Ostsee-Urlaub in der Nebensaison: Wie läuft es im Corona-Herbst in Bad Doberan-Heiligendamm

Dieses Jahr ist alles anders. Urlaub auch. Viele Fragen beschäftigen uns alle und meistens drehen sie sich um Corona. Vielleicht ist es noch nicht vorbei, vielleicht gibt es noch eine zweite Welle und vielleicht hat sie längst begonnen. Fernab und doch nahe dran an dieser öffentlichen Diskussion um Corona ist in Bad Doberan-Heiligendamm wieder eine gewisse Normalität eingekehrt.

Vieles geht wieder, aber vieles eben auch nicht. Im Alltag erinnern nur AHA – Abstand, Hygiene und Alltagsmaske an die Pandemie. Beim Einkaufen oder in der Freizeit weniger, im Bus oder Wartezimmer mehr. Keiner muss mehr einen Einkaufswagen nehmen, kaum einer wegen Corona zuhause bleiben. Schulen und Kindergärten haben wieder geöffnet, der Frisörbesuch, das Treffen mit Freunden und der Vormittag im Fitnessstudio sind wieder möglich. Das alles ist in Bad Doberan-Heiligendamm nicht anders als im Rest Mecklenburg-Vorpommerns. Aber im Vergleich zu anderen Bundesländern gibt es Unterschiede und im Vergleich zu vorher ist einiges anders. Urlaub im Corona-Herbst 2020. Ein Lagebericht:

 

Aktuelles Infektionsgeschehen

In kleinen Orten werden die Infektionszahlen nicht veröffentlicht, um keine Rückschlüsse auf die Infizierten machen zu können. Stand 12.09.2020 haben sich seit März im Landkreis Rostock ohne die Hansestadt Rostock 92 Menschen infiziert. Drei sind gestorben. Unser Landkreis hat die einzige zweistellige Zahl der Infizierten und bildet das Schlusslicht im positiven Sinne. Die meisten Infizierten wurden mit 169 im Landkreis Vorpommern-Greifswald gezählt. Die Hansestadt Rostock liegt mit 152 Infizierten an zweiter Stelle. Allerdings erfasst die Statistik keine Genesenen, sodass auch all die Leute noch als Infizierte gelten, die längst wieder frei von COVID-19 sind. Erkrankte, die nur zu Gast im Land sind, fallen allerdings auch nicht in die Statistik. Sie werden i. d. R. nach Hause geschickt oder unter Quarantäne gestellt. Diejenigen, die eine Coronainfektion hatten und in MV zur Kur sind, zählen auch nicht in die Statistik, halten sich aber natürlich auch außerhalb der Kureinrichtung auf. Sie gelten als nicht mehr ansteckend.  

Im ganzen Bundesland sind Stand 12.09.2020 wurden März 1054 Menschen infiziert, davon waren oder sind 134 in stationärer Behandlung und 20 gestorben. Das entspricht 65,47 Infizierten pro 100.000 Einwohnern. Die Laborbestätigten Neuinfektionen pro Woche lagen am 9. August bei 62 Neuinfektionen und haben sich dann zweimal halbiert. Am 30. August wurden 14 und am 6. September 15 Neuinfektionen von Laboren bestätigt. Man kann also sagen, dass in ganz Mecklenburg-Vorpommern unter eben diese knapp 70 Coronainfizierte existieren, die aber davon wissen und darum in Quarantäne sind. Natürlich gibt es auch eine Dunkelziffer, wie überall in Deutschland. 

Deutschlandweit liegt Mecklenburg-Vorpommern ganz hinten im Ranking der Fallzahlen. Selbst der Tabellenvorletzte Sachsen-Anhalt hat mit 2330 Infizierten mehr als doppelt so viele Fälle. 

 

Corona-Regeln vor Ort

Im Grunde gibt es in MV dieselben Regeln, wie in ganz Deutschland. Für die Gäste ist es wichtig zu wissen, dass in Mecklenburg-Vorpommern in Gebäuden Maskenpflicht herrscht, im Freien hingegen nicht. Beim Betreten von Geschäften und in sich geschlossenen Einkaufszentren ist eine Maske zu tragen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln auch. Der Molli gehört dazu – während der ganzen Fahrt müssen Mund und Nase bedeckt werden.

In den Gaststätten darf man die Maske abnehmen, wenn man sich hingesetzt hat, muss sie aber beim Verlassen des Tisches wieder aufsetzen – auch wenn man nur zur Toilette, Bezahlen oder gerade gehen will. In Gebäuden mit Einlasskontrolle gibt es meistens keine Maskenpflicht. In Bad Doberan ist das zum Beispiel das Münster. Aber auch hier gilt: Abstand halten, Hygieneregeln beachten. In die Armbeuge niesen, keine Hände schütteln und am besten auch nichts anfassen. Wenn man die Schilder beachtet, ist man auf der sicheren Seite.

 

Strandbesuch ohne große Auflagen

In Heiligendamm gibt es weder eine Strandampel, noch Markierungen oder Absperrungen. Der Strand kann wie gewohnt besucht werden, die Strandkörbe stehen zur Verfügung, die Sportgeräte sind installiert. Lediglich die Badeinsel musste abgebaut werden, weil die Abstandsregeln dort nicht umsetzbar sind.

