Heiligendammer Hauskunde

Diese kleine Hauskunde für Heiligendamm widme ich all jenen, die mit einem Fragezeichen im Gesicht durch die Weiße Stadt am Meer laufen und versuchen, sich die Geschichte und Gegenwart und Erklärungen zum Zustand der Villen und sonstigen Häuser oder der möglichen Nutzung selbst zusammenzureimen. Eine Gebäudedatenbank ist in Arbeit und bis diese erscheint, gibt es diese kleine Häuserkunde für Heiligendamm. In Bad Doberan selbst sind die wichtigsten Gebäude mit Infotafeln versehen, aber auch hier wird es einmal einen Häuser-Führer geben.

Die Reihenfolge der „Hausbesuche“ ist nicht streng chronologisch, sondern orientiert sich an der möglichen Laufroute. Diese sollte im Herzen Heiligendamms an der Seebrücke beginnen. Viel Spaß auf der kleinen Entdeckungsreise!

 

Haus „Mecklenburg“

Das erste Haus am Platz wurde am 21. September 1793 als Badehaus eröffnet. Nachdem Professor Vogel seinem Herzog Friedrich Franz I. im Vorjahr die Anlegung eines Seebades am Heiligen Damm angeregt hatte, wagte sich der Regent mit einem kleinen Gefolge am 21. oder 22. Juli 1793 in die Ostsee und beschloss die Gründung des ersten deutschen Seebades. Weil das Baden in der See recht unbequem war, sollte ein Badehaus entstehen.

Nun ist dieses Badehaus aber bei Weitem nicht das, was damals gebaut wurde. Zunächst entstand nur ein „Wagenschauer“, 1796 konnte dann schließlich das erste feste Badehaus übergeben werden. Der Baumeister damals war Johann Christoph Heinrich von Seydewitz und der gehörte noch zur alten Schule und baute ganz im Stil des Barocks ein Fachwerkhaus an den Strand. Wobei er den Strand schlichtweg ignorierte und das Haus nach Doberan ausrichtete, von wo aus die Straße hier vor diesem Haus endete. Und so sah es aus:

Badehaus um 1816, aus der Ausstellung der ECH, Lithografie von A. Schröder, Steindruckerei von J. G. Tiedemann, Rostock

Im Jahre 1838 war dann der Bedarf an weiteren Logierzimmern so weit fortgeschritten, dass Georg Adolf Demmler mit der Aufstockung des Badehauses beauftragt wurde. Das tat er unter Einbeziehung der alten Mauern stilsicher im Sinne des Historismus. Auch das war noch nicht der letzte Umbau dieses Hauses, wie das folgende Bild zeigt:

Ensemble nach 1750, Aus der Ausstellung der ECH, Künstler unbekannt

Im Zuge des Verkaufs Heiligendamms im Jahr 1873 entstand schon 1872 ein Plan für einen großen Umbau Heiligendamms:

Entwurf von Kaiser & Großheim, Berlin 1872, aus Adolf Nizze, Doberan-Heiligendamm, 1938

Davon konnte das Meiste nicht umgesetzt werden, aber den vorgeschlagenen Seeflügel baute man an das bestehende Haus an. So erhielt das Haus sein heutiges Aussehen. Als Badehaus diente es spätestens seit der Aufstockung nicht mehr, denn durch den Umbau wurde es zum Logierhaus. Zwischendurch hieß es auch mal „Kurhaus“, aber der Name „Mecklenburg“ hat alle Zeiten überdauert.

Im Haus „Mecklenburg“ waren zunächst Zimmer und Suiten zum Logieren und später des Grand Hotels untergebracht und zu DDR-Zeiten waren hier Patientenzimmer und Behandlungszimmer des Kurbades der Werktätigen. Nach der Sanierung und Wiedereröffnung des Grand Hotels im Jahre 2003 befinden sich hier wieder die Zimmer und Suiten des 5-Sterne Grand Hotels. Das Haus verfügt über 17 Suiten und 31 Doppelzimmer.

Oben im Mezzanin haben die Bediensteten geschlafen. Heute befindet sich im Mittelteil die Hochzeitssuite. Während hinter den unscheinbaren Fenstern der Wohnraum und das Bad liegen, steht im Turmzimmer das weiße Himmelbett, umgeben von einer Dachterrasse, von der man den schönsten 360Grad-Rundumblick in ganz Heiligendamm und die tollsten Sonnenauf- und Untergänge hat.

 

Kurhaus

Das, was heute als „Kurhaus“ bezeichnet wird, entstand nach dem Badehaus. Nachdem Baumeister von Seydewitz in den Ruhestand ging, konnte der ihm zur Seite gestellte junge Bauconducteur Carl Theodor Severin seine eigenen Vorstellungen umsetzen. Nach dem Salon und dem Palais am Kamp von Doberan hatte er den Klassizismus endgültig in Mecklenburg etabliert und bei seinem Herzog für höchste Zufriedenheit gesorgt. Nun sollte er am Heiligen Damm ein Speise,- Tanz- und Gesellschaftshaus bauen.

Severin hatte bei Gilly und Langhans gelernt, war mit den Lehren Schinkels vertraut und kannte wohl auch die drei Bücher der Architektur von Andrea Palladio. Offenbar kannte er auch den Traum der alten Griechen vom Tempel am Meer und nun hatte er die Chance, diesen uralten Traum umzusetzen. Was Severin schuf, hat es so noch nie gegeben und wurde danach auch nicht mehr erreicht:

Aus der Ausstellung der ECH, Künstler unbekannt

Die Besonderheit ist, dass Severin diesen Tempel im rechten Winkel an das Badehaus anbaute und es nach der Küstenlinie ausrichtete. Er schuf einen Winkel, in dessen Herzen fortan das gesellschaftliche Leben des ersten deutschen Seebades pulsierte. Severin verband zwar den neuen „Salon“ mit dem Badehaus, ließ dieses aber unangetastet. Die Vollendung hat erst Demmler vollbracht.

Der „Salon“ wurde bald „Kurhaus“ genannt, war aber gerade dies nie gewesen. Ganz im Gegenteil:

HEIC TE LAETITIA INVITAT POST BALNEA SANUM

steht in goldenen Buchstaben auf blauem Jasper über dem Säulenportal geschrieben.

HIER EMPFÄNGT DICH FREUDE, ENTSTEIGST DU GESUNDET DEM BADE

Das war der Sinn dieses Gebäudes: Essen und Trinken, Rauchen und Reden, Tanzen und Musik hören, Wetten und dem Glücksspiel frönen. Denn dieses war ein wichtiges Standbein in der Finanzierung des Seebades, dessen Grundlage der Herzog aus eigener Tasche bezahlte – mit dem Schweiß, dem Blut und auch dem Leben seiner Soldaten, die leihweise für den König von Oranien gegen Napoleons Grande Armee kämpften.

Um dennoch zu zeigen, dass man in der Tradition der griechischen Asklepeien steht, installierte man das Relief von der „Hochzeit des Poseidon“ in der Säulenhalle. Rechts und links schwimmen die Nereiden und Tritonen – also die Nachkommen des Poseidon – in den Saal, um die Hochzeit Poseidons mit der Nymphe Amphritrite zu feiern. Über der Tür thront Hygieia, die Göttin der Gesundheit und Namensgeberin der Hygiene. Sie ist die Tochter des Asklepios, des Gottes der Heilkunst. Und die Heilung war ja die Intention des geistigen Seebadvaters Prof. Dr. Samuel Gottlieb Vogel und seiner Nachfolger, wie Sachse, Becker und Kortüm.

Das Kurhaus hat seine Funktion als Speise- und Gesellschaftshaus abgesehen von einer kurzzeitigen Nutzung als Schulungsräume für die angehenden Matrosen der Reichskadettenschule im Dritten Reich nie verloren. Auch zu DDR-Zeiten war hier das als einziges im Sanatorium öffentliche „Kurhaus-Restaurant“ untergebracht und so heißt die Lokation, in der Steffen Duckhorn heute kocht, noch immer. Doch nicht nur er verwöhnt die Gaumen der Gäste. Nebenan bereitet der Sternekoch Ronny Siewert kulinarische Köstlichkeiten im Gourmetrestaurant „Friedrich Franz“, wie dessen Leibkoch Gaetano Medini aus Mailand. Außerdem gibt es in den Arkaden, die das Kurhaus mit dem Haus „Mecklenburg“ verbinden, die „Baltic Sushi Bar“. Alle gastronomischen Einrichtungen des Grand Hotels sind auch für Tagesgäste zugänglich. An den Toren befinden sich Klingeln und das Tor an der Kühlungsborner Straße ist immer offen. Darüber hinaus wird hier morgens das üppige Frühstücksbuffet für die Hotelgäste aufgebaut.

Eines der jährlichen Treffen, bei denen sich die Doberaner Gästeführer auf den neuesten Stand bringen – hier zusammen mit dem Grand Hotel im Salon „Alexandrine“ in den Arkaden zwischen Kurhaus und Haus Mecklenburg.

Im Kurhaus gibt es darüber hinaus aber auch verschiedene Säle verschiedener Größe für Feiern, Hochzeiten, Versammlungen, Konferenzen, Lesungen und Musik. Die absolute Besonderheit ist der große Ballsaal, in dem heute noch das Tanzbein geschwungen wird.

 

Grand Hotel

Man nennt heute den kompletten Komplex aus sechs Häusern „Grand Hotel“. Ursprünglich gab es aber 1838 die Idee, zusätzlich zum bestehenden Logierhaus ein Großes Hotel zu bauen. Da Großherzog Friedrich Franz II. das nicht finanzieren konnte, gab er den Bau kleinerer Villen in Auftrag. Dabei blieb eine Lücke dort frei, wo das neue Hotel eigentlich hätte entstehen sollen und in diese Lücke bauten die neuen Betreiber wie im Plan weiter oben vorgeschlagen 1793 ein neues Haus. Dies nannte sich „Grand Hotel“ und als auch ringsum neue Häuser entstanden, nannte man den ganzen ursprünglichen Seebad-Komplex so.

