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Wohin fließt mein Steuergeld?

„Die verschwenden mein Geld“ heißt es oft, wenn Gemeinde, Land oder Bund scheinbar sinnlose Investitionen tätigen oder Finanzspritzen verabreichen. Gemeint ist natürlich das Steuergeld, das jeder von uns zahlen muss. Aber ist das wirklich „unser“ Geld? Wohl eher nicht: Alles Geld ist ohne seine Deckung wertlos. Gedeckt wird Geld durch die Notenbank. Ihr gehören die zur Währungsdeckung nötigen Edelmetalle und Fremdwährungsbestände. Die Notenbank gehört dem Volk, bzw. beim Euro der Völkergemeinschaft. Also ist das Geld bestenfalls „unser Geld“. In der Praxis dürfen wir trotzdem Geld als unser privates Eigentum betrachten. Solange es sich in unserer Tasche, als schwarze Zahl auf dem Konto oder im Strumpf befindet, gehört es – wenn niemand Rechte daran geltend macht – uns. Gehen wir nun aber Brötchen kaufen, wechseln wir das Geld gegen Ware. Nun gehört das Geld nicht mehr uns – wir haben dafür die Brötchen. Genau so verhält es sich mit den Steuergeldern: Bestimmte Stellen haben das Recht, Steuern zu erhaben und wir haben die Pflicht, die Steuern zu bezahlen. Wir geben das Geld genau wie bei den Brötchen aus. Es gehört nicht mehr uns. Fazit: „Mein“ Steuergeld gibt es gar nicht. Das funktioniert seit Jahrhunderten ganz gut und wir sehen, dass das Geld in den meisten Fällen sinnvoll eingesetzt wird. Man muss nicht mehr sammeln gehen, um etwas zu bauen oder zu unterhalten, sondern kann sich aus fest kalkulierten Einnahmen bedienen. Während wir uns nicht dafür interessieren, was der Bäcker mit unserem Geld macht (Wir haben ja die Brötchen), ist der Steuergeld-Empfänger uns eine Rechenschaft schuldig. Logisch: Wir haben keinen Überblick über die Steuereinnahmen, die Verteilung und die Ausgaben. Darum gibt es die Rechnungshöfe, bei denen wir auch Auskünfte einholen können. Viele Bilanzen sind öffentlich und über viele Investitionen reden Investoren freiwillig, obwohl sie den Bilanzen zu entnehmen wären. In der Praxis interessieren uns Bürger sowieso nur die Resultate. Da nirgendwo drauf steht, von wie viel und welchen Steuergeldern die Sachen finanziert wurden, ist uns gar nicht bewusst, wie viel von unserem Geld uns täglich umgibt. Die gesamte Natur, Straßen, Plätze, Schulen, Kindergärten, öffentliche Sport- und Kulturstätten, immer auch ihr Personal und die Unterhaltung, die Verwaltungen und der öffentliche Dienst vom Bürgermeister bis zum Bauhof-Mitarbeiter gehören dazu. Zu oft versteifen wir uns auf eine Investition oder eine Finanzspritze und sehen gar nicht, wohin unser Geld sonst noch fließt und wie erfolgreich die Investitionen dort sind. Dann misstrauen wir auf einmal den Profis, die ganze Städte binnen zwei Jahrzehnten zum Strahlen gebracht haben und zweifeln an ihrer Fähigkeit, auch kleine Brötchen zu backen. Nicht ganz grundlos: Manchmal waren die Finanzspritzen erfolglos. Aber waren sie erfolglos, weil Stadt oder Land Finanzspritzen gegeben haben oder waren sie erfolglos, weil mit der Hilfe falsch umgegangen wurde? Sind die Unternehmen gescheitert, weil sie Geld bekommen haben oder doch eher, weil sie es nicht richtig einzusetzen wussten? Und bei der Gelegenheit: Ist es da nicht gut zu wissen, dass es auch gute Beispiele von Unternehmen gibt, wie das Grand Hotel Heiligendamm, das sich bemüht, damit seine Bank die Bürgschaft nicht beanspruchen muss?

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