Seit über 100 Jahren: Torfabbau in der Conventer Niederung für das Moorbad Doberan

Einst war Torf zum Heizen begehrt und wurde mühevoll mit dem Spaten gestochen. Heute verrichtet ein Torfkraftstecher diese Dienste und das Moor landet direkt oder Wanne oder auf dem Rücken der Patienten im Moorbad von Bad Doberan – einer von nur zwei Moorheilbädern im Land. Hier ist die Geschichte des Torfabbaus in der Conventer Niederung zwischen Börgerende und Bad Doberan.

 

Täglich fährt ein ganz besonderer Lkw durch Bad Doberan. Nicht nur, weil es ein selten gewordener IFA L60 ist und nicht nur, weil das Fahrerhaus in einem untypischen Blau lackiert ist, sondern auch wegen seiner dunklen tropfenden Fracht. Er hat Moor geladen und fährt nur eine Strecke: Moorbad-Klinik – Bahrenhorst und zurück. Woher kommt das Moor, wohin geht es, was wird damit gemacht?

 

Wo das Moorbad sein Moor her bekommt

Der blaue Lkw verlässt Bad Doberan nach Osten und fährt auf der Bäderstraße Richtung Warnemünde. An den einzigen Büschen weit und breit biegt er links ab, fährt über einen Sandweg vom Fahrdamm herunter und auf ein Gewässer zu. Nach einer scharfen Linkskurve führt ein gerader Plattenweg mit einer weiteren scharfen Kurve direkt zu seinem Ziel. Dieses ist schon von der Straße aus zu sehen: Eine ungewöhnliche Konstruktion, wie ein Hafenkran.

Das ist ein Torfkraftstecher, der auf Schienen fährt und den Torf sticht. Dazu hat sie einen Schacht, der zu einer Seite offen ist und sich unten schließen lässt. Der 8 Meter lange Schacht wird 4,5 Meter in den Boden gerammt, dann die Klappe geschlossen und der Schacht mit einer Seilwinde nach oben gezogen. Mit einem gezackten „Abräumer“ wird im inneren der Torf abgeschlagen, landet auf einem Förderband und dann direkt auf der Ladefläche des Lasters.

Man sieht dem ungewöhnlichen Gerät sein Alter an. Der Torfkraftstecher kommt vom Maschinenbau Teterow und wurde 1951 hier aufgestellt und erledigt seitdem seinen Dienst. Früher fuhr eine Diesellok mit Loren den Torf zu einer Verladerampe neben der Einfahrt zum Pfarrhof und von dort aus ging es auf den Lkw und noch davor wurde der Torf mit der Hand gestochen und auf Häufen gelagert. Da allerdings stach man ihn noch zum Heizen. Das erste Torfloch war noch auf der anderen Seite der Stege. Zu DDR-Zeiten nutzte man es als Müllhalde und kippte den Müll darin ab. Als die Landstraße 2007 erneuert wurde, rekultivierte man auch das vermüllte Torfloch.

 

Torf oder Moor?

Es ist verwirrend: Mal sagt man Torf, mal Moor. Eigentlich heißt das Abbauprodukt tatsächlich Torf und nicht Moor. Es gibt Heiltorf, Badetorf, Gartentorf, Bautorf und eben auch Heiztorf. All das kommt aus dem Moor, in dem unterschiedliche Schichten Torf entstehen und abgebaut werden. Eigentlich darf sich nichts von dem, was man abbaut Moor nennen. Torf wächst im Moor, wie der Apfel am Baum oder der Apfelbaum im Garten. Trotzdem lesen Sie hier weiterhin beide Varianten.

 

Seit wann Torf abgebaut wird

Hundert Jahre ist dieses erste Loch alt. Badetorf baute man erst vor etwa 70 bis 80 Jahren ab. Das Moorbad entstand nämlich 1922 gar nicht als Moorbad, sondern als Stahlbad. Nachdem ein Doberaner Kaufmann am südlichen Rand von Doberan eine Eisenquelle entdeckt hatte, erschloss man diese und baute eine Badebaracke. Daraus wurde zur nächsten Saison ein einstöckiges Badehaus und dieses wurde 1902 zu dem uns heute bekannten klassizistischen Prachtbau aufgestockt, der leider 2006 durch einen Brand nach langem Leerstand auch seine letzte Pracht verlor.

