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Schluss mit dem Unsinn: Grand Hotel ≠ Heiligendamm

Das Stichweg-Experiment ist gescheitert: Das Grand Hotel Heiligendamm öffnete testweise seine Pforten und ließ die Tagesgäste mehrere Wochen lang dort entlang laufen, wo Bürgermeister Thorsten Semrau und einige Stadtvertreter gern „ihren“ Stichweg gebaut haben wollen, nachdem die erste Variante nicht mehr umsetzbar ist. Nun sind die Medien voll mit Aussagen wie „Heiligendamm für Tagestouristen wieder zu“ (Schweriner Volkszeitung) oder Grand Hotel riegelt Heiligendamm wieder ab“ (Ostsee-Zeitung).

 

Wer schon mal in Heiligendamm war (und ich setze voraus, dass wenn man über Heiligendamm schreibt, man den Ort auch kennt), der weiß, dass diese beiden Zeitungen, aber auch viele Kommentatoren im Internet eigentlich Unsinn schreiben. Es gibt durchaus Propaganda, die behauptet, ganz Heiligendamm gehöre Jagdfeld und er wolle alles abriegeln. Man muss nicht besonders klug und informiert sein um zu erkennen, dass das unwahr ist, man muss aber besonders dreist sein, solche Unwahrheiten wider besseren Wissens zu verbreiten. Oder man verfolgt damit ein Ziel, mit dem man ganz nebenbei Bad Doberan – Heiligendamm enorm und nachhaltig schadet. Die Schweriner Volkszeitung macht – ob beabsichtigt oder nicht – den Anfang: „Heiligendamm – Reiche gucken am Grand Hotel verboten“ heißt ihr jüngster Titel. Die Ostsee-Zeitung schießt derweil in einem Kommentar von Andreas Meyer gegen Anno August Jagdfeld, weil dieser seine schlechten Erfahrungen mit der Öffnung bestätigt sieht. Die Stadtvertreter hingegen fordern den „richtigen“ Stichweg über das Hotelgelände als Alternative zum gerade eben gescheiterten „Stichweg-Versuch“ und greifen al eben den neuen Eigentümer an und stellen ihn in die Jagdfeld-Ecke.

 

Der NDR zeigt, dass es geht: Er berichtet „Grand Hotel sperrt Spaziergänger aus“. Auch der Nordkurier trifft den Nagel auf den Kopf: „Grand Hotel für Schaulustige wieder zu“. Richtig: Das Grand Hotel hält die Schaulustigen zurück – nicht ganz Heiligendamm.

Ich möchte an dieser Stelle all den ortsfremden Redakteuren, Kommentatoren und sonstigen Schreibern mit einem Bild die eigentlich gar nicht komplizierte Formel Grand Hotel ≠ Heiligendamm vor Augen führen:

Heiligendamm_Zaeune
(C) Google    |    Zum Vergrößern in das Bild klicken.

Sie sehen Heiligendamm in seinem ganzen Ausmaß. Rot umrandet ist das Hotelgelände inklusive des Hotelparks, entlang des ungefähren Zaunverlaufes. Natürlich gehört das Grand Hotel zu Heiligendamm, aber es IST nicht ganz Heiligendamm.

Natürlich kommt man über die Kühlungsborner Straße als Tagesgast oder Einheimischer problemlos in das Hotelgelände hinein und kann dort seinen Kaffee trinken, Kuchen oder Eis essen, ins Restaurant oder die Bar gehen, zum Schwimmen, in die Saune- und SPA-Landschaft, zum Yoga auf die Dachterrasse, in den Fitnessraum oder zu den Veranstaltungen des Hauses. Es stört auch nicht, wenn man mal das Gelände zu Fuß auf den Wegen entlang erkundigt, solange man sich so benimmt, wie man es als Gast eines Hotels von Besuchern auch erwarten würde.

Das Grand Hotel ist umzäunt, wie fast jedes Grundstück dieser Stadt und es hat ein Tor, wie alle anderen auch, durch das man auf das Grundstück gelangt. Ich unterstelle, dass niemand in dieser Stadt es gern hat, wenn Fremde einfach sein Grundstück betreten und sich dort umsehen. Es sei denn, er verdient Geld daran. Das könnte das Grand Hotel noch verbessern: An Tagesgästen auf dem Hotelgelände verdienen. Was kein Grundstückseigentümer mögen kann ist, wenn Fremde sein Grundstück als Abkürzung benutzen, nur weil da irgendwann mal ein Weg entlang ging. Ich wohnte in der Dammchaussee 4 selbst mit so einer Situation, es kam zu Beschädigungen, die Leute warfen ihren Müll in die Carports und das Sicherheitsgefühl aller Mieter litt unter diesen unsäglichen Verhältnissen. Der Käufer und damit neue Eigentümer des Hauses schloss gleich nach seinem Einzug die Tore und kappte die Abkürzung. Kurz darauf baute die Stadt einen Fußweg am Kreisel. Man sieht, wie frequentiert das Grundstück war: So sehr, dass nach der Schließung ein Fußweg als Alternative her musste! Im Grand Hotel reden wir von 1.400 Tagesgästen an einem Tag (Christi Himmelfahrt). Bei von der Touristinfo geschätzten 300.000 Tagesgästen im Jahr (vornehmlich in der Hauptsaison) durchaus plausibel. Das Grand Hotel soll die Massen durch lassen, verdient aber nicht an ihnen, sondern erntet Beschwerden der zahlenden Gäste.

