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Vom Gästeführer-Update: Neues vom Grand Hotel und den Villen in Heiligendamm

Es hat Tradition, dass ich vom Treffen der Gästeführer im Grand Hotel Heiligendamm berichte. Endlich gab es wieder so ein großes Update. In den letzten beiden Jahren musste diese Tradition warten, denn wegen Corona-Beschränkungen war ein Treffen erst wegen der Verordnungen nicht möglich und dann wegen des großen Nachholbedarfs aller Beteiligten.

Um trotzdem auf dem neuesten Stand zu sein, traf ich mich mit Jagdfeld-Sprecher Birger Birkholz und holte mir die eine oder andere Info direkt vom Grand Hotel. Viel musste man da als Gästeführer gar nicht wissen: Das Hotel hatte zunächst geschlossen und die Zeit für Renovierungen genutzt und nach der Wiedereröffnung aus nachvollziehbaren Gründen die Priorität auf die Hausgäste gesetzt. Alle anderen Gäste konnten nur per Bestellung einkehren und auch nicht überall. So ist das Hotel gut durch die Corona-Zeit gekommen – Dank höherer Raten auch finanziell.

Aber von Anfang an:

Das Treffen fand diesmal nicht am langen Tisch im Salon „Alexandrine“ statt und auch nicht ungünstig auf zwei Tische verteilt in der „Louise“. Wir waren dort, wo Daniel Aminati gerade erst sein erstes veröffentlichtes Hochzeitsfoto knipsen ließ: Im Salon „Professor Dr. Vogel“. Es war ein Stehempfang an Bistrotischen, sodass jeder mit jedem bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch kommen konnte. Eigentlich eine gute Sache – ob das die überwiegend älteren KollegInnen auch so sehen, weiß ich nicht. Beschwert hat sich keiner.

Außer den Gästeführern anwesend waren der Hoteldirektor Thies C. Bruhn und die Kulturdirektorin Susann Franke als neue PR-Verantwortliche nach einem recht überraschenden Weggang von Juliane Rohde. Außerdem standen zwei aufmerksame Mitarbeiter des Hotels zur Seite, einer davon in leitender Position und mit langer Verbindung zu Heiligendamm. Von der Jagdfeld-Gruppe war Sprecher Birger Birkholz gekommen und von der Touristinformation deren seit Oktober 2021 neuer Chef Mario Derer und die langjährige Mitarbeiterin und zeitweise kommissarische Leiterin Franziska Kreutzfeldt.

 

Das Grand Hotel während der Corona-Zeit

Thies Bruhn eröffnete das Treffen. Er erzählte von der Zeit, die hinter uns liegt und gab einen Ausblick auf die Zukunft. Das Grand Hotel hat sich in der Corona-Zeit auf die Hausgäste konzentriert und ihrem Sicherheitsbedürfnis entsprochen. Das heißt, dass die auf Grund der Vorgaben reduzierten Plätze in den gastronomischen Einrichtungen den Hausgästen vorbehalten waren. Man konnte sie auch als externer Gast reservieren, aber nicht spontan. SPA stand über eine Clubmitgliedschaft zur Verfügung und Kultur fand in kleinerem Rahmen statt. Das Sommerkino wurde vom Strand an den Pool verlagert und die White Nights durch Veranstaltungen für Hausgäste ersetzt.

Die Corona-Zeit war keine schlechte Zeit für das Hotel, aber als Nutznießer kann es sich auch nicht bezeichnen. Die Nachfrage war höher, als das durch Verordnungen begrenzte Angebot und die Gäste akzeptierten höhere Raten. Das Grand Hotel wollte mit den höheren Preisen schließlich keinen Gewinn machen, sondern die Verluste durch die verordneten Beschränkungen ausgleichen und möglichst auch einen Puffer in diesen unsicheren Zeiten bekommen.

Durch weniger Übernachtungen wegen langer Schließung wurden weniger Einnahmen erzielt, durch die Abstandsregelungen gab es weniger Stühle in den gastronomischen Einrichtungen und durch Schichtsysteme beim Frühstück verkürzte sich die Zeit, um mit Mittag Geld zu verdienen. Einige Angebote mussten ganz ausfallen und insbesondere im Bereich der Kultur bedeutete das, weniger Teilnehmer zu haben und damit weniger Einnahmen aus Veranstaltungen und auch aus der Bewirtung dieser.

