Schild auf Stacheldraht mit Text QUARANTINE COVID-19

Inseln schon gesperrt: Tourismus wird wegen CORONA heruntergefahren.

16.03.2020
Heute ist der Tag X, an dem das öffentliche Leben heruntergefahren wird. Schulen und Kindergärten schließen bis auf eine Notversorgung, öffentliche Einrichtungen bleiben verschlossen und steigen auf Telefondienst oder minimalen Direktkontakt um. Senioren- und Pflegeheime empfangen keine Besucher mehr und die Leute werden gebeten, zuhause zu bleiben.

Schwimmbäder, Museen und Besucherzentren, Sehenswürdigkeiten und Freizeiteinrichtungen haben den Besucherverkehr entweder kontaktarm gemacht oder ganz eingestellt und auch Veranstaltungen werden reihenweise abgesagt. Selbst die öffentlichen Verkehrsmittel arbeiten an veränderten Fahrplänen.

Urlaub zu machen heißt also, viele Einschränkungen zu ertragen und nach Alternativen bei der Freizeitgestaltung zu suchen. Macht es überhaupt Sinn, Urlaub zu machen und wenn nicht – wie sollen dann die vom Tourismus abhängigen Menschen überleben? Sollte man nicht gerade ihnen zu Liebe in den Urlaub fahren? Hier spalten sich die Gemüter:

 

Geteilte Meinungen zum Tourismus-Shutdown

Die einen sagen „Kommt her, wir brauchen euch“. Es geht ihnen nicht einzig ums Geld, sondern um die Existenz. Wer einen Monat kein Geld verdienen kann, der kann seine Miete nicht zahlen, seine Kredite nicht bedienen und seine Mitarbeiter nicht bezahlen. Die wiederum rechnen auch mit ihren Einnahmen, um ihre Familien zu ernähren.

„Dafür gibt es Hilfe vom Staat“ halten andere dagegen. Wenn Home Office und Urlaub nicht mehr helfen, gibt es Kurzarbeitergeld und die sozialen Hilfen stehen ja ohnehin zur Verfügung. Die Unternehmer können über die KfW Kredite aufnehmen, um sich Zeit zu kaufen und das Land Mecklenburg-Vorpommern verspricht derzeit Hilfen über 100 Millionen Euro für die Wirtschaft. Es bleibt die Sorge des kleinen Einzelunternehmers, ob davon auch etwas bei ihm ankommt. Solange das Land nicht die Unternehmer aus ihren Betrieben tragen lässt, halten die Gastronomen, Hoteliers und Vermieter, aber auch die Dienstleister, Handwerker und Kleinmanufakturbesitzer ihre Stellung und begrüßen die Gäste aus ganz Deutschland und der Welt.

Während die einen noch sagen „Kommt her, wir brauchen euch“, rufen die anderen: „Bleibt zuhause, wir wollen eure Viren nicht“. In einem dünn besiedelten Land mit zehnmal weniger registrierten Fällen, als im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen werden NRWler schon mal als „Verseuchte“ beschimpft und nicht willkommen geheißen. Hier zeigt sich die hässliche Fratze des Tourismus: Es gibt gerade in ehemals sozialistischen Nordosten einige, die mit der Entwicklung ihrer Heimat nicht zufrieden sind. Altes verschwand, neues entstand und das große Geld machten meistens andere, während die Einheimischen im Alltag mit Parkplatznot, Staus und Unruhe kämpfen.

Das ist die Kehrseite der Goldmedaille, die das Tourismusland Nummer eins stolz auf der Brust trägt und diese andere Seite kommt jetzt einmal mehr zum Vorschein, wenn unter dem Deckmantel von Corona gesagt wird: „Bleibt doch zuhause!“ Die meisten wissen, dass das nicht funktioniert und so erfahren die Tourismuskritiker viel Gegenwind von ihren Landsleuten, die stolz auf die Medaille sind oder einfach davon leben – schließlich ist der Tourismus die Branche Nummer eins im Norden.