Gelb umrandet sind der Ordnung halber die Flächen der EntwicklungsCompagnie Heiligendamm (ECH). Ihr gehört der Hotelpark, darum ist er außer rot auch gelb umrandet. Um es nicht zu kompliziert zu machen, habe ich die Grundstücke der Villen „Krone“ (privat) und „Alexandrine“ (Familie Jagdfeld) nicht noch einmal extra eingerahmt. Der ECH gehört auch die Perlenkette, zu der es vom Grand Hotel aus einen Durchgang gibt, von der man aber eigentlich nicht zur Promenade kommt. „Eigentlich“, weil ich schon einige Leute beobachtet habe, die den Rasenmäher-Pfad neben Villa „Schwan“ nutzen und dann an der Promenade über die hüfthohe Hecke steigen. Auch über den Zaun zwischen Grand Hotel und Perlenkette wird gern geklettert und ebenso am Findling vorbei über den Rasen auf das Hotelgelände gelaufen oder über den Zaun geklettert. Fahrräder sind dabei ebenso wenig ein Hindernis, wie Kinderwagen: Sie werden einfach rüber gehoben. Es ist eben diese Anarchie, die Zäune wachsen ließ und jetzt dafür sorgt, dass das Grand Hotel das Experiment beendet.

 

Warum ist das so?

Wegen eben der falschen Formel Grand Hotel = Heiligendamm. Man tut den etwa 200 Einwohnern Heiligendamms Unrecht, indem man sie einfach ausblendet, als wäre nur das Grand Hotel Heiligendamm und die vielen kleinen Eigenheime, Datschen und Ferienwohnungen, die Median-Klinik und die Gastronomie gäbe es gar nicht. Für Touristen ist das freilich nichts – für die gibt es nur das Grand Hotel und alles andere ist Kleinkram, dazu noch unordentlich und chaotisch. Darum wollen sie auch nur das Hotel sehen – der Rest interessiert nicht.

Solange das Grand Hotel als ein ganzer Ort angesehen wird, erscheint einem der ganze Ort eingezäunt und unzugänglich. Kommentarschreiber beim NDR glauben, es gäbe keinen Weg mehr zum Strand und dieser gehöre dem Hotel. „bavare51“ fordert, das Hotel zu schließen und den Strand dem Volk zurück zu geben. Das Grand Hotel ist wie eine Oase in der Wüste:

Wäre ganz Heiligendamm eine Oase und das Grand Hotel halt nur der schönste aller Plätze in dieser Oase, dann würden sich die Menschenmassen verteilen, würden hier hin gehen und dort. Im Moment gibt es aber das Grand Hotel als prominentes Herzstück und alles andere ist so irrelevant (drei Buden, zwei Cafés, zwei Restaurants, zwei Toiletten, der Bahnhof, die Klinik, das DECK, Bäume, Strand und ganz viele Parkplätze), dass es keine bis wenig Beachtung findet. Es interessiert sich auch kein Tourist für die Kirchnerstraße in Warnemünde oder den Grünen Weg in Kühlungsborn – da ist nichts für sie dabei. Wäre in Heiligendamm die Promenade abwechslungsreich und mit kleinen Verweil-Zonen, würde man auf ihr auf Entdeckungsreise gehen und nicht auf dem Hotelgelände. Gäbe es eine wirklich besondere Seebrücke mit Sonnen- und Badedecks und einen luxuriösen Yachthafen, würde man dort verweilen. Gäbe es einen großen und schönen Kurpark Richtung Osten, würden viele Gäste sich für lange Zeit dort verteilen. Gäbe es etwas anspruchsvollere Gastronomie, ein paar Shops, Boutiquen, eine Brasserie, Themenrestaurants oder Themenshops, vielleicht auch ein Visitor Center zur Geschichte Heiligendamms und der Geschichte der DDR-Seegrenze, dann hätten die Leute viel zu sehen und zu erleben. Gäbe es einen Ortskern, wäre nicht mehr das Grand Hotel der Mittelpunkt und hätte die Ruhe, die es als Hotel braucht. Kein Neptun, kein Morada und keine Yachthafenresidenz wird besucht, weil dort Trubel und Andrang herrscht: Die Gäste wollen sich erholen, umso teurer, umso anspruchsvoller.

Jetzt, wo sie gar nichts finden, das einen Ort ausmacht, erwarten sie all das in der Oase, im Grand Hotel. Und tatsächlich würden sie vieles davon dort vorfinden. Längst nicht alles, aber alles wäre realisierbar, wenn das Hotel es will und wenn es einen Weg findet, um Tages- und Hotelgäste nicht kollidieren zu lassen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es diesen Weg zu jeder Zeit schon einmal gab.

