Der Bürgermeister sagte schon bei Jagdfeld, Wald ist öffentlich. Demnach müsste jeder nicht nur über Jagdfelds, Morzynskis und das einen namentlich nicht genannt werden wollenden Eigentümers, sondern folgerichtig auch über Königs Grundstück laufen dürfen.

Die Sache hat aber Haken: König muss diesen befestigten Weg auf seinem Grundstück gar nicht akzeptieren. Er könnte ihn wie die ECH den alten Weg vom Bahnhof zur Perlenkette einfach umpflügen und in seinem Wald munter Bäume pflanzen und damit der Umwelt Gutes tun. Er könnte sogar an einem Aktionstag Kinder belustigen und sich über die langen Gesichter im Rathaus freuen, die nichts dagegen tun können und wenn, dann nur mit noch mehr Gesichtsverlust.

Doch auch die Stadt selbst hat nur Nachteile daraus, dass dies nun Wald ist: Von hier aus würde sich ein Weg zum Saisonparkplatz anbieten. Das ist aber im Wald nicht so einfach möglich. Nicht zuletzt sollte um den Golfteich herum eigentlich eine kleine Parklandschaft entstehen, die ein wenig Kurpark-Charakter hat. Das stammt aus einer Zeit, als es den Kurwald noch nicht gab, der aber auch nur per Dekret ein besserer Wald ist, um irgendwie dem Seeheilbadstatus gerecht zu werden.

Gäste erkennen hier nichts Kurendes und ärgern sich, dass sie im Wald nicht Fahrrad fahren dürfen. Einen Kurpark suchen sie vergebens. Obgleich nicht viele überhaupt einen suchen – es ist mehr das Innenministerium, das darauf pocht, dass ein Seeheilbad einen Kurpark haben muss. Bisher hat es sich mit dem Kurwald zufrieden gegeben, es war an diesem Kompromiss ja auch beteiligt.

Aber Zeiten ändern sich und die Konkurrenz könnte gegen die Kurwaldverordnung klagen und hätte sogar Chancen, wie Juristen schon vor Jahren sagten. Dann müsste schnell ein Standort für einen Kurpark her, denn den Wald abholzen und zum Park erklären kann man auch nicht. Um am Golfteich aber den nun deklarierten Wald zum Park zu machen, braucht es mehr als eine Verordnung des Landes.

Diese Fläche lässt sich nun nicht mehr touristisch entwickeln. Hier ist jetzt Wald und wie in Heiligendamm nach ein paar Jahren Wirtschaftswälder und Waldseen aussehen, kann man sich selbst ansehen. Es ist besser, keine öffentliche Dachterrasse in der Nähe zu haben, von der man sich diesen Anblick antun muss. Der Golfteich sieht jetzt schon nicht wie ein Gewässer aus.

Die Stadt denkt auch darüber nach, den Saisonparkplatz zu optimieren, damit mehr Autos drauf passen. Sollte das nicht reichen, könnte sie auch über eine Vergrößerung nachdenken. Darüber braucht sie aber gar nicht nachdenken, denn ein Normenkontrollverfahren durch einen wütenden Nachbarn wäre ihr gewiss. Selbst den Neubau einer öffentlichen Toilette am Saisonparkplatz könnte König verzögern oder verhindern und die Parkplätze vor seinem Haus sind nach seiner Ansicht auch nicht mit dem Bebauungsplan vereinbar. König hat bereits mit einem Normenkontrollverfahren den Bau der ursprünglich größer geplanten Strandversorgung in der Kurve der Seedeichstraße verzögert. Man sollte also wissen, wozu er fähig und bereit wäre.

So hat der Investor seine Hebel in der Hand, um die Stadt zum Einlenken zu bewegen und die Stadt hat ihre in der Hand, um nicht einzulenken zu müssen. Allerdings hat die Stadt bei der Aufstellung des B-Planes Fehler gemacht, die König zugutekommen: Er muss gar keine Gastronomie und Gewerbeflächen bauen. Er muss nicht mal ein Hotel bauen. Er könnte auch ganz viele Ferienwohnungen in die beiden Gebäude bauen und würde damit mehr verdienen als über die Pachteinnahmen für Gewerbeflächen. Würde er sie alle selbst über ein Unternehmen gewerblich betreiben, würden sie nach heutigem Stand sogar bei einer weiteren Pandemie Hilfen bekommen.

Warum sollte er also überhaupt auf Gastronomie und Ladenflächen setzen? Für die Gäste von Ferienwohnungen wären die Terrassen vor ihren Fenstern gewiss nicht schlechter als für die Gäste der Gaststätten, die dort eigentlich hätten sitzen sollen. Außerdem unterstellt man ihm ja, nur Ferienwohnungen bauen zu wollen. König sagt süffisant, der Bürgermeister habe ihn da auf eine gute Idee gebracht.