 

Gesundheitssystem muss geschützt werden

Aber es gibt auch besonnene Leute, die Corona ohne Panik doch als Gefahr sehen. Wenn eine Insel drei Kurkliniken hat, ist das schön für das Angebot an Rehabilitation, aber es deckt den medizinischen Bedarf nicht. Selbst ein einfaches Landkrankenhaus eignet sich nicht besonders für die Behandlung von Corona-Erkrankten. Es müssen genug intensivmedizinische Plätze vorhanden sein – vom Bett über das Beatmungsgerät bis hin zum Personal, das diese nicht alltäglich benutzten Geräte auch bedienen kann. Auf Deutschland gesamt gesehen ist das gewährleistet – wir haben mehr als doppelt so viele Kapazitäten, wie Italien, wo das Gesundheitssystem die Situation nicht mehr bewältigen kann. Normalerweise reichen aber Krankenhäuser genau für den Bedarf der Region, in der sie stehen. Ein Krankenhaus auf Rügen oder Usedom kann auch bei einer Grippewelle die Einheimischen und Touristen versorgen, denn dafür ist es ausgelegt. Wenn aber sehr schnell sehr viele Menschen sich mit COVID-19 infizieren und intensiv betreut werden müssen, dann ist das einfach nicht zu schaffen. Selektieren dürfen die Ärzte nicht: Einheimische vor? Gäste vor? Das geht nicht. Die Gäste nach Hause in „ihr“ Krankenhaus schicken, funktioniert ebenso wenig.

 

Besucheransturm führt zu Insel-Sperrung

In Schleswig-Holstein hat sich ein unerwarteter Trend abgezeichnet. Statt sich selbst unter Quarantäne zu stellen und zuhause zu bleiben, setzen sich viele Menschen ins Auto und fahren an die Ostsee. In Ostholstein herrschten am Wochenende Zustände, wie sonst in der Saison. Die Parkplätze waren voll mit Autos aller Herren Bundesländer. Auch in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern war das Phänomen zu beobachten. Noch einmal ans Meer – es könnte das letzte Mal sein.

Die Verantwortlichen auf den Inseln haben also folgerichtig gehandelt, als sie das Land darum baten, die Verbindungen zu den Inseln zu kappen. Vorbild war hier Schleswig-Holstein, das für Touristen die Verbindungen nach Fehmarn, Sylt, Föhr, Amrum und die Halligen unterbrach. Auch in Niedersachsen wurden von oben die Verbindungen zu den ostfriesischen Inseln gekappt. Die Gäste werden nach Hause geschickt. Man bittet um Verständnis: Die Gäste sind jederzeit willkommen, aber in dieser besonderen Situation muss man so handeln.

So hat auch Schwerin die Verbindungen nach Rügen, Usedom, Poel und Hiddensee gekappt. Es gibt für Touristen keine Möglichkeit mehr, auf die Inseln zu gelangen. Nur Bewohner mit Erstwohnsitz auf den Inseln oder auf den Inseln arbeitende Menschen werden durchgelassen. In Schleswig-Holstein und Niedersachsen überlegt man schon, auch Touristenzentren auf dem Festland abzuriegeln. Timmendorfer Strand hat zum Beispiel eine Struktur, die genauso ist, wie in Westerland oder auf Borkum. Auch in MV denkt man darüber nach: Es könne nicht sein, dass die Einheimischen aufgefordert werden, zuhause zu bleiben und Schulschließungen ertragen müssen, andersherum aber Touristen aus den Gebieten hier Urlaub machen, in denen es mehr Infektionen gibt. Die Regierung will ihre Bürger schützen und in diesem Kontext wird der Tourismus heruntergefahren.

Das bedeutet nicht nur, dass “Ortsfremde” nicht mehr hinein gelassen werden, sondern auch, dass die Touristen die gesperrten Regionen verlassen müssen. Wer eine Reiseversicherung hat, kann je nach Vertrag manchmal auch trotz höherer Gewalt mit Erstattungen rechnen.

Ortsfremd sind übrigens auch Einheimische vom Festland. Nur Personen mit Erstwohnsitz auf der Insel oder mit Arbeitsstelle auf der Insel werden durchgelassen. Im ersten Fall reicht der Personalausweis als Nachweis, im zweiten zum Beispiel der Dienstausweis, Arbeitsvertrag oder eine Bescheinigung vom Arbeitgeber.

 

Urlaub oder nicht?

Somit stellt sich die Frage „Soll ich in den Urlaub fahren oder nicht?“ nicht mehr. Auch die alternative Urlaubsgestaltung verliert an Relevanz, wenn man keine Unterkunft mehr findet. Bayern will den Katastrophenfall ausrufen, was eine effiziente Quarantäne ermöglicht – auch weniger freiwillig. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann der Norden nachzieht, wenn Bayern wirklich den Anfang macht.

Urlaub zuhause ist das eine. Wir alle werden uns daran gewöhnen müssen – die meerverliebten Süddeutschen ebenso, wie die bergverliebten Norddeutschen. Es betrifft uns alle und zwar weltweit. Wir helfen den Menschen am meisten, indem wir jetzt zuhause und doch besonnen bleiben.

Statt im Online-Kaufrausch zu verfallen, sollten wir unsere Besorgungen verschieben und dann in den Geschäften tätigen. Statt Termine beim Frisör oder der Massage abzusagen, sollten wir sie verschieben und später wahrnehmen. Wir sollten weiterhin Kunst kaufen, damit unsere Künstler über die Runden kommen und wir sollten schauen, ob unsere benachbarten Gastronomen alternative Angebote zum Gaststättenbesuch bieten – zum Beispiel telefonische Bestellung und Selbstabholung oder Lieferservice. Mit guter Hygiene ist schon viel getan, um sich und andere nicht zu kontaminieren. Die EC-Karte statt des Bargelds bringt den Eisverkäufer auch über den Winter.

Tipp: Wenn Sie Ihren Urlaub schon gebucht haben, dann sprechen Sie mit Ihren Gastgeber über eine Umbuchung zu einem späteren Zeitpunkt oder einen Gutschein über Ihren Betrag. Das ist für beide besser, als Stornieren. Dasselbe gilt für alle anderen schon gebuchten Leistungen. Sollten Sie Ihren Urlaub abbrechen müssen, sprechen Sie ebenfalls mit dem Gastgeber über Möglichkeiten. Eine Rückerstattung ist für Vermieter ein Verlust – ein Gutschein über die Restsumme hingegen ist ein Garant, dass Sie wiederkommen und für beide Seiten kein Verlust (außer wenn der Gastgeber vom Markt verschwindet). Wenn es möglich ist, werden sich die Anbieter auf solche Vorschläge einlassen, um Sie als Kunden zu behalten oder begrüßen zu dürfen. 

 

Hoffnung auf Saisonbeginn

Im Sommer könnte das Schlimmste überstanden sein. Es geht darum, Zeit zu gewinnen, die Epidemie zu verlangsamen. Es geht darum, dass nicht alle auf einmal krank werden und die Krankenhäuser das nicht mehr bewältigen können. Die Risikogruppen sollen geschützt werden, indem man sie von den Gesunden, aber potenziell Kontaminierten fernhält. Es werden hunderttausende Deutsche infiziert werden und das ist auch nötig, um eine Herdenimmunität zu erlangen. Aber das soll in geordneten Bahnen geschehen, um italienische Verhältnisse zu vermeiden.

All diese Maßnahmen rücken uns körperlich auseinander auf einen gesunden Abstand. Wichtig ist, dass wir im Herzen eins bleiben und unser Leben weiterführen, damit nach Abebben der Pandemie wieder der Normalzustand erreicht wird. Es gibt Hoffnung, dass die Saison wieder normal anlaufen kann und es wird dann auch möglich sein, kurzfristig eine der vielen stornierten Unterkünfte zu ergattern. Bleiben Sie optimistisch – und gesund!

 

Aktuelle Infos

Aktuelle Meldungen und Infos zur Corona-Entwicklung in Bad Doberan-Heiligendamm werden täglich in der öffentlichen Facebook-Gruppe Bad Doberan-Heiligendamm geteilt und in diesem Artikel zusammengefasst.

Weitere Informationen:

Infoseite der Stadt Bad Doberan:
https://bad-doberan-heiligendamm.de/rathaus.html

Infoseite des Landkreises Rostock
https://www.landkreis-rostock.de/landkreis/aktuelles/news/2020/maerz/coronavirus.html

Infoseite des Landes
https://www.regierung-mv.de/Landesregierung/bm/Blickpunkte/Coronavirus

Infoseite des Tourismusverbandes MV:
https://www.tmv.de/corona-virus/

Liveticker beim NDR:
https://www.ndr.de/nachrichten/info/Coronavirus-Ticker-Die-Lage-in-Norddeutschland,coronaliveticker134.html

Infos bei Antenne Mecklenburg-Vorpommern:
https://www.antennemv.de/aktuelle-themen/corona-virus-alle-informationen

Infos bei Ostseewelle:
https://www.ostseewelle.de/nachrichten/corona-virus

Symbolbild: Pixabay

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