Das Grand Hotel beherbergte außer Zimmern und Suiten auch gastronomische Einrichtungen und man konnte zu verschiedenen Zeiten hier wohl auch ein paar nicht alltägliche Sachen einkaufen. Zu DDR-Zeiten erfuhr das großzügige Haus einige Umbauten, wodurch es an Charme einbüßte.

Postkarte, gelaufen, Rückseite unkenntlich

Dafür erfüllte es nun einen neuen Nutzen aus Haupthaus des Sanatoriums und durfte sich nach der Hauptstadt Haus „Berlin“ nennen. Wie in der Hauptstadt gab es auch in diesem Haus eine Trennung in zwei Räumlichkeiten: In einem Saal speisten die DDR-Bürger und im anderen Leute aus dem „Westen“, die Valuta (harte D-Mark) in die DDR brachten. In den Herzen existierte diese Trennung nicht und so fanden die Südfrüchte aus dem „West“-Speisesaal auch ihren Weg auf die Teller im „Ost“-Saal.

Hotellobby neben der Rezeption. Das Gemälde zeigt Alexandrine von Preußen als Großherzogin von Mecklenburg  mit dem Thronfolger Friedrich Franz II. und Prinzessin Luise.

Nach der Sanierung und Wiedereröffnung blieb das Haus – nun ohne expliziten Namen – das Hauptgebäude des Grand Hotels. Hier befinden sich die Rezeption und die luxuriöse Lobby, an welche die Bibliothek und die Nelson-Bar angrenzen.

Die ebenfalls öffentlich zugängliche Bar bietet tagsüber unter anderem Kaffee, Kuchen, Steaks, Burger, Sandwiches, Fondues und verschiedene Kaffeespezialitäten an und entfaltet abends ihr klassisches Bar-Flair. Auch die Terrasse hinter dem Gedenkstein gehört zur Bar. In den Stockwerken darüber gibt es 31 Doppelzimmer und 16 Suiten, darunter zwei Turmsuiten.

 

Severin-Palais

Das dritte Haus im Bunde ist das Severin-Palais. Geschichtlich gibt es hier nicht viel zu erzählen, denn das Haus wurde erst von 2000 bis 2003 gebaut. Ursprünglich befand sich hier ein kleiner Tennisplatz, der in den 1920er Jahren angelegt wurde. Als Anno August Jagdfeld 1997 den Zuschlag für den Kauf des 26-Häuser-Paketes von Heiligendamm bekam, beantragte er den Bau eines weiteren Hauses, in dem der SPA-Bereich untergebracht werden konnte. Da man nur an dieser Stelle neu bauen konnte, sollten lieber hier die Saunen, Massageräume, Ruheräume, das Schwimmbecken und der Fitnessraum entstehen, als in den Häusern, deren Zimmer Seeblick haben können.

Man orientierte sich an der bestehenden Bebauung, sodass heute viele glauben, es handele sich um ein historisches Gebäude. Mit einem baulichen Trick konnte man das neue Gebäude ein Geschoss höher bauen, ohne dass es wirklich höher, als das Grand Hotel ist.

Dazu verzichtete man auf ein Walmdach und richtete auf der sich so ergebenen Plattform auf dem Staffelgeschoss ein Sonnendeck ein. Die Stadtführungen am Mittwoch führen auch auf diese Dachterrasse.

Pressefoto Grand Hotel Heiligendamm

Ansonsten gibt es für das Heiligendamm SPA auch Tageskarten für jedermann. Stand 2018 kostet einmal DaySPA 75 Euro inklusive Nutzung von Bademantel, Slippern und Handtüchern, die Zehnerkarte gibt es für 550 Euro und wer lieber abends von 19 bis 22 Uhr badet, kann auch 10 Mal Abendeintritt erwerben. Ansonsten bietet der SPA-Bereich auf 3.000 Quadratmetern auch Saunen, Yoga, ein Fitnesstudio, Wellness- und Kosmetikanwendungen und eine Liegewiese im Garten an.

Mit 49 Doppelzimmern und 17 Suiten inklusive zweiter Turmsuiten bietet das Severin-Palais auch die meisten Zimmer des Grand Hotels.

 

Burg „Hohenzollern“

Eine absolute Besonderheit in Heiligendamm ist die weiße Burg am Ostseestrand. Nach dem Tod des Großherzogs Friedrich Franz I. trat sein Neffe Paul Friedrich die Regentschaft an. Der junge Regent heiratete die Prinzessin Alexandrine von Preußen, eine Tochter des Königs Friedrich Wilhelm III. und der Königin Luise. Somit ging der mecklenburgische Großherzog natürlich am Berliner Hof ein und aus und dieser wiederum besuchte Heiligendamm.

Paul Friedrich wollte die Residenz von Ludwigslust nach Schwerin zurückholen und dort im Alten Garten ein neues Schloss bauen. Dafür brauchte er Geld, das aber das Seebad ihm nahm, sodass er die Kapazitäten erhöhen und somit mehr Einnahmen erzielen wollte, um weniger dazu steuern zu müssen. Alexandrines Bruder Wilhelm – bekannt als der „Romantiker auf dem Thron“ ließ zu dieser Zeit den Park Babelsberg gestalten und in ihm gab es eine kleine Laube, die Paul Friedrich gesehen haben muss:

Aus Wikipedia

Der Rest ist Geschichte: Paul Friedrich wollte so eine Burg im Großformat in Heiligendamm haben und so begann 1848 der Bau. Dafür wurde das an dieser Stelle befindliche und von Prof. Vogel und der Freimaurerloge „Zum Tempel der Wahrheit“ gestiftete Armenkrankenhaus kurzerhand abgerissen und etwas weiter südlich neu gebaut – siehe „Seehospiz“.

Paul Friedrich starb früh auf Grund einer verschleppten Erkältung, aber sein Sohn Friedrich Franz II. setzte den Burgenbau fort, wenngleich er in Schwerin den Schlossneubau stoppte und die Grundmauern wieder abreißen ließ.

Die Burg war bis kurz vor Ende des 2. Weltkriegs ein beliebtes Fotomotiv und blieb es auch nach 1945. Allerdings sah sie da so gar nicht mehr nach Burg aus:

Aus der Ausstellung der ECH, Künstler unbekannt

Die Burg war zum Ende des Krieges durch einen Brand beschädigt worden. Die Doberaner Lutz Elbrecht und Adolf Kegebein wurden 1947 mit der Wiedernutzbarmachung beauftragt. Sie sollten aber Material sparen und auf „unnötigen Zierrat“ verzichten und es gab die Vorstellung, dieses Haus an die anderen anzupassen. Also wurden kurzerhand Burgfried, Türme und Zinnen entfernt und ein Waldmach aufgesetzt. Nach Vereinfachungen an der Fassade sollte das Haus nun „klassizistisch“ wirken und ein vermeintlicher Makel beseitigt sein. Auf diese Theorie ließ sich Anno August Jagdfeld nicht ein und ließ die Burg rekonstruieren und 2003 wieder in seiner alten Pracht erstrahlen.

Unter dem Großherzog gab es 18 Zimmer, von denen sich 6 zusammenlegen ließen. Zu DDR-Zeiten waren in der Burg explizit Bergleute zur Kur untergebracht, was auch den damaligen Namen „Haus Glück auf“ erklärt. Dass die Burg „Hohenzollern“ heißt, liegt an der Herkunft des kleinen Vorbilds. Nachdem König Wilhelm I. von Preußen 1850 die Revolution niederschlug, waren die Preußen erstarkt und zogen in den Deutschen Krieg. Als der 1866 endete, gehörten zu Preußen auch Hannover, Schleswig, Holstein, Nassau und Kurhessen. Wilhelm I. wurde zum Deutschen Kaiser gekrönt und die Hohenzollern hatten den Kampf um die Hegemonie in Europa gegen die Habsburger für sich entschieden. Mit diesem Stolz schmückte man ich und die Burg.

Diese ist übrigens im Tudor-Stil gebaut worden. Kaiser Wilhelm und seine Frau Augusta waren mit der englischen Königin Victoria und Prinz Albert befreundet und 1856 verlobten sich deren Kinder Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen und Prinzessin Victoria von England. Diese Verbindung brachte auch den englischen Tudorstil nach Deutschland. Es war die letzte Periode des gotischen Stils im Übergang zur Renaissance. Die Burg entsprach also dem Zeitgeist.

Heute befinden sich in der Burg 9 Doppelzimmer und 9 Suiten. Außerdem gibt es im Souterrain die Davidhoff-Lounge, in der von Freunden des bekannten Tabaks der Davidhoff-Club gegründet wurde.  Einer von ihnen war Rudi Assauer. Die Burg wird als Event-Location hervorgehoben und kann komplett für Veranstaltungen, wie Hochzeiten, Familienfeiern oder für Konferenzen oder dem Firmenjubiläum gebucht werden. Zum G8-Gipfel beherbergte die Burg die deutsche Delegation um Angela Merkel.

 

Orangerie

Der wohl schönste Zweckbau Heiligendamms ist die Orangerie. Wie der Name es schon sagt, wurde dieses Haus erbaut, um Pflanzen zu überwintern, die nicht winterfest sind. Der kleine Hintergrund ist die Übernahme des Seebades durch Baron von Kahlden und der angestrebte private Ganzjahresbetrieb. Der große Hintergrund ist wieder einmal die Mode seiner Zeit und als die Orangerie 1878 gebaut wurde, waren Landschaftsparks gerade groß im Kommen. Man setzte dabei auch auf mediterrane Akzente und das waren zum Beispiel Orangenbäumchen. Doch ein Gebäude dieser Größe brauchte es nicht, um Palmen zu überwintern. Das langgestreckte Gebäude am Rande des Grand Hotels war auch das Kaiserliche Post- und Fernmeldeamt und sehr beliebt, um an diesem sonnigen Platz einmal der Hitze zu entfliehen.

Aus dem Archiv der ECH

Zu DDR-Zeiten befanden sich in der Orangerie der Konsum (das war in der DDR die staatliche Verkaufsstelle), die Wäscherei und Schlosserei.