Auch Übernachtungen hängen an Veranstaltungen, wie die „Gourmetgipfel“ mit Ronny Siewert & Friends immer wieder zeigen. Nur über die höheren Preise konnte man all das kompensieren. Schließlich hatte Morzynski während der Corona-Krise ganz andere Sorgen durch die Zwangs-Schließung von Arko, Hussel und Eilles.

Das Grand Hotel hat es überstanden und als es öffnen durfte, lief es laut Bruhn sogar besser als sonst zu vergleichbarer Zeit. Das berichteten auch andere Hoteliers und Vermieter.

 

Veränderungen nach Corona

Jetzt ist Schwimmen wieder für externe Gäste auch ohne Mitgliedschaft möglich, aber mit Membership oder Vorteilskarte wird es günstiger. Auffällig sind die Veränderungen bei den Speisekarten. Statt vieler Gerichte gibt es Klassiker.

Im Kurhaus heißt das: Zwei Fischgerichte, zwei Fleischgerichte und zwei vegane Gerichte. Die Nelson-Bar ist zurückgekehrt zu dem, was ihr Name eigentlich verspricht: Hier geht es eher ums Flüssige und dazu gibt es herzhafte schnelle Snacks, wie Hamburger, Sandwich, Steaks, Pommes, Salat, Lachs und Ratatouille. Zusammen mit den Desserts füllt die Speisekarte drei Seiten, die restlichen 21 sind hochwertige Getränke bis hochprozentige Spirituosen.

Wie gehabt gibt es im Kurhaus-Restaurant Frühstück von 7:30 bis 11:30 Uhr, dann folgt bis 21 Uhr die Tageskarte und um 23 Uhr schließt das Restaurant. Es gibt dann noch die Baltic Sushi Bar und das Gourmet Restaurant Friedrich Franz und seit der Pool-Eröffnung auch den Food-Truck mit Snacks und Erfrischungen nach dem oder beim Bade. Die Strandbar kommt auch wieder.

Ansonsten ist das Grand Hotel froh darüber, dass das Medinis ihm etwas Druck aus dem Kessel nimmt und das kulinarische Angebot für die Hotelgäste erweitert. Weitere kulinarische Angebote sind mit dem Jagdhaus und KOSI vorhanden und auch der Herzogliche Wartesaal hat seit 1. Mai wieder mit neuem Betreiber und neuer Karte geöffnet. Optisch wurde hier sichtbar aufgewertet – kulinarisch kann ich noch kein Urteil fällen. Aber die kleinere Karte passt schon mal zu unseren Geschmäckern.  

 

Prinzen-Palais wird auch vom Hoteldirektor des Grand Hotels betrieben

Luftbild Hotel Prinzenpalais Bad Doberan
Luftbild Hotel Prinzenpalais Bad Doberan (M. Sander)

Es gab auch einen kleinen Gedanken-Ausflug zum Prinzenpalais in Bad Doberan. Das gehört auch den Morzynskis und Bruhn ist zugleich auch dort Hoteldirektor. Er hat das Hotel mit roten Zahlen übernommen und auch gleich die Ursache gefunden: Ein schönes, aber meistens leeres Restaurant im Hause. Er schloss es und machte das Prinzen-Palais zum Hotel garni, das dann auch wieder schwarze Zahlen schrieb.

Zur besseren Einordnung: Das Prinzen-Palais befindet sich zentral in der Stadt, das nächste Restaurant ist drei Häuser weiter im Friedrich-Franz-Palais und auch Frühstück gibt es schräg gegenüber bei Bäckerei Sparre. Entlang der Mollistraße gibt es alles, was man braucht: Einen Griechen, eine Pizzeria, eine deutsche Kneipe, einen deutschen und einen asiatischen Imbiss, zwei Bäcker und eine Fleischerei. Rund um den Kamp findet man dann noch ein weiteres deutsches und ein italienisches Restaurant und Werbung für einen kleinen Spaziergang zur Villa „Weitsicht“. Das Prinzen-Palais ist gerade bei Alleinreisenden und Paaren sehr beliebt und die finden im näheren Umfeld, was sie suchen. Der deutlich kleinere Doberaner Hof auf der gegenüberliegenden Seite bietet Halbpension – hier kehren gern Familien ein.

Bruhn hat also das Prinzen-Palais wieder in die Spur gebracht. Trotzdem war das Ganze keine Herzensangelegenheit, wie das Grand Hotel, zu dem Morzynski zweimal JA sagte – einmal mit seinem Gebot und dann noch einmal, als er als unterlegener Bieter gefragt wurde: Als Halbersbacher sich neu ordnete und von einigen Standorten trennte, übernahm Morzynski das Prinzen-Palais und betrieb es nebenbei. Bruhn würde es auch verpachten. Wenn Sie also Interesse haben – ich vermittle gern.