Die Wasserwacht und die Strandvögte und Politessen sind auch 2020 im Dienst und die Kurtaxe unverändert zu zahlen. Die Abstände werden nicht explizit kontrolliert, aber einmal hat die Polizei stundenweise den Zugang zum Strand gesperrt, um eine Überfüllung durch nachströmende Besucher zu vermeiden.

 

Angebote im Grand Hotel vorrangig für Hausgäste

Grundsätzlich steht das Grand Hotel Heiligendamm auch Gästen von außerhalb offen. Der SPA-Bereich, die SPA-Bar, Nelson-Bar, Baltic Sushi-Bar, das Kurhaus-Restaurant und das Gourmetrestaurant „Friedrich Franz“ sowie das hochkarätige Kulturangebot des Hauses stehen normalerweise jedem zur Verfügung, auch ohne Zimmer im Grand Hotel.

In diesem Jahr geht SPA allerdings nur mit einer Clubmitgliedschaft und alles andere genannte muss vorher gebucht werden. Natürlich haben die Hausgäste Vorrang – in Spitzenzeiten kann es auch mal sein, dass man keinen Tisch reservieren kann. Die Beach-Bar am Strand ist ohne Einschränkungen geöffnet, außer der Bedienung muss niemand eine Maske tragen.

Die Hausgäste erhalten eine Informationsmappe, die über alle Maßnahmen informiert. Die Frühstückszeiten sind gestaffelt und mit Anmeldung und mehr Bedienung. Ansonsten soll der Gast möglichst wenig Einschränkungen spüren.

 

Gastgeber mit Hygienekonzepten

Die gastronomischen Einrichtungen haben ihre eigenen Konzepte mit Markierungen, Abstand, Bedienung etc. Meistens wird vorerst auf den Garderoben-Service verzichtet und statt der dicken Speisekarten gibt es kleine laminierte Karten. Auf jeden Fall muss man ein paar Daten da lassen und außerhalb des Sitzplatzes eine Alltagsmaske tragen. Das Personal trägt ebenfalls welche.

Die Gaststätten bitten um Reservierung. Wenn man spontan kommt, sollte man zumindest einen Plan B haben. Die Öffnungszeiten sind in den meisten Fällen anders als im Vorjahr. Auch das Angebot kann abweichen. Mehr Einschränkungen sind in Bad Doberan-Heiligendamm nicht bekannt.

 

Unterkünfte gut belegt

Erholungssuchende haben es schon gemerkt: Unterkünfte an der Ostsee sind 2020 schwer zu kriegen. Wer Urlaub machen wollte, den zog es an die deutschen Küsten statt in den sonnigen Süden. Nachdem auch Mecklenburg-Vorpommern zunächst gar keine Gäste und dann nur 60% Belegung zuließ, war die Nachfrage riesig. Grund zur Freude gab es trotzdem nicht: Die nicht vermietete Zeit lässt sich meistens nicht nachholen. Möglicherweise werden einige Anbieter spätestens nächstes Jahr mit höheren Preisen die Ausfälle kompensieren.

Gewinner der Corona-Krise im Urlaubsland sind Ferienwohnungen und Ferienhäuser, weil immer mehr Gäste unter sich sein und den Kontakt zu anderen und Gemeinschaftsbereiche meiden wollten. Gewinner sind aber auch Hotels, die normalerweise nicht voll ausgelastet sind. Das Grand Hotel Heiligendamm erreicht mit Anstrengung stets gerade mal die magischen 70%. Ausgerechnet im Krisenjahr zeichnet sich das beste Jahr des prominenten Hauses an der Ostsee ab.

Vielleicht erleben wir gerade einen Wandel im Tourismus – weg von der Masse, hin zu Privatsphäre und Klasse. In der Nebensaison werden Sie auch wieder freie Unterkünfte finden. Trotzdem sollten Sie nicht spontan anreisen, sondern vorher buchen.

 

MEDIAN-Klinik bietet Corona-Kuren

Das Café MEDIAN ist vorübergehend für Gäste von außerhalb geschlossen. Die Führungen sonntags in Heiligendamm sind auch nur für Median-Gäste. Die Kurklinik beherbergt geheilte Corona-Kranke und ist wie alle Kliniken nur sehr eingeschränkt besuchbar. Alle anderen Gaststätten in Heiligendamm und auch das DECK haben geöffnet.

 

Sommerkino am Pool statt am Strand

Das Grand Hotel Heiligendamm bot in diesem Jahr statt des Sommerkinos am Strand unter dem Namen „Grand Cinema am Pool“ den Kino-Klassiker in kleinerem Rahmen direkt am neuen Außenpool an. Auch Nicht-Hausgäste konnten daran teilnehmen, da sowieso eine Buchung nötig war.

Die White Nights finden 2020 nicht statt, stattdessen gibt es Lesungen mit bekannten Autoren am Pool. Das Kulturangebot des Grand Hotels in der Nebensaison findet sowieso drinnen statt, sodass es keine großen Veränderungen zum Vorjahr gibt.