 

Ohne Miteinander geht nichts mehr

Die Stadt hat beim Bebauungsplan und dem Grundstücksverkauf Fehler gemacht. Das ist die eine Seite und etwas, das vor der Zeit meisten der jetzigen Stadtvertreter liegt. Man hätte trotzdem gemeinsam an Lösungen arbeiten können. Stadtvertreter Harry Klink /Freie Wähler/KUSS) hat vorgeschlagen, den Deich als Aufenthaltsbereich mit stufenförmigen Terrassen umzugestalten, wie es übrigens 2004 die Planer für die ECH vorgeschlagen hatten, bei denen sogar noch eine kleine Seebrücke und ein Steg in die Feuchtwiesen hinten mit drin waren. Für seinen Vorschlag fand Klink keine Mehrheit. König sagte einmal, er hätte auch den Übergang dorthin gebaut und niemand über die Straße laufen müssen. Wenn die Stadt das Umfeld gestaltet, lässt auch ein Investor sich nicht lumpen und trägt seinen Teil dazu bei. Es gibt in Bad Doberan einige Unternehmer, die aus Heimatliebe mit der Stadt Hand in Hand arbeiten und gute Beispiele dafür sind, was möglich ist.

Wenn man aber dem Investor nur Steine in den Weg legt, immer wieder Aufsichtsbehörden auf der Matte stehen, weil das Baustellenschild mal wieder gestohlen wurde, weil man auf Schwarzarbeit kontrollieren wolle oder weil man der Meinung ist, es lägen zu viel Baustellenabfälle auf dem Grundstück und es gehöre eingezäunt, dann trägt das nicht zu einer guten Zusammenarbeit bei. Natürlich muss Recht auch Recht bleiben, aber eine Paragrafenschlacht wie unter sich streitenden Nachbarn macht keinen guten Eindruck. Wenn man einen Kompromiss findet und ihn dann wieder untergräbt, gibt es keine Planungssicherheit. Sicher ist dann nur, dass es nicht mehr weitergeht.

Dann hat Heiligendamm jahrelang eine für jeden und weithin sichtbare Investitionsruine in Toplage und jeder Gast fragt, wie das denn passieren konnte. Und hier zieht das gegen Jagdfeld immer wieder an den Haaren herbei gezogene „Argument“ nicht, König würde gar nicht bauen wollen und nur mit dem Grundstück spekulieren. Eine in Beton gegossene Ruine ist ein denkbar schlechtes Spekulationsobjekt und für den, der das Grundstück kaufen wollte, ein schwerer Klotz am Bein. Auch für die Stadt, falls sie mal wieder auf solche Heimfall- und Vorkaufs-Ideen kommt.

Nach all den guten Nachrichten, die man natürlich nicht übersehen darf – fortschreitende Sanierung der Villen und Kolonnaden, anstehender Neubau einer weiteren Villa, Herrichtung der Anbauten der ehemaligen Fachschule durch Jagdfelds Unternehmen, neue Mitarbeiterwohnungen, neuer Außenpool und Vergrößerungspläne für die Baltic Sushi Bar aus dem Hause Morzynski, aber auch die Vermarktung der lange ungenutzten Penthousewohnungen in der A.-Kortüm-Straße oder der Bau einer Parkpalette am Heizhaus und neuer Strandtreppen durch die Stadt – sind das hier keine guten Nachrichten aus Heiligendamm.

Wenn man das ganze fast zwei Jahrzehnte lang einmal durch hat, ist der Blick in die nächsten zehn Jahre gleich düsterer, als man noch 2020 dachte.

Noch kommt man für alle Seiten gesichtsbewahrend raus aus dieser Sache. Es ist zwar viel Porzellan zerschlagen, aber noch kann man sich zusammenraufen und gemeinsam auf das große Ganze zu konzentrieren, das niemand vor Augen hat und vielleicht auch deshalb niemand ansehen will, weil es viel Verantwortung bedeutet. Aber wer die Bürger oder die Verwaltung vertritt, hat eben Verantwortung.

Noch hat diese Stadtvertretung einen Weg raus und besonders dieser Bürgermeister eine Chance, als erster keine Ruine mit in den Ruhestand zu nehmen, die an ihm klebt, wie an Grzech die Rennbahn-Affäre, an Polzin die Kammerhof-Pleite und an Semrau die Moorbad-Ruine. Was sollen unsere Enkel in den Geschichtsbüchern über unsere Zeit, unser Handeln und uns lesen?

 

Geht’s noch… um Heiligendamm?

Vor allem aber geht es doch um Heiligendamm! Wie soll sich der Ort weiter entwickeln, wenn man an jeder Ecke seine Entwicklung torpediert und sich jahrelang nur mit Investoren streitet, statt gemeinsam zu sehen, was geht, was man will, was man machen kann und wie man es gemeinsam machen möchte?

Welche Vision haben denn die Stadtvertreter, die Verwaltung und der Bürgermeister für Heiligendamm? Wo soll es hingehen und wann will man dort ankommen? Welchen Weg will man nehmen und wer kann und soll welche Aufgabe übernehmen? DAS sind doch die Fragen, mit denen man sich beschäftigen muss. Alles andere ist Zeit- und Geldverschwendung und sinnlos.

 

Dieser Beitrag spiegelt die persönliche Meinung des Autors wieder.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.