Nach dem Kauf durch die FUNDUS-Gruppe von Anno August Jagdfeld wurde die Orangerie umgebaut und auch erweitert. Im historischen Gebäudeteil gibt es Maisonette-Suiten mit Terrassen und im nachträglich angebauten Teil mit Balkonen. Insgesamt sind es 19 Suiten. Das Hauptziel der Erweiterung war aber die Schaffung von Gewerbeflächen. In der Orangerie gab es bis 2012 den Frisör LE COVP und den Departmentstore 206. Nachdem diese im Zuge der Hotel-Insolvenz auszogen, eröffnete der neue Betreiber eine Kunstgalerie und eine Designer Boutique. Von 11 bis 19 Uhr, bzw, am Sonntag bis 15 Uhr präsentieren die Designer Simone Bruns, Andrea Kummerfeldt und Jens Aselmeyer ihre Damen- und Herrenkollektionen und besondere Accessoires.

Die Orangerie stand 2012 im Fokus zäher Verhandlungen, denn sie war das Objekt, auf dem die meisten Hypotheken lasteten und es gab Pläne, die einzeln zu verkaufen. Die MEDIAN-Gruppe hatte Interesse, weil sich hier in unmittelbarer Nähe zur Klinik Zimmer für eine neue Klientel – nämlich gestresste Manager – unterbringen ließen. Auch über ein Joint Venture zusammen mit dem Grand Hotel wurde gesprochen. Nach der Übernahme durch Paul Morzynski kündigte das Hotel an, in der Orangerie eine Pizzeria und die Baltic Sushi Bar unterzubringen. Diese Idee wird derzeit nicht mehr verfolgt. Die Lage mit den Gewerbeflächen zur Straße und damit aus dem Hotelgelände heraus macht die Orangerie attraktiv für Angebote auch an Tagesgäste.

 

Haus „Brahn“

Wann das kleine Häuschen am Waldrand entstand, wer es baute und wer es bewohnte, ist heute noch nicht abschließend geklärt. Es könnte sich um das Haus des Försters oder Jägers gehandelt haben, aber die Nähe zu den Cottages lässt auch die Annahme zu, dass hier Bedienstete des preußischen Hofes oder des Großherzogs oder auch die Equipage untergebracht waren. Selbst der Name „Brahn“ ist nicht erforscht. Das kann eine Person sein, ein niederdeutscher Begriff, ein Gegenstand oder auch nur das halb verschluckte Wort „Doberan“.

Zu DDR-Zeiten saß hier die Klinikverwaltung und nach dem Ende der Ostseeklinik stand es leer. Der Investor Jagdfeld hatte für das Haus zunächst kein Konzept, aber als die Kempinski-Gruppe einsteigen wollte und den Markt analysierte, schlug sie vor, ein Kinderhaus einzurichten und dazu bot sich dieses Haus am Rande an.

So befindet sich heute der Kids Club des Grand Hotels in dem kleinsten Haus des Hotels. Im Erdgeschoss können die Kinder im Afrika-Look gemeinsam spielen oder speisen, im ersten Stock ausgelassen Cowboy und Indianer spielen und unter dem Dach in den Weltraum düsen, Computer und Konsolen spielen oder vor der Kinoleinwand kuscheln. Raus geht es zum Beispiel über eine große Rutsche in den Garten mit Schaukeln und Spielgeräten.

Zudem bietet das Grand Hotel von Kursen über Ausflüge bis hin zu Lernangeboten jede Menge Freizeitaktivitäten an. Der Gedanke hinter dem Kinderhaus ist, dass die Kinder altersgerechte Angebote in Anspruch nehmen und gut betreut werden, während die Eltern sich massieren lassen, in die Sauna gehen oder an den kulturellen Veranstaltungen teilnehmen. An den Sommer-Wochenenden sind bis zu 100 Kinder im Grand Hotel.

 

Wirtschaftsgebäude

Ein unscheinbares, aber stark frequentiertes Gebäude gehört noch zum Grand Hotel. Es handelt sich um das Wirtschaftsgebäude, in dem die Ver- und Entsorgung zusammenlaufen, die Warenannahme ist, die Mitarbeiter ihren Dienst beginnen und die Verwaltung ihren Sitz hat. Ursprünglich sollte dieses Gebäude östlich vom Severin-Palais entstehen, aber die Stadtvertreter sprachen sich gegen diesen Standort aus. Somit entstand das Haus neben der MEDIAN-Klinik, was angesichts des frühen Beginns von regem Verkehr nicht optimal ist und auch eine Bewirtschaftung der Villen östlich des Hotels unmöglich macht.

Aus dem Exposé der Treuhand Ligenschaften Gesellschaft

Das waren die Gebäude des Grand Hotels. Diese Gebäude wurden durch den Investor Anno August Jagdfeld und seiner EntwicklungsCompagnie Heiligendamm von 2000 bis 2003 saniert und rekonstruiert und im Mai 2003 als Grand Hotel Heiligendamm eröffnet. Das Hotel gehörte der FUNDUS Fonds 34 Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG, also einer Anlegergesellschaft von etwa 1900 Anlegern, die mit ihren Anteilen das Geld für die Sanierung des Grand Hotels aufgebracht haben. Geschäftsführer war Anno August Jagdfeld und gemanaged wurde das Grand Hotel bis 2009 von der Kempinski-Gruppe. Im Februar 2012 musste Anno August Jagdfeld für das Grand Hotel und die Fondsgesellschaft Insolvenz anmelden. Der Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum führte das Hotel weiter und im August 2013 bekam Paul Morzynski den Zuschlag.

Seitdem führt sein Unternehmen das Grand Hotel in Eigenregie. Geschäftsführer ist Patrick Weber, Hoteldirektor war zunächst Thomas Perruzzo und seit 2017 Thilo Mühl.

Alle nun folgenden Gebäude Heiligendamms gehören nicht dem Grand Hotel und auch nicht Paul Morzynski.

 

Villa „Krone“

Wie schon erwähnt, kam der preußische Hof oft nach Heiligendamm zu Alexandrine und Paul Friedrich. Die Schwiegerfamilie sollte nicht in den Logierhäusern wohnen. Darum beauftragte Paul Friedrich den Bau eines Gästehauses für die Schwiegerfamilie. Darum heißt die Villa auch „Krone“.

 

Die Villa gehörte zum Häuserpaket, das die TLG damals bündelte und wurde von der FUNDUS-Gruppe gekauft. Heute gehört die Villa nicht mehr zu Jagdfeld. Ein Hamburger Unternehmer hat sie gekauft und 2009 saniert. Sein Sommerhaus entspricht der originalen Optik seiner Zeit. Es zeigt, wie Heiligendamm aussah, bevor die FUNDUS-Gruppe die Häuser in Anlehnung an den legendären Namen „Weiße Stadt am Meer“ auch optisch dazu machte.

 

Marien-Cottage

Das zweite Cottage ließ Paul Friedrich für seine Frau Alexandrine bauen. Deren Stiefmutter, die bürgerliche Auguste von Harrach alias Fürstin von Liegnitz, bat um zwei Zimmer in dieser Villa. Beide verstanden sich wohl gut und Alexandrine tat ihr den Gefallen. Kurz darauf bekam aber Alexandrine ein neues Cottage ein Stück weiter.

Der Namensgeber für das Mariencottage ist Großherzogin Marie, eine geborene von Schwarzburg-Rudolstadt und die dritte Ehefrau Friedrich Franz II. Sie heirateten 1868 und erst danach erhielt das Großherzogliche Cottage ihren Namen.

Zur Sanierung wurde um und unter das Haus eine Wanne gegossen, um den Keller vor Wassereinbruch zu schützen. Das Haus wurde 2011 saniert und zum Verkauf angeboten. Letztlich hat die Familie Jagdfeld es selbst genommen.

 

Alexandrinen-Cottage

Das berühmteste Cottage ist zugleich auch das einzige, welches man schon von Weitem und auch von der Seebrücke aus sehen kann. Auf einem Küstenvorsprung ließ Paul Friedrich für seine Alexandrine dieses dem Mariencottage sehr ähnliche Haus bauen:

Postkarte, Stengel & Co. Dresden-Berlin.

Alexandrine liebte Heiligendamm so sehr, dass sie auch nach dem frühen Tod ihres Mannes die genau fünfzig Jahre bis zu ihrem Tod immer wieder dort verbrachte. Zum Mittag fuhr sie mit dem Eselgespann nach Doberan, am Nachmittag empfing sie Gäste in ihrer Villa am Heiligen Damm.

Unter Friedrich Franz II. wurde das Cottage nach ihrem Tod vergrößert und erhielt ihr heutiges Aussehen. Der Küstenvorsprung ist heute verschwunden und das Cottage muss durch eine Wand geschützt werden. Die Villa gehört den Jagdfelds privat. Sie wollen sie einmal bewohnen.

Bekanntheit erlangte die markante Villa in Filmen, wie „Das Blaue vom Himmel“ oder „Zwei Millionen suchen einen Vater“. Herzog Christian Ludwig besuchte sie 1996 kurz vor seinem Tod noch einmal und die Gruppe „Rammstein“ schrieb 1997 hier das Album „Mutter“.

Die drei Cottages wurden von 1837 bis 1839 gebaut, also ein halbes Jahrzehnt vor der Burg. Sie bilden den Teil eins Landschaftsparks nach englischem Vorbild und ihre Vorbilder selbst sind auch in England zu finden. Als „Cottage“ bezeichnete man vornehme Landhäuser der gehobenen Gesellschaft. Nichts anderes waren diese drei von Georg Adolf Demmler entworfenen Cottages.

Zu DDR-Zeiten trugen sie die Namen von Städten in der DDR. Das Alexandrinen-Cottage hieß „Haus Weimar“, das Marien-Cottage „Haus Dresden“ und die Villa „Krone“ hieß „Haus Magdeburg“. In ihnen war vorübergehend die Abteilung für Hautkrankheiten untergebracht und später waren es Häuser für Behandlungen, also Ärztehäuser.