Früher aber war dieses Stahlbad (Eisen wurde damals allgemein als Stahl bezeichnet) ein angesehenes Badehaus und ein wichtiger Grundstein für die Ernennung Doberans zum Bad. Außer Bad Doberan hat in Mecklenburg-Vorpommern nur Bad Sülze ein als Heilbad anerkanntes Moorbad und nur darum haben beide Orte auch einen Heilbadstatus. Der Bad Doberaner Ortsteil Heiligendamm hat einen eigenen Seeheilbadstatus – darum nennt man den eigentlich einen Ort „Kurorte mit Tradition“. Das Stahlbad wurde 1948 in „Sanatorium Moorbad“ umbenannt. Da badete man schon seit ein paar Jahren in Moor und darum ist zu dieser Zeit auch der Badetorfabbau anzusiedeln. 1996 schloss das Sanatorium und zog in die neu gebaute Dr.-Ebel-Klinik um, die seitdem auch „Moorbad“ heißt. Eigentlich müsste es ja „Torfbad“ heißen, aber das klingt nicht wirklich gut.

 

Was das Moorbad mit dem Torf macht

Wenn der blaue Lkw am Moorbad ankommt, entlädt er seine feuchte Fracht in die Moormühle. Dort wird das Moor gemahlen, also zu einer Masse verarbeitet. Diese Masse wird geteilt: Der Fango-Therapeut braucht das festere Moor, die Badefrau nimmt das mit Leitungswasser zugesetzte und dadurch flüssigere Moor. In beiden Fällen wird das Moor erhitzt, und zwar deutlich über die Körpertemperatur.

Durch die gute Wärmeleitfähigkeit, aber auch längere Wärmespeicherung und durch die organischen Stoffe, die sich bei der Therapie lösen, ist Moor ein ausgezeichnetes Heilmittel. Ganz klassisch werden Verspannungen, Durchblutungsstörungen und Störungen im Bewegungsapparat damit therapiert, aber auch hormonbedingte Frauenleiden, Prostataprobleme und funktionale Störungen, wie Hautausschlag, Juckreiz, Allergien und Neurodermitis werden mit Moor behandelt. Selbst Schlafstörungen und Stoffwechselstörungen soll das Wundermittel heilen. Die Balneologen schwören auf Moor und das Moorbad Bad Doberan betreibt als anerkannte akademische Lehrklinik der Universität Rostock für rehabilitative Maßnahmen und Naturheilverfahren einerseits erprobte Praxis und andererseits auch Forschung.

Zu kriegen ist eine Mooranwendung per Rezept vom Hausarzt oder einfach als Selbstzahler. Die 157 Mitarbeiter im 230 Betten umfassenden Moorbad Bad Doberan behandeln und betreuen pro Jahr 4.000 Patienten. Nicht alle brauchen Mooranwendungen, aber im Jahr werden 2.000-2.500 Tonnen benötigt.

Täglich werden 35 Tonnen Niedermoor aus 4,5 Metern Tiefe abgebaut. Der Torfstich beginnt im Mai oder Juni und dauert bis Ende November. Wenn man nachrechnet erkennt man, dass mehr Torf abgebaut, als verwendet wird. In einem gerade neu gebauten Lager direkt am Haupteingang des Moorbades werden für den Winter 1.500 Tonnen Festmoor gelagert. Diese werden jeden Tag parallel zum Bedarf mit abgebaut und eingelagert.

Der Torf in der Conventer Niederung reicht noch für gut 200 Jahre. Auf 900 Hektar lagern 1,4 Millionen Kubikmeter (im Conventer Boten steht Quadratmeter). Auch die Torfbildung hält weiter an, wodurch der Conventer See immer kleiner, aber eben auch natürlich für Torfnachschub gesorgt wird.

Aber es gibt strenge Auflagen: Seit die Fläche 1972 zum Naturschutzgebiet Conventer Niederung erklärt wurde, darf Torf nur noch zu medizinischen und nicht zu kommerziellen Zwecken abgebaut werden. Es dürfen keine Fremderden eingebracht werden und der Torfstecher darf nur mit Lebensmittelfett geschmiert werden. Darauf achtet – man würde es in Mecklenburg-Vorpommern nicht erwarten – das Bergamt.