Jetzt aber soll der Stichweg durchgedrückt werden – gegen Morzynski wird Front gemacht, er wird (z. B. im Kommentar von Andreas Meyer) gegen Jagdfeld instrumentalisiert und vielleicht soll er sogar helfen, dass doch die Stichweg-Variante Nummer eins kommt, denn dann hätte das Grand Hotel (Morzynski) das kleinere und die Perlenkette (Jagdfeld) das größere Übel. Dennoch: Der Stichweg ist kein Konzept, sondern nur ein hilfloser Versuch, aus einem scheinbar unlösbaren Dilemma heraus zu kommen. Das nächste Dilemma kommt mit ihm zusammen: Entweder scheitert die Perlenkette und geht für immer verloren (Stichweg-Variante A) oder das Grand Hotel geht wieder Pleite (Stichweg-Variante B). Die Stadtvertreter müssen sich nur noch entscheiden, wen sie vernichten wollen.

 

Fazit: Glauben Sie der Propaganda nicht: Das Grand Hotel ist nicht gleich Heiligendamm und der Stichweg keine Lösung, denn das Problem wird gar nicht erkannt. 

 

Nachtrag: Die Formel Heiligendamm = Grand Hotel ist paradoxerweise richtig: Man verbindet Heiligendamm mit dem Grand Hotel und NUR damit. Alles andere (Jagdhaus, DECK, Mollibahnhof, Median-Klinik) sind Einzelziele, die kein noch nie in Heiligendamm gewesener Gast favorisiert. Niemand kommt wegen diesen Dingen, sondern wegen der weißen Prachtbauten und des bekannten Luxus-Hotels.

 

 

6 Kommentare

  1. Man kommt als Tagesgast oder als Einheimischer eben nicht mehr in das Hotel hinein, dazu stehen die gut gebauten Herren in den um die Schultern knapp sitzenden Anzügen eben da. Ich hatte das 6 wöchige Vergnügen, als Gast in der Klinik die Vorgänge rund um das Grand Hotel beobachten zu dürfen. Vor dem Vatertag war die Passage durch das GH problemlos möglich, das Personal war sogar richtig freundlich. Dann kam der Vatertag 2014. Blendendes Wetter und viele hundert feierwillige Tagesausflügler. Die haben sich – wohl alkoholbedingt – zum großen Teil wirklich benommen wie die Axt im Walde. Ich frage mich allerdings, warum bei dem zu erwartenden Ansturm das GH nicht für die 4 Tage die Passage geschlossen und danach wieder geöffnet hat. Mir erscheint es so, als ob der Anlass dankbar angenommen wurde.
    Ich vestehe das GH im Punkt Belästigung der Gäste wirklich, bei den Zimmer (Suiten) preisen möchte ich auch keinen Rollerwagen mit laut aufgedrehtem Ghettoblaster und klirrenden Bierkästen auf meinem Hotelgelände haben. Das ist wirklich nicht entspannend und schreckt Gäste ab. Aber wenn nicht gerade solche Tage anstehen, benehmen sich die Leute bei der Passage ordentlich. Das konnte ich zumindest bis zum Vatertag beobachten. Warum also jetzt die totale Sperrung?

    1. Vielen Dank für die Eindrücke aus erster Hand! „Totale Sperrung“ ist es nun auch wieder nicht – da übertrieben einige Medien etwas. Es ist wie vorher (also wie seit 2009): Tor am Haupteingang ist offen, jeder kann rein, aber eben nicht durchlaufen.

  2. Leider war die Sperrung total. Ich weiß das, weil ich bis 01.07. in Heiligendamm war und mit den Herren am Tor persönlich gesprochen habe. Auf Zeitungsmeldungen gebe ich nicht sooo viel 😉

    1. Hm, das Haupttor neben der Schranke war richtig fest zu? Das ist ungewöhnlich. Aber wenn, dann wurde es schon wenige Tage später behoben, denn als ich um den 04.07. da war, war das Tor offen. Also nicht offen stehend, sondern offen im Sinne von nicht verschlossen und jederzeit passierbar. Danach war ich fast jede Woche zu verschiedensten Zeiten da da und es hatte sich nichts daran geändert. Hinten das Tor am Findling war natürlich zu – DAS war ja das eigentliche Test-Tor, das erst den „Stichweg auf Probe“ ermöglichte. Meine Meinung: Es ist klüger, dem Kind gar nicht erst Schokolade zu geben, anstatt sie ihm nachher wieder wegzunehmen. Alles was auf Grund dieser Aktion eingetreten ist, war vorauszusehen. Aber wie Kinder müssen auch Erwachsene Dinge erst erfahren, um sie zu begreifen.

  3. Immer wieder da selbe Thema viel schlimmer finde ich als Opa den neuen Spielpatz …..richtig gut ist er geworden aber der Ausgang geht direkt auf die Straße ohne extra Geländer mein Enkel wird dort nicht spielen ………eine große Gefahr für die kleinen…..macht endlich was der Zustand ist nicht zu halten…..wenn da was passiert……

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