 

Brunnenhaus

Mitten im Park gibt es ein kleines oktogonales Häuschen mit einem Rundbogen. Unverkennbar erfüllt es die Funktion eines Pumpenhäuschens. Das Brunnenhaus hatte früher ein Wasserspiel und bildete den Anfangspunkt eines kleinen umsäumten Kräutergartens. Dieser wurde 2018 entfernt und das Brunnenhäuschen saniert.

Der Hotelpark erstreckt sich nach Westen noch bis kurz vor dem öffentlichen Strandabgang „Liegnitzsteg“, der deshalb so heißt, weil die schon erwähnte Fürstin von Liegnitz dort einen kleinen Steg bauen ließ, auf dem sie sitzen konnte. Heute nennt man auch den 2004 gebauten Steg über das Packwerk unterhalb des Alexandrinencottages so.

Damit endet die Reise auf dem Hotelgelände und es wird Zeit für einen Wechsel zur Promenade.

Wenn man vom Hotelpark zur Seebrücke geht, dann wird es gleich heller, lauter, lebendiger. Kaum hat man das Haus „Mecklenburg“ umrundet, ist man wieder mitten im Herzen Heiligendamms und Teil einer mal großen Masse, mal kleinen Geselligkeit. Den romantischen Landschaftspark mit seiner prägenden Burg hinter sich lassend, betritt man den Festplatz und auch wenn dieser mal bis an das Kurhaus heran reichte, lässt sich auch mit den kleineren Dimensionen seine Funktion noch nachvollziehen.

Nicht gleich ersichtlich, aber wegen seiner braunen Farbe vor den weißen Mauern und dem markanten Baum an seiner Seite doch nicht übersehbar, liegt ein Stein am Tor des Grand Hotels:

 

Der Findling

Diesen Stein ließ Friedrich Franz II. zum 50. Geburtstag des Seebades aufstellen. Kammerherr von Flotow fand ihn bei Elmenhorst nahe Rostock und es dauerte 14 Tage, bis der Stein den Heiligen Damm erreichte.

Inzwischen waren die Fundamente getrocknet und zum Empfang gab es eine große Kaffeetafel mit 500 Gästen auf dem Platz. Das Haus dahinter gab es noch nicht und auch die Villen nicht. Der Stein stand gleich rechter Hand neben der Straße, die zum Bade führte und wer zum Strand wollte, musste daran vorbei und wurde erinnert, dass der Großonkel und Namensvetter seiner Durchlaucht hier Deutschlands erstes Seebad gründete.

Es heißt, die Russen hätten 1945 versucht, den Stein mit einem Panzer ins Wasser zu ziehen und die Kette sei gerissen, woraufhin man einen zweiten angespannt haben solle, dessen Kette auch gerissen sei. Belegt ist, dass es 2007 Überlegungen gab, den Findling ein Stück zu verrücken, um den Fotografen auf der Pressetribüne einen ungehinderten Blick zu den Staats- und Regierungschefs auf der Kurhausterrasse zu ermöglichen. Davon nahm man aber Abstand.

 

Die Seebrücke

Wenn ein Stein Eingang in diese Beschreibung findet, dann muss es die Seebrücke auch tun. Zu der hier gibt es nicht viel zu erzählen. Sie wurde 1993 gebaut und ist Teil einer Reihe von Vorhaben, die man damals umsetzen musste, um den Seeheilbadtitel zu bekommen. Zugleich war es das Mindeste, was man zum 200. Geburtstag dem gerade im Sterben liegenden Seebad schenken konnte. Die Seebrücke ist 200 Meter lang und endet auf einer Sandbank. Ursprünglich gab es einen Anleger, der aber beim Anlegeversuch eines Fahrgastschiffes beschädigt und 2007 aus dem Wasser entfernt wurde. Die MS „Europa“ hat mehrmals zum Charity-Wein-Event in Heiligendamm angelegt, wozu die Kreuzfahrer ausgebootet wurden. Das ist dann auch die einzige Möglichkeit, anzulegen. Ansonsten sind die Zugänge zu den Plattformen geschlossen. Außer bei Gästen ist die Seebrücke bei Anglern beliebt und sie ist mit Messstationen versehen.

Postkarte, verm. Willy Ramm, Heiligendamm

In der Geschichte Heiligendamms gab es verschiedene Seebrücken. Es fing 1794 zunächst mit kleinen Badestegen an, setzte sich 1796 mit einem Bootsanleger fort und endete 1949 mit dem Verlust der Seebrücke durch teilweise Demontage, die letztlich zum Einsturz führte. Zu DDR-Zeiten lagen an der Strandtreppe Boote und es gab Steinwege ins Meer, die aber nur dazu dienten, Regenwasser-Abflussleitungen zu führen.

Nach dem Verkauf Heiligendamms gab es auch Linienschiffverkehr zunächst nach Travemünde, dann auch nach Kopenhagen und ein festes Liniendampfschiff. Es gab Seebrücken, in die man hinein fahren konnte, zu verschiedenen Zeiten gab es auch Restaurationen (Gaststätten/Imbisse) auf dem Brückenkopf und die Möglichkeit, mit eigenen Yachten anzulegen.

Postkarte, verm. Stengel & Co. Dresden-Berlin

Den Wunsch nach einer Verlängerung und Verschönerung der Seebrücke gibt es heute durchaus, aber kein Bestreben danach. Zuletzt musste die Seebrücke 2012 aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, weil die Stadt trotz vorhandener Materialien die damals dringend nötige Sanierung nicht umsetzte. Heute sind die Geländer und Stege saniert und sparsame LED-Lampen eingebaut worden.

 

Die Strandvillen

An der Promenade angekommen eröffnet sich nun die „Perlenkette“ dem Betrachter. Wie an einer Perlenschnur reihen sich die Strandvillen an der Promenade entlang auf. Eigentlich sollte es sie gar nicht geben, denn geplant war 1850 der Bau eines großen Hotels als Erweiterung für das Seebad, das trotz der Aufstockung des Badehauses und des Neubaus der Burg schon wieder aus allen Nähten platzte. Großherzog Friedrich Franz II. forderte Entwürfe an und die ließen auch nicht auf sich warten. Der Rostocker Architekt Thormann schlug ein gotisierendes Haus ähnlich der Burg vor und der Hofbaumeister Stüler wollte den rechten Winkel mit einem ebenfalls rechtwinkligen Gebäude schließen, indem er ein Logierhaus im stülerschen Rundbogenstil verzahnt dagegen setzen wollte.

aus dem Archiv der ECH, Original im LHAS

Der Architekt Rudeloff hingegen schlug ein zwar noch neogotische Elemente tragendes, aber insgesamt bereits die Formsprache der Neorenaissance sprechendes Hotel mit drei Flügeln und Ausrichtung nach der See vor. Der Favorit des Großherzogs sollte 75.000 Taler kosten und er wollte das zwar umsetzen, konnte es aber beim besten Willen nicht finanzieren.

Also wies er 1853 an, „stattdessen am H Damm successiv eine Reihe kleinerer zu der Aufnahme von Familien und einzelnen Badegästen während der Saison geeigneter Haeuser gebaut werden soll. Zum Anfang sollen drei Häuser seitwärts von dem Denkstein in gerader Richtung erbaut werden.“

Er ergänzte kurz darauf die Anforderungen, die die neuen Häuser erfüllen sollten:

„Jedes Haus soll 4 Familien-Wohnungen und möglichst auch Einzelwohnungen enthalten, in Einrichtung und äußerem Ansehn soll möglichste Verschiedenheit herrschen, jede Wohnung soll Aussicht auf die See . . . haben, um Seeluft zu genießen.“

aus dem Archiv der ECH, Original im LHAS

Mit der Planung wurde zunächst Baumeister Wilhelm Stern beauftragt, aber dem gelang es in seinen Zeichnungen nicht, die Unterschiede zwischen den verschiedenen Modellen hervor zu heben. Alle Hausentwürfe waren sich so sehr ähnlich, dass sie nicht den Anforderungen des Regenten nach Verschiedenheit gerecht werden konnten. Der beauftragte nun den Baurat Bartning und dieser verteilte die Einzelaufträge an verschiedene Architekten. Sterns Entwürfe waren damit nicht umsonst: Eine der von ihm entworfenen Villen war gleich die erste, die man auswählte:

 

Villa „Großfürstin Marie – Perle“

Eigentlich ist dies eine Häusergruppe und darum hat sie auch einen Doppelnamen. Die Villa „Perle“ wurde 1853-1854 gebaut und sah zunächst so aus:

aus dem Archiv der ECH, Original im LHAS

Der Anbau kam genau 20 Jahre später hinzu. Hintergrund war die Hochzeit der Prinzessin Marie, der Tochter des Großherzogs mit Auguste Reuß zu Köstritz. Sie heiratete am 28. August 1874 den Großfürsten Wladimir von Russland, einen Sohn des Zaren Alexander II.. Das Paar war zu einem Manöver in Heiligendamm gewesen und wollte dort die Flitterwochen verbringen. Die Großherzogliche Badedirection wollte das Paar standesgemäß in der Villa „Krone“ unterbringen, aber der russische Hof widersprach im Namen der beiden und wünschte die Unterbringung in der Villa „Perle“. Die Badedirection beauftragte daraufhin die Hinzufügung eines Anbaus an diese Villa. Funktional waren die beiden Gebäude nicht miteinander verbunden – es sind eigentlch zwei zusammengestellte Häuser. Zusammen mit dem fast zeitgleich angebauten Seeflügel an Haus „Mecklenburg“ vollenden die säulengetragenen Balkone, der Turm und die Erker den Platz. Zu Ehren der prominenten Gäste wurde der Anbau „Großfürstin Marie“ genannt.

Zu DDR-Zeiten hieß das Doppelhaus „Maxim-Gorki-Haus“. Es wurde 2007 abgerissen und 2010 originalgetreu wiederaufgebaut.