 

Grand Hotel ist jetzt besser vernetzt

Die wichtigsten Punkte auf der Agenda waren für Thies Bruhn bisher die bessere Vernetzung des Grand Hotels. Nachdem es unter Thilo Mühl aus der Selektion Deutscher Luxushotels geflogen ist, nahmen die führenden deutschsprachigen Hoteliers nach dem Antritt von Bruhn wieder auf. Der nutze seine über drei Jahrzehnte bei Kempinski geknüpften Kontakte, um das Grand Hotel auch in die Global Hotel Alliance zu hieven und ins Discovery-Bonusprogramm aufzunehmen.

Schaut heute ein Teilnehmer des Bonusprogramms an der Ostsee nach einem Luxushotel, wird ihm nicht erst in Berlin das Adlon angezeigt, sondern das Grand Hotel Heiligendamm. Das ist ein enormer Fortschritt.

 

Mitarbeitergewinnung bleibt großes Thema

Ein Thema ist auch die Mitarbeitergewinnung. Über 60% der Ausgaben des Grand Hotels sind Personalkosten. In Österreich und der Schweiz ist der Winter die Hauptsaison – in Heiligendamm ist es der Sommer. Also tauscht man sich geneigte Mitarbeiter untereinander – natürlich auf Basis der Freiwilligkeit. Von reinen Saisonkräften hält das Luxushotel aber nicht viel: Es ist schwer, in kurzer Zeit die nötige Professionalität zu erlangen und darum merken erfahrene Gäste, wenn Saisonkräfte zum Einsatz kommen. Diese Erfahrung habe ich hier schon mal geschildert.

Das Hotel will langfristige Mitarbeiter, die sich im Hause weiterentwickeln und gemeinsam das Haus selbst weiterentwickeln. Dazu schickt man Mitarbeiter auch zu Kursen und Wettbewerben in ganz Deutschland, aber auch in Nachbarländer. Selbst Sternekoch Ronny Siewert – der beste Koch des Landes – kann sich in Heiligendamm noch weiter entwickeln. Das Hotel unterstützt ihn, wenn er seinen zweiten Stern vom Himmel holen will.

Zunächst aber wird das 2020 kurzfristig wegen Corona abgesagte Gourmetwochenende „Ronny Siewert & Friends“ wiederbelebt. Und da man viel nachzuholen hat, gibt es diesmal zwei Termine: Vom 10. bis 12.- Juni und vom 11. bis 13. November 2022.

 

Mitarbeiterwohnungen fertig – im bisherigen Domizil leben Ukraine-Flüchtlinge.

Bruhn zählte die Errungenschaften der letzten zwei Jahre auf: Der Außenpool, die Mitarbeiterwohnungen, die Mitarbeitergewinnung und eine Steigerung der Qualität, die unter den rigorosen Einsparungen vor seiner Zeit gelitten hatte. Inzwischen sind nicht nur die Gäste wieder zufrieden – auch das Ranking bei den Mitarbeitern hat sich verbessert. Die zu finden bleibt aber eine Herausforderung, der man im abgelegenen Heiligendamm nur mit Wohnraum begegnen konnte.

Inzwischen sind die 60 Mitarbeiterwohnungen bezugsfertig und teilweise auch schon bezogen. Bisher hatten die Mitarbeiter im Prinzessin-von-Reuß-Palais gewohnt. Nachdem dieses nun leer stand, hat Anno August Jagdfeld in einer spontanen Aktion in Moldawien gestrandete jüdische Flüchtlinge aus der Ukraine im ehemaligen Hotelgebäude untergebracht.

Durch eine Ukrainerin bekommen wir bei Facebook einen kleinen Einblick in das Innere des bis 2002 immer noch erkennbar als Hotel genutzten Gebäudes.

 

Neues und Altes von der Jagdfeld-Gruppe

Damit zum zweiten Gastgeber des Treffens: Für die Jagdfeld-Gruppe und somit auch die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm (ECH) war Birger Birkholz gekommen. Er hat vor ein paar Jahren die Öffentlichkeitsarbeit vor Ort für die ECH, ECW (Wustrow), das GVB (Vorder Bollhagen) und die ECWB (Wittenbeck) übernommen. Bisher hatte Dr. Christian Plöger das mitgemacht, der aber eigentlich die Unternehmenskommunikation für die ganze Gruppe leitet und im Rechtsstreit mit Signal Iduna dort voll und ganz gebraucht wird.