Prof. Dr. Skerl hält auch weiterhin seine historischen Vorträge im Grand Hotel.

 

Touristinformation am anderen Standort

Weil im Besucherzentrum im Marstall mehr Platz ist, zog die Touristinformation aus dem Rathaus in den Marstall um. Dort bleibt sie bis zu ihrem Umzug an den neuen Standort in der Mollistraße. Das Besucherzentrum darf nur mit Maske und Abstand betreten werden. Es ist zu den Zeiten der Touristinformation geöffnet, ist also länger offen, aber sonntags geschlossen. Die beiden sich abwechselnden Betreuer stehen 2020 nicht zur Verfügung, aber das was man sich ansehen konnte, kann man auch in diesem Jahr sehen.

 

Stadtführungen nur mit Voranmeldung

Die Stadtführungen in Bad Doberan und Heiligendamm wurden reduziert. In Bad Doberan finden nur noch die Führungen am Dienstag und Donnerstag statt. Bisher gab es auch Führungen im Münster – jetzt darf nur außen herum geführt werden. In Heiligendamm gibt es nur noch die Führung am Mittwoch. Am Sonntag findet zwar auch eine Führung statt, aber an der dürfen nur MEDIAN-Gäste teilnehmen. Für alle anderen Führungen muss man sich anmelden, damit eine Liste für das Gesundheitsamt erstellt werden kann. Privatführungen, wie sie der Autor dieser Seite anbietet, laufen weiterhin direkt über den Anbieter. Alle anderen Führungen gibt es auf https://doberan-heiligendamm.de

 

Münsterbesuch ohne Führung

Das Doberaner Münster verzichtet auf Führungsangebote. Man kann für den normalen Besichtigungspreis selbst das Münster erkunden und bekommt ein Faltblatt mit Informationen mit. Eine Alltagsmaske muss wegen des kontrollierten Einlasses nicht getragen werden, aber Abstand ist einzuhalten.

 

Keine Mühlenführungen und Ausstellungen n der Backhausmühle mehr

Nicht wegen Corona, sondern wegen der beginnenden Sanierung der Ruine gibt es keine Führungen mehr zur Wassermühle im Wirtschaftsgebäude und der Ausstellung in der Backhausmühle. Drei Jahre wird es dauern, bis wieder Mühlen-Führungen möglich sind.

 

Möckelhaus und Roter Pavillon geöffnet

Das Stadt- und Bädermuseum im Möckelhaus samt Sonderausstellungen ist geöffnet und es werden auch Führungen angeboten. Ebenso veranstaltet der Kunstverein im Roten Pavillon wieder Ausstellungen und Sonntagscafés.

 

Sommerrodelbahn geöffnet, Molli fährt

Die Sommerrodelbahn ist wie gewohnt geöffnet. Außer Abstandsregeln gibt es hier keine Änderungen. Auch beim „Molli“ gibt es keine so großen Veränderungen. Da es sich um ein öffentliches Verkehrsmittel handelt, besteht während der Fahrt Maskenpflicht. Die Sonderzüge fallen bis auf den Güterverkehr aus, das Bahnhofsfest findet nicht statt und das „Schweineschnäuzchen“ kommt erst 2021 von Borkum nach Bad Doberan.

 

Ausstellungen und Märkte statt der bekannten Veranstaltungen

Bikergottesdienst, AQUAnostra, Anbaden, Klostermarkt, Renntage, Polo-Turnier, Kulturnacht, Denkmaltag und Zappanale fallen 2020 aus. Die Zappanale gab es online und zum Denkmaltag gab es thematische Ausstellungen, wie DBR – Denkmal, Baukunst, Residenz. Dafür wurden kleine Angebote gemacht: Ein Handwerkermarkt in der Alten Vogtei, Oldtimer-Fair mit großer Ausfahrt.

 

Es fehlt nur wenig

Als Urlauber gehen Sie bestimmt lieber in die Kneipe, als in die Disco und werden daher gar nicht bemerken, dass nicht getanzt werden darf. Diese und einige weitere kleine Einschränkungen gibt es im Gegensatz zu vorher. Die meisten werden nur von Einheimischen bemerkt.

Als Gast steht Ihnen auch 2020 eine ganze Urlaubsregion zur Verfügung. Der ZOO in Rostock, Tierpark in Wismar und Wildtierpark in Güstrow haben geöffnet, der Kletterwald in Kühlungsborn lädt wieder zum Klettern ein, Ozeaneum, Müritzeum, PanTechnikum & Co. warten auf die Besucher und auch die Spaßbäder vom Nivea Haus über Wonnemar, Oase, Aquadrom und Hanse Dom bis hin zur Bernsteintherme sind wieder geöffnet.

Schlösser und Herrenhäuser warten auf ihre Entdeckung und für Naturfreunde ist das Land der tausend Seen auch 2020 das Abenteuerland Nummer eins. Eine Übersicht der Angebote in der Region finden Sie hier.

Sie sehen: Urlaub in der Nebensaison an der Ostsee in Bad Doberan-Heiligendamm geht so normal wie möglich.

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