Seitdem trägt es wieder den alten Namen „Großfürstin Marie – Perle“. Da es sich um zwei Gebäude handelt, gibt es hier acht Wohnungen. Der Anbau verfügt über drei Wohnungen, die inzwischen miteinander verbunden wurden. Zur obersten Wohnung gehören auch ein Turmzimmer und eine Dachterrasse. Zur Wohnung oben links gehört ein geteiltes großes Turmzimmer im Mitttelrisalit.

 

Villa „Greif“

Auch die zweite Villa entstammt der Feder Sterns. Sie wurde zeitgleich mit der ersten Perle 1853-1854 gebaut. Im Stil der Neorenaissance war sie eines der modernsten Gebäude ihrer Zeit. Die offenen Veranden, Balustraden und Bogenfenster sind der italienischen Renaissance entlehnt.

Zu DDR-Zeiten war dies das „Käthe-Kollwitz-Haus“ und im Erdgeschoss wohnte der Klinikdirektor Cuno Serowy.

Im Dachgeschoss wurde in den 1970er Jahren eine Gaube hinzugefügt. Die Zimmer dort wurden dem Chemiekombinat Bitterfeld zur Verfügung gestellt. Im Sanatorium kam nämlich ein Deal zu Stande, dass der Kombinat dem Landwirtschaftsbetrieb des Kreises dringend benötigte Chemikalien liefert, wofür dieser sich beim Sanatorium mit dem Bau des Blockheizkraftwerks für Heiligendamm bedankte. Die Sanierung dieser Villa begann 2017 und wird 2018 abgeschlossen.

In ihr befinden sich sechs Wohnungen zwischen 69 und 126 qm, die allesamt verkauft sind. Die Wohnung oben links ist eine Ferienwohnung und kann gemietet werden.

 

Villa „Möwe“

Die dritte Villa, die unmittelbar davor steht, wieder im alten Glanz zu erstrahlen, ist die Villa „Möwe“. Sie wurde 1855-1856 vom Architekten August Rathsagg erbaut und dieser Architekt war noch etwas moderner, als Stern. Er suchte seine Vorbilder nicht in Italien, sondern in den populären alpenländischen Landhäusern, die abgeleitet von der Volksarchitektur vom Holzbau geprägt war.

Postkarte, aus dem Archiv der WIG

Rathsagg vermied es, solche Alpenhäuser zu kopieren. Er übernahm den flachen Giebel, die langen Balkone und die Holzverzierungen und den Doppelgiebel. Auch die hervorgehobene Fachwerkkonstruktion im Giebel ist charakteristisch. Diese Villa war einer der Vorreiter der alsbald florierenden Bäderarchitektur. Sie gehörte aber auch zu den am stärksten veränderten Villen, was bereits vor der DDR-Zeit begann, in ihr aber mit der Entfernung der Balkone und Türme und dem Verlust des ganzen Zierrates gipfelte. Das Haus hieß damals „August-Bebel-Haus“.

Bis 2014 war es ausgemachte Sache, dass diese Villa abgerissen und neu gebaut werden durfte. Im Zuge der Mediation teilte die ECH mit, dass das Haus im Bestand saniert werden soll.

Visualisierung, aus der Pressemitteilung der ECH

Die Arbeiten dafür begannen 2017. Das Haus hat nachträglich einen Keller injiziert bekommen. Bis September 2018 waren fünf der sechs Wohnungen zwischen 120 und 134 qm verkauft.

 

Villa „Seestern“

Auch an die mittelalterliche Volksarchitektur angelehnt ist die Villa „Seestern“. Sie wurde von Theodor Friedrich Krüger entworfen und 1856-1857 gebaut. Während die Giebelfenster dieses Hauses an den englischen Tudorstil erinnern, sind die Holzornamente im Schweizer Stil gehalten. Solche breiten und reich verzierten Häuser mit flachem Satteldach und Mittelrisalit finden sich in ganz Mecklenburg in vielen Gutshäusern und Stadtvillen wieder. Krüger traf damit den Nerv seiner Zeit. In den 1920er Jahren wurde das Haus zu einem kleinen Hotel mit Einzelzimmern, Speisesaal, Frühstückszimmer, Café, Büfett und Lesezimmer umgebaut. Äußerliche Veränderungen erfuhr es erst zu DDR-Zeiten. Damals wurde das Haus „Walther-Rathenau-Haus“ genannt und bis 1996 von der Median-Klinik genutzt.

Die Sanierung der Villa „Seestern“ ist 2018 angelaufen. Stand September sind drei der fünf Wohnungen verkauft. Eine Besonderheit ist hier, dass diese Vills mit 73 und 84 Quadratmetern über zwei kleine Wohnungen verfügt, mit 140 Quadratmetern im Erdgeschoss und 185 qm über das komplette Dachgeschoss aber auch über die beiden bis dahin größten Wohnungen.

 

Villa „Schwan“

Ursprünglich sollte zwischen der Villa „Seestern“ und der Villa „Anker“ drei Häuser weiter eine Restauration entstehen. Nachdem die Villa „Anker“ fertig gestellt war, rückte man davon ab und schloss die Lücke mit zwei weiteren Villen.

Modell des Vereins „Perspektive 50plus“

Eine der 1857-1858 entstandene Villen ist die Villa „Schwan“, die wieder von Stern stammt, nun aber eine spätklassizistische Fassade hat, die Stilelemente der Renaissance aufnimmt. Arkaden, Erker und Balkone gehören nämlich nicht zum Revolutionsstil, sondern finden sich in den Palazzi der Renaissance. Auch die Klarheit und Proportionalität entspricht eher einem italienischen Palazzo, als einem griechischen Tempel.

Ihren Namen trägt das Haus nach dem Doberaner Wappentier, wie auch ihr Nachbarhaus und das Haus „Bischofsstab“.

Zu DDR-Zeiten trug das Haus den Namen Rosa Luxemburgs. Zunächst gingen die Villen „Schwan“ und „Hirsch“ an die Deutsche Wirtschaftskommission, die aber 1949 in der Regierung der DDR aufging. Das „Rosa-Luxemburg-Haus“ wurde daraufhin den Vertriebenen des Naziregimes (VdN) zu Kurzwecken übergeben. Darum erfuhr es große Umbauten und bei der Sanierungswelle ab 1971 derartige Vereinfachungen, dass sein ursprüngliches Aussehen kaum noch zu erahnen ist. Auch dieses Haus stand bis 2014 auf der Abrissliste, wird aber nach der Villa „Seestern“ saniert.

 

Villa „Hirsch“

Die prominenteste Villa nach der „Perle“ ist die Villa „Hirsch“. Hier war wieder August Rathsagg verantwortlich und es entstand 1861-1862 als das letzte Logierhaus der Perlenkette. Inzwischen war der Bäderstil fortgeschritten und so spricht diese Villa noch klarer schweizerisch, als Villa „Möwe“. Zwei Veranden tragen einen reich geschmückten Altan.

Aus den Vier Büchern der Architektur von Andrea Palladio

Doch nicht nur in den Alpen könnte man diese Villa finden – auch die Villen „Garzadore“ und „Antonini“ in den „Quattro libri del la architecture“ von Andrea Palladio sehen verblüffend ähnlich. Möglicherweise kannte Rathsagg die vier Bücher zur Architektur aus der Zeit um 1570.

Modell des Vereins „Perspektive 50plus“

Zu DDR-Zeiten erhielt das bis dahin nach dem Wappentier Bad Doberans benannte Haus den Namen Karl Liebknechts, weil Liebknecht und Luxemburg nun einmal zusammengehörten. Nachdem es zunächst der DWK zur Verfügung gestellt wurde, verblieb es schließlich im Sanatorium. Das Haus wurde am wenigsten verändert und soll bis 2022 saniert sein.

 

Villa „Anker“

Fast unscheinbar drückt sich die Villa „Anker“ als letzte der Familienvillen in die äußerste Ecke. Sie wurde 1858 erbaut und wieder von Rathsagg entworfen.

aus den Planungsunterlagen der ECH/AMJ, Hausporträt Beckmann

Diesmal orientierte er sich an der italienischen Renaissance und setzte vor die verhalten gegliederte Fassade plastisch wirkende Balkone und Veranden. Durch den Verlust einer dieser Veranda-Balkon-Variation verlor das Haus seinen spannungsvollen Kontrast. Zu DDR-Zeiten war es nach dem mecklenburgischen Dichter John Brinckmann benannt.

Modell des Vereins „Perspektive 50plus“

Seit 1997 stand es leer und wird mit Klimaanlagen erhalten. Die Sanierung soll 2022 abgeschlossen sein.

 

Haus „Bischofsstab“

Den krönenden Abschluss der Perlenkette nach Osten hin bildet das Haus „Bischofsstab“. Hier war das Seebad zu Ende, dahinter kamen das Herrenbad, die Sportstätten und endlose Spazierwege. Dieses Haus entstand um 1858 und ist nicht klar einem Architekten zuzuordnen. Es diente nicht als Logierhaus für Familien, sondern als Gästehaus mit mehr und kleineren Wohnungen und Zimmern.

aus den Planungsunterlagen der ECH/AMJ, Hausporträt Beckmann

Das Haus war ursprünglich konsequent im Rundbogenstil gehalten und sprach damit zwar die Formsprache des Klassizismus und der Romantik, gab aber in den Details die italienische Renaissance wieder. Die Querstellung und der Turm bildeten ein Abschluss, der es nicht zulässt, die Villenreihe zu erweitern.

Postkarte, Rückseite ohne Angaben

Der Vorbau kam erst im Zuge der Umnutzung ab 1939 durch den Kameradschaftsbund deutscher Polizeibeamter hinzu und wurde zu DDR-Zeiten bestehen gelassen. Auch die nationalsozialistische Architekturästhetik – besonders erkennbar in der Vereinfachung der Fenster und Giebel – blieb erhalten. Das Haus, das wie die Villa nebenan den Namen eines Dichters trägt – nämlich Fritz Reuter – gehörte nicht zum Sanatorium, sondern wurde auch zu DDR-Zeiten von der Polizeigewerkschaft genutzt. Das Restaurant und das Café im Erdgeschoss waren öffentlich. Nach der Wende kauften verschiedene Erwerber verschiedene Teile des Hauses. Das „Restaurant Bischofsstab“ diente dem benachbarten „Residenz-Hotel“ als Gastraum. Bei der Sanierung versuchte man, das ursprüngliche Aussehen wieder zu erreichen, was nicht vollständig gelang.