Birkholz beantwortete viele Fragen. Alles dreht sich irgendwie um den Wegfall des Parkplatzes und alles, was Birger Birkholz zu berichten hatte, entspricht den Erklärungen im Artikel Strand-Shuttle fährt an Sommerwochenenden nach Heiligendamm

So viel noch von seiner Seite: Man möge es als Geschenk sehen, dass man all die Jahre diese Parkplätze nutzen durfte. Und zwischen den Zeilen: Das Parkproblem zu lösen ist nun Aufgabe der Stadt.

Die Sanierungsreihenfolge war auch wieder ein Thema. Das Alexandrinencottage war neulich gerade in der Ostsee-Zeitung, als Anno August Jagdfeld in einem Interview darüber sprach. Er will das Haus fürs Alter sanieren. Bei 76 Lebensjahren wirkt das erst einmal komisch, aber auch Birger Birkholz hat die Aussagen im Interview so verstanden, dass es schon recht bald der Fall sein soll. Auch von der Seite derer, die es zu genehmigen haben, weiß ich, dass sie sich mit der Sanierung beschäftigen.

Ansonsten bleibt alles beim Alten: Für die Villa Augusta, das Gästehaus dahinter, das Mecklenburgische Heim gegenüber, das Seehospiz am anderen Ende, den Fürstenhof, das Holzwärterhaus und die Villen „Sporn“ und „Adler“ gibt es noch keine Konzepte. Erst das Grand Hotel, dann die Villen, dann das Hinterland – so war es vereinbart und auch nur so macht es wirtschaftlich Sinn.

Was nicht ausschließt, Immobilien aus dem Paket an einzelne Interessenten zu vermarkten. Anno August Jagdfeld dürfte es und er will diese Häuser vermarkten, aber das muss auch passen. Er hat das Ensemble als Ganzes gekauft und – das waren jetzt nicht Birkholz‘ Worte – 2012 gegen seine Zerstückelung gekämpft – und will auch in Zukunft, dass zusammen bleibt, was immer zusammengehörte. Das waren wiederum Birkholz‘ Worte.

Es gab Interessenten, aber es passte nicht. Ich weiß aus anderen Quellen von weit auseinander liegenden Preisvorstellungen, von mit Skepsis begegneten Ideen zu baulichen Veränderungen und auch von konzeptionellen Ideen, die keinen Anklang gefunden haben werden. Bei Villa „Krone“ hatte Jagdfeld jemanden gefunden, wo es einfach passte und das ist auch bei den beiden Villen seine Hoffnung.

Der Name des Bewohners der Villa „Krone“ soll nicht genannt werden – darum hatte er ausdrücklich gebeten. Er möchte seine Privatsphäre respektiert wissen. Wir akzeptieren das, haben selbst auch außer seinem zwar den einen oder anderen Namen gehört, aber es gibt niemanden, der uns da etwas bestätigt. Auch das Grand Hotel schweigt zu seinen Gästen, wenn sie es möchten – und seien sie noch so prominent und werbewirksam. Dank Instagram und Facebook sind wir aber wenigstens im Nachhinein im Bilde.

 

Privatsphäre ist wichtiger geworden

Um Privatsphäre drehte sich diesmal eine ganze Menge. Heiligendamm war in den beiden Corona-Jahren ein Zufluchtsort für Wohnungseigentümer – egal, ob in den Residenzen, im Linden-Palais und der Residenz von Flotow oder auch in privaten Häusern. Vermieten durften die Eigentümer sowieso nicht, also haben sie die Wohnungen selbst genutzt, um der Ansteckungsgefahr in den Ballungsgebieten zu entkommen.

Aber auch im Grand Hotel war das ein Thema. Während es öffnen durfte, wurden die Angebote für die Öffentlichkeit auf Vorbestellung reduziert, so waren die regelmäßig getesteten Hotelgäste unter sich. Dafür waren sie bereit, höhere Preise zu zahlen und nach zwei Jahren haben sie sich an dieses Club-Gefühl gewöhnt.

 

Place to be statt Museum to go

Das will man beibehalten: Für das Osterfeuer hat man auf der Webseite, aber nicht in der Öffentlichkeit geworben. Bei Facebook und Instagram geht es eher um echte Events, die auch etwas kosten und die etwas für Kulturinteressierte sind.