 

Wie das Moor in der Conventer Niederung entstand

Fangen wir ganz vorn an: Vor 5000-6000 Jahren endete die letzte Eiszeit. Die Erwärmung ließ die Gletscher schmelzen und den Meeresspiegel ansteigen. Die vielen kleinen Inseln und Halbinseln verschwanden im Meer und wurden abgetragen. Auch die neue Küste wurde durch das steigende Meer neu geformt. Es entstanden Kliffküsten, wie unsere Steilküste und deren Abtrag landete an den Rändern der Buchten, wo das Wasser sie zu Sandwällen auftürmte. So ist unser Küstenabschnitt entstanden.

Geschützte flache Buchten verwucherten zu Brackwasserröhrichten und verlandeten schließlich. An den Flussdeltas wie der Warnow und der Recknitz entstanden Küstenüberflutungsmoore und charakteristische Halbinselketten, wie Fischland-Darß-Zingst, aber an der Conventer Niederung verlief die Geschichte anders. Hier gab es entgegen früherer Annahmen – siehe weiter unten – keinen weiteren Warnowarm. Der oberflächennahe Grundwasserstrom war zu schwach, um den Strandwall offen zu halten und das Wassereinzugsgebiet mit 50 Quadratkilometern zu klein, damit der See den Strandwall zu überwinden könnte. So staute sich das Wasser vor der Nehrung und wuchs in die Breite. Dadurch versumpften die Ränder, wohingegen aber der Binnensee versandte und damit verlandete. Hydrologisch gesehen ist die Conventer Niederung also sowohl ein Verlandungs- als auch ein Versumpfungsmoor.

Schon das macht es besonders, aber die Einzigartigkeit kommt durch das Zusammenspiel mit dem Meer. Das Moor lag höher als der Meeresspiegel, aber immer mal wieder kam es zu Salzwassereinbrüchen durch Sturmfluten. Dadurch wurde nicht nur die äußere Gestalt des Sees verändert, sondern auch der Lebensraum. Flora und Fauna passten sich dem Salzgehalt an und es entstand eine Vielfalt, die es so im Norden Mitteleuropas kein zweites Mal gibt. Diese Vielfalt ist geprägt von einer enormen Dynamik – man vergleicht das mit der Peitsche und dem Brummkreisel.

Aber trotzdem gab es auch einen Süßwasserstau und dieser begünstigt das Moorwachstum. Abgestorbene Pflanzen fielen in den See, die Seemudde bedeckte sie und so bildeten sich über Jahrhunderte bis zu 7 Meter Torfschichten. Torf entsteht, wenn Pflanzen luftdicht im Wasser eingeschlossen werden und sich zwar zersetzen, aber nicht auflösen können.

Da es hier eine Verbindung mit dem Grundwasser gibt, nennt man as Moor „Niedermoor“. Niedermoore sind so nährstoffreich, wie ihr Grundwasser und dementsprechend fruchtbar ist das Land und groß ist die Artenvielfalt. Hochmoore haben keine Verbindung zum Grundwasser. Das Große Ribnitzer Moor bei Graal-Müritz ist so ein Hochmoor. Viele Moore der Region sind zwar auch ohne Grundwasserverbindung, aber eigentlich versumpfte Löcher von geschmolzenen Toteisblöcken.

Als 1171 die Zisterziensermönche nach Althof und damit in diese kaum besiedelte Region kamen, war ihr Auftrag nicht nur die Bekehrung der Slawen zum Christentum, sondern auch die Urbarmachung von neuem Land. Ackerbau und Viehzucht gab es durchaus schon, aber die Siedler, die mit und nach den Mönchen hauptsächlich aus Westfalen nach Mecklenburg kamen, bauten neue Dörfer. Ihre Namen zeugen heute noch von den Rechten, die der oberste Lokator Gunzelin von Hagen über die Schulzen den Siedlern zugestand. Wo das Hägersche Recht galt, enden die Orte auf hagen: Lichtenhagen, Sievershagen, Bargeshagen, Admannshagen, Bartenshagen. Zusammen ergeben diese Gemeinden den Häger Ort. Auf der anderen Seite des großen Gewässers, das von Schwaan bis Doberan reichte, lagen die Slawendörfer, die auf ow enden: Stülow, Retschow, Putekow (Hohenfelde). Doch nicht immer gründeten die Siedler eigene Dörfer. Oft hängten sie ihre Siedlungen auch in einigem Abstand an bestehende Slawendörfer an, gaben dem ganzen aber einen neuen Namen. So gibt es das deutsche Ober-Steffenshagen und das slawische Unter-Steffenshagen, oder Vorder-Bollhagen und Hinter-Bollhagen. Auch Groß und Klein, Neu und Alt waren Begriffe zur Unterscheidung. Das gilt allerdings nicht für Althof – hier ist der Alt Doberan gemeint, die Erstgründung der Stadt. Bis zur Ankunft der Mönche war Doberan auch ein Slawendorf und möglicherweise sogar in der Nähe ihr Heiligtum.

Die Mönche waren es, die ab 1186 Durchstiche durch die Wasserscheide vornehmen, um das Tal, in dem Bad Doberan heute liegt, zu entwässern. Ihr Kloster war von Wasser umgeben und sie nutzten das Wasser auch, aber dazu musste es fließen. Der Althöfer Bach und der Stülower Bach taten dies von selbst, mit dem Bollhäger Fließ und dem Mühlenfließ schufen die Mönche aber auch ganz neue Wasserläufe für ihre Mühlen. Selbst bestehende Bäche veränderten sie, stauten den Stülower Bach auf, zwangen ihn in ein neues Flussbett und ließen ihn dann als „Wallbach“ auf das Mühlenrad in der Backhausmühle stürzen. Heute fließen außer den drei genannten Bächen auch der Glashäger Bach in die Conventer Niederung, der Stegebach und Waidbach haben hier Überläufe und alles was vom Ostrand der Kühlung und dem Rotbäck-Areal kommt, fließt hierher.

Ein Durchstich erinnert heute mit seinem Namen noch daran, dass er mal ein Ablauf war: Der Ehbruch zwischen dem Conventer See und der Landstraße nach Heiligendamm. Es gab mehrere solcher „Brüche“, auch die Bundesstraße verläuft durch so einen Durchstich. So entstand erst der Conventer See als Wasserfläche und sein Name kommt vom Konvent der Mönche. Zwölf Mönche und ein Abt bildeten einen Konvent und gründeten ein Kloster. Die harte Arbeit wurde durch Laienbrüder und Konversen erledigt.

Der Geologe Eugen Geinitz, nach dem auch das Kap Geinitzort benannt ist widerlegte 1884 die Hypothese des Landbaumeisters zu Güstrow F. E. Koch, der glaubte, dass die Niederung einmal ein Warnowarm war. Seine Annahme geht wohl darauf zurück, dass es damals schon einen Ablauf in die Ostsee gab. Die Jemnitz aber wurde von Mönchen zusammen mit Fachleuten aus Flandern angelegt. Der Bau der Jemnitz als Überlauf zur Ostsee war nötig, weil durch die Durchstiche dreimal so viel Wasser in die Niederung floss, als vorher. Das Moor wäre ohne diesen Ablauf viel größer.  

So kam es fast zum Stillstand, aber da es damals auch wenig genutzt wurde, blieb es intakt. Die Flora und Fauna aber veränderte sich, denn die Mönche mähten das Röhricht und beweideten das so gewonnene Land. Es entstanden artenreiche Feuchtwiesen und sehr wahrscheinlich gab es damals ganze Orchideenfelder um den Conventer See.

 

Das Moor heute und morgen

Ende der 1960er Jahre unternahm die DDR eine Komplexmelioration, um das feuchte Land als Weideland zu gewinnen. Die Entwässerung erfolgte nicht oberflächig, sondern tiefgründig, wodurch Luft in das Moor gelangte, den Torf zersetzte und schrumpfen ließ. Parallel wurde Torf abgebaut, sodass der Torfkern immer kleiner wurde und die Mooroberfläche sich absenkte. Der gebundene Kohlenstoff entwich als CO2 in die Atmosphäre, die Nährstoffe gelangten in den Conventer See und ließen den Sauerstoffspiegel sinken. Algen bildeten sich, das Wasser wurde trübe, die Sichttiefe sank unter 10 Meter und die bisher schützenswerte Flora und Fauna ging verloren und veränderte sich zu einer weniger schützenswerten. Keine Orchidee konnte hier mehr überleben. Dafür konnte hier mehr Vieh weiden und Heu gewonnen werden und darum ging es bei der Melioration.

Nach der Wiedervereinigung wurde die Jemnitz ausgebaggert und das Schleusenbauwerk erneuert. Dadurch wurde der Wasseraustausch verbessert, was aber nur zu Lasten der Ostsee geschehen konnte. Die muss eine zusätzliche Nährstofffracht aufnehmen, was wiederum die Algenbildung fördert. Das Ziel wäre jetzt, den Nährstoffaustrag zu verhindern und den Wasserspiegel zu erhöhen. Da das Land um den See aber verschieden genutzt wird, gibt es Interessenkonflikte. Das Wasser anzustauen bedeutet, dass Landwirtschaftsflächen nicht mehr nutzbar sind.

 

Geschichten aus dem Moor

Wo Moor ist, da gibt es auch Legenden. Irrlichter, Nebelgestalten, Hexen, Teufel und Moorleichen begleiten die Menschen seit Jahrhunderten. Auch die Conventer Niederung kennt solche Geschichten. Manche sind sogar wahr.

Der Schäfer vom Heiligen Damm

Es gibt ein paar Legenden und auch ein paar wahre Geschichten rund um die Conventer Niederung. Die Entstehung des Strandwalls – irrtümlich auch als der Heilige Damm angesehen – wird dem Teufel zugeschrieben. Der soll auf den Schäfer getroffen sein, dem es störte, die Tiere immer um den See herum zur Weide treiben zu müssen. Er klagte dem Fremden sein Leid und dieser versprach ihm, einen festen Damm zu bauen, wenn der Schäfer ihm dafür seine Seele verkaufe.

Der Hirte erschrak, stimmte aber mit einer Bedingung ein: Wenn das Werk nicht rechtzeitig fertig sei, dann solle er frei sein. Den genauen Zeitpunkt sollten seine Hähne bestimmen. Er hatte einen roten, einen weißen und einen schwarzen und wenn der letzte von ihnen kräht, musste das Werk fertig sein. Der Teufel stimmte zu und machte sich ans Werk. Er schleppte Steine herbei. Erst krähte der Hahn in Weiß, das war für ihn nur ein kleiner Scheiß. Dann krähte Hahn rot, er sah noch keine Not. Als er mit dem letzten Stein angeflogen kam, krähte der schwarze Hahn. Der Schäfer hatte die Wette gewonnen und der Teufel ließ den Stein wutentbrannt fallen und verschwand.

 

Der Mordfall Anja Lutter

Leider wirklich passiert ist der Mordfall Anja Lutter. Die damals 20jährige wurde 24. November 1992 tot im Conventer See aufgefunden. Die Frau aus Dummerstorf ging in Rostock auf das Abendgymnasium und wollte nach Schulschluss um 20:15 nach Hause trampen. An der B103 in der Neubrandenburger Straße wurde sie das letzte Mal lebend gesehen, als sie sich an einem Trabant 601 mit dem Kennzeichen ROS mit dem Fahrer unterhielt. Sie kam nie an.

Am 23. März 1993 fanden Arbeiter die Leiche der Frau in einem Wassergraben am Conventer See. Sie wurde von hinten in den Rücken erstochen, ihre Hände und Füße waren gefesselt und mit Steinen beschwert. In der Nähe fanden die Ermittler ein Fahrrad, an dem Fasern vom Opfer festgestellt wurden. Auf dem hinteren Schutzblech hatte das Fahrrad einen Inventaraufkleber vom Rat der Stadt Rostock, Abteilung Volksbildung. Außerdem war auf dem Kopf des Dynamos ein Kronkorken aufgeschraubt. Aber auch das markante Damenfahrrad führte nicht zur Spur des Täters. Die Strickjacke, die Armbanduhr und Personalausweis und Schlüsselbund blieben verschwunden.

2015 wurde der Fall neu aufgerollt. Mehr als 50 Anrufe gingen ein. Eine Frau, die zur gleichen Zeit als Tramperin sexuell belästigt wurde, meldete sich bei der Kripo und auch ein Phantombild konnte angefertigt werden. Doch niemand erkannte den Mann.

 

Jugendlicher verläuft sich im Moor

Mit dem Leben davon kam am 2. August 2020 ein 18jähriger Börgerender, der nach einer Party den Weg nach Hause nicht fand, ins Moor fiel, sein Handy verlor und sich nicht aus dem hüfthohen Moor befreien konnte.

Erst nach sechs Stunden hörten entferntere Anwohner seine Hilferufe, fanden ihn zunächst nicht, suchten aber erneut und retteten den jungen Mann aus seiner misslichen und lebensgefährlichen Lage. Er war dehydriert und stand unter Schock.

 

Quellen: 
Conventer Bote 06/2008GesundesMVMoorbad Bad Doberan,
SVZ (Mordfall Anja Lutter), SPIEGEL (Jugendlicher im Moor)
Fotos:
Titelbild: Motorschirmflieger Manfred Sander

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