Nachdem das Residenz Hotel mehrmals die Besitzer wechselte, wurde es geschlossen und die Immobilien 2004 verkauft. Im Haus „Bischofsstab“ kaufte der Betreiber des Eiscafés seine Gewerbefläche, im Turm kaufte eine private Gesellschaft die Räume und baute sie zu Ferienwohnungen um, im Obergeschoss entstanden Eigentumswohnungen und den Saal kaufte die ECH und vermietete ihn bis zur Insolvenz an das Grand Hotel, das hier das Restaurant „Medini’s“ betrieb. Eine Umnutzung als Bistro war zunächst vorgesehen, wurde aber aus wirtschaftlichen Gründen fallen gelassen. Die Flächen warten auf ein neues Konzept und auch wenn dieses Haus eine weiße Perle ist, sind umfassende Sanierungen nötig.

 

Villa „Prinzessin von Reuß“

Das wohl geheimnisvollste Haus der Perlenkette steht etwas zurück gesetzt in zweiter Reihe. Bei Adolf Nizze taucht dieses Haus nicht auf, obwohl sein Buch von 1936 ist. Über den Architekten ist nichts bekannt, wohl aber über die Bewohner. In der Villa wohnte nämlich Prinzessin Victoria Feodora von Reuß, die Ehefrau von Herzog Adolf Friedrich, dem nicht regierenden Sohn Friedrich Franz II..

Die Villa wurde wahrscheinlich um 1910 gebaut und spricht die Formensprache des gerade modernen Spätjugendstils. Dieser entsprach dem Repräsentationsbedürfnis der Gründerzeit. Doch auch Eleganz sollte diese Villa ausstrahlen, weshalb sie Elemente hat, die eigentlich eher zum Barock gehören.

aus dem Archiv der WIG

Die Villa war 1938 nicht Teil der Beschlagnahmung und ging 1947 auch nicht an das Sanatorium. Sie hieß „Max-Planck-Haus“ und war Sitz des Reisebüros der DDR, aber auch Herberge für Mitarbeiter der Volkspolizei.

Als das Bundesvermögensamt Heiligendamm 1990 übernahm, bot die Treuhand das Gebäude zum Verkauf an und ein in Bad Doberan niedergelassener Hotelier kaufte es zusammen mit dem Haus „Bischofsstab“ und betrieb es als „Residenz Hotel“. Als er 2002 entschloss, in seine Heimat zurück zu gehen, wechselte das Hotel mehrmals den Besitzer und wurde 2004 geschlossen. Die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm kaufte das Gebäude und brachte darin unter anderem Mitarbeiterwohnungen und in den Nebengebäuden den kompletten „Bauhof“ für die eigenen Immobilien und das Grand Hotel unter. Außerdem hat hier die Segelschule ihren Sitz. Für das Prinzessin-von-Reuß-Palais wurde noch kein neues Konzept vorgestellt.

 

Kolonnaden

Ein Stück weiter hinter dem Prinzessin-von-Reuß-Palais befindet sich ein langer Säulenbau, der lange Zeit in der zweiten Reihe versteckt war und nun mit der Sanierung der Villen wieder zwischen diesen hindurch scheint. Hierbei handelt es sich um die Kolonnaden, die wegen ihrer Säulenhalle so heißen und 1867 als „Kaufhalle“ gebaut wurden.

aus dem Archiv der ECH, Beckmann

Hier gab es Luxusartikel, wie Kolonialwaren zu kaufen und der Hoffotograf Benjamin Beckmann unterhielt hier ein extra für ihn angefügtes Atelier. Mit den Kolonnaden entstand auch die Professor-Vogel-Straße hinter den bis dahin eher in einer Parkanlage stehenden Villen und die Moderne hielt Einzug in Heiligendamm.

Zu DDR-Zeiten blieb es bei Geschäften, in denen Milch und Souvenirs gekauft werden konnte.

Aus dem Archiv der WIG

Bekannt gemacht hat das lange Gebäude aber die HO-Gaststätte „Zur Erholung“, im Volksmund wegen ihrer Wandbemalung „Schwanencafé“ genannt.

Postkarten-Kopie, Rückseite liegt nicht vor

Nach der Wiedervereinigung hieß das Café dann auch offiziell „Schwanencafé“. Die Kolonnaden haben einen hohen Sanierungsbedarf, der bisher noch nicht gedeckt werden konnte. Die ECH und der Café-Betreiber einigten sich auf eine Beendigung des Vertragsverhältnisses und vor dem G8-Gipfel schloss Bernd Walter die Pforten des Familienbetriebes. Mit der Abfindung eröffnete er in Kühlungsborn-West das „Café Walter“ neu.

aus den Planungen der ECH/AMJ

Die Kolonnaden sollen den Bedarf nach weiteren und kleineren Wohnungen decken. In ihnen sollen nebeneinander mehrere Maisonettewohnungen im englischen Chalet-Stil mit Terrasse, Balkon und kleinem Garten entstehen.

Zwischen den Kolonnaden und dem Prinzessin-von-Reuß-Palais standen seit der Weimarer Republik eine Post und Garagen, die 2006 abgerissen wurden. Die Lücke soll mit zwei neuen Gebäuden bebaut werden.

Die Wohnungen in den Villen stellen Eigentumswohnungen dar. Die Erwerber kaufen die Wohnungen überwiegend zur Eigennutzung, was angesichts von Quadratmeterpreisen um 15.000 Euro eine Geldanlage und ein Liebhaberobjekt zugleich ist. Da es sich um Denkmäler handelt, kommt die AFA-Abschreibung zur Geltung.

Das war das eigentliche Seebad Heiligendamm. Es sind jedoch weitere Gebäude in Heiligendamm zu finden, zu denen natürlich auch etwas gesagt werden muss. Einmal abgesehen vom Gebäude der Kite- und Surfschule im einstigen „Bistro am Strand“, dem nach der Wende gebauten ehemaligen Toilettenhaus, dem 2010 neu gebauten Rettungsturm, der 2015 neu gebauten Strandversorgung nebst 2016 neu gebauten Toiletten gibt es östlich des Ensembles noch ein paar weitere Gebäude:

 

Linden-Palais

Das erste Gebäude dieser Art ist das Linden-Palais. Dass es nicht zu den historischen Gebäuden Heiligendamms gehört, ist spätestens auf dem zweiten Blick ersichtlich. Dieser als „Apartmenthaus“ beworbene Komplex beherbergt 40 Ferienwohnungen nebst Tiefgarage, ein Café, ein Geschäft und die Rezeption und Verwaltung.

An dieser Stelle stand bis 2012 das „Waldhaus“, in dem sich das „Café im Alten Golfhaus“ befunden hat. Dieses wurde abgerissen.

 

Villa „Sporn“

Nach dem Verkauf des Seebades 1873 an Baron Otto von Kahlden baute der neue Eigentümer für sich und seinen Sohn am Rande des Bades zwei Villen. Er selbst bewohnte die Villa „Sporn“, die er 1874 bauen ließ.

Die Gartenfront bildet von Loggien über Balkone und Terrassen alle Möglichkeiten der Verbindung zwischen Innenraum und Garten. Zur Schauseite – die sich nicht an der Straße, sondern zum Garten hin befand – hat das Haus drei stark vorgezogene Mittelachsen, die aber nicht genau in der Mitte liegen und dem Haus dadurch ein spannungsvolles Verhältnis geben. Die Namensgebung „Sporn“ rührt vom Sporn her, den der Reiter an seinem Hacken hat. Baron von Kahlden war preußischer Rittmeister.

 

Villa „Adler“

Der Sohn Rudolf von Kahlden wohnte in der Villa „Adler“ nebenan. Sie wurde um 1880 gebaut und auch sie hat ihre Schauseite zum Garten hin. Dort gibt es Veranden und einen Balkon.

Eine Ähnlichkeit zum Nachbarhaus ist beabsichtigt und doch hat diese Villa ihren eigenen Charme. Ein später hinzugefügter Anbau unterbricht das Ursprungsaussehen. Der schlechte optische Zustand des Hauses resultiert aus einem nicht gleich entdeckten Bruch der Warmwasserleitung während des Leerstandes der Villa.

Postkarte, verm. Beckmann

Die Villen sprechen die Formensprache des Historismus, mit ihrer Großzügigkeit stehen sie ganz im Zeichen der Belle Epoque. Später wurde an der Gartenseite der Tennisplatz gebaut und dadurch kamen die Villen erst richtig zur Geltung und schafften es auf alte Foto und Postkarten.

Nach der Beschlagnahmung des Bades durch die Nationalsozialisten und den Verkauf an die Reichsmarine richtete sich der Gauleiter Friedrich Hildebrandt die Villa „Adler“ als Sommerhaus ein und der Rüstungsindustrielle Ernst Heinkel, der in Rostock die Heinkel-Flugzeugwerke betrieb, nahm die Villa „Sporn“ als Sommerhaus. Er benannte sie im Sinne seiner Zeit in „Eikboom“ um, was Plattdeutsch für „Eichenbaum“ ist.

Heute tragen die beiden Villen wieder ihre alten Namen und werden von der ECH zum Kauf vor Sanierung angeboten, also zum Selbst-Sanieren.

 

Jagdhaus

Hinter den beiden Villen führt ein Weg in den Wald hinein. An ihm steht das Jagdhaus, dessen Tradition auf das Jahr 1963 zurück geht, als die Doberaner Schützen den Schießplatz wieder aufbauten und 1974 eine Gaststätte errichteten. Diese brannte 2003 wegen eines defekten Fernsehgerätes ab. Die Familie Ramm erwarb die Fläche und baute ein neues Jagdhaus. Wie früher ist es eine Gaststätte und es wird immer noch Wild serviert, jedoch ist Alexander Ramm Sternekoch, sodass das Niveau nicht mit damals vergleichbar ist.