Man schließt keinen aus, aber man spricht gezielt die passenden Leute an. „Zielgruppenmarketing“ nennt sich das und so sitzen Kulturinteressierte und Musikbegeisterte aus dem Hause und von außerhalb zusammen.

Der Außenpool ist ein neues Zentrum geworden. Hier steht der Food Truck, hier finden Lesungen, Vorträge und das Sommerkino statt. Es ist alles weniger für die Masse gemacht und stattdessen ist man gemütlich unter sich. An der Strandbar gab es zuletzt eine Mindestverzehrmenge von 70 Euro, wenn man sich in den Strandkorb oder in die Lounge setzen möchte.

Die Angebote laden zum Verweilen ein – schließlich wirbt man mit „Place to be“. Hier soll man nicht schnell durchlaufen, auch nicht gemütlich durchbummeln – man soll verweilen, entschleunigen und nach dem gesunden Bade die Freude empfangen. Denn das ist der eigentliche Leitspruch des ersten deutschen Seebades.

 

Externe Gäste können klingeln

Die Klingel am Haupteingang neben dem Findling bleibt bestehen. Das ist für Tagesgäste der Zugang. Alle anderen Tore haben keine Klingeln, lassen sich aber mit der Torkarte öffnen, die jeder Hotelgast (und die Heiligendamm-Gästeführer und einige Median-Patienten) bekommen. Weil immer wieder Leute in die Sackgasse gelaufen oder gefahren sind und dann in der Kurve über die Kühlungsborner Straße gelaufen und über den Zaun geklettert sind oder auf der Straße weiterfuhren, hat das Hotel das Tor an den Anfang der Einzäunung des Zugangs versetzen dürfen.

Dort soll wohl (klang so) auch noch eine Klingel installiert werden, damit externe Gäste auch zu den Veranstaltungen und Restaurants kommen, ohne erst zur Promenade zu müssen. Allen anderen wird unmissverständlich klar gemacht, dass es hier nicht durch geht.

 

Grand Hotel ist bereit, Veranstaltungen mitzugestalten

Das Grand Hotel möchte gern Veranstaltungen für die Massen mitgestalten, aber dazu braucht es Partner, die an einem gewissen Niveau interessiert sind. Denn Kirmes-Charakter werden Veranstaltungen aus der Feder Susann Frankes nicht haben, auch wenn Professor Skerl ihr den ironischen Tipp gab, Zipfelbuben mit Volksmusik (oder so ähnlich) zu engagieren, um die Bude voll zu kriegen. Thies Bruhn dachte da eher an einen historischen Weihnachtsmarkt entlang der Promenade. Die Überlegungen und sogar erste Planungen gab es schon vor Corona.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass das Grand Hotel sich spürbar auf seine Gäste konzentriert und den Trubel draußen lassen will, ohne aber die Öffentlichkeit ausschließen zu wollen. Es werden gezielte Angebote an Urlauber, Einheimische, Kur- und Tagesgäste gemacht, die gewiss nur einen bestimmten Personenkreis ansprechen, der mit den eigenen Gästen positiv korreliert.

 

Residenzen sind Gated Community

Anders sieht es bei den Projekten Jagdfelds aus. Hier wird ganz klar mit einer „gated community“ geworben – einer geschlossene Wohnanlage“ mit Zugangsbeschränkungen. Bisher kennt man das aus Deutschland nur von der Arcadia-Wohnanlage in Potsdam, dem Barbarossapark in Aachen und der Wohnanlage am Olympiapark in München. Wenn man die denn überhaupt kennt.

Das sind aber keine Namen, die in den Prospekten der „Weißen Stadt am Meer“ fallen. Hier ist von den New Hamptons die Rede – jenem Küstenabschnitt im Bundessstaat New York, in dem Mariah Carey, Steven Spielberg, Jennifer Lopez, Tiger Woods & Co. wohnen. Das ist der Maßstab für Heiligendamm – nicht baulich, aber gesellschaftlich.

Baulich haben es die New Yorker einfacher: Sie dürfen direkt am Strand bauen und haben alle ihren eigenen Strandzugang. Wir kennen es von vielen amerikanischen Serien, auch aus Florida. In Deutschland ist Strand Allgemeingut und die Promenade öffentlich. Wer also in einer Villa der Perlenkette wohnt, muss entweder über die Terrasse des Medinis zum Strand oder um das Grand Hotel herum laufen.  Darum: Es geht in Heiligendamm nur gesellschaftlich zu kopieren, nicht baulich.

Allerdings geht man in den USA anders mit Reichtum und seinen Besitzern um als in Deutschland. Aber in Heiligendamm kaufen ja keine Amerikaner, sondern Deutsche, die es gewohnt sind, sich nicht allzu sehr ins Rampenlicht zu stellen, wenn sie nicht gerade Geld damit verdienen. In Heiligendamm kaufen Unternehmer, Juristen, Künstler und „Freischaffende“.

 

Big Think statt provinzielle Kleinkariertheit

All das zeigt jedoch, wie die Macher in Heiligendamm denken: Größer.
Ein noch besseres Beispiel ist die Antwort auf die Frage eines Kollegen, wie man denn Wohnungen mit 300-400 Quadratmetern vermarkten will. Wer kauft so etwas?

Birkholz‘ Antwort überraschte einige:

„Es sind ja nur 9 Wohnungen und nicht 50. Wir gehen davon aus, dass es auf der ganzen Welt 9 Menschen gibt, die so etwas kaufen“.

So geht „Big Think“ und wer Heiligendamm begreifen will, muss wohl versuchen, in diesen Dimensionen denken. Es gab vor Herrn Birkholz noch zwei andere, die mir Einblicke in solche nicht alltäglichen Dimensionen gegeben haben:

Hans Jürgen Schünemann, der die Ausstellungen der Jagdfeld-Gruppe betreut und die Vision der Zukunft von Heiligendamm (und Vorder Bollhagen, Wittenbeck und Wustrow) erklären kann und Professor Skerl, der Heiligendamm nicht nur in einen geschichtlichen, sondern auch gesellschaftlichen Kontext zu stellen vermag und bei dem plötzlich die Auswirkungen europäischer und weltweiter Entwicklungen auf das kleine Heiligendamm einen sichtbaren Zusammenhang bekommen.

Der sichtbare Zusammenhang ist nämlich das, was den Menschen am meisten fehlt – nicht nur beim Thema Heiligendamm, sondern überhaupt. Es wird einfach zu viel spekuliert und zu wenig recherchiert.

Zusammengefasst: Die Residenzen bleiben eine in sich geschlossene Wohnanlage, die auch noch um Angebote ergänzt werden wird. Den Blick von hinten wird es auch in Zukunft nur bei den Führungen geben oder wenn man eine Wohnung kauft oder eine Ferienwohnung mietet.

 

Zeit für Optimisten

Den Blick von hinten haben wir von oben von der Dachterrasse genossen und mehr noch vom Pool, dessen 26 °C warmes Wasser uns zum Schwärmen brachte.

Mit dem Food Truck und den inzwischen auch aufgestellten Loungemöbeln ist das Ganze sehr attraktiv geworden.

 

Vom Pool aus blickt man auf die Ostsee – allerdings auch von den Kolonnaden direkt auf den Pool. Diese Herausforderung ließe sich eigentlich ganz gut lösen, indem man die einmal in einem Entwurf vorgesehenen umlaufenden Arkaden realisiert und damit den Poolbereich eine Art Atrium sein lässt.

So ließe sich vielleicht auch noch ein geschützter Gang vom Innenbereich zum Außenpool realisieren. Im Winter ist der Wechsel bestimmt nicht angenehm. Setzt man dann Saunen und Ruheräume an die Nordseite, blickt man von den Kolonnaden eher auf die Arkaden, als auf den Pool. Aber machen wir uns nichts vor: Das Geld für solche Investitionen muss auch erst einmal verdient sein.

Insgesamt war der Eindruck optimistisch, wenn auch nicht euphorisch. Also ganz im Trend.

 

Wir konnten unseren Tag mit einem schönen aktuellen Gruppenfoto auf der Dachterrasse krönen. Nachdem unser lieber Helge Rehwaldt verstorben und Heide Walter aus der IG ausgeschieden ist und auch zwei andere GästeführerInnen kürzer treten, bot sich erstmals die Gelegenheit für ein neues Foto. Auch wenn wieder ein paar Leute fehlen. Infos zu den Gästeführern gibt es auf https://doberan-heiligendamm.de

Für alle gab es dann eine nett gepackte Tüte des Grand Hotels mit Kostproben, aktuellen Prospekten und dem Kids-Club-Eisbären und von der Jagdfeld-Gruppe das neueste Buch von Professor Skerl. Alle haben sich sehr darüber gefreut.

 

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