 

LODGE

Die heutige Lodge wurde 1974 und diente als Forstferienheim. Später kamen auf der Lichtung, auf der sich heute der Waldparkplatz befindet, noch 7 Doppelbungalows  und 5 Einzelbungalows hinzu. Nach der Wende wurde das Ferienheim zunächst weiter betrieben, dann aber auf das Hauptgebäude konzentriert und die Bungalows abgerissen. Die Ostsee-Pension der Hildebrandt schloss 2013 aus Altersgründen. Das Haus wurde verkauft und modernisiert und in LODGE umbenannt. In den Frühstücksraum zog KOSIs Weinwirtschaft ein.

 

Herz-Jesu-Kapelle

Geht man den Weg zur Seedeichstraße zurück und geradeaus in den Kurwald, gelangt man an eine kleine Kapelle. Das von Möckel entworfene Gotteshaus wurde nach mühevollem Engagement 1888 geweiht. Hintergrund war der Zulauf von Gästen aus dem kriegsgeplagten Süddeutschland und Österreich in den 1860er Jahren, die an der Ostsee keinen Ort für ihre katholischen Gottesdienste fanden. Initiator war Kammerherr Hermann von Suckow und seine Worte der Erleichterung nach 15 Jahren Kampf gegen Windmühlen sind es auch, die im Gedenkstein nebenan wiedergegeben werden: „Deo gratias“ – „Gott sei Dank“. Der Spruch über der Tür „Hic Domus Die est et porta Coeli“ bedeutet „Hier ist das Haus Gottes und das Tor des Himmels“ aus Genesis 28,17.

 

Villa „Augusta“

Wenn man den Kurwald nach Süden verlässt, gelangt man an die Kühlungsborner Straße. Dort findet man zunächst zwei kleinere Häuser, die als Wohnhäuser entstanden sind und über die man kaum etwas weiß. Das bekannteste Haus an dieser Stelle ist die Villa „Augusta“, in der die Familie von Witzleben gewohnt und im Haus dahinter auch Gäste untergebracht haben soll. Das Haus ist 1887 nach dem Verkauf Heiligendamms entstanden, als Baron von Kahlden Baugrundstücke zur Bebauung freigab.

Ursprünglich hatte die Villa einen stattlichen Turm. Zu DDR-Zeiten war hier der Kindergarten untergebracht und es befanden sich Wohnungen in der Villa und im Gästehaus. Die Immobilien gehören der ECH und werden erhalten. Eine Nutzung ist erst nach dem Abschluss der Sanierungen in der ersten Reihe vorgesehen. Eine Idee war die Eröffnung eines Gourmet-Restaurants.

 

Mecklenburgisches Heim

Auch im Zuge der Öffnung Heiligendamms durch Baron von Kahlden  entstand in der Gartenstraße 1886 „Krieg’s Hotel“. In den 1920er Jahren wurde das Hotel zum Kaufmannserholungsheim. Wenn man genau hinsieht, steht am Nordgiebel „Mecklenburgisches Heim der Deutschen Gesellschaft für Kaufmanns-Erholung“. Dieses war es zu DDR-Zeiten nicht, aber der Schriftzug blieb trotz Überstreichen bestehen. Ab 1945 gaben hier viele Flüchtlinge gewohnt und später war es Wohnhaus, wofür allerhand Umbauten in den Grundrissen nötig waren. Das Sanatorium betrieb im ehemaligen Speisesaal eine Therapie-Sporthalle. Die ECH kaufte das Haus 2002 und ermöglichte der einzigen verbliebenen Bewohnerin noch über 10 Jahre, ihre Wohnung zu behalten. Heute steht das Gebäude leer. Kurzzeitig tauchte 2012 ein Bild nach einer möglichen Sanierung mit dem Namen „Villa Luise“ auf.

 

Gartenstraße

Die Gartenstraße war ursprünglich ein Feld und an ihm stand ab 1945 ein Bauernhaus. Nachdem die Erweiterungspläne des Sanatoriums 1971 abgelehnt wurden, erlaubte man den Mitarbeitern des Sanatoriums, der Forst. Wasserwirtschaft, des Küstenschutzes und sonstigen wichtigen Personen den Bau von Eigenheimen. Diese mussten jeweils zwei „Außenschläfer“ des Sanatoriums aufnehmen.

 

A.-Kortüm-Straße

Auch zwei Wohnblöcke in industrieller Bauweise entstanden zu dieser Zeit und für diese wiederum Gartenanlagen.

Von der Gartenstraße gelangt man zur Kühlungsborner Straße. 

Kühlungsborner Straße

Postkarte, Beckmann

Diese Straße hat ihr Aussehen 2006/2007 stark verändert. Ursprünglich entstanden hier nach der Freigabe von Bauland durch den Seebad-Eigentümer Otto von Kahlden eine Art Pensionen – Hotel garni.

Postkartenausschnitt, Beckmann

Ganz rechts befand sich „Dunker’s Hotel und Pension“. Links davon befand sich die Pension „Scherpeltz“. Aus diesen Pensionen wurde nach dem Verkauf Heiligendamms der „Hamburger Hof“ und das „Hotel Stadt Hamburg“.

Postkarte, verm. Willy Ramm, Heiligendamm

Vor dem 2. Weltkrieg dienten die beiden Häuser als Kinderheim der L.V.A. Hamburg. Als diese sind sie noch auf einer Karte von 1946 zu finden. Die Klinkeranbauten sind für das Kinderheim entstanden. Nach der Auflösung des Kinderheimes zog 1953 die Fachschule für angewandte Kunst aus Wismar in die Gebäude um. Die Nähe zu Hamburg ergibt sich daraus, dass Anfang des 20. Jahrhunderts der Mehrheitsaktionär und Ortsvorsteher Heinrich Böckenheuer Hotelier aus Hamburg war.

Das Haus „Tabea“ wiederum links von den beiden Häusern wird auf Postkarten als Schwesternheim bezeichnet, was auch einleuchtet, denn hier dürften die Kinderpflegerinnen gewohnt haben. Nach der Eröffnung der Fachschule diente es als Wohnhaus, also gewissermaßen Internat.

 

Residenz von Flotow

Noch weiter links das Haus „Waldfriede“ hieß zunächst „Pension Mellendorf“, und war eine der ersten Pensionen außerhalb des Ensembles.

Postkarte, Wilh. Heiland, Kunstanstalt, Rostock i. M.

Die Pension taucht 1918 auf Postkarten auch unter gleichbleibendem Namen als „Soldaten-Genesungsheim Heiligendamm i. Meckl.“ auf. Den Namen „Waldfriede“ bekam es erst später. Zuletzt war es ein Wohnhaus, seit 2012 steht dort die „Residenz von Flotow“ mit Ferienwohnungen.

 

Fachschule für angewandte Kunst

Übrig geblieben von den Originalen ist „Dunker’s Hotel und Pension“, aus dem das Kinderheim und dann die Fachschule wurde. In dem Gebäude befinden sich die örtlichen Unternehmen der Jagdfeld-Gruppe, wie die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm, die EntwicklungsCompagnie Wustrow, das Ostsee Golf Resort Wittenbeck und das Gut Vorder Bollhagen.

Außerdem befindet sich im Hochparterre eine große Ausstellung mit Bildern, Karten und Exponaten zu Heiligendamm, ein Showroom mit dem Modell des zukünftigen Heiligendamms und Räume mit Informationen zu Wittenbeck und Wustrow.
ERSTES-SEEBAD-Autor Martin Dostal führt auf Nachfrage durch die Ausstellung.

 

Forsthof

Auf der anderen Straßenseite gibt es noch ein ehemaliges Forsthaus und zum Ende der Straße hin mehrere kleine Häuser, die heute Wohnhäuser sind. Das Forsthaus soll einmal Teil einer Gartenwirtschaft nach dem Vorbild von „Marie Siska“ in Knokke sein. Am Ende der kleinen Zufahrstraße befindet sich das Heizkraftwerk für Heiligendamm und hinter dem Parkplatz und den Mollischienen die Evangelische Waldkirche.

 

Evangelische Kirche

Nachdem die umstrittene katholische Kapelle fertig war und der Argwohn nicht nachließ, regte der kommissarisch regierende Staatsminister Friedrich von Maltzahn den Bau einer evangelischen Kirche an. Großherzog Friedrich Franz III. stiftete auf dem Spielplatz seiner Kindheit die nötige Fläche und 10.000 Mark. Hofbaurat Möckel baute dort 1904 die Kirche. Bis 1943 fanden in ihr Gottesdienste statt, dann wurde sie bei einem Notabwurf von Bomben beschädigt. Später wurde sie ausgeraubt, 1953 aber wieder geweiht. Sie gehört zur Münstergemeinde Bad Doberan, wird aber von einem privaten Verein erhalten. An der Kirche gibt es Gräber von Zivilisten. Es ist bekannt, dass sich Betreuer in Heiligendamm vor den anrückenden Russen das Leben nahmen. Ihre Gebeine wurden nach 1990 in ihre Heimat überführt. Es ist auch bekannt, dass Leichen in Heiligendamm angespült wurden, die von versenkten Schiffen stammen. Weiterhin wurde beim Bombenabwurf ein Soldat getötet. Die über 30 Bombentrichter findet man heute noch im Wald vor.

 

Spiegelsee

Weiterhin findet man die Steineinfassung eines Grundsteines, der für den Bau der Adolf-Hitler-Schule 1938 gelegt wurde. Die Baugruben für diese Eliteschule sind heute noch auszumachen, zur Bauausführung kam es nicht. Zuletzt findet sich auch der leider verwilderte „Spiegelsee“ im Kleinen Wohld, an dem der Dichter Rainer Maria Rilke in einer schwierigen Phase der Einladung von Helene von Nostitz folgend seine Inspiration wiederfand und das Gedicht „Hinter schuldlosen Bäumen“ verfasste.

 

Oeconomiehof

An der Kühlungsborner Straße gibt es weitere kleine und offensichtlich ältere Gebäude. Sie entstanden frühestens vor der Parzellierung des Baulandes 1883, spätestens aber mit dem Bau des Ökonomiehofes 1886, der Baron von Kahlden zur Selbstversorgung mit dem Ziel des ganzjährigen Betriebes diente.

Klar dem Ökonomiehof zuzuordnen ist das so genannte „Weiße Haus“ und es liegt nahe, dass auch das Doppelhaus in der Kühlungsborner Straße 11 dazu gehörte. Die Nr. 10 (Ferienwohnung „Kleine Sandburg“) dürfte zusammen mit der Gartenstraße entstanden sein.

 

Fürstenhof

Neben der Kortüm-Straße befindet sich ein markantes Gebäude namens „Fürstenhof“. Dieses neogotische Gebäude entstand 1887 als Pension des Hoteliers Peters, hatte aber nur mäßigen Erfolg. Als Peters die Pension in ein Altersheim umwandeln wollte, gab es Widerstand im Ort, aber ein paar Jahre später war ihm die Umwandlung doch möglich. Bis zum 2. Weltkrieg blieb das Haus ein Altersheim. Nach dem Krieg wurden Wohnungen darin eingerichtet, was sich aber als unpraktisch erwies, sodass wieder ein Altersheim einzog und bis 1993 auch dortblieb. Das Gebäude gehört der ECH, wird klimatisiert und erhalten und soll einmal Teil eines Konferenzzentrums sein.

 

Seehospiz

An Stelle des 1810 gebauten und 1846 abgerissenen Armenkrankenhauses wurde wie bereits erwähnt die Burg „Hohenzollern“ gebaut. Das Armenkrankenhaus wurde daraufhin etwas weiter südlich neu gebaut.  1901 wurde es in „Seehospiz“ umbenannt und 1943 zum Wohnhaus umgewandelt. Bis vor ein paar Jahren war es bewohnt, stand dann zum Verkauf und wurde von der ECH erworben.

 

Bahnhof

Der erste Bahnhof entstand 1886 im Zuge des Baus der Molli-Trasse nach Heiligendamm. Er befand sich dort, wo sich heute der Parkplatz an den Bushaltestellen befindet:

aus dem Archiv der WIG

Die Verlängerung der Trasse nach Brunshaupten und Arendsee (1938 zu Kühlungsborn vereint) im Jahre 1910 machte eine Rückverlegung des Bahnhofes 200 Meter nach Süden nötig:

aus dem Archiv der WIG

Im Zuge der Wiedervereinigung von Heiligendamm mit Bad Doberan entstand ein neues Bahnhofsgebäude im Stil des Postklassizismus. Das Gebäude wurde nach 1990 noch einmal vergrößert, um eine Gastronomie und Ferienwohnungen unterbringen zu können:

 

MEDIAN Klinik

Die MEDIAN-Klinik wurde 1996 an Stelle eines Containerlagerplatzes errichtet. Die Dr.-Marx-Gruppe wollte ursprünglich das ganze Ensemble als Ostseeklinik weiter betreiben und einen Funktionsneubau errichten. Um diesen entbrannte ein Streit, sodass die Verhandlungen scheiterten. Um den Seeheilbadtitel halten zu können, einigte man sich schließlich auf den heutigen Standort und 1996 zog die Ostseeklinik aus den alten in das neue Gebäude. Im Jahr 2009 verkauften die Firmengründer Erich Marx und Axel Steinwarz ihre Beteiligungen an die Beteiligungsgesellschaft Advent International und das Private Equity Unternehmen Marcol.

In der Folge wurde die Klinik noch einmal aufgestockt und das Café wurde renoviert und offensiver um Tagesgäste geworben. Im Jahr 2014 übernahm Waterland Private Equity die Anteile von Advent und Marcol, verschmolz die MEDIAN-Kliniken bis 2015 mit den RHM Klinik- und Altenheimbetrieben und gliederte weitere Einkäufe an die MEDIAN-Kliniken an.

Im Juli 2016 wurde angekündigt, die Median-Kliniken an die AHG Allgemeine Hospitalgesellschaft zu übergeben. In Heiligendamm gibt es Erweiterungsbedarf und auch Pläne dafür, die aber noch nicht umgesetzt werden. Zusammen mit dem Grand Hotel schafft die Klinik Mitarbeiterwohnungen auf der Freifläche zwischen dem Forsthaus und den Wohnblöcken.

 

Marstall

Der Marstall war eines der ersten Bauten Heiligendamms, bestehend aus Stallung und Scheune. Die Pferde wurden links vom Festplatz heruntergeführt, abgekühlt, getränkt und gefüttert und für die Rückfahrt vorbereitet. Die Scheune behielt bis zuletzt ihre Funktion als Lager, während die anderen Gebäude des Marstalls umfunktioniert wurden.

Im Fachwerkhaus – wegen seiner markanten Farbe „Roter Hahn“ genannt, gab es eine Drogerie und Wohnungen.

In dem Gebäude, das eigentlich den Namen Marstall trug, eröffnete die Gaststätte „Palette“ (nach der Maler-Palette). Weiterhin gab es Wohnungen und die Hausfeuerwehr in diesem Haus. Nach der Aufgabe der Betreiber erwarb die ECH die Häuser und im Zuge der Vorbereitungen für den G8-Gipfel wurden auch sie 2006 abgerissen. Auf der Freifläche soll der „Demmler-Park“ entstehen, ein Apartmentkomplex mit Tiefgarage und einer Shopping Mall im Erdgeschoss. Mehr Informationen zu den Plänen in Heiligendamm gibt es in Kürze auf ERSTES-SEEBAD unter dem Menüpunkt „Zukunft“.

 

Eiskeller

Auf dem Weg zum Bahnhof fällt Manchem eine Tür in einem Hügel auf. Bei dem vermeintlichen „Bunker“ handelt es sich um einen ehemaligen Eiskeller, wovon mehrere in Hotelnähe angelegt wurden, nachdem das Bad an Otto von Kahlden überging und dieser den ganzjährigen Betrieb anstrebte. In den Eiskellern, von denen heute noch zwei übrig sind, wurden Lebensmittel auf Eis gelagert. Heute sind es Fledermausquartiere.

 

Kinderstrand mit DECK

Der Begriff „Kinderstrand“ wirft immer wieder Fragen auf. Es gab in Heiligendamm ein Herrenbad ganz im Osten in Höhe des Golfteiches und ein Damenbad unterhalb des Alexandrinencottages. Ein Kinderbad gab es nicht explizit, aber die Familien gingen mit den Kindern gern zur Steilküste, weil man dort viele Steine sammeln konnte. Der in die Ostsee fließende Bach zog schon damals kleine Staudammbauer an und für Kinder war der Strandsee zum Baden gut geeignet. Es gibt Postkarten, auf denen der Strand schon als „Kinderstrand“ bezeichnet wurde, als an solche allzu freizügigen Aktivitäten noch niemand dachte.

alle Bilder sind aus Rochow/Havermann: Bad Doberan

Gastronomie hat es offenbar an diesem Ort schon vor der DDR gegeben, der Imbiss „Zum Gespensterwald“ entstand als fester Bau zu DDR-Zeiten und sein Nachfolgerbau ist nach zwei Umbauten als „DECK Heiligendamm“ eröffnet worden. Direkt am öffentlichen Strandabgang bietet das Sonnen-Deck einen schönen Blick von der Steilküste auf die Ostsee.

Der Gespensterwald heißt übrigens wegen seiner verformten Bäume (Windflüchter) so, deren mystische Wirkung  besonders bei Nebel noch verstärkt wird. Da niemand den Namen für sich pachten kann, heißen sowohl der eigentlich namentlich „Kleiner Wohld“ heißende Wald in Heiligendamm, als auch der Wald in Nienhagen so, für den es keinen anderen Namen gibt.

 

Golfplatz und Tennisplätze

Erwähnenswert ist auch der 1925 eröffnete Golfplatz, der im Zuge der Bodenreform in der DDR aufgegeben werden musste. Er befand sich im Prinzip um den Golfteich herum, der darum so genannt wird.

Rochow/Havermann: Bad Doberan

Wo heute die Autofahrer auf dem Saisonparkplatz Geld in Schlitze stecken, stießen damals Golfer Bälle in Löcher und das auf internationalem Niveau, denn der 9-Loch-Platz war ein Turnierplatz.

Postkarte, Beckmann

Auch die Tennisplätze hatten Weltniveau. Sie befanden sich angrenzend an die Gärten der Villen „Sporn“ und „Adler“ und auf ihnen wurden Lawn-Turniere ausgetragen.

Zusammen mit dem Schießplatz, einer Kegelbahn und sonstigen Sportstätten war dieser damals nicht so stark wie heute bewaldete Bereich das Sportzentrum Heiligendamms. Heute spielen die Heiligendammer Gäste Golf im Ostsee Golf Resort Wittenbeck und Tennis am Ortsrand am Forsthaus:

Zu DDR-Zeiten standen im Großen Wohld außer dem erwähnten Jagdhaus und Forstferienheim auch ein Anglerheim und ein Klärwerk. Zwischen dem Bahnhof und den Eiskellern gab es zudem zu DDR-Zeiten einen Bauhof und am Kinderstrand eine Strandsauna.

 

Das waren alle Bauten Heiligendamms, die sich heute noch nachvollziehen lassen.

Eine ausführliche Gebäudedatenbank ist in Arbeit. Ich hoffe, Ihnen mit dieser kleinen Häuserkunde einen Einblick in die Baugeschichte der Weißen Stadt am Meer geben zu können, der größer ist, als es in den Stadtführungen möglich ist.

Wenn Sie mal wieder Fragezeichen in den Augen anderer sehen oder mal wieder wilde Spekulationen um die Geschichte und Nutzung oder den Grund des Leerstandes von Häusern in Heiligendamm sehen, dann geben Sie doch einfach diesen Link weiter: https://erstes-seebad.de/hauskunde-heiligendamm oder teilen Sie